{"id":10272,"date":"2020-08-01T08:08:48","date_gmt":"2020-08-01T07:08:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=10272"},"modified":"2020-08-01T08:09:17","modified_gmt":"2020-08-01T07:09:17","slug":"c-p-conz-sokrates-hymne-an-apollon","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10272","title":{"rendered":"C. P. Conz: Sokrates Hymne an Apollon"},"content":{"rendered":"<p><strong>Carl Philipp Conz: Sokrates Hymne an Apollon, im Kerker<\/strong><br \/>\n<em>In: Carl Philipp Conz, Gedichte, Band 1, Laupp, T\u00fcbingen 1818, S. 153-156.<\/em><\/p>\n<p>Zeus hochherrlicher Sohn und Leto&#8217;s, der du in Pytho<br \/>\nThronst und Delos umschirmst, und die Leier spannst wie den Bogen,<br \/>\nSo denn die G\u00f6tter und Menschen erquickst mit deinem Gesange,<br \/>\nWie du Kunden uns lehrst tief auserforscheter Weisheit;<br \/>\n<strong>5<\/strong> Dir, Untr\u00fcglicher, Heil! Wahrhaftiger, Ewiger, Heil dir!<br \/>\nWie du in Spr\u00fcchen mich oft zu dienen der Muse gewarnt hast,<br \/>\nDer ich glaubte zu dienen bisher mit Leben und Lehre,<br \/>\nOb des Warnenden, Mahnenden Sinn ich richtig verstanden,<br \/>\nNun denn, ich wag&#8216; es, ein Greis, ein gebundener Greis, ungeweiht noch<br \/>\n<strong>10<\/strong> In die t\u00f6nende Kunst versuch&#8216; ich die T\u00f6ne der Muse,<br \/>\nJetzt ein singender, sterbender Schwan, ich bringe das Erstlings-<br \/>\nOpfer zum Opfer dir dar, o lass willkomm dir das Lied sein!<br \/>\nWas du immer mir selber gelehrt, fromm lehrt&#8216; ich&#8217;s den Menschen,<br \/>\nTreu dem leitenden Geist, den du mir zum F\u00fchrer gesellt hast;<br \/>\n<strong>15<\/strong> Willig gab ich mich hin dem von innen mit heiliger Hand mich<br \/>\nBildenden, freudiges Sinns, einf\u00e4ltig mit stillem Gehorsam;<br \/>\nDenn vom Herzen ja nur und aus der Geheimnisse Tiefen<br \/>\nUns&#8217;rer ergriffenen Brust, wenn der sch\u00f6pf&#8217;rische Funke sie aufregt,<br \/>\n\u00dcber der s\u00fc\u00dfen Gewalt und dem Hauche begeisterter Liebe<br \/>\n<strong>20<\/strong> Keimet der Wahrheit himmlische Blum&#8216;, an die nicht der Tod reicht,<br \/>\nSprosst die ambrosische Frucht der gewissen, der festen Erkenntnis,<br \/>\nSch\u00f6n, wie ihr Urbild dort in Kronions seligen G\u00e4rten;<br \/>\nK\u00f6stliche n\u00e4hrende Frucht, die das Leben durchdringt und zum echten<br \/>\nLeben allein zu bilden vermag, wie vom Leben sie abstammt.<br \/>\n<strong>25<\/strong> Welcherlei Blumen und Fr\u00fcchte, wenn nicht aus diesen Gefilden,<br \/>\nDiesem Boden, benetzt von dem himmlischen Taue des Himmels<br \/>\nMorgenlippen gek\u00fcsst, sich m\u00f6gen erziehen die Menschen,<br \/>\nUm zu schm\u00fccken damit, um damit zu beraten das Leben:<br \/>\nAlles andr&#8216; ist nur glei\u00dfender Schein, nur Farbe, Gestalt nur,<br \/>\n<strong>30<\/strong> Die aufschimmernd vergeh&#8217;n, ermangelnd des seligen Wesens.<br \/>\nD&#8217;rum, weil blendend die L\u00fcge verstrickt die meisten der Menschen,<br \/>\nUnd der tr\u00fcg&#8217;rische Wahn mehr gilt vor der Menge denn Wissen,<br \/>\nWeil sie den L\u00fcsten verkauft, und der eignen Torheit zur Beute,<br \/>\nMehr des Schwindenden, Eitlen sich freu&#8217;n denn des bleibenden Wahren,<br \/>\n<strong>35<\/strong> Fern abirrend vom heiligen Ziel des unendlichen Lebens,<br \/>\nDas, an die Scholle gebannt, nach der k\u00e4rglichen Scholle sie messen,<br \/>\nDie vom Tag der Geburt hinschleicht bis zur Stunde des Todes;<br \/>\nDarum, lebenerweckender Geist, du Geber des Tages,<br \/>\nGlaubt&#8216; ich von dir mich erseh&#8217;n, dem Tag sie entgegen zu f\u00fchren,<br \/>\n<strong>40<\/strong> Aus der umw\u00f6lkenden Nacht, und dem Guten und Wahren zu st\u00e4rken,<br \/>\nWecker des schlummernden Geistes allein, nicht gebietender Lenker,<br \/>\nUnd die Liebe zu dir, in den Herzen am meisten der regen<br \/>\nJ\u00fcnglinge sanft zu beleben mit Wort und ermunterndem Beispiel.<br \/>\nDies bestraft nun mein Volk und du f\u00fchrst zum Tod mich auf diesem<br \/>\n<strong>45<\/strong> Weg; ich folge, du willst&#8217;s, ich folge dir, Herrlicher, freudig.<br \/>\nJa, du hast mir erf\u00fcllt mein Gebet an den Wassern Ilyssos,<br \/>\nDas ich erhob zu dir und zu Pan, und den seligen Nymphen:<br \/>\n\u201eWas ich Sch\u00f6nes mir w\u00fcnsch&#8216;, es reize durch Farbe des Leibes<br \/>\nAuge mir nicht, es erquicke durch Ma\u00df und Ruhe das inn&#8217;re,<br \/>\n<strong>50<\/strong> Wohn&#8216; im Herzen mir nur und keim&#8216; aus den Tiefen des Herzens,<br \/>\nWas fremdher vor die Sinnen mir kommt, es stimme dem Innern!<br \/>\nReich nur sei mir der Weise, mein Schatz sei das himmlische Gold nur!\u201c<br \/>\nJa, du hast mir mein Leben gekr\u00f6nt mit G\u00fctern der F\u00fclle,<br \/>\nUnd mit Blumen auch sollst du meinen Tod mir noch kr\u00f6nen,<br \/>\n<strong>55<\/strong> Dass ich sterbend noch dir und der Wahrheit zeug&#8216; und der Sch\u00f6nheit,<br \/>\nDeinen unsterblichen, ewig im Kranz der frischesten Jugend<br \/>\nBl\u00fchenden Kindern, die dein, wie ihr sich der Vater, erfreuen,<br \/>\nWo sie vorm Throne des Zeus, von den seligsten Hymnen, den deinen<br \/>\nUnd von den Reigen der G\u00f6tter umfei&#8217;rt, durch die Ewigkeit leben.<br \/>\n<strong>60<\/strong> Ja, geleite dein Licht mich freudig hinab zu den Schatten,<br \/>\nUnd von den Schatten hinauf zum Lichte der Seligen! Heil dir!<br \/>\nHeil mir, weil du mich f\u00fchrst, ich folge dir, Herrlichster, freudig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carl Philipp Conz: Sokrates Hymne an Apollon, im Kerker In: Carl Philipp Conz, Gedichte, Band 1, Laupp, T\u00fcbingen 1818, S. 153-156. Zeus hochherrlicher Sohn und Leto&#8217;s, der du in Pytho Thronst und Delos umschirmst, und die Leier spannst wie den Bogen, So denn die G\u00f6tter und Menschen erquickst mit deinem Gesange, Wie du Kunden uns&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10272\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in C. P. 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