{"id":1687,"date":"2014-05-08T23:00:26","date_gmt":"2014-05-08T21:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=1687"},"modified":"2015-11-17T22:57:20","modified_gmt":"2015-11-17T20:57:20","slug":"friedensreigen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=1687","title":{"rendered":"Friedensreigen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Johann Heinrich Vo\u00df: Friedensreigen<\/strong><\/p>\n<p>Mit Gesang und Tanz sei gefeiert,<br \/>\nO du Tag und, o Nacht, auch du!<br \/>\nDenn er k\u00f6mmt, der Fried, und erneuert<br \/>\nDie Gefild uns mit Heil und Ruh!<br \/>\nVon der Grenze kehrt, wer gestritten,<br \/>\nMit der Eichen Laub in die H\u00fctten!<br \/>\nOh, wie eilt ihr Gang<br \/>\nIn der Trommeln Klang,<br \/>\nIn der H\u00f6rner Get\u00f6n und dem Siegsgesang!<\/p>\n<p>Wer daheim in Angst sich gegr\u00e4met,<br \/>\nO hinaus, und begr\u00fc\u00dft das Heer<br \/>\nMit der Lieb Umarmung, und nehmet<br \/>\nDas Gep\u00e4ck und das Mordgewehr!<br \/>\nJa er lebt, dein Sohn, du Betr\u00fcbter!<br \/>\nJa er lebt, o Braut, dein Geliebter!<br \/>\nJa der Vater lebt!<br \/>\nWie er segnend strebt<br \/>\nNach der Kindelein Schwarm und vor Freude bebt!<\/p>\n<p>Sei gegr\u00fc\u00dft in heiligen Narben,<br \/>\nMit Triumph uns gegr\u00fc\u00dft, o Held!<br \/>\nMit Triumph auch gr\u00fc\u00dft sie, die starben<br \/>\nF\u00fcr Gemein und Altar im Feld!<br \/>\nDoch verschont, unr\u00fchmliche Z\u00e4hren,<br \/>\nDie geweihte Gruft zu entehren!<br \/>\nEs belohnt, o Wais,<br \/>\nUnd o Witw und Greis,<br \/>\nEs belohnt die Gemein euch mit Lieb und Preis!<\/p>\n<p>Wie umzog uns schwarz das Gewitter<br \/>\nDer Verschwornen zu Fu\u00df und Ro\u00df,<br \/>\nDer Tyrannen Schwarm und der Ritter,<br \/>\nEin unz\u00e4hlbarer Mietlingstro\u00df!<br \/>\nDoch ein Hauch verweht das Get\u00fcmmel<br \/>\nUnd es strahlt die Sonn an dem Himmel.<br \/>\nNun beginnt der Tanz<br \/>\nIn dem Eichenkranz<br \/>\nUm der Freiheit Altar und des Vaterlands!<\/p>\n<p>Nun erhebt euch, frei der Befehdung,<br \/>\nDie Gewerb und das Land zu baun,<br \/>\nDa\u00df erbl\u00fchn von Flei\u00df aus Ver\u00f6dung<br \/>\nDer Verbr\u00fcderten Berg&#8216; und Aun<br \/>\nDem Gebornen pflanzt und dem Gatten,<br \/>\nUnd der S\u00e4ugling spiel in dem Schatten!<br \/>\nKein Bezwinger schw\u00e4cht<br \/>\nUns Gesetz und Recht;<br \/>\nEs gebeut uns kein Herr, es gehorcht kein Knecht.<\/p>\n<p>O du Vaterland der Gemeine,<br \/>\nDie f\u00fcr all und f\u00fcr einen wirbt,<br \/>\nWo f\u00fcr aller Wohl auch der eine<br \/>\nMit Entschlossenheit lebt und stirbt!<br \/>\nWir Vereinten schw\u00f6ren dir wieder,<br \/>\nZu beharren frei und wie Br\u00fcder!<br \/>\nJa mit Herz und Hand<br \/>\nSei gekn\u00fcpft das Band<br \/>\nF\u00fcr Gemein und Altar, o du Vaterland!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wilhhelm August Schlegel zu &#8222;Friedensreigen&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p>Friedensreigen hei\u00dft dieser Hymnus oder Chorgesang, w\u00fcrdig, dass die veredelte Menschheit eines freien Volkes ihre Triumphe am sch\u00f6nsten aller Feste damit feire. Wir werden freudig \u00fcberrascht und entz\u00fcckt durch die Harmonie beinah unvereinbarer Eigenschaften: wir sehen hier trunkne Taumel der Begeisterung neben der wolkenlosen Heiterkeit eines besonnenen, in sich gesammelten Geistes; das Augenblickliche erregter Gef\u00fchle, und die Selbstst\u00e4ndigkeit einer \u00fcberschw\u00e4nglichen, ewig g\u00fcltigen Idee; die Wahrheit des Individuellen und das \u00fcberlegte Ansehen des Allgemeinen; Hoheit in schlichter Einfalt; ein leichtes lebendiges Volkslied und in Kunstwerk im gr\u00f6\u00dften Stil.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Die ganz eigne rhythmische Kunst, die bei diesem Gedichte aufgewandt ist, w\u00fcrde eine umst\u00e4ndliche Zergliederung verdienen. Wir wissen uns nicht zu erinnern, dass in unsrer Sprache je ein so reicher Wechsel melodischer Wendungen und Schw\u00fcnge, nach dem Vorbilde der alten Lyrik erfunden und geordnet, durch den Reiz des Reims gehoben worden w\u00e4re. Der Anap\u00e4st ist der herrschende Fu\u00df. Gereimte anap\u00e4stische Verse sind bei uns zwar nicht selten: entweder ungemischt, blo\u00df mit einem iambischen Vorschlage, oder willk\u00fcrlich mit Iamben abwechselnd. Hier ist dagegen beides anders: die Stellen, wo der Iambus eintritt, sind bestimmt, und jeder Vers hebt mit einem Anap\u00e4st an. Dies hat gro\u00dfe Schwierigkeiten, weil nach dem Bau unsrer Sprache selten zwei K\u00fcrzen vor einer L\u00e4nge hergehn. Es ist aber auch sehr wichtig, damit der Anap\u00e4st seine ganze Kraft als <em>pes acer et animosus<\/em> beweise. In der Mitte des Verses laufen die F\u00fc\u00dfe ineinander, man kann beliebig nach Daktylen oder Anap\u00e4sten einteilen: hat aber das Ohr erst einmal durch die doppelte Anakruse den Eindruck des anap\u00e4stischen Aufsprungs empfangen, so wird es auch das Folgende mit eben diesem Fu\u00dfe messen. Der nachher meistens am Ende des Verses eintretende Iambus m\u00e4\u00dfigt das Ungest\u00fcm des Anap\u00e4stes zum festen Gesange; auch der viermal eingemischte dritte P\u00e4on (<span style=\"color: #ff0000\">v v &#8211; v<\/span>) hat bei seiner Fl\u00fcchtigkeit etwas gef\u00e4llig milderndes. Die ganze Strophe, die sich ungeachtet ihres Umfanges gleich beim ersten H\u00f6ren dem Sinn einpr\u00e4gt, schlie\u00dft auf die befriedigendste Art, sowohl durch den Rhythmus als durch den dreifachen m\u00e4nnlichen Reim.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johann Heinrich Vo\u00df: Friedensreigen Mit Gesang und Tanz sei gefeiert, O du Tag und, o Nacht, auch du! Denn er k\u00f6mmt, der Fried, und erneuert Die Gefild uns mit Heil und Ruh! Von der Grenze kehrt, wer gestritten, Mit der Eichen Laub in die H\u00fctten! 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