{"id":4074,"date":"2015-04-03T23:29:50","date_gmt":"2015-04-03T21:29:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4074"},"modified":"2015-04-12T14:06:12","modified_gmt":"2015-04-12T12:06:12","slug":"erster-gesang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4074","title":{"rendered":"Erster Gesang"},"content":{"rendered":"<p>Steig, <span style=\"color: #993366\">Hygiea<\/span>, vom Himmel herab in die Tale der Erde,<br \/>\nReiche die Lebensschale, gef\u00fcllt mit dem Quelle der Jugend,<br \/>\nDer durch Goldkies rollt die kristallene Flut im Olympus,<br \/>\nReich dem S\u00e4nger sie dar, daraus Begeistrung zu trinken!<br \/>\nOhne dich singt kein Dichter, du musst den Geist ihm entw\u00f6lken,<br \/>\nDass er sch\u00f6n und frei sich aufzuschwingen verm\u00f6ge.<br \/>\nKomm! Mein Genius streut Weihrauch auf deinen Altar dir,<br \/>\nWo du die g\u00f6ttliche Kunst <span style=\"color: #993366\">des koischen Weisen<\/span> mich lehrtest.<br \/>\nDein Geschenk ist mein Lied. Hinab in die felsigen Grotten<br \/>\nWill ich steigen, wo du den jungen Quellen der Erde<br \/>\nHeilende Kr\u00e4fte verleihst; ich will den schmachtenden, armen,<br \/>\nH\u00fclfe verlangenden Kranken zu deinen heiligen Urnen<br \/>\nF\u00fchren, damit er hier die goldene Flut der Genesung<br \/>\nSch\u00f6pf&#8216; und trinke, den Rettungsdank in deinem gefei&#8217;rten<br \/>\nTempel zum Opfer dir bring&#8216;, und dich Lebenserhalterin nenn&#8216;!<\/p>\n<p>Doch wer leitet mich hin in das Reich der heilsamen Quellen?<br \/>\nWer in das Innre der stillen Behausungen junger Najaden?<br \/>\nO wer zeigt in der Erd&#8216; Abgr\u00fcnden mir jeden verborgnen,<br \/>\nHohlen, umnachteten Gang der Natur, wo die werdende Quelle<br \/>\nAus den Adern des Bergs, mit Heilkraft schwanger, hervorrauscht?<br \/>\nKomm, und f\u00fchre du mich, o vaterl\u00e4ndischer Nais,<br \/>\nDurch der Erde Gekl\u00fcft hinab, wo deine Geschwister<br \/>\nTanzen mit schwebendem Silberfu\u00df in kristallenen Hallen,<br \/>\nUnter Tritonengesang, mit Perleng\u00fcrteln geschm\u00fccket.<br \/>\nEinst erschienst du ja schon, jungfr\u00e4uliche Nymphe der Gera,<br \/>\nMir im heiligen Dunkel des Hains, der deine durchbl\u00fcmten<br \/>\nKr\u00e4uterwiesen umschirmt, und ihnen erfrischende L\u00fcfte<br \/>\nZuweht. Mittag war&#8217;s, und des Sommers gl\u00fchender Odem<br \/>\nHauchte mir \u00fcber die volle Wange des brennenden Fiebers<br \/>\nFlammende R\u00f6te. Mit Eile verlie\u00df ich den sonnigen Heerweg,<br \/>\nVoll Staubwolken, und suchte mit lechzendem Auge die K\u00fchlung<br \/>\nDeines einsamen Stroms. Da sah ich \u00fcber die Wellen,<br \/>\nWie ein bl\u00fchend Rosengew\u00f6lk in der tauenden Fr\u00fche,<br \/>\nDich hinschweben im zarten, ambrosischen \u00c4thergewande.<br \/>\nWar der Erscheinung der Mann einst wert, o so neige dem Mann auch<br \/>\nNun dein Ohr &#8211; Ha! welch ein Ges\u00e4usel im tieferen Walde! &#8211;<br \/>\nHeil! mein Genius fl\u00fcstert: die G\u00f6ttin winkt dir Gew\u00e4hrung.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">S\u00fcdw\u00e4rts \u00fcber der Stadt<\/span>, die vom edlen Aare den Namen<br \/>\nF\u00fchret, da kr\u00f6nt Steineichengeh\u00f6lz die Gebirge des Stromtals.<br \/>\nHier flie\u00dft, k\u00fchler im Schatten, die siberblinkende Gera<br \/>\n\u00dcber gelblichen Kies. Um die Wurzeln alternder B\u00e4ume<br \/>\nSpielen und drehn sich die Wellen in kleinen Strudeln, und rauschen<br \/>\nSchnell durch die Schilfe dahin. Allein mit gehaltener Eile<br \/>\nWallet der Strom in Plauens arkadischen Hirtengefilden.<br \/>\nAuf der Natur kunstlosem Altar steht Sch\u00f6nheit und Einfalt,<br \/>\nGleich den Grazien, hier in liebensw\u00fcrdiger Eintracht.<br \/>\nVon dem gro\u00dfen Altar dampft jeglichen Morgen der Weihrauch<br \/>\nW\u00fcrziger Blumen und Kr\u00e4uter und fr\u00f6hlich reifender Saaten<br \/>\nBl\u00fctenged\u00fcft zum Opfergeruch den T\u00f6chtern des Himmels<br \/>\nFestlich empor, bestrahlt vom erhellenden Schimmer der Fr\u00fche.<br \/>\nAnzuflehn die Nymphe des Stroms trat ich in des ernsten<br \/>\nWaldes Umschattung, und stand nicht fern von der Grotte der G\u00f6ttin.<br \/>\nFeierlich schwieg der Hain; die ringsum herrschende Stille<br \/>\nMachte mich lange verstummen; der Ehrfurcht heilige Schauer<br \/>\nZitterten durch mein Gebein; doch endlich begann ich zu reden:<br \/>\n&#8222;H\u00f6r, untadlige Nymphe, den Bittenden! Leite den S\u00e4nger<br \/>\nDurch das n\u00e4chtliche Reich der Gesundheit gebenden Quellen,<br \/>\nHin in die Tiefen, wo sich die ersten Tropfen zur Welle<br \/>\nSammeln, und wo die jungen Gew\u00e4sser in lallender Kindheit<br \/>\nNoch mit wankendem Lauf hinmurmeln! Sch\u00e4rfe den Blick mir,<br \/>\nHohe Najade, verkl\u00e4r&#8216; in der Erde cimmerischen Schl\u00fcnden<br \/>\nDu dem sterblichen Auge die Finsternis! Dumpfiger Kl\u00fcfte<br \/>\nKalten bet\u00e4ubenden Dunst schafft dein ambrosischer Odem<br \/>\nZum elysischen Ambragew\u00f6lk, und die t\u00f6tenden L\u00fcfte<br \/>\nWerden zu Fr\u00fchlingswinden, zum linden S\u00e4useln der Mainacht.<br \/>\nKomm und leite mich denn! Mit des Waldes frischestem Moose<br \/>\nWill ich in deiner Grotte die Felswand schm\u00fccken, mit Eichen<br \/>\nDein Stromufer im Tal, wo der Felsen nur schattet, umpflanzen,<br \/>\nDass in der gr\u00fcnen Umw\u00f6lbung hinfort anmutige K\u00fchle<br \/>\nDich frischatmend umweh&#8216; in des Sommers gewaltigster Glut selbst.&#8220;<\/p>\n<p>Also rief ich flehend der G\u00f6ttin, und nahte der Felskluft,<br \/>\nK\u00fchn durch hohes Vertraun. In Th\u00fcringens dunkelstem Forste<br \/>\nBilden zerr\u00fcttete Felsen die Grotte der reinen Najade.<br \/>\nWild und romantisch umwebet den Eingang rankender Efeu;<br \/>\n\u00dcber ihm wehn zwo Fichten mit kahlen, verwitterten Wipfeln,<br \/>\nVon den Gewitterorkanen gebeugt, und drohen den Umsturz.<br \/>\nHohl ist ihr Stamm, und der Erde beraubt umh\u00e4ngen die krummen<br \/>\nAlternden Wurzeln den nackten Granitfels \u00fcber der H\u00f6hle.<br \/>\nAus dem grauen Gestein tr\u00e4nt stets inwendig vom rauen,<br \/>\nFeuchten Gew\u00f6lbe der Kluft ein erfrischender Tau zu den gr\u00fcnen<br \/>\nFelsensitzen herab, mit Flechten umwachsen und Steinmoos.<br \/>\nTiefer im Dunkel der Halle, von Marmorbl\u00f6cken gew\u00f6lbet,<br \/>\nTr\u00e4uft mit melodischem Rieseln, wie Silber, ein ewiger Regen<br \/>\nAuf den werdenden Quell, der s\u00fc\u00df und rein sich best\u00e4ndig<br \/>\n\u00dcber dem gr\u00fcnlichen Sandin ruhigen Wallungen kr\u00e4uselt.<br \/>\nAlso bildete Mutter Natur, und schm\u00fcckt&#8216; in der Wildnis<br \/>\nSelbst mit schaffender Hand die d\u00e4mmernde Wohnung der G\u00f6ttin.<br \/>\nHeilige Schauer umwehn den Wanderer, der dem geweihten<br \/>\nEingang naht; sie selber verbirgt ein umschattender Nebel,<br \/>\nUndurchdringlich dem Blick. Allein der hohen Begeistrung<br \/>\nTrunkenes Auge schauet entz\u00fcckt in dem Innern der Mooskluft,<br \/>\nAuf die Urne gelehnt, die ruhende Nymphe. Sie lauscht hier<br \/>\nL\u00e4chelnd und halbentschlummernd dem Silbergelispel der Quelle.<br \/>\nBlitzender Tau, wie der Lenz ihn tr\u00e4uft auf knospende Rosen,<br \/>\nPerlet ihr um die Stirn, und h\u00e4ngt in den lockigen Haaren.<br \/>\nGleich wie fliegendes Wassergew\u00f6lk um den st\u00fcrzenden Schaumquell<br \/>\nZwischen den hallenden Felsen emporst\u00e4ubt, \u00fcber dem Ufer<br \/>\nWallend schwebt, so umfloss der Schleier den Liliennacken.<br \/>\nSo wie der Hesperus hinter dem wei\u00dflichen Abendgew\u00f6lke<br \/>\nLieblich funkelt, so strahlt hervor das Auge der G\u00f6ttin<br \/>\nUnter dem bl\u00e4ulichen Schleier. So kam sie jetzo mit sanfter<br \/>\nAnmut, Huld im Blick und himmlisches L\u00e4cheln im Antlitz,<br \/>\nSchwebend und leicht, wie getragen vom West, hervor. Die geweihte<br \/>\nStille des Hains, zuweilen nur unterbrochen vom S\u00e4useln<br \/>\nEiner gelinderen Luft, das heilige Dunkel der Eichen,<br \/>\nAlles erh\u00f6hte die Feierlichkeit des bezaubernden Anblicks.<br \/>\nSelbst du, gro\u00dfe Natur, sahst, schauernd von holder Entz\u00fcckung,<br \/>\nDieser Erscheinung Wonnegebild, und feiertest schweigend<br \/>\nDeiner unsterblichen Tochter Heraufkunft. Aber der G\u00f6ttin<br \/>\nLippen entflossen, wie Harfengesang, die lieblichen Worte:<br \/>\n&#8222;K\u00fchn, o Sterblicher, ist der Wunsch, ein Land zu betreten,<br \/>\nWo mit verwegenem Tritt noch kein Erschaffener jemals<br \/>\nWandelte; doch dir sei er gew\u00e4hrt. Kein frevles Verlangen,<br \/>\nKeine vermessne Begier, das Unbekannte zu schauen,<br \/>\nAber den sch\u00f6nen Wunsch, h\u00fclfreich und tr\u00f6stlich den Menschen,<br \/>\nGleich den ewigen G\u00f6ttern, zu sein, erblick&#8216; ich im Innern<br \/>\nDeiner unsterblichen Seele. Du hast mir vertraut, und ich w\u00e4hle<br \/>\nDich aus unter der Menge, zum hohen Berufe dich weihend,<br \/>\nVon den Geschenken der Nymphen ein Lied, und ihrem Geburtsland<br \/>\nDeinem Volke zu singen; geleiten will ich dich selber<br \/>\nIn die verborgnere Welt, und ins heilige Dunkel der Werkstatt,<br \/>\nWo die Natur still wirket und schafft zum Segen der Menschen.<br \/>\nDoch bevor wir hinab in die dunklen H\u00f6hlen der Urnacht<br \/>\nSteigen, so lerne vor allem, woher die Quellen den Reichtum<br \/>\nIhrer Gew\u00e4sser empfahn. Zum Himmel steigen, vom Himmel<br \/>\nSinken in ewigem Wechsel die Wasser der k\u00fcnftigen Quelle.<br \/>\nRegenschauer im Fr\u00fchling, im Sommer des hohen Gewitters<br \/>\nDicht herst\u00fcrzende Flut, und die weinenden Wolken des Herbstes<br \/>\nSenden des Quells Urstoff in den Scho\u00df der waldigen Berge.<br \/>\nAuf den wolkenber\u00fchrenden Alpen verweilet der Winter<br \/>\nEwig. Erstarrt liegt er im tiefen, eisernen Schlafe<br \/>\nWeit hin\u00fcbergestreckt auf ihren unnahbaren Felsh\u00f6hn.<br \/>\nSeit der Sch\u00f6pfung trieft aus seinen silberbereiften<br \/>\nHaaren zerschmolzenes Eis in gro\u00dfen Tropfen, die schl\u00fcpfen<br \/>\nDurch der Berge Gekl\u00fcft in die Wasserbeh\u00e4lter der Erde.<br \/>\nFern am luftigen Haupte der dunkelblauen Gebirge<br \/>\nSiehst du ruhige Wolken herunterwallen, und langsam<br \/>\n\u00dcber den Tannenforst hinziehn. Oft lagert ein kaltes<br \/>\nNebelgew\u00f6lk, wie ein Kranz, sich dort um die Riesenschultern<br \/>\nUnseres Brocken. Dem Scho\u00df der tauenden Wolken enttr\u00e4ufelt<br \/>\nUnabl\u00e4ssig ein zarter, befeuchtender Regen, und diesen<br \/>\nSaugt mit tausendmal tausend offenen Adern der Berg ein.<br \/>\nLauter und rein, wie der Tau vom jungen Blatte der Birke<br \/>\nZitternd herabh\u00e4ngt, sinkt, und im Sande leise versieget,<br \/>\nTrieft die Feuchte herab zu den Quellengebirgen der Erde.<br \/>\nJetzo folge mir nach. Auf kalten, umnachteten Pfaden<br \/>\nWill ich tief hinab in die schaurigen Grotten dich f\u00fchren,<br \/>\nWo die Natur den Brunnen der lebensfrohen Genesung<br \/>\nHerzustr\u00f6men gebeut aus unersch\u00f6pflichen Urnen.&#8220;<\/p>\n<p>Als ihr g\u00f6ttlicher Mund aussprach die begnadeten Worte,<br \/>\nHaucht&#8216; ihr ambrosischer Odem mir Kraft und Mut in die Seele.<br \/>\nFreudig und demutsvoll betrat ich sogleich die bemooste<br \/>\nSchwelle der Kluft, und wandelte weiter am Arme der Nymphe.<br \/>\nDiamantene Pforten verschlossen den finsteren Eingang<br \/>\nin die reichen gefilde der unterirdischen Sch\u00f6pfung.<br \/>\nEine der Pforten klang auf ihren Angeln, und weit auf<br \/>\nTat sich das Reich der Str\u00f6me, der Erze, der Salze, der Steine.<br \/>\nDumpfere Donner der fernsten Gew\u00e4sser m\u00e4chtiger Fl\u00fcsse;<br \/>\nN\u00e4herer Wogen Gebr\u00fcll, und des Stromfalls sch\u00e4umender Aufruhr;<br \/>\nSt\u00fcrzender Felsenb\u00e4che gelinderes Rauschen, und kleiner<br \/>\nSprudelnder Quellen Geriesel begr\u00fc\u00dfte die G\u00f6ttin beim Eintritt<br \/>\nIn ihr v\u00e4terlich Reich. Auf ihren steinernen Urnen<br \/>\nLagen der Str\u00f6me Beherrscher in weiten Klippengew\u00f6lben,<br \/>\nDeren Gestein mit ungeborgtem, sternichtem Glanze<br \/>\nFunkelte, gleich Tautropfen der Flur im Schimmer Selenens.<br \/>\nWelche Gew\u00e4sser sich hier durch menschenloser Gestade<br \/>\nKr\u00fcmmungen dumpf hinw\u00e4lzten, besangst du, g\u00f6ttlicher Maro,<br \/>\nSchon mit k\u00fchnerem Geniusflug und unsterblicher W\u00fcrde.<br \/>\nUnnachahmlich und unerreicht fliegt deine Begeistrung<br \/>\nSiegend empor zu dem Tempel des Ruhms; tief bleiben der Nachwelt<br \/>\nDichter zur\u00fcck imTale, mit ihnen die j\u00fcngste der Musen,<br \/>\nWelche mir stimmte die Leier, geweiht den g\u00fctigen Nymphen.<br \/>\nNur mit ehrfurchtsvollem und tief bewunderndem Schweigen<br \/>\nWill ich vor\u00fcbergehn die F\u00fcrsten der Str\u00f6me; die Namen<br \/>\nIhrer Gew\u00e4sser durchrauschen dein Lied, unsterblicher Barde,<br \/>\nSchon mit erhabenem Klang. Erf\u00fcllt mit froher Erwartung,<br \/>\nBald die verborgenen Fluten zu schaun, aus denen des Kranken<br \/>\nZitternde Hand der holden Gesundheit heilenden Balsam<br \/>\nF\u00fcr den zerr\u00fctteten Leib, und den schwermutvolleren Geist sch\u00f6pft,<br \/>\nVoll von dieser Erwartung gelangt&#8216; ich jetzt mit der Nymphe<br \/>\nAus der donnernden Welt der herrlichen Str\u00f6me zu jenen<br \/>\nStillen Gefilden der Heilungsquellen, und h\u00f6rte von ferne<br \/>\nSchon mit Silberklang in der Felsenwiege sie lallen.<br \/>\nUnd die G\u00f6ttin f\u00fchrte mich tiefer hinab in der Erde,<br \/>\nGrausenvolles Gekl\u00fcft. Das unterirdische, weite,<br \/>\nUngeheure Gew\u00f6lbe, kein Atlas st\u00fctzte die Last hier,<br \/>\nwar mit Diamanten gestirnt; ein eherner Himmel<br \/>\nHing es \u00fcber mir. Drohend und furchtbar t\u00fcrmten sich Klumpen<br \/>\nPurpurschwarzen Gesteins, mit Eisenerze durchadert,<br \/>\nHoch auf beiden Seiten empor. Nur einzelne Schimmer<br \/>\nStreuten des Erzes Adern umher: so funkeln Gestirne<br \/>\nIn der Gewitternacht durch schwarze, zerrissene Wolken.<br \/>\nAber den ehernen Felsen entrieselten fl\u00fcchtige B\u00e4che<br \/>\nDurch dumpfhallende W\u00e4lder gediegenen Eisens, und tragen es endlich<br \/>\nDurch umnachtete Pfade dahin, wo der Kranke die Heilflut<br \/>\nSch\u00f6pfet, oder die Glieder darein, im st\u00e4rkenden Bade,<br \/>\nTaucht, und die schlaffen, zerbrochenen Nerven mit eherner Kraft st\u00e4hlt.<br \/>\nSo kommt jeglicher West, der Ceylons W\u00e4lder durchs\u00e4uselt,<br \/>\nUnter des Zimtbaums Bl\u00fcten dahin geschl\u00fcpft, oder <span style=\"color: #993366\">des Amra<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #993366\"> Knospende Wipfel<\/span> umschw\u00e4rmt, mit Wurzelger\u00fcchen beladen<br \/>\nAus dem Schatten ins offne Gefild, und erquicket den Wandrer,<br \/>\nDer, mit Staube bedeckt, sich nun dem duftenden Haintal<br \/>\nEilender naht und atmender trinkt den erfrischenden Luftstrom.<br \/>\n&#8222;Lehre mich&#8220;, sprach ich anjetzt zu meiner Gef\u00e4hrtin, &#8222;dir ist ja<br \/>\nAlles, o G\u00f6ttin, kund, drum lehre mich, was in dem Heilquell<br \/>\nJenes lebendige Sprudeln erregt, und die tanzenden Perlen,<br \/>\nDie des Gef\u00e4\u00dfes Rand mit den wechselnden Farben der Iris<br \/>\nLieblich umkr\u00e4nzen, und Silberstaub im Zerspringen umherstreun?&#8220;<br \/>\nFreundlich erwiderte drauf mit melodischer Stimme die G\u00f6ttin:<br \/>\n&#8222;Durch die ganze Natur ist ein fl\u00fcchtiger, geistiger, <span style=\"color: #993366\">saurer<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #993366\"> \u00c4ther<\/span> verbreitet; von ihm durchdrungen sind alle Gew\u00e4chse,<br \/>\nAlle Gew\u00e4sser und Steine; zu jeder verborgenen H\u00f6hlung<br \/>\nUnter der Erde gelangt er, umf\u00e4ngt mit der Luft, denn von dieser<br \/>\nIst er selber ein Teil, den Erdkreis. Alle Gesch\u00f6pfe<br \/>\nAtmen ihn ein und leben; sie w\u00fcrden schneller vergehen,<br \/>\nFr\u00fcher zerfallen in Moder und Staub und vollenden ihr Dasein,<br \/>\nWenn der geatmeten Luft es an diesem Wesen gebr\u00e4che.<br \/>\nIst ein Bach in der W\u00fcste dem lechzenden Wanderer k\u00fchlend,<br \/>\nS\u00fc\u00df und erquickend, erfrischt er das Herz dem M\u00fcden, so war es<br \/>\nDieses Gew\u00fcrz der Natur, das schneller den brennenden Durst ihm<br \/>\nStillete. Jeglicher Heilungsquell empf\u00e4ngt in der Tiefe<br \/>\nSchon bei seinem Entstehn dieses belebenden \u00c4thers<br \/>\nAus der umgebenden Luft. Die Geister der fl\u00fcchtigen S\u00e4ure<br \/>\nSind es, welche dem Quell Heilkr\u00e4fte verleihn, und ihn waffnen,<br \/>\nAufzul\u00f6sen das Erz des Gebirgs. Im Laufe zernagt er<br \/>\nNun die rostigen Wurzeln des eisernen Waldes, und f\u00fchret<br \/>\nSeinen metallischen Raub mit sich fort, und vereiniget innig<br \/>\nSich mit ihm; so schw\u00e4ngert sich jede der Wellen mit Eisen.&#8220;<\/p>\n<p>T\u00f6ne, Leier, das Lob des Eisens im Feiergesange!<br \/>\nUnter den m\u00e4chtigen Barden im heiligen Erbe Thuiskons<br \/>\nPries noch keiner die Frucht der deutschen Heldengebirge.<br \/>\nNoch kein feierndes Lied erscholl zum Ruhme des Eisens<br \/>\nUnter den Eichen des Hains, der seine Wurzeln hinabstreckt<br \/>\nZu dem stillen Gekl\u00fcft, wo den Samen der Erze zu keimen<br \/>\nMutter Natur gebot, und im leisen Wuchse zu reifen.<br \/>\nHeil dir, edles Geschenk der vaterl\u00e4ndischen Berge,<br \/>\nDas der Sterblichen viele verachten, und t\u00f6richt des Goldes<br \/>\nTr\u00fcgenden Glanz, den mehr verehren und gieriger suchen,<br \/>\nAls dich, Eisen, und deine bescheidneren Schimmer. Verkennt nicht,<br \/>\nHermanns Enkel, verkennt nicht das Kleinod eurer Gebirge!<br \/>\nHorcht! Ich singe das Lob des vaterl\u00e4ndischen Reichtums.<br \/>\nSage, woher, o Krieg, nimmst du dein Waffengeschmeide,<br \/>\nDeine geschliffene Wehr zum letzten, entscheidenden Angriff?<br \/>\nEisen, geh\u00e4rtet zu Stahl in der Esse, geb\u00e4ndigt vom Ambo\u00df,<br \/>\nUnd in den H\u00e4nden des K\u00fcnstlers gesch\u00e4rft, bewappnet den Feldherrn;<br \/>\nSt\u00e4hlerne R\u00fcstung umpanzert die tatenschwangere Brust ihm.<br \/>\nHeil dir, edles Geschenk der vaterl\u00e4ndischen Berge!<br \/>\nSei gefeiert im Lied, weil du dem Helden zum Rachschwert<br \/>\nDienst im gerechten Krieg, und ihm \u00fcber den stolzen Erobrer<br \/>\nSiegen hilfst f\u00fcr das Vaterland in der donnernden Feldschlacht.<br \/>\nDoch ist im Frieden gr\u00f6\u00dfer dein Ruhm, und sch\u00f6ner dein Segen.<br \/>\nSiehe, du bist mir werter, und feuriger gr\u00fc\u00dft mein Gesang dich,<br \/>\nWann dich die Ambo\u00dfhand zur blanken Waffe des Friedens<br \/>\nH\u00e4mmernd bildet, die kein unmenschlicher Krieger im Herzblut<br \/>\nSchlummernder S\u00e4uglinge r\u00f6tet. Die sanftesten, l\u00e4ndlichen Freuden<br \/>\nSchwellen mir immer das Herz, und ergie\u00dfen in heiligen Hymnen<br \/>\nSich mir \u00fcber die trunkene Lippe, wann ich dich sehe<br \/>\nBlinken am friedsamen Pflug in der scholligen Furche des H\u00fcgels,<br \/>\nWann ich h\u00f6re das Sensengeklirr auf bl\u00fchendem Anger;<br \/>\nWann das Sichelger\u00e4usch im Gefilde der sinkenden Halmen<br \/>\nLieblich ert\u00f6nt, wo das br\u00e4unliche Schnitterm\u00e4dchen mit blauen<br \/>\nBlumen ein Seil durchflicht, um die sch\u00f6nste der Garben zu binden;<br \/>\nWann in der fr\u00f6hlichen Lese der Winzer dich sch\u00e4rft auf dem Wetzstein,<br \/>\nEinzuernten den Segen des Herbsts auf Traubengebirgen.<br \/>\nHeil dir, n\u00fctzliches Erz! Der Chor der geselligen K\u00fcnste<br \/>\nStimmt in meinen Gesang zu deinem w\u00fcrdigen Lob ein.<br \/>\nKein Praxiteles h\u00e4tte mit silbernem Mei\u00dfel den Marmor<br \/>\nJe zum atmenden Bilde geschaffen. Keine Pal\u00e4ste,<br \/>\nAus den felsigen Rippen des Bergs korinthisch erbauet,<br \/>\nT\u00fcrmten sich ohne das Eisen empor in die staunenden Wolken.<br \/>\nOhne dich sch\u00fcfe <span style=\"color: #993366\">die Kunst Arachnens<\/span> keine Gem\u00e4lde<br \/>\nAuf der blendenden Seide, gespannt in den weiblichen Rahmen.<br \/>\nTrabt das edele Ross, wann Gold den Huf ihm bekleidet,<br \/>\nSicherer \u00fcber das Eis, und hinan den steilen Gebirgspfad?<br \/>\nO wie f\u00e4nde der k\u00fchne Pilot in den W\u00fcsten des Weltmeers<br \/>\nSicheren Pfad, wann rings am Olymp Sturmwolken, wie schwarze<br \/>\nTeppiche, hangen, und ihm die freundlichen Sterne verh\u00fcllen,<br \/>\nDie durch Labyrinthe von Syrten und strudelnden Wirbeln<br \/>\nSicher am goldenen Faden ihn leiteten, dass er nicht scheitre?<br \/>\nDurch die schreckliche Nacht bist du, leicht schwebende Nadel,<br \/>\nIhm ein treues Orakel, das unter magischem Beben<br \/>\nIhm weissaget, in welcher umw\u00f6lkten Gegend des Himmels<br \/>\nSirius strahlt und Arktur, das Siebengestirn und Orion.<br \/>\nWert bist du dem Steurer nicht nur und dem flei\u00dfigen Feldmann,<br \/>\nO wohlt\u00e4tiges Eisen; dich liebt und segnet der Gott auch,<br \/>\nDer mich fr\u00fch der Natur Geheimnisse lehrte, <span style=\"color: #993366\">der weise<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #993366\"> P\u00e4on<\/span>. O du, mein Meister, vergib mir, wann ich den Menschen,<br \/>\nMeinen leidenden Br\u00fcdern, er\u00f6ffne die heiligen Lehren<br \/>\nDeiner g\u00f6ttlichen Kunst, sie nur in den d\u00e4mmernden Vorhof<br \/>\nF\u00fchre deines gro\u00dfen, geheimnisverh\u00fcllenden Tempels.<br \/>\nSt\u00e4rkendes Eisen erneut der Gesundheit bl\u00fchenden Purpur<br \/>\nAuf der sterbenden Wange der totenbleichen Entkr\u00e4ftung.<br \/>\nEinstens kannt ich ein M\u00e4dchen, in deren Gesichte die Krankheit<br \/>\nSchon die Miene des Tods und die Z\u00fcge der kalten Verwesung<br \/>\nZeichnete, jammernden Eltern zum Weh, und teuern Geschwistern:<br \/>\nDoch sie fand in dem Eisen Genesung wieder, und Leben.<br \/>\nJ\u00fcngst ach! starb mir ein Freund, den alle Geheimnisse P\u00e4ons<br \/>\nHatte die koische Schule gelehrt; der Blumen und Kr\u00e4uter<br \/>\nHeilende Kr\u00e4fte, womit ihr zartes Aderngewebe<br \/>\nAngef\u00fcllt die Natur; die Kraft der balsamischen Tr\u00e4ne,<br \/>\nWelche die Sommersonne den kl\u00fcftigen Rinden der B\u00e4ume<br \/>\nFern in Indiens Talen entlockt; die Tugenden aller<br \/>\nErden und Salze waren dem Weisen bekannt; und so ward er<br \/>\nDurch die Gegend umher ein Rat und Helfer der Siechen.<br \/>\nDenoch fand Hygieens vertrautester Liebling f\u00fcr seine<br \/>\nKrankheit nirgends ein Heilungskraut: bis endlich die Nymphen<br \/>\nSein sich erbarmten, und ihm die Genesung <span style=\"color: #993366\">am heiligen Borne<\/span><br \/>\nWieder verliehn. Von neuem begann der Edle zu leben.<br \/>\nO noch mancher genas durch ihn, durch ihn, der mit Gro\u00dfmut<br \/>\nStets dem D\u00fcrftigen half, und am Schmerzenslager des Siechen<br \/>\nTief im Herzen empfand der Erbarmung heiligen Schauer.<br \/>\nMenschlichkeit war ihm die heiligste Pflicht. Der Seele des Biedern<br \/>\nWars schon hohe Belohnung, die dankenden Perlen im Auge<br \/>\nArmer Geretteter blinken zu sehn, und mit ihnen zu danken<br \/>\nJenem erhabenen Geist, der ihn unter den Pflichten des Wohltuns,<br \/>\nMitten im Kampf f\u00fcr Menschenheil in den besseren Stern j\u00fcngst<br \/>\nAus der T\u00e4uschungen Land abrief. Da weinten die Guten.<br \/>\nEr entschlummerte still und sanft; wie der alternden Eiche<br \/>\nSanft ein Blatt entsinkt, das Zephir am herbstlichen Abend<br \/>\nLeise dem Zweige entweht: so wehte der Engel des Todes<br \/>\nAuch sein Leben hinweg; allein empor zu dem HImmel.<br \/>\nBeide, der Greis und das M\u00e4dchen, verdankten den st\u00e4rkenden Quellen<br \/>\nIhre Genesung, welche mit Heilkraft mischte des Eisens<br \/>\nG\u00f6ttergeschenk, als ihre Gew\u00e4sser noch unter der Erde<br \/>\nDa noch weilten, wo du dem S\u00e4nger, o g\u00fctige Nymphe,<br \/>\nZeigtest deiner Geschwister noch unbesungene Sch\u00e4tze;<br \/>\nWo mich ein eherner Wald umrausch&#8216;, und ein eiserner Himmel<br \/>\n\u00dcber mir hing, wo Graun und Schauder und ewige Nacht herrscht.<br \/>\nAber in lichteren G\u00e4ngen der unbeachteten Tiefe<br \/>\nDeines verborgenen Reichs, Alln\u00e4hrerin Erde, befand ich<br \/>\nJetzo mich an dem Arme der leitenden G\u00f6ttin. Wir traten<br \/>\nJetzt in den weiten Bezirk der hohen, chemischen Werkstatt,<br \/>\nWo die stille Natur den Kristallen der werdenden Salze<br \/>\nBildung und Sch\u00f6nheit gibt. Mich ergriff Bewundrung, ich staunte<br \/>\nVor dem gro\u00dfen Geheimnis der ewigbildenden Sch\u00f6pfung.<br \/>\nSiehe, mir hellte die G\u00f6ttin den Blick. Ich sahe mit tiefem,<br \/>\nWonnevollem Erstaunen kristallene W\u00e4lder, und hohe,<br \/>\nGlatte, durchsichtige Felsen, in mannigfacher Wandlung,<br \/>\nWerden und wachsen. Ein Wink, und eine kristallene Wildnis<br \/>\nLag in stiller Pracht vor meinem bewundernden Auge.<br \/>\n\u00dcber der gl\u00e4nzenden Wildnis, in bl\u00e4ulich d\u00e4mmernder Ferne,<br \/>\nBildeten, gleich den Eispal\u00e4sten der Gletscher, sich hohe<br \/>\nS\u00e4ulen von Salz, ein Wunder zu schaun! So t\u00fcrmet am Nordpol<br \/>\nScholl&#8216; auf Scholle sich auf, und ein wildes Gemisch von \u00f6den<br \/>\nEiseilanden erhebt dumpftosend empor in die Nacht sich.<br \/>\nVieles lehrte die G\u00f6ttin mich hier von der Salze Verwandschaft,<br \/>\nVon den Geheimnissen viel der unergr\u00fcndlichen Sch\u00f6pfung;<br \/>\nUnd sie begann und sprach zu dem Kenntnisbegierigen also:<br \/>\n&#8222;Wisse, nicht ohne Gesetz verbinden die salzigen Stoffe<br \/>\nHier sich untereinander; ein jegliches Teilchen gesellt sich<br \/>\nStets dem \u00e4hnlichen zu. Die Natur gab diese Gesetze<br \/>\nSeit der Sch\u00f6pfung Beginn: daher der wandelnden Welten<br \/>\nGro\u00dfer Verein, und des Sp\u00e4rengesangs harmonischer Vollklang.<br \/>\nAlle Planeten und Sonnen, bevor sie schwebeten diesen<br \/>\nKreisenden Tanz, und die Sph\u00e4ren den Chorpsalm donnerten, stiegen<br \/>\nAus dem geb\u00e4renden Chaos, wie zahllos fliegende Funken<br \/>\nAus dem brennenden Wald, ganz ohne Gesetze der Ordnung.<br \/>\nAber nicht lange, so zogen die gr\u00f6\u00dferen K\u00f6rper die kleinern.<br \/>\nAnfangs taumelten, schwankten in ihren Bahnen die Welten,<br \/>\nBis das Gleichgewicht der ziehenden Kr\u00e4fte der Sonnen<br \/>\nMit der enteilenden Kraft der Wandelsterne des Kreislaufs<br \/>\nEwige Grenzen bestimmt am blauen \u00c4thergew\u00f6lbe.<br \/>\nSelber der Menschen Geist bezog der Weltenerschaffer<br \/>\nMit den harmonischen Saiten der sympathetischen Freundschaft,<br \/>\ndass sie einander sich liebten, und liebend empf\u00e4nden, im weiten<br \/>\nAll, was gro\u00df und wahr ist, und sch\u00f6n; s\u00fc\u00df schw\u00e4rmender Wehmut<br \/>\nVoll, in der Maiflur lauschten dem Nachtigallengesange,<br \/>\nOder mit denkendem Ernst anstaunten den Ozean Gottes,<br \/>\nWo Gestirn an Gestirn hinschwimmt gleich goldenen Inseln.&#8220;<br \/>\nHier verstummte die Nymphe. Mich mahnte die ernste Belehrung,<br \/>\nIhr geliebten Entfernten, an euch, an die Feier der Freundschaft<br \/>\nIn der geselligen Laube, wann durch die bl\u00fchenden Wipfel<br \/>\nUns der Abendstern zur sanftern Fr\u00f6hlichkeit einlud.<br \/>\nAhnend suchten, erkannten wir uns, und von Munde zu Munde<br \/>\nScholl das festliche Bundeswort: &#8222;Auf ewig!&#8220; Wir schieden;<br \/>\nDoch, mit der Treue Gurt zur Lebensreise geg\u00fcrtet,<br \/>\nDenken wir froh des Wiedersehns dort \u00fcber den Sternen.<\/p>\n<p>Jetzo vernahm ich melodisches Rauschen, das leiser und leiser<br \/>\nStets sich dem Ohre verlor. Es war das Rauschen der B\u00e4che,<br \/>\nDie den kristallenen Grotten entsprudelten. Still an dem Ufer<br \/>\nStand ich und sah, wie Quelle das Salz im Entstehn in sich aufnimmt.<br \/>\nEinige glitten dahin, als h\u00e4tte der Winter mit Froste<br \/>\nSie bedeckt, und andre zerst\u00e4ubten im fliegenden Sturze.<br \/>\nNur ein d\u00e4mmernder Tag weilt hier. Vom bleicheren Zwielicht<br \/>\nSanft beschimmert, entstieg ein Gew\u00f6lk dem st\u00fcrzenden Wasser.<br \/>\nLiebliches Farbenspiel erschien in dem leichten Gew\u00f6lke,<br \/>\nZwar kaum sichtbar und matt, doch sch\u00f6n und hehr, wie dem Vollmond<br \/>\nGegen\u00fcber im braunen Gew\u00f6lk der regnichten Herbstnacht<br \/>\nSich mit welkendem Schimmer der farbige Bogen erhebet.<br \/>\nJeglicher Bach sp\u00fclt hier des helldurchsichtigen Salzes<br \/>\nAb vom Saume des Ufers, das sanft in die Wellen hinabschmilzt,<br \/>\nRei\u00dft es mit fort, und tr\u00e4gt es, mit seinem Gew\u00e4sser vereinbart,<br \/>\nZu den lichten Gefilden der Erd&#8216; empor, wo sich endlich<br \/>\nAus dem Schiefergebirg sein Quell ergie\u00dft, und das kranke<br \/>\nMenschengeschlecht einladet, Genesung und Leben zu sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Grauliche Nebel umw\u00f6lkten der Pfad, worauf ich an meiner<br \/>\nHehren Begleiterin Hand jetzt wandelte. Goldene Schimmer,<br \/>\nDie dem g\u00f6ttlichen Auge, wie mondliches Gl\u00e4nzen, entstr\u00f6mten,<br \/>\nHellten der schaurigen Nacht Ein\u00f6den cimmerisches Dunkel.<br \/>\nFurchtbar erscholl fernher, wie des Meeres dumpfhallende Brandung,<br \/>\nOder versinkender St\u00e4dte Gekrach, die des berstenden Erdballs<br \/>\nTiefe verschlingt, ein w\u00fcstes Get\u00f6s mir entgegen; und bebend<br \/>\nZ\u00f6gert&#8216; ich, weiter zu gehn; allein das L\u00e4cheln der G\u00f6ttin<br \/>\nSrahlt&#8216; in die Seele mir Mut; mit melodischer Stimme begann sie:<br \/>\n&#8222;Siehe, wir nahen anjetzt der Flammenwelt der Vulkane,<br \/>\nWo ein gl\u00fchendes Meer hochwogig der wolkigen Hekla<br \/>\nWurzeln umdonnert, emp\u00f6rt von den Feuerorkanen des Abgrunds;<br \/>\nWo des \u00c4tna Schwefelgewitter im grausen Tumulte<br \/>\nWirbelnde Purpurflammen umher in der stygischen Dunstluft<br \/>\nSchleudert, und fort in der Tiefe sich w\u00e4lzt durch funkelnden Rauchdampf.<br \/>\nHier zu wandeln verbeut das Verh\u00e4ngnis. Unter dem Aufruhr<br \/>\nW\u00fcrden Entsetzen und Furcht, und w\u00e4rs ein Himmlischer selbst, hier<br \/>\nW\u00fcrden Entsetzen und Furcht mit seltenem Schauer ihn fassen,<br \/>\nWenn er zum ehrnen Geh\u00e4g, das dort <span style=\"color: #993366\">den aornischen Graunschlund<\/span><br \/>\nRings umz\u00e4unt, eindr\u00e4ng in die donnernde Burg Hef\u00e4stos.<br \/>\nSiebenf\u00e4ltige Nacht umlagert des tobenden Hades<br \/>\nEisernes Fl\u00fcgeltor. Erdbeben ersch\u00fcttern die L\u00e4nder,<br \/>\nWann ein Donnersturm die Riegel zersprengt, und es aufkracht.<br \/>\nDoch dir verhei\u00dft ein G\u00f6tterspruch, dich zu n\u00e4hern dem Eingang<br \/>\nSonder Gefahr, und froh in die Lichtwelt wieder zu kehren,<br \/>\nWo du zuerst mein Blumengestad im Fr\u00fchlinge bl\u00fchn sahst.<br \/>\nZwar ein furchtbares Ziel, das hier an das Ende der Bahn grenzt,<br \/>\nDie du betratst; doch eil&#8216; ihm entgegen mit freudiger K\u00fchnheit!<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Nicht ohn&#8216; einiges Gottes Geleit<\/span>, nicht ohne die Obhut<br \/>\nEiner verborgenen Macht sind ja der Begeisterung S\u00f6hne.<br \/>\nAuf! und folge mir nach mit dem forschenden Blick der Erwartung!&#8220;<br \/>\nAlso die G\u00f6ttin! Und grauses Get\u00f6n scholl, da sich die Fl\u00fcgel<br \/>\n\u00d6ffneten. Unter dem Fu\u00df mir erbebten die Wurzeln der Berge,<br \/>\nSchauerlich! Aber ich nahte mich ohne Verzug, und erblickte<br \/>\nSchwarzes Gew\u00f6lk, das, gleich Gewittern, \u00fcber dem Abgrund<br \/>\nGraunvoll hing. Sturmwinde zerrissen es. Tief in der Ferne<br \/>\nWogt&#8216; ein g\u00e4render See, und gleich Eilanden des Weltmeers,<br \/>\nSchwammen zerschmolzne Gebirge darauf. An der \u00f6den Umufrung<br \/>\nSchoss Glutstrom hervor aus g\u00e4hnenden Schl\u00fcnden, und pl\u00f6tzlich<br \/>\nSausten geschleuderte Felsen umher; rotgl\u00fchendes Erz flog<br \/>\nWirbelnd empor zum Gew\u00f6lb, und fiel mit Gekrach, wie der Hagel<br \/>\nSchmettert und kracht, zur\u00fcck in gro\u00dfen, feurigen Tropfen.<br \/>\nRingsum schmolz Erdharz von der Glut aus beru\u00dften Gebirgen<br \/>\n\u00dcber schwarzen Basalt in die finsteren T\u00e4ler hinunter.<br \/>\nAsche bew\u00f6lkte den weiten Bezirk, und schweflichte, blaue<br \/>\nLeuchtungen zuckten hervor mit Get\u00f6s aus ehernen Bergen,<br \/>\nDass die Felsen entst\u00fcrzten den H\u00f6hn in donnernde Tiefe.<br \/>\nSiedende Quellen ergie\u00dfen sich hier. Aus gl\u00fchenden Urnen<br \/>\nSt\u00fcrzen sie strudelnd hervor, durch raues Geklipp hinbrausend.<br \/>\nF\u00fcrchterlich k\u00e4mpft mit des Feuers Gewalt der Schwall der Gew\u00e4sser,<br \/>\nHochaufwogend mit lautem Gebr\u00fcll; die tobenden Fluten<br \/>\nHeulen in dampfenden Ufern dahin, mit zischendem, wei\u00dfem<br \/>\nSchaume bedeckt, und verlieren sich tief in der nebelnden Ferne.<br \/>\nAber beladen und innig vereint mit dem feinesten Stoffe<br \/>\nIhrer Schwefelgestade, wodurch sie fliehend sich w\u00e4lzten,<br \/>\nStr\u00f6men sie wieder hervor, noch warm, an waldiger Berge<br \/>\nFu\u00df, und begr\u00fc\u00dfen das Licht, und den gr\u00fcnen Teppich der Erde.<br \/>\nZwar blinkt seltner im hellen Kristallgef\u00e4\u00dfe der warmen<br \/>\nQuelle Silber; allein es gew\u00e4hren die laulichen, weichen<br \/>\nWellen der siedenden Welt ein schmerzenlinderndes Heilbad.<\/p>\n<p>Aus den rauchenden Tiefen erhob sich jetzo die G\u00f6ttin<br \/>\nWieder mit mir. Schon kam ein d\u00e4mmernder Schimmer herunter<br \/>\nDurch das n\u00e4chtliche Graun, bald wurde der D\u00e4mmer zu Lichte.<br \/>\nJetzo schloss sich hinter mir schon die demantene Pforte.<br \/>\nAber melodisch hallte der Angeln silberner Klang nach<br \/>\nDurch die weiten Gefilde der Nacht, und verlor sich im fernen<br \/>\nFelsengekl\u00fcft; Ich war zur Grotte der Nymphe gekommen.<br \/>\nHinter den Waldungen sank hinab der scheidenden Sonne<br \/>\nSchwimmendes Gold, und heiter entstieg im Rosengewande<br \/>\nEiner bestrahlten Wolke der Abend dem tauenden Himmel.<br \/>\nHesperus funkelte fern ob <span style=\"color: #993366\">den Burgruinen der Gleichen<\/span>;<br \/>\nUnd es err\u00f6teten sanft in der Felsenhalle die jungen<br \/>\nWellen der werdenden Gera. Das tr\u00e4ufelnde Moos der Granitwand<br \/>\nBlitze mit allen Farben der bunten Iris im Sp\u00e4trot.<br \/>\nUnd ich entstieg ernstfreudig der Kluft, und verlie\u00df mit des Dankes<br \/>\nFrohem Gef\u00fchl dein Heiligtum, untadlige Nymphe,<br \/>\nWo der Wogen gesang in elysische Tr\u00e4ume dich einwiegt<br \/>\nDurch die Nacht. O nimm, jungfr\u00e4uliche Nymphe, des Dankes<br \/>\nOpfer mit Huld auf. Schon in der Morgenr\u00f6te des Lebens<br \/>\nFeiert&#8216; ich unter den Eichen, die dein Stromufer umschatten,<br \/>\nKindlicher Andacht voll, das Fest des kehrenden Fr\u00fchlings.<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Halcyonische Tage<\/span>, wie seid ihr so schnell mir entflohen!<br \/>\nSegnend ert\u00f6nt mein Lied: &#8222;Es versiege, G\u00f6ttin, dein Quell nie!<br \/>\nStets umwehe dir K\u00fchlung die d\u00e4mmernde Grotte!&#8220; So rief ich<br \/>\nLaut, und des J\u00fcnglings Lied vernahm dein Ohr in der Tiefe.<br \/>\nSegne mich wieder mit Heil und Gesundheit, und lass mich der Ruhe<br \/>\nStillen Genuss stets finden im Hain, wo die Geister der Vorwelt<br \/>\nNoch der Druiden Alt\u00e4r&#8216; auf goldenen Wolken umschweben,<br \/>\nW\u00fcrdige mich noch oft, o G\u00f6ttin, der hohen Erscheinung,<br \/>\nWann ich ahndungenvoll an deinem heiligen Stromquell<br \/>\nEinsam verweil&#8216;, anstaunend der immer \u00e4ndernden Sch\u00f6pfung<br \/>\nEwigen Bildungstrieb in der Myriade der Wesen;<br \/>\nOder der reichen Natur stillwirkende Kraft in dem Wachstum<br \/>\nHier des Halms, und dort der ragenden Eiche bewundernd.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erl\u00e4uterungen<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Hygiea<\/span>: Unter diesem Namen wurde Pallas von dem Altertum als medizinische Gottheit angerufen. Von den R\u00f6mern wurde ebenfalls eine <em>Minerva medica<\/em> verehrt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Des koischen Weisen<\/span>: Hippokrates, ein Sohn des Heraklides und der Praxithea, aus dem Geschlechte der Asklepiaden; wurde geboren auf der Insel Kos, im ersten Jahre der achzigsten Olympiade. (456 Jahre vor Chr.)<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">S\u00fcdw\u00e4rts \u00fcber der Stadt<\/span>: Arnstadt in Th\u00fcringen, der Geburtsort des Verfassers, soll, nach einer alten Chronik, von <em>Adler<\/em> oder dem veralteten Worte <em>Aar<\/em> den Namen erhalten haben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Des Amra knospende Wipfel<\/span>: Der Amra ist ein sch\u00f6ner indischer Baum mit wohlriechenden Bl\u00fcten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">saurer <\/span><span style=\"color: #993366\">\u00c4ther<\/span>: Kohlenges\u00e4uertes Gas, oder fixe Luft, ein Hauptbestandteil der eisenhaltigen Gesundbrunnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Die Kunst Arachnens<\/span>: Die Kunst zu sticken, von der M\u00e4onierin Arachne so genannt, <em>quae pingebat acu<\/em>, wie Ovid singt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Der weise <\/span><span style=\"color: #993366\">P\u00e4on<\/span>: P\u00e4on, oder Paieon, war ein Beiname des Apollo, welchen die Griechen als den Vorsteher der Arzneikunde und der Dichtkunst verehrten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Am heiligen Borne<\/span>: <em>De hyllige Borne<\/em>, der uralte Name von dem Pyrmonter Gesundbrunnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Den aornischen Graunschlund<\/span>: Aornos, oder Avernus, hie\u00df den Griechen jede Qualmh\u00f6hle oder jeder Ort, dessen erstickende Ausd\u00fcnstung die V\u00f6gel t\u00f6tete, welche dar\u00fcber hinflogen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Nicht ohn&#8216; einiges Gottes Geleit<\/span>: Luther bedient sich des Beiworts <em>einiger<\/em> f\u00fcr <em>irgend einer<\/em>, und auf dieses Ansehen gest\u00fctzt nahm es Vo\u00df in dieser Verbindung wieder in unsere Sprache auf. <em>Nicht ohn&#8216; einiges Gottes Ereifrung erduldest du Tr\u00fcbsal<\/em>. &#8211; Virgils Landbau von Vo\u00df, IV, 453.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Den Burgruinen der Gleichen<\/span>: Die bekannten drei th\u00fcringischen Bergschl\u00f6sser zwischen Erfurt, Gotha und Arnstadt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Halcyonische Tage<\/span>: Hie\u00dfen den Alten so viel als ruhige, stillheitere Tage, von <em>Halcyone<\/em>, oder dem Eisvogel, der mitten im Winter nur wenige Tage br\u00fctet. In diesen Tagen, fabelten sie, herrsche Windstille auf der See.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steig, Hygiea, vom Himmel herab in die Tale der Erde, Reiche die Lebensschale, gef\u00fcllt mit dem Quelle der Jugend, Der durch Goldkies rollt die kristallene Flut im Olympus, Reich dem S\u00e4nger sie dar, daraus Begeistrung zu trinken! Ohne dich singt kein Dichter, du musst den Geist ihm entw\u00f6lken, Dass er sch\u00f6n und frei sich aufzuschwingen&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4074\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erster Gesang<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":4037,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4074","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4074"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4074\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4172,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4074\/revisions\/4172"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4037"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}