{"id":10202,"date":"2020-07-26T22:04:34","date_gmt":"2020-07-26T21:04:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=10202"},"modified":"2020-07-26T22:04:53","modified_gmt":"2020-07-26T21:04:53","slug":"j-baggesen-andachtshymne","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10202","title":{"rendered":"J. Baggesen: Andachtshymne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jens Baggesen: Andachtshymne <\/strong>(<em>Auf der Spitze des Gotthards<\/em>).<\/p>\n<p>In: Jens Baggesens Werke in deutscher Sprache, 2. Band, Brockhaus, Leipzig 1836, S. 26\u201329.<\/p>\n<p>Dich, des Lebenden Born, der Geister verborgener Urquell,<br \/>\nAller Gr\u00fcnd&#8216; unforschlicher Grund, und Beginner des Anfangs,<br \/>\nDen die verschiedenen Zungen gesamt anbeten: Jehova!<br \/>\nTien! Allah! Gott! Dich, Ewiger! Gro\u00dfer! O Erster!<br \/>\n<strong>5<\/strong> Preise die stammelnde Lipp&#8216; in des Alls lobsingendem Einklang!<br \/>\nGro\u00df, dir gleich im kleinsten Atom, und im Ganzen des Weltalls,<br \/>\nZeigst du dich in der Perle des Taus am zitternden Halme<br \/>\nHier auf der Erde, wie dort in der Siriussonne, die rastlos<br \/>\nRund um den ewig beharrenden Pol durch \u00e4therische W\u00fcsten<br \/>\n<strong>10<\/strong> Ringsum strahlende Kreise der rollenden Welten im Schwung dreht!<br \/>\nGro\u00df im Gefl\u00fcge, des Jahr&#8216; ein Tag schon reift, und im Seraph,<br \/>\nDer von dem obersten Gipfel herab der \u00c4onengebirge<br \/>\nTief auf den nimmer versiegenden Strom der Zeiten den Blick senkt.<br \/>\nO du Gr\u00f6\u00dfter! Der Zeit und des Raums allwaltende F\u00fclle!<br \/>\n<strong>15<\/strong> Darf auch ein Sterblicher nahn dir, Namenloser!, ein Lob dir<br \/>\nStammelnd? Dir? Den selbst mit ewigen Worten der Himmel<br \/>\nNimmer zu nennen vermag! \u2013 Wenn deiner verborgenen Allmacht<br \/>\nIhm enth\u00fcllete Tiefe den Strom des brausenden Weltalls,<br \/>\nO! nur ein Tropfen im Meere!, verschlingt, blickt nieder der Engel<br \/>\n<strong>20<\/strong> H\u00f6chster, und schweigt anbetend. Er selbst, den meine Gedanken<br \/>\nKaum noch erreichen, verstummt von ewigem Schauer durchdrungen.<br \/>\nWas denn vermag mein nichtiger Staub, ohnm\u00e4chtiger K\u00fchnheit?<br \/>\nGott! Ich sink&#8216;, ich verschwind&#8216;, ich vergehe vor dir! \u2013 Und doch dies selbst,<br \/>\nDieses Gef\u00fchl, zu versinken vor dir in erhabner Bewundrung!,<br \/>\n<strong>25<\/strong> Hebt mich mehr als das H\u00f6chste der Erd&#8216;; und das Knien vor dir ist<br \/>\nMeiner Begeisterung schwindlichstes Ziel, mein stolzestes Steigen!<br \/>\nSchauer (o selige! mehr als irdische Wonnen geliebt mir!),<br \/>\nSchauer des Himmels durchdringen mich hier in der \u00d6de der Sch\u00f6pfung.<br \/>\nNahe den zuckenden Blitzen, umdr\u00f6hnt von Donnergeroll rings,<br \/>\n<strong>30<\/strong> Hoch auf dem einsam erhabenen Fels, am schwindlichten Rande<br \/>\nDes in verborgener Tiefe der Schlucht dumpfbrausenden Abgrunds,<br \/>\nF\u00fchl&#8216; ich in hoher Entz\u00fcckung die Kraft, die jeder Gewalt trotzt,<br \/>\nKracht&#8216; auch ein auf den Tr\u00fcmmern der Welt des Himmels Azurdom.<br \/>\nO! Wie verschwindet in diesem Gef\u00fchl der zagende Kleinmut!<br \/>\n<strong>35<\/strong> O! Wie versinkt, als h\u00fcbe sich hoch, hoch \u00fcber den Erdstaub<br \/>\nK\u00f6rperentfesselt die Seele, der niederen Sinne Empfindung!<br \/>\nO! Wie vergeht die verg\u00e4ngliche Luft! Wie z\u00fcndet des Himmels<br \/>\nHeilige Flamme mein Herz! Allm\u00e4chtiger! Hier, an des Lebens<br \/>\nGrenze, wo ringsum starrt des Entsetzens schweigende Heimat,<br \/>\n<strong>40<\/strong> In der unendlichen \u00d6de des Raums, auf der luftigen Spitze<br \/>\nMeines verwitterten Felsens, umst\u00fcrmt von der Wolken Zerschmettrung,<br \/>\nSteh&#8216; ich verloren, ein Nichts; und erhebe zu dir, in der Demut<br \/>\nAndacht, meine gefalteten H\u00e4nd&#8216;: O Vater! O willst du,<br \/>\nEinst wenn zur Erde versinkt mein Staub, nur dies mir erhalten,<br \/>\n<strong>45<\/strong> Dies anbetende Wonnegef\u00fchl, das ewig nur dich sucht!<br \/>\nHerr! Ja, du willst! Dein Wille geschah! Dein Wille geschehe!<br \/>\nDu, du lebst in diesem Gebet! Du schufst; und die Seele<br \/>\nFleht&#8216; um ewiges Sein. Stirb, Tod! In der Gr\u00e4ber Verwesung,<br \/>\nTief in der \u00d6de der Nacht, wo Cherube verstummten, und Seraph-<br \/>\n<strong>50<\/strong> Stimmen schwiegen erstarrt, wo des Altars Lampen erloschen,<br \/>\nSelbst auch der Altar sank, und das Buch des ge\u00f6ffneten Himmels,<br \/>\nWieder zusammengetan, wegrollete, funkelt der Andacht<br \/>\nGottentz\u00fcndetes Licht. Vergehn auch Erden und Himmel,<br \/>\nSt\u00fcrzt auch ins Chaos zur\u00fcck mein Staub, und der prangende Weltbau,<br \/>\n<strong>55<\/strong> Stirbt doch nimmer erl\u00f6schend, o Gott! der Funken, den selbst du<br \/>\nFachtest zur Flamm&#8216; im Gebet des treu dich glaubenden Herzens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jens Baggesen: Andachtshymne (Auf der Spitze des Gotthards). In: Jens Baggesens Werke in deutscher Sprache, 2. 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