{"id":10261,"date":"2020-07-30T05:59:44","date_gmt":"2020-07-30T04:59:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=10261"},"modified":"2020-07-30T06:01:22","modified_gmt":"2020-07-30T05:01:22","slug":"w-v-neubeck-hymnus-an-nemesis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10261","title":{"rendered":"W. V. Neubeck: Hymnus an Nemesis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hymnus an Nemesis<\/strong><\/p>\n<p><em>In: Wilhelm Valerius Neubeck, Die Gesundbrunnen, 2. Auflage, G\u00f6schen, Leipzig 1809, S. 121-124.<\/em><\/p>\n<p>Nemesis, \u00e4lteste G\u00f6ttin, der welterhaltenden Ordnung<br \/>\nMutter, dem \u00dcbelt\u00e4ter uns\u00fchnbar, aber dem Guten<br \/>\nGn\u00e4dig und hold, dich preist mein Lied. Wo find&#8216; ich den Tempel,<br \/>\nWo den erhabnen Altar, der dir, o Hehre, geweiht ist?<br \/>\n<strong>5<\/strong> Ist das Weltall selber vielleicht dein ewiger Tempel?<br \/>\nUnd verk\u00fcndigen dort die leuchtenden Sonnenheere<br \/>\nDeine Gesetze? Verehren die Geister dich \u00fcber den Sternen,<br \/>\nWo du geheimnisvoll auch \u00fcber die Uranionen<br \/>\nWaltest? \u2013 Dich anzubeten, mit reinem Herzen, verg\u00f6nne,<br \/>\n<strong>10<\/strong> Erfurchtw\u00fcrdige G\u00f6ttin, dem Sterblichen. Hier in mir selber,<br \/>\nHier in des Geistes Tiefen vernehm&#8216; ich, heilige Macht, dich.<br \/>\nJa, du bist es, ich ahne die furchtbare N\u00e4he der Gottheit.<br \/>\nSiehe, die ernste gerecht abw\u00e4gende Nemesis f\u00fchl&#8216; ich<br \/>\nHier in der eigenen Brust. Du bist es, welche dem Menschen<br \/>\n<strong>15<\/strong> Zuruft: \u201eLerne, gewarnt, recht tun, und verachte den Gott nicht,<br \/>\nDer in dem Herzen dir wohnt.\u201c Mutwillig Frevelnde st\u00fcrzet<br \/>\nDeine Gewalt in den Staub. Graunvoll, wie am heiteren Himmel<br \/>\nPl\u00f6tzlich ein Wetter sich w\u00f6lkt, umf\u00e4ngt den sichern Verbrecher<br \/>\nSchnelles gefl\u00fcgeltes Weh. Doch schuldlos leidende Tugend<br \/>\n<strong>20<\/strong> Reinigest du vor dem Volk, und im Glanz unlauterer Sch\u00f6ne<br \/>\nLebt sie, den Himmlischen \u00e4hnlich, ihr seliges Leben auf Erden.<br \/>\nWer, unschuldig zum Tode verurteilt, rein von der S\u00fcnde,<br \/>\nStarb, und sterbend vergab den Richtenden, volle Vergeltung<br \/>\nHarret sein \u00fcber den Urnen in friedsamen Hainen der Wonne;<br \/>\n<strong>25<\/strong> Denn du f\u00fchrest ihn selbst in Elysium unter dem P\u00e4an<br \/>\nHochfrohlockender Ch\u00f6r&#8216; im Triumph ein. Nemesis richtet<br \/>\n\u00dcber die Toten und \u00fcber die Lebenden. Keiner entrinnet<br \/>\nIhren verh\u00e4ngnisvollen Entscheidungen. Ernste Vergeltung<br \/>\n\u00dcbt sie geheim, und wacht im Verborgenen lohnend und strafend.<br \/>\n<strong>30<\/strong> Schwer b\u00fcsst jede vermessne Begier dem strengsten Gewissen.<br \/>\nWas sie zu s\u00fcndigen wagt. Zu t\u00e4uschen vermag ihr den Blick nicht<br \/>\nSchn\u00f6der Verheimlichung H\u00fclle. Die leiseste Spur der Gedanken<br \/>\nAuszukunden, erforscht sie das Innerste alles Erschaffnen.<\/p>\n<p>Welch ein Opfergeschenk, Untr\u00fcgliche, ehret dich w\u00fcrdig?<br \/>\n<strong>35<\/strong> Mehr denn Festhekatomben gef\u00e4llt dem\u00fctige Sitte,<br \/>\nMehr die stille bescheidene Tat der Vergelterin Auge.<br \/>\nWer mit kindlichem Sinn und ger\u00e4uschlos wirket das Gute,<br \/>\nLegt auf Nemesis reinen Altar den erlesensten Weihrauch.<\/p>\n<p>Dir, ratgebende G\u00f6ttin, gerad urteilende, huldigt<br \/>\n<strong>40<\/strong> Jede das Leben versch\u00f6nende Kunst. Dem Geweihten vernehmbar<br \/>\nWaltest du ob dem Gesange der heiligen Musen, bestimmest<br \/>\nMa\u00df und Verhalt den T\u00f6nen der goldenen Leier, und ordnest<br \/>\nZum anmutigen Reigen den Tanz der Chariten. Deinem<br \/>\nWinke gehorchend, erwirbt der Vollendung Palme der K\u00fcnste<br \/>\n<strong>45<\/strong> Herrlicher Chor, und ewiger Ruhm kr\u00f6nt ihre Gebilde.<\/p>\n<p>Selig die K\u00f6nige, welche die heilige Regel der Mitte<br \/>\nNicht missachten, dir selbst an Gerechtigkeit \u00e4hnlich und Milde.<br \/>\nWeithin sehn sie die St\u00e4dte von ordnungsliebenden B\u00fcrgern<br \/>\nVoll aufbl\u00fchn, und nimmer emp\u00f6rt Unfriede die V\u00f6lker.<br \/>\n<strong>50<\/strong> Gl\u00fccklich preis&#8216; ich vor allem den Mann, der, fromm dich verehrend,<br \/>\nUnter sein Dach dich ruft, und im Heiligtum seiner Penaten<br \/>\nDich um Heil und Frieden und reine Gesinnungen anfleht.<br \/>\nWas er wirket, gelingt, und was er pflanzet, erfreuest<br \/>\nDu mit Gedeihn, und es bl\u00fchet in Segensf\u00fclle das Haus ihm.<\/p>\n<p><strong>55<\/strong> Deinem Gericht, o du, der Unscham Hasserin, werden<br \/>\nAlle dereinst heimfallen, die k\u00fchnen Entheiliger deiner<br \/>\nGottheit, alle Tyrannen und Unterjocher der Menschheit.<br \/>\nToren, vom Gl\u00fccke berauscht! Auf schwindelnder H\u00f6he verdunkelt<br \/>\nNemesis ihnen den Blick, und, gleich Nachtwandlern, zum Abgrund<br \/>\n<strong>60<\/strong> Taumeln sie. Ob den Nacken der \u00dcberm\u00fctigen schreitet<br \/>\nSie zum Verderben daher. Den Fluch der Entscheiderin: spurlos<br \/>\nUnterzugehn, ihn zu wenden vermag kein Gott von den stolzen<br \/>\nWerken der Sterblichen, denen die Allgewaltige z\u00fcrnet.<\/p>\n<p>Dein ist, Hohe, die Macht, zu ebenen alles, und jeden<br \/>\n<strong>65<\/strong> Missklang aufzul\u00f6sen in Wohlklang. Heiliger Ordnung<br \/>\nZ\u00fcgel in sicherer Hand, lenkst du feindselige Kr\u00e4fte<br \/>\nZum endg\u00fcltigen Ziele. Den Aufruhr wilder Begierden<br \/>\nS\u00e4nftigest du, und mit dem siegenden Reiz entsteigt den gestaltlos<br \/>\nWogenden Schaum an das heilige Licht die himmlische Liebe.<\/p>\n<p><strong>70<\/strong> Schaffe mir lauteren Sinn, allwaltende furchtbare G\u00f6ttin!<br \/>\nLauteren Sinn, und ein Herz, das rein von der Schuld sich bewahre!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hymnus an Nemesis In: Wilhelm Valerius Neubeck, Die Gesundbrunnen, 2. Auflage, G\u00f6schen, Leipzig 1809, S. 121-124. Nemesis, \u00e4lteste G\u00f6ttin, der welterhaltenden Ordnung Mutter, dem \u00dcbelt\u00e4ter uns\u00fchnbar, aber dem Guten Gn\u00e4dig und hold, dich preist mein Lied. Wo find&#8216; ich den Tempel, Wo den erhabnen Altar, der dir, o Hehre, geweiht ist? 5 Ist das Weltall&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10261\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in W. V. Neubeck: Hymnus an Nemesis<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":10194,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-10261","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10261","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10261"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10261\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10263,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10261\/revisions\/10263"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}