{"id":10240,"date":"2020-07-28T19:42:54","date_gmt":"2020-07-28T18:42:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=10240"},"modified":"2020-07-28T19:43:42","modified_gmt":"2020-07-28T18:43:42","slug":"a-v-platen-die-fischer-auf-capri","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10240","title":{"rendered":"A. v. Platen: Die Fischer auf Capri"},"content":{"rendered":"<p><strong>August von Platen: Die Fischer auf Capri<\/strong><br \/>\nIn: August von Platen, Werke, Band 1: Lyrik, M\u00fcnchen 1982, S. 533f.<\/p>\n<p>Hast du Capri gesehn und des felsenumg\u00fcrteten Eilands<br \/>\nSchroffes Gestad als Pilger besucht, dann wei\u00dft du, wie selten<br \/>\nDorten ein Landungsplatz f\u00fcr nahende Schiffe zu sp\u00e4hn ist:<br \/>\nNur zwei Stellen erscheinen bequem. Manch m\u00e4chtiges Fahrzeug<br \/>\n<strong>5<\/strong> Mag der ger\u00e4umige Hafen empfahn, der gegen Neapels<br \/>\nLieblichen Golf hindeutet und gegen Salerns Meerbusen.<br \/>\nAber die andere Stelle (sie nennen den kleineren Strand sie)<br \/>\nKehrt sich gegen das \u00f6dere Meer, in die wogende Wildnis,<br \/>\nWo kein Ufer du siehst als das, auf welchem du selbst stehst.<br \/>\n<strong>10<\/strong> Nur ein geringeres Boot mag hier anlanden, es liegen<br \/>\nFelsige Tr\u00fcmmer umher, und es braust die best\u00e4ndige Brandung.<br \/>\nAuf dem erh\u00f6hteren Felsen erscheint ein zerfallenes Vorwerk,<br \/>\nMit Schie\u00dfscharten versehn; seis, dass hier immer ein Wachtturm<br \/>\nRagte, den offenen Strand vor Algiers Flagge zu h\u00fcten,<br \/>\n<strong>15<\/strong> Die von dem Eiland oft Jungfrauen und J\u00fcnglinge wegstahl;<br \/>\nSeis, dass gegen den Stolz Englands und erfahrene Seekunst<br \/>\nErst in der j\u00fcngeren Zeit es erbaut der Napoleonide,<br \/>\nDem Parthenope sonst ausspannte die Pferde des Wagens,<br \/>\nIhn dann aber verjagte, verriet, ja t\u00f6tete, seit er<br \/>\n<strong>20<\/strong> Ans treulose Gestad durch schmeichelnde Briefe gelockt ward.<br \/>\nSteigst du herab in den sandigen Kies, so gewahrst du ein Felsst\u00fcck<br \/>\nNiedrig und platt in die Wogen hinaus Trotz bieten der Brandung;<br \/>\nDort anlehnt sich mit rundlichem Dach die bescheidene Wohnung<br \/>\nD\u00fcrftiger Fischer, es ist die entlegenste H\u00fctte der Insel,<br \/>\n<strong>25<\/strong> Blo\u00df durch riesige Steine gesch\u00fctzt vor st\u00fcrmischem Andrang,<br \/>\nDer oft \u00fcber den Sand wegsp\u00fclt und die Schwelle benetzt ihr.<br \/>\nKaum hegt, irgend umher, einfachere Menschen die Erde;<br \/>\nJa kaum hegt sie sie noch, es ern\u00e4hrt sie die sch\u00e4umende Woge.<br \/>\nNicht die Gefilde der Insel bewohnt dies arme Geschlecht, nie<br \/>\n<strong>30<\/strong> Pfl\u00fcckt es des \u00d6lbaums Frucht, nie schlummert es unter dem Palmbaum:<br \/>\nNur die verwilderte Myrte noch bl\u00fcht und der wuchernde Kaktus<br \/>\nAus unwirtlichem Stein, nur wenige Blumen und Meergras;<br \/>\nEher verwandt ist hier dem gewaltigen Schaumelemente<br \/>\nAls der beackerten Scholle der Mensch und dem \u00fcppigen Saatfeld.<br \/>\n<strong>35<\/strong> Gleiches Gesch\u00e4ft erbt stets von dem heutigen Tage der n\u00e4chste:<br \/>\nImmer das Netz auswerfen, es einziehn; wieder es trocknen<br \/>\n\u00dcber dem sonnigen Kies, dann wieder es werfen und einziehn.<br \/>\nHier hat fr\u00fche der Knabe versucht in der Welle zu pl\u00e4tschern,<br \/>\nFr\u00fche das Steuer zu drehen gelernt und die Ruder zu schlagen,<br \/>\n<strong>40<\/strong> Hat als Kind mutwillig gestreichelt den rollenden Delphin,<br \/>\nDer, durch T\u00f6ne gelockt, an die Barke heran sich w\u00e4lzte.<br \/>\nM\u00f6g&#8216; euch Segen verleihen ein Gott, samt jeglichem Tagwerk,<br \/>\nFriedliche Menschen, so nah der Natur und dem Spiegel des Weltalls!<br \/>\nM\u00f6ge, da gr\u00f6\u00dferen Wunsch euch nie die Begierde gelispelt,<br \/>\n<strong>45<\/strong> M\u00f6ge der Thunfisch oft, euch Beute zu sein, und der Schwertfisch<br \/>\nHier anschwimmen! Es liebt sie der Esser im reichen Neapel.<\/p>\n<p>Gl\u00fcckliche Fischer! Wie auch Kriegsst\u00fcrme verwandelt den Erdkreis,<br \/>\nFreie zu Sklaven gestempelt und Reiche zu D\u00fcrftigen, ihr nur<br \/>\nSaht hier Spanier, saht hier Briten und Gallier herrschen,<br \/>\n<strong>50<\/strong> Ruhig und fern dem Get\u00f6se der Welt, an den Grenzen der Menschheit,<br \/>\nZwischen dem schroffen Gekl\u00fcft und des Meers anschwellender Salzflut.<br \/>\nLebet! Es lebten wie ihr des Geschlechts ur\u00e4lteste V\u00e4ter,<br \/>\nSeit dies Eiland einst vom Sitz der Sirene sich losriss,<br \/>\nOder die Tochter Augusts hier s\u00fc\u00dfe Verbrechen beweinte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>August von Platen: Die Fischer auf Capri In: August von Platen, Werke, Band 1: Lyrik, M\u00fcnchen 1982, S. 533f. Hast du Capri gesehn und des felsenumg\u00fcrteten Eilands Schroffes Gestad als Pilger besucht, dann wei\u00dft du, wie selten Dorten ein Landungsplatz f\u00fcr nahende Schiffe zu sp\u00e4hn ist: Nur zwei Stellen erscheinen bequem. Manch m\u00e4chtiges Fahrzeug 5&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10240\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in A. v. Platen: Die Fischer auf Capri<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":10217,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-10240","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10240"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10241,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10240\/revisions\/10241"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10217"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}