{"id":10319,"date":"2020-08-27T12:43:18","date_gmt":"2020-08-27T11:43:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=10319"},"modified":"2020-08-27T12:44:15","modified_gmt":"2020-08-27T11:44:15","slug":"h-j-v-collin-der-tanz-der-kumanen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=10319","title":{"rendered":"H. J. v. Collin: Der Tanz der Kumanen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In: Heinrich Joseph von Colllin&#8217;s s\u00e4mmtliche Werke, Vierter Band, Strau\u00df, Wien 1813, S. 245 \u2013 248; Teil von &#8222;Bruchst\u00fccke des Heldengedichts Rudolph von Habsburg&#8220;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dort im gr\u00fcnenden Tal, von waldigen Bergen umschlossen,<br>Traf Graf Hugo von Tauffers, in Mitte des prangenden Hofes,<br>Sitzend unter dem Zelt aus Rohrgeflechten gespannet,<br>Ladislaus der K\u00f6nig und Ava die Mutter des K\u00f6nigs,<br><strong>5<\/strong> Schauend den Tanz der Kumanen, der rauen Zeltebewohner,<br>Welche Bela berief ins Reich, und, ganz sie zu fesseln,<br>Ava sich anverm\u00e4hlte, die Tochter ihres Beherrschers;<br>Denn es bedurfte des kr\u00e4ftigen Arms der mutigen K\u00e4mpfer<br>Gegen Tataren-Wut, die weithin Hungarn verheerte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>10<\/strong> Als nun Hugo den K\u00f6nig gewahrte, wie eifrig im Anblick<br>Er versunken schien, nun kost mit kumanischen Weibern,<br>D\u00e4ucht&#8216; ihn das Beste zu sein, auf des Tanzes Ende zu warten,<br>Nicht zu st\u00f6ren die Lust, und des K\u00f6nigs Gem\u00fct zu verstimmen.<br>Ferne blieb er stehen, und sah dem feurigen Tanz zu.<br><strong>15<\/strong> Denn zur Rechten die M\u00e4nner gereiht, zur Linken die Weiber,<br>Schlugen sie, vorgebeugt den Leib, den Takt mit den H\u00e4nden<br>Sinnend, als pr\u00fcften sie erst die zur\u00fcckgehaltenen Kr\u00e4fte.<br>Aber nun kehrten sie schon einw\u00e4rts die Spitzen der F\u00fc\u00dfe,<br>Stie\u00dfen die Fersen zusamm&#8216;, dass die Sporne getroffen erklirrten;<br><strong>20<\/strong> Leis&#8216; und langsam zuerst, dann immer lauter und schneller.<br>Jetzt im Gef\u00fchl der Kraft, die losgebunden erwachte,<br>Schlugen die Waden sie rasch, stets wechselnd mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen,<br>Unter h\u00f6herem Sprung, und m\u00e4chtigerm Klirren der Sporne.<br>Und den gl\u00fchenden Mann ergreift unb\u00e4ndig die Lust nun<br><strong>25<\/strong> Nach des Weibes Besitz, er st\u00fcrmet gewaltsam auf sie los,<br>Vorgestreckt, geb\u00fcckt, mit weitausholenden Schritten;<br>Aber das kl\u00fcgere Weib hascht selbst den Mann bei dem Schnurrbart,<br>Welcher zu beiden Seiten des Kinns bis zur Brust ihm herabf\u00e4llt.<br>Langsam weicht er zur\u00fcck; doch l\u00e4sst das Weib nicht die Beute,<br><strong>30<\/strong> Fasset ihn kr\u00e4ftiger an, und zieht ihn nach eigenem Willen.<br>Jetzo zu Paaren gestellt, in eine Kette verschlungen,<br>Wirbelt und schlingt sich der Zug in wilden bachhantischen Reihen.<br>Wieder rei\u00dfen sie los, und st\u00fcrzen, die Beine gespalten,<br>Auf den Boden nun hin, rasch wieder sich hebend im Sprunge,<br><strong>35<\/strong> Noch im Sprung aufziehend die Schenkel, und schlagend mit H\u00e4nden,<br>Noch im Fluge selbst erklirrend mit t\u00f6nenden Spornen.<br>Also brauste die Kraft der luftgest\u00e4hlten Kumanen<br>aus sich im kr\u00e4ftigen Tanz, und schien sich nie zu ersch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie nun geendigt der Tanz, und der K\u00f6nig sich hob von dem Throne,<br><strong>40<\/strong> Sieh, da gewahrt er Haug, und schickte den Boten behende,<br>Ihn um Namen zu fragen und seines Daseins Bestimmung.<br>Als nun der K\u00f6nig geh\u00f6rt, er nahe als Bote Rudolphus,<br>Sei gesandt, ein B\u00fcndnis zu schlie\u00dfen, dem K\u00f6nig der Hungarn<br>All das Land zu versichern, das ihm die B\u00f6hmen geraubet,<br><strong>45<\/strong> Hugo von Tauffers nenn&#8216; er sich, von Geburt ein Tiroler;<br>Freudig berief er ihn, und reichte die Hand ihm zum Kusse,<br>Drauf, sein Ross zu bringen, befahl er, und hart ihm zur Seite<br>Hie\u00df er Tauffers nun reiten, und wechselte mit ihm Gespr\u00e4che.<br>&#8222;Wenn du Rudolphus verk\u00fcndest,&#8220; (so saget etwas besch\u00e4met<br><strong>50<\/strong> Ladislaus) &#8222;du h\u00e4ttest der Hungarn m\u00e4chtigen K\u00f6nig<br>Unter Kumanen gefunden, und unter kumanischen Weibern,<br>Anzuschauen den Tanz, den freieren, mutigen, wilden,<br>Was mir Gregor verargt, der Christenheit heiliger Vater,<br>Setze dann auch hinzu, was Wahrheit zu sagen gebietet<br><strong>55<\/strong> Klugheit befiehlt dem Ladislav, diese Heiden zu ehren,<br>Wohl auch ein vaterl\u00e4ndisches Herz; \u2013 denn dieser Kumanen<br>Gleiche Sprach&#8216; und Sitte verr\u00e4t mit dem feineren Hungar<br>Gleichen Ursprung, \u2013 nur n\u00e4her der raueren Wiege,<br>Sind sie den V\u00e4tern \u00e4hnlich, an Kraft und Mut und an St\u00e4rke,<br><strong>60<\/strong> R\u00fcstige Pferdelenker, und weithin treffende Sch\u00fctzen,<br>Abgeh\u00e4rtet zum Krieg, und aller Weichlichkeit Feinde.<br>Sieh, mit diesen gedenk&#8216; ich wohl, zum Besten Rudolphus,<br>Niederzuschmettern den Stolz des \u00fcberm\u00fctigen B\u00f6hmen.<br>Darum schmelz&#8216; ich ihr raues Gem\u00fct, das leicht zur Emp\u00f6rung<br><strong>65<\/strong> Stachelt des Herrschers Stolz und die K\u00e4lte seiner Befehle,<br>Durch der Geselligkeit Reiz und herzentfesselnde Milde.<br>Nicht auch ruh&#8216; ich zuvor, bis sich der Kuman&#8216; und Hungar<br>In ein Volk verschmolz, an Sitten gleich und an Rechten;<br>Ein Volk waren sie ja, und sollen wieder es werden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>70<\/strong> Und nun r\u00fchmet von Tauffers verst\u00e4ndig die Klugheit des K\u00f6nigs;<br>Lobt der Kumanen Tanz und Wuchs und m\u00e4nnliche Sch\u00f6nheit;<br>Wohl auch das wei\u00dfe Geschlecht, mit dicht geflochtenen Z\u00f6pfen,<br>Hebt er preisend empor, und r\u00fchmet mit Feuer die Reize.<br>Bass erfreuet sich des der jugendumflorete K\u00f6nig;<br><strong>75<\/strong> Und sie kamen nun Ja\u00dfberenyi nah, an der Radgiva Ufern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In: Heinrich Joseph von Colllin&#8217;s s\u00e4mmtliche Werke, Vierter Band, Strau\u00df, Wien 1813, S. 245 \u2013 248; 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