{"id":10268,"date":"2020-07-30T23:07:47","date_gmt":"2020-07-30T22:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=10268"},"modified":"2020-07-30T23:08:06","modified_gmt":"2020-07-30T22:08:06","slug":"k-l-v-knebel-hymnus-an-selene","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10268","title":{"rendered":"K. L. v. Knebel: Hymnus an Selene"},"content":{"rendered":"<p><strong>Karl Ludwig von Knebel: Hymnus an Selene<\/strong><br \/>\n<em>In: K. A. Varnhagen von Ense und Th. Mundt (Hrsg.): Karl Ludwig von Knebel, Literarischer Nachlass und Briefwechsel, erster Band, Reichenbach, Leipzig 1835, S. 5-7.<\/em><\/p>\n<p>Dich auch will ich begr\u00fc\u00dfen im feiernden Tone des Liedes,<br \/>\nHolde Gespielin der Nacht, Vertraute schweigender Stunden,<br \/>\nF\u00fchrerin jenes Chors, der n\u00e4chtlich leuchtet am Himmel,<br \/>\nGl\u00e4nzender Spiegel des Tags, du helle Knospe der Erde!<\/p>\n<p><strong>5<\/strong> Zwar die Ver\u00e4nderlichste von allen bist du; denn immer<br \/>\nWechselt die hohe Gestalt, und zeigt und bildet sich anders:<br \/>\nAber du bist die Sch\u00f6nste, der Himmelst\u00f6chter die sch\u00f6nste.<\/p>\n<p>Hat sich der m\u00fcde Tag nun unter Rosen begraben,<br \/>\nUnd die Fackel des Lichtes der unteren Erde gesendet,<br \/>\n<strong>10<\/strong> Steigst du empor an der B\u00fchne des Himmels, ein gl\u00e4nzender Lichtball,<br \/>\nUnd umwebest mit Gold die breiten S\u00e4ume des \u00c4thers.<\/p>\n<p>Immer herrlicher w\u00e4chst der gl\u00e4nzende Strahl, bis er endlich<br \/>\n\u00dcber des Waldgebirgs erhabenen Gipfeln hervorbricht,<br \/>\nUnd ins d\u00e4mmernde Tal die lichten Fluten ergie\u00dfet.<br \/>\n<strong>15<\/strong> Wundergestalten verbreiten sich hier, in der N\u00e4h&#8216;, in der Ferne;<br \/>\nStrecken in Riesenschatten sich aus, umschweben des Waldsees<br \/>\nSchimmerzerflossenen Duft, und leuchten und spr\u00fchen in Funken<br \/>\nVon dem gie\u00dfenden Bach, und lauschen im d\u00fcstern Gestr\u00e4uche.<\/p>\n<p>Welch ein magischer Glanz erf\u00fcllt und begeistert die Gegend!<br \/>\n<strong>20<\/strong> Kommst du selber herab von deinem Himmel, o G\u00f6ttin?<br \/>\nUnter der Fichten hohem Gew\u00f6lb&#8216; erblick&#8216; ich mit Schauder<br \/>\nSchon dein Drachengespann. Wie funkeln die quellenden Augen,<br \/>\nUnd der schuppige Leib! Wie leuchtet der goldene Wagen!<br \/>\nSelige G\u00f6ttin, komm! In deinen Armen ist Friede,<br \/>\n<strong>25<\/strong> Und der bezaubernde Wahn, und Vergessenheit irdischer Dinge.<\/p>\n<p>Einsam hast du nunmehr den Thron des Himmels bestiegen,<br \/>\nHerrschend \u00fcber die Welt. In unverr\u00fccketer Heitre<br \/>\nSitzest du da, und sendest herab die tauigen Strahlen,<br \/>\nOder versammelst um dich den Hof lichtgk\u00e4nzender Wolken.<br \/>\n<strong>30<\/strong> Feierlich nahen sie sich in weitumkreisenden Haufen,<br \/>\nHuldigend still, o K\u00f6nigin, dir! Oft schickst du den Westwind<br \/>\nUnter sie, und er verjagt ihr d\u00fcnnzerflie\u00dfend Gewebe,<br \/>\nF\u00e4hrt sie in buntem Glanz an deinem Lichte vor\u00fcber.<br \/>\nDann auch scheinest du selbst ein leichteres Spiel zu beginnen,<br \/>\n<strong>35<\/strong> Schl\u00fcpfest unter sie hin, und erscheinst und verbirgest dich wieder.<\/p>\n<p>Wer kann alle sie singen, die Freuden, die du gew\u00e4hrest?<br \/>\nZahllos sind die Geschenke der Ewigen: Sie zu verehren<br \/>\nIst der Sterblichen Pflicht, zu preisen in ewigen Hymnen.<\/p>\n<p>Gro\u00df ist \u00fcber die Welt die Macht des herrlichen Titans,<br \/>\n<strong>40<\/strong> Und er rufet die Wesen hervor, und belebet sie alle:<br \/>\nAber den Zepter der Macht verlieh er der Schwester, damit sie<br \/>\nMilder dieselbe beherrsche. Wer w\u00fcrde die Einsame loben,<br \/>\nWer ihr finsteres Reich und die dunkeln verlassenen Schatten,<br \/>\nWann nicht sie sie erfreute mit Licht, sie durch Wechsel erg\u00f6tzte?<br \/>\n<strong>45<\/strong> Immer gehorchend folgt sie daher dem Winke des Bruders,<br \/>\nLeihet von ihm den schimmernden Glanz; doch hat sie den Einfluss<br \/>\nIn sein m\u00e4chtiges Reich durch sanftere Wechsel erhalten;<br \/>\n\u00c4ndert der Winde bewegliches Chor, gebietet den St\u00fcrmen,<br \/>\nUnd l\u00e4sst heitere Luft und milde Regen hervorgehn.<\/p>\n<p><strong>50<\/strong> Muse des denkenden Mannes, du, meine Freundin, wie oftmals<br \/>\nH\u00e4ngt mein Blick noch an dir un mittern\u00e4chtlichen Stunden!<br \/>\nAuf von den Schatten der Erde, den tr\u00fcben verworrenen Schatten,<br \/>\nZiehst du mich hin zu Gefilden des reinen \u00e4therischen Himmels:<br \/>\nLeite mich oft uzu dir in die lichtdurchwalleten Fluren!<br \/>\n<strong>55<\/strong> Bist du auch, was sie sagen, ein Land, mit Bergen und T\u00e4lern<br \/>\nAusgeschm\u00fcckt, und gleich der niedern bewohneten Erde:<br \/>\nF\u00fchre mich hin von dem Schutt der schon veraltenden Erde,<br \/>\nK\u00fcnftig hinauf zu dir, in die neubelebeten Sitze:<br \/>\nF\u00fchre mich, wenn du sie hast. in die stillen Auen des Friedens!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Ludwig von Knebel: Hymnus an Selene In: K. A. Varnhagen von Ense und Th. Mundt (Hrsg.): Karl Ludwig von Knebel, Literarischer Nachlass und Briefwechsel, erster Band, Reichenbach, Leipzig 1835, S. 5-7. Dich auch will ich begr\u00fc\u00dfen im feiernden Tone des Liedes, Holde Gespielin der Nacht, Vertraute schweigender Stunden, F\u00fchrerin jenes Chors, der n\u00e4chtlich leuchtet&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10268\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in K. L. v. Knebel: Hymnus an Selene<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":10194,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-10268","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10268"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10269,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10268\/revisions\/10269"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}