{"id":1685,"date":"2014-05-08T22:30:18","date_gmt":"2014-05-08T20:30:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=1685"},"modified":"2015-11-08T15:52:03","modified_gmt":"2015-11-08T13:52:03","slug":"grotefend-roth-ueber-av","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=1685","title":{"rendered":"Grotefend \/ Roth: Anap\u00e4stische Verse"},"content":{"rendered":"<p><strong><span class=\"addmd\">Georg Friedrich Grotefend, Georg M. Roth: Anfangsgr\u00fcnde der deutschen Prosodie (1815)<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a7 59<\/strong> Die anap\u00e4stischen Verse, die sich wegen ihrer Heftigkeit zun\u00e4chst an die jambischen und troch\u00e4ischen Rhythmen reihen, lassen \u00fcberall die Spondeen zu, au\u00dfer dass in den katalektischen Versen der Ausgang daktylisch zu sein pflegt. So nat\u00fcrlich dem anap\u00e4stischen Verse ein h\u00e4ufiger Absto\u00df in der Hebung scheint, so erm\u00fcdet doch das stetige Geh\u00e4mmer durch seine Einf\u00f6rmigkeit. Darum wird an schicklichen Stellen ein weiblicher Einschnitt unter die m\u00e4nnlichen gemischt, und auch durch Zusammenziehung der K\u00fcrzen die Mannigfaltigkeit der Wortf\u00fc\u00dfe bef\u00f6rdert <strong>a)<\/strong>. Die Griechen und R\u00f6mer erlaubten sich in den anap\u00e4stischen Versen bei der Zusammenziehung der K\u00fcrzen sogleich die Aufl\u00f6sung der L\u00e4nge, so dass die Anap\u00e4sten ein daktylisches Aussehen erhielten. <em>A. W. Schlegels<\/em> Nachahmung dieses Gebrauches in seinem Ion <strong>b)<\/strong> m\u00f6chte schwerlich unter den Deutschen Beifall finden. Die melischen Dichter der Alten haben die Anap\u00e4sten wegen ihrer Heftigkeit vermieden, desto h\u00e4ufiger findet man sie bei Komikern und Tragikern und in lyrischen Chorges\u00e4ngen. Der Dimeter bildet bei den alten Dramatikern anap\u00e4stische, ununterbrochen fortgehende Systeme, die mit dem unvollz\u00e4hligen Dimeter (Paroemiacus) schlie\u00dfen <strong>c)<\/strong>, vor welchem oft unmittelbar oder mit nachfolgendem Dimeter der Monometer steht <strong>d)<\/strong>. Der unvollz\u00e4hlige Tetrameter mit einem Einschnitte in der Mitte ist h\u00e4ufig bei Aristophanes, und hei\u00dft daher der Aristophanische Vers <strong>e)<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Beispiele<\/strong><\/p>\n<p><strong>a)<\/strong> Man vergleiche:<\/p>\n<p><strong>1)<\/strong> Verse mit gleichen Wort- und Versf\u00fc\u00dfen:<\/p>\n<p>Welch frohes Entz\u00fccken erf\u00fcllet die Brust,<br \/>\nWenn im gr\u00fcnenden, sprossenden, bl\u00fchenden Hain<br \/>\nDas Gezweig sich verj\u00fcngt und der Duft sich erneut.<\/p>\n<p><strong>2)<\/strong> Verse mit ungleichen Wort- und Versf\u00fc\u00dfen:<\/p>\n<p>Welch anmutvolles Entz\u00fccken gew\u00e4hrt<br \/>\nIn dem Lenze, wenn neu das Gezweig aufsprosst,<br \/>\nFrischgr\u00fcnender B\u00e4ume balsamischer Duft.<\/p>\n<p><strong>b)<\/strong> Goldlockig das Haupt in ambrosischem Duft,<br \/>\nL\u00e4chelnd in ewiger Jugend und Sch\u00f6nheit. &#8211;<br \/>\nDie lass sich entfalten, und siehe, wie sch\u00f6n<br \/>\nLiebe sie dir zum unsterblichen Kranz flicht.<\/p>\n<p><strong>c)<\/strong> Weh! Lohnest du so der Geliebten, Apoll?<br \/>\nO wie anders gelobt hast du mir damals,<br \/>\nAls, ein arglos Kind jungfr\u00e4ulichen Tritts,<br \/>\nIch allein lustwandelt&#8216; auf Fr\u00fchlinges Aun,<br \/>\nUnd der Blumen, des Laubs, hellfarbigen Putz<br \/>\nIn das faltig gesch\u00fcrzte Gewand las. <em>A. W. Schlegel<\/em><\/p>\n<p><strong>d)<\/strong> Ausspreche das Wort,<br \/>\nDas die Herzen zermalmt, und empor von dem Haupt<br \/>\nUns str\u00e4ubet das Haar voll Angstgraun. <em>Apel<\/em><\/p>\n<p><strong>e)<\/strong> Antworte du mir, weswegen geb\u00fchrt die Bewunderung wohl dem Poeten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg Friedrich Grotefend, Georg M. Roth: Anfangsgr\u00fcnde der deutschen Prosodie (1815) \u00a7 59 Die anap\u00e4stischen Verse, die sich wegen ihrer Heftigkeit zun\u00e4chst an die jambischen und troch\u00e4ischen Rhythmen reihen, lassen \u00fcberall die Spondeen zu, au\u00dfer dass in den katalektischen Versen der Ausgang daktylisch zu sein pflegt. 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