{"id":4080,"date":"2015-04-03T23:31:47","date_gmt":"2015-04-03T21:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4080"},"modified":"2015-04-14T10:41:41","modified_gmt":"2015-04-14T08:41:41","slug":"vierter-gesang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4080","title":{"rendered":"Vierter Gesang"},"content":{"rendered":"<p>Noch ist andrer Gebote Befolgung \u00fcbrig dem Trinker<br \/>\nEiner Genesungsquelle. Du sollst sie lernen, wofern du<br \/>\nDein willf\u00e4hriges Ohr nicht versagst der belehrenden Vorschrift.<\/p>\n<p>Eines nur ist mir bewusst, was K\u00f6nig und Bettler sich w\u00fcnschet,<br \/>\nDessen Verlust den ersten entg\u00f6ttert im Purpurgewande,<br \/>\nDessen Besitz den Mann im Kittel erh\u00f6het zum Halbgott.<br \/>\nHolde Gesundheit du, du bist dies Eine! Dich missen<br \/>\nHei\u00dft aufh\u00f6ren zu leben und doch nicht sterben. Dich haben<br \/>\nHei\u00dft auf goldener Leiter zum Sitz der Olympier steigen.<br \/>\nSiehe! Die weite Natur, reich ausgesteuert mit Gaben<br \/>\nAus der schaffenden Hand Allvaters, spendet die F\u00fclle<br \/>\nK\u00f6stlicher G\u00fcter zum weisen Genuss den Erdebewohnern.<br \/>\nOhne dich sind sie nicht da. Dem Erkrankten scheint die Natur selbst<br \/>\nSiech und leer; ihr gro\u00dfes, gestirntes Tempelgew\u00f6lbe<br \/>\nEine Verwesungsgruft, der Mond die d\u00fcstere Lampe,<br \/>\nDie dem Elenden d\u00e4mmert, der \u00fcber Verwesungen wandelt.<br \/>\nSterbliche, denen ein Gott dies unaussprechliche Gl\u00fcck g\u00f6nnt:<br \/>\nEinen gesunden Geist und einen gesunden Gef\u00e4hrten,<br \/>\nDer, mit freien Sinnen ger\u00fcstet, den Funken der Gottheit<br \/>\nTr\u00e4gt in irdischer H\u00fclle, verscherzt das himmlische Kleinod<br \/>\nDurch unweisen Lebensgenuss nie! Freunde, bewahrt es,<br \/>\nWie der Streiter den Schild, und ihr werdet k\u00fchner besiegen<br \/>\nJeglichen Sturmes Gewalt auf der dunklen Woge des Lebens.<br \/>\nLass dir meinen Gesang der Geheimnisse gr\u00f6\u00dftes enth\u00fcllen,<br \/>\nDauernder dich zu freun des guten Sterns der Gesundheit,<br \/>\nOder, wofern ihn mit Nebel bew\u00f6lkt ein neidischer D\u00e4mon,<br \/>\nMutig den Feind zu verjagen, und unter dem himmlischen Einfluss<br \/>\nDieses Gestirns das Gl\u00fcck des Daseins froh zu genie\u00dfen,<br \/>\nHeiter und satt vom Mahle des Lebens, ein fr\u00f6hlicher Gast, einst<br \/>\nAufzustehn! und: Ich war in Arkadien auch! dich zu r\u00fchmen.<br \/>\nSiehe, Bewegung erh\u00e4lt das Wohlsein aller Gesch\u00f6pfe.<br \/>\nSelbst, was leblos ruht in der Sch\u00f6pfung weitem Gebiete,<br \/>\nWird durch rege Bewegung veredelt, gewinnet an Sch\u00f6ne.<br \/>\nStachlige Disteln erzeugt das m\u00fc\u00dfig liegende Brachfeld,<br \/>\nAus des scholligen Ackers emporgeworfener Furche<br \/>\nSprosst der n\u00e4hrende Halm, und wuchert mit schwellenden \u00c4hren.<br \/>\nWird nicht zum faulen Morast des Talwalds g\u00e4rende Lache,<br \/>\nDie kein L\u00fcftchen bewegt, kein Sturm aufw\u00fchlt in der Tiefe?<br \/>\nKeine Najade bewohnt den schlummernden See, wo best\u00e4ndig<br \/>\nNeblichter Dunst ausdampft, und gr\u00fcnlicher Schlamm sich erzeuget.<br \/>\nAber der B\u00e4che Kristall den den helldurchsichtigen Bergquell,<br \/>\nDer mit Gesprudel sich \u00fcber die Wurzeln alternder B\u00e4ume<br \/>\nMurmeld ergie\u00dfet, von Klippe zu Klippe die Lieselchen fortw\u00e4lzt,<br \/>\nUnd im m\u00e4andrischen Laufe bew\u00e4ssert arkadische T\u00e4ler:<br \/>\nIhn nur lieben die Nymphen, und baden die rosigen Glieder<br \/>\nDurch die schw\u00fclere Nacht in seinem lebendigen Silber.<br \/>\nSei Nachahmer des Bachs, wofern du die Gaben der Nymphen<br \/>\nWillst dir zum Heile genie\u00dfen! Entrei\u00dfe dich weichlicher Ruhe,<br \/>\nWelche die Muskeln erschlafft, und die Nerven des Z\u00e4rtlinges l\u00e4hmet,<br \/>\nBis er entkr\u00e4ftet und bleich, ein wankender Schemen, umherschleicht.<br \/>\nAuf! Ihr Trinker der Quelle! Die tausendfarbige Landschaft<br \/>\nL\u00e4chelt dem Freund der Natur, und er wandelt, wohin ihn die Laune<br \/>\nOder der Zufall f\u00fchrt: bald zwischen goldenen Ernten,<br \/>\nDie mit schm\u00e4chtigem Halm entgegenreifen der Sichel;<br \/>\nBald am gewundenen Ufer des majest\u00e4tischen Stromes,<br \/>\nDer auf silbernem R\u00fccken den Reichtum ferner Gefilde<br \/>\nD\u00f6rfer und St\u00e4dte vor\u00fcber mit flatternden Wimpeln dahintr\u00e4gt;<br \/>\nBald in dem Blumengewimmel der gr\u00fcn umh\u00fcgelten Taldrift,<br \/>\nWo nach fr\u00f6hlicher Schur wei\u00dfvliesiger Herden des Festes<br \/>\nJubel ert\u00f6nt, und der Wald die b\u00e4urischen Lieder zur\u00fcckhallt.<br \/>\nSeliger Mann! den nie die Sirenenges\u00e4nge der Ehre,<br \/>\nNie der h\u00f6fische Stolz und der l\u00e4rmende Markt der Gewinnsucht<br \/>\nAus dem sch\u00f6nen Gebiete verlocken der reinesten Freuden,<br \/>\nDie der hehren Natur vollwallenden Urnen entstr\u00f6men;<br \/>\nDer aus goldenen Becher der Morgenr\u00f6te Begeistrung<br \/>\nTrinkt, und mit sch\u00f6nen Gef\u00fchlen den Geist bereichert am Urborn<br \/>\nHeiliger Seelengen\u00fcsse, besucht von wenigen Edlen.<br \/>\nIhn entz\u00fccken die Hymnen des Walds in der Jugend des Lenztags,<br \/>\nIhn erfreuen im Herbst fruchtreich die lachenden G\u00e4rten,<br \/>\nWo das reifende Gold am Gezweig, wie der Morgen, err\u00f6tet;<br \/>\nIhn der kristallene Winterpalast beeister Geh\u00f6lze,<br \/>\nWo die Blume des Frosts hell blinkt an der Quelle dem Rehe,<br \/>\nUnd im bereiften Gestr\u00e4uch das Eichhorn sch\u00fcchtern entfliehet.<br \/>\nSeliger Mann, den dieses entz\u00fcckt! Ihn weihet von vielen<br \/>\nSich zum Liebling die gute Natur, und zum Priester die Wahrheit.<\/p>\n<p>Freundinnen, folget der Muse zum stillen, entlegenen Haine!<br \/>\nLasst mit kistallnem Gef\u00e4\u00df euch ein l\u00e4ndliches M\u00e4dchen begleiten,<br \/>\nEuch mit der Frische des Quells den Durst zu stillen im Schatten,<br \/>\nWann ihr vertraulich hier, an ein murmelndes B\u00e4chlein gelagert,<br \/>\nAusruht, horchend der Amsel gesang im Wipfel der Buche,<br \/>\nOder selber ein Lied von Vo\u00df anstimmend, dem S\u00e4nger<br \/>\nLieblicher Landidyllen, die selbst Apollon-Homeros<br \/>\nBeifallsl\u00e4cheln gew\u00e4nnen, wofern sie der Alte vern\u00e4hme.<\/p>\n<p>Hebst du zu Felsabh\u00e4ngen und wildromantischen Bergh\u00f6hn<br \/>\nGerne den Fu\u00df, so sei mir gegr\u00fc\u00dft mit dem herzlichsten Gru\u00dfe,<br \/>\nFreund der Gebirge! Du bist mir \u00e4hnlich, ich nenne dich Bruder.<br \/>\nFr\u00fch entz\u00fcckte mich schon, in dem Bl\u00fctenlenze der Kindheit,<br \/>\nTh\u00fcringens Bergtrift; schon als Knabe bestieg ich der Gleichen<br \/>\nAltert\u00fcmliche Burg, und die Felsengestade der Gera,<br \/>\nWo, von Geklipp umstarrt, Goldadler horsten am Abhang.<br \/>\nWeihrauch dampfte das Tal, und ich stand, vom werdenden Fr\u00fchrot<br \/>\nAngestrahlt, am benachbarten Himmel und atmete Bergluft.<br \/>\nHeil dir, goldenes Land! wo zuerst die Sonne mir aufschloss<br \/>\nGottes herrliche Welt, wo zuerst in d\u00e4mmernder Mooskluft<br \/>\nEine Muse mich fand, und den Schlummerer kr\u00e4nzte mit Efeu.<br \/>\nStaunend erwacht&#8216; ich und sah die Wunder der fabelnden Vorwelt,<br \/>\nSah durch gr\u00fcnes Geb\u00fcsch an des Talstroms schilfigem Ufer<br \/>\nNymphen und Hamadryaden den Fr\u00fchlingsreigen beginnen;<br \/>\nHeil! und sie weiheten mich zum Herold ihrer Geschenke.<\/p>\n<p>Bis zur Sp\u00e4te der Nacht verweile, so will Hygiea,<br \/>\nKeiner im offnen Gefild. Sobald auf duftender Heuflur<br \/>\n\u00dcber die Purpurblumen, gem\u00e4ht von der Sense, des Abends<br \/>\nR\u00f6tliche Wimper den Perlentau mitleidig hinabweint;<br \/>\nWirbelnd die Lerche sich senkt zum Nest in der heimischen Furche;<br \/>\nLangsam vom Anger zur\u00fcck ins Dorf die l\u00e4utenden Herden<br \/>\nKehren mit schwellendem Euter, und bl\u00e4ulich im feuchten Geb\u00fcsche<br \/>\nFunkelt der leuchtende Wurm zum Tanze der Feen und Elfen:<br \/>\nDann ihr Waller, zur\u00fcck vom Feld in die wirtlichen Hallen!<br \/>\nZwar singt jetzt die gefl\u00fcgelte Dichterin d\u00e4mmernder Haine<br \/>\nIhr elegisches Lied, und fl\u00f6tet mit sapphischem Feuer<br \/>\nSchw\u00e4rmerisch ihrer Liebe Gef\u00fchl der lauschenden Echo;<br \/>\nZwar blitzt \u00fcber dem Tannengeh\u00f6lz der freundliche Stern her<br \/>\nAus dem Silbergew\u00f6lk, und leuchtet dem liebenden J\u00fcngling,<br \/>\nAber nicht euch, die den Nymphen gelobten, die Regeln der Weihe<br \/>\nTreu zu vollbringen. Es atmet die Nachtluft selbst der Gesunde<br \/>\nOft nicht sonder Gefahr; dem Siechlinge wird sie zum Grabhauch.<\/p>\n<p>Doch wenn Rosse zu z\u00e4hmen, den Hengst zu tummeln dich freuet,<br \/>\nLass im ersch\u00fctternden Laufe den stolzen Wiehrer dich tragen<br \/>\nDurch das st\u00e4ubende Feld, dass laut vom gefl\u00fcgelten Hufschlag<br \/>\nSchalle der Grund. Und klirret im Statt ein rasches Gespann dir,<br \/>\nSchirre die mutigen Renner mit wallenden M\u00e4hnen zur Lustfahrt<br \/>\nOft an den prangenden Wagen, und lass die rollenden R\u00e4der<br \/>\nDurch den gl\u00fchenden Sand hinst\u00fcrmen mit lautem Gerassel.<br \/>\nHast du selber gelernt, des Gaules Mut zu beherrschen,<br \/>\nSei selbst Lenker, und lass mit entz\u00fcgeltem Trabe die Rosse<br \/>\nDurch aufwallenden Staub hinrennen; schlage den R\u00fccken<br \/>\nDeines Gespanns mit Riemen, und schwinge die sausende Gei\u00dfel.<br \/>\nEin so regsames Werk gibt Kr\u00e4fte wieder den Nerven,<br \/>\nTreibet im rascheren Laufe das Blut durch das enge Ge\u00e4der.<br \/>\nBalsam atmen die Lungen zugleich in der lauteren Feldluft.<br \/>\nSanftre Bewegung gew\u00e4hrt die Kahnfahrt. Siehe den Schwan dort!<br \/>\nWie mit gebogenem Hals er majest\u00e4tisch dahinschwimmt<br \/>\nAuf der silbernen Flut des gr\u00fcn umuferten Landsees.<br \/>\nDich empfange der schwebende Kahn mit geselligen Freunden,<br \/>\nWann die gr\u00fcnliche Welle der Abend wandelt in Purpur,<br \/>\nUnd mit azurenen Schwingen den Bord Eisv\u00f6gel umflattern.<br \/>\nHeute noch segn&#8216; ich den Tag, mein Sofron, wo wir zusammen,<br \/>\nViel der Edlen mit uns, auf gleitendem Nachen des Fr\u00fchlings<br \/>\nFest begingen. Die G\u00f6ttin des Fests war heitere Freude,<br \/>\nWie sie best\u00e4ndig wohnt in dem L\u00e4cheln deiner Serena,<br \/>\nUnd in dem offenen Auge Clarissas, unsrer Gef\u00e4hrtin,<br \/>\nDie mit dem Lispel der Harfe die silberne Stimme verm\u00e4hlte.<br \/>\nAuf uns kam die Wonne der G\u00f6tter vom Himmel hernieder,<br \/>\nAls uns wieder empfing das Gezelt an der gr\u00fcnen Umufrung,<br \/>\nWo den sokratischen Becher die sch\u00f6ne Begleiterin kr\u00e4nzte,<br \/>\nMedos bl\u00fchende Braut, die K\u00f6nigin unserer Feier.<br \/>\nNimmer vergess&#8216; ich den Tag, den festlichen; gleich der Geliebten<br \/>\nBild schwebt seine verkl\u00e4rte Gestalt mir die Seele vor\u00fcber,<br \/>\nVon der Erinnrung gef\u00fchrt, die stets der Vergangenheit Hallen<br \/>\nLiebliche Zaubergestalten entlockt, der vorigen Tage<br \/>\n\u00c4thergebilde, die dann umringen die tr\u00f6stende G\u00f6ttin,<br \/>\nWann sie den Menschen erscheint, und den einsamen Traurer erfreuet,<br \/>\nDer im fremden Gefild zum Stern der D\u00e4mmerung aufblickt.<br \/>\nDoch wann schauernden Wolken befruchtender Regen enttr\u00e4ufelt,<br \/>\nDer die gesunde Bewegung dem Waller wehrt in der Freie:<br \/>\nDenn ergetze den Abend hindurch dich die komische Muse.<br \/>\nJetzo besuche den Dom, wo das Singspiel dich in der Feenwelt<br \/>\nZaubergefilde versetzt; wo Falstaff oder Pedrillo,<br \/>\nHeldengesinnungen plump nachahmend, \u00fcber den Schauplatz<br \/>\nSchreiten mit trotzigem Schritt; wo der Witz mit Satyrgel\u00e4chter,<br \/>\nUnd die verschlagene List wetteifernd die B\u00fchne besteigen;<br \/>\nOder zum Lachen dich kitzelt die Miene der b\u00e4urischen Einfalt.<br \/>\nFleuch, wenn deinem Gef\u00fchl zum Schmerz wird, was den Gesunden<br \/>\nNur mit s\u00fc\u00dfem Schauer erf\u00fcllt, und der Wonne der Wehmut,<br \/>\nFleuch der tragischen Muse Kothurn, das d\u00fcstere Nachtst\u00fcck:<br \/>\nLears ohnm\u00e4chtige Wut, Othellos schreckliche Reue,<br \/>\nUgolinos Tod, und die dolch bewehrte Medea.<br \/>\nBangen Entsetzens voll suchst du vergebens die Ruhe<br \/>\nAuf dem Lager daheim. Dich schreckt im \u00e4ngstlichen Traume<br \/>\nHamlets Geist, und das grasse Gespenst, das Macbeth erblickte,<br \/>\nGrinst hohl\u00e4ugig dich an, und zeigt auf die blutenden Wunden.<br \/>\nLass die reizenden Szenen des h\u00e4uslichen Gl\u00fccks dich erheitern,<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">L\u00e4chelnder Unschuld Sieg<\/span>, und <span style=\"color: #993366\">des Herbsttags l\u00e4ndliche Feier<\/span>,<br \/>\nUnd erblicke versch\u00f6nert sie wieder im freundlichen Traumbild.<br \/>\nWeihe dem Schlaf die Nacht, nicht dem Spiele bebilderter Bl\u00e4tter,<br \/>\nWo zusammmengekr\u00fcmmt der Spielende sitzt, und des Lebens<br \/>\nFreie Verrichtungen hemmt, bald z\u00fcrnt ob schwerem Verluste,<br \/>\nBald sich freuet, und bald Fortunens Launen verfluchet.<br \/>\nViel Unheil folgt dieser Empfindungen st\u00fcrmischem Wechsel,<br \/>\nReue beginnet den Zug, ihn beschlie\u00dft graunvolle Verzweiflung.<br \/>\nAber des regsamen Spiels, <span style=\"color: #993366\">das einst Nausikaa spielte<\/span><br \/>\nMit der Gef\u00e4hrtinnen Schar auf r\u00f6tlich bl\u00fchender Kleetrift;<br \/>\nDas im erneuerten Lent rotwangige Knaben hinauslockt<br \/>\nVor die Tore der Stadt zum violensprossenden Anger,<br \/>\nRings mit Linden umschirmt, des gliederbewegenden Ballspiels<br \/>\nSch\u00e4me sich keiner, und m\u00fcsst&#8216; er daheim es selbst vom Katheder<br \/>\nOft mutwilliger Jugend verbieten, damit sie dar\u00fcber<br \/>\nNicht Cellarius m\u00fchsam gelernte Regeln vergesse.<br \/>\nHier vergess&#8216; er sie selbst beim Ball, und lerne vergn\u00fcgt sein!<br \/>\nMehr Vorschriften, die Glieder zu regen, will ich dir melden.<br \/>\nPr\u00fcfe zuerst an leichten Gesch\u00e4ften die zitternden Kr\u00e4fte,<br \/>\nGehe zu schwereren \u00fcber. Allm\u00e4hlich leichtert die \u00dcbung<br \/>\nJegliches Werk, und schafft der Arbeit M\u00fche zum Spiel um.<br \/>\nStr\u00e4ubt ein zu zartes Gef\u00fchl sich dagegen nicht, oder das Mitleid,<br \/>\nWann du den leidenden Wurm erblickst am hakigen Stahle,<br \/>\nEile mit Fischerger\u00e4t zum klaren, kiesigen Waldbach,<br \/>\nDer mit sanftem Gemurmel den Moosfels k\u00fcsset am Strande,<br \/>\nWo du sitzest, und wirf in der Flut fischreichen Kristall hin<br \/>\nMit der bek\u00f6derten Angel die Schnur an der weidenen Rute,<br \/>\nSchleudre darauf die get\u00e4uschte Forelle mit zuckendem Schwunge<br \/>\nAn das Gestad, ein leckres Gericht f\u00fcr den Trinker des Heilquells.<br \/>\nEdlerer Freuden Genuss entbl\u00fcht der Kunde der Kr\u00e4uter.<br \/>\nWelch ein zartes Gesch\u00e4ft, der Bl\u00fcten Geb\u00e4u zu zergliedern,<br \/>\nDann in Gattungen sie zu ordnen nach ihrer Befreundung!<br \/>\nRolle die Schriften auf des unsterblichen Schweden, und lerne<br \/>\nSein sinnreiches System anwenden auf jegliche Blume.<br \/>\nMit amazonischem Stolz beherrscht die sklavischen M\u00e4nner<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Eine K\u00f6nigin hier<\/span>, und prangt in der gl\u00e4nzenden Mitte.<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Mit sultanischer Pracht<\/span> umarmt der herrische Gatte<br \/>\nSeine Gemahlinnen dort im wollustatmenden Harem.<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Hier im geheimen Gemach<\/span>, versteckt vor l\u00fcsternen Augen,<br \/>\nFeiert ein scheues Geschlecht Aphroditens Fest im Verborgnen.<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Dort erwarten im offnen Gefild<\/span>, hochzeitlich bekleidet,<br \/>\nK\u00fchnere Br\u00e4ute den fernen Gemahl, der auf dem Gefieder<br \/>\nTragender Winde mit Lust den s\u00fc\u00dfen Umarmungen zueilt.<br \/>\nOftmals sah ich die Wangen des bleichen, entkr\u00e4fteten J\u00fcnglings<br \/>\nFrischer gl\u00fchn, und dem Blick ein k\u00fchneres Feuer entlodern,<br \/>\nDer nicht err\u00f6tete, gleich dem Bewohner niedriger H\u00fctten,<br \/>\nGarten und Feld zu bauen. Das Land schuf Gott, und der Mensch nur<br \/>\nQualmende St\u00e4dte. Verehre darum den g\u00f6ttlichen Feldbau.<br \/>\nOftmal sah ich den Siechen bei Feldarbeiten genesen,<br \/>\nOft durch emsigen Flei\u00df sich den Leib abh\u00e4rten den Landwirt,<br \/>\nDer den Sommer hindurch, sobald der kommende Tag sich<br \/>\nR\u00f6tete, bald mit dem Spaten das Beet umgrub, mit der Karste<br \/>\nBald die Schollen des Ackers zermalmete, bald um den Obstbaum<br \/>\nWegzug\u00e4ten das Moos, und den Boden zu lockern bem\u00fcht war.<br \/>\nR\u00fcstig schwang er, zugleich mit den Heuern, die klingende Sense<br \/>\nAuf der blumigen Wiese, von zirpenden Grillen umschwirret.<br \/>\nHielt ihn Regen daheim, und der feucht herst\u00fcrmende S\u00fcdwind,<br \/>\nRastlos drasch er sodann den Halm auf ebener Tenne.<br \/>\nUmzuw\u00fchlen sogar mit dem furchenden Eisen das Brachfeld,<br \/>\nJocht&#8216; er selber den Stier an den Pflug in der K\u00fchle des Morgens.<br \/>\nHorch, was j\u00fcngst ich vernahm im \u00e4skulapischen Tempel,<br \/>\nAls ich das Opfer dem Gott hintrug zum Dank der Genesung,<br \/>\nWas von dem Marmorges\u00e4ul am Altar Weihtafeln mich lehrten.<br \/>\nAus der lockeren Erde, sobald die gl\u00e4nzende Pflugschar<br \/>\nHat, gleich Wellen emporgeworfen die schw\u00e4rzlichen Schollen,<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Quillt ein balsamischer Dunst<\/span>, und wallt unsichtbar im Winde<br \/>\n\u00dcber die Furchen empor. Der Ackerer atmet die Frische,<br \/>\nDoch unwissend, wie sehr ihn erquickt der geistige W\u00fcrzduft,<br \/>\nUnd, wann er triefet von Schwei\u00df, ihn st\u00e4rkt zu der m\u00fcdenden Arbeit.<br \/>\nNoch erfrischender steigt aus geackertem Boden der Dunst auf,<br \/>\nWann aus Sommergewittern befruchtender Regen herabtroff,<br \/>\nHoch in der segnenden Wolk&#8216; aufbl\u00fcht der farbige Bogen,<br \/>\nHinter den Waldungen hohl nur noch murmelt der dummpfere Donner.<br \/>\nKann den klirrenden Pflug dein Arm nicht lenken, und willst du<br \/>\nAhnen den Balsamhauch der erfrischenden Erde, so folge<br \/>\nNach in der Furche dem Pfl\u00fcger, und trinke den st\u00e4rkenden Heilduft.<\/p>\n<p>Oftmals dringet die Not, am Heilungsquell in dem Sp\u00e4tjahr,<br \/>\nWann der herbstliche Strahl schon zeitigt die r\u00f6telnde Traube,<br \/>\nAnzuflehn die Najaden. Vers\u00e4um&#8216;, o vers\u00e4ume nicht, J\u00fcngling,<br \/>\nDann die m\u00e4nnliche Jagd! Wohlauf! In die F\u00e4hrte des Wildes!<br \/>\nWann des Morgens Hand von der Erde den graulichen Flor hebt,<br \/>\nDraus zu bilden die Zierde der Heitre, die farbigen Wolken.<br \/>\nHorch! Der H\u00f6rner Get\u00f6n, und der R\u00fcden gebell in den Dickicht!<br \/>\nAuf! Und erlege den Hirsch, den gewaltigen! Durch die Gestr\u00e4uche<br \/>\nFlieht er, gestreckt, und es rauschen die hangenden \u00c4ste der Tannen<br \/>\nUm sein Zackengeweih. Es erschrickt am steinigen Abhang,<br \/>\nWos auf k\u00fchlendem Moose sich lagerte, neben des Felsens<br \/>\nDunkelsprudelndem Quell, das gesprenkelte Reh, und entfliehet<br \/>\nTief in den innersten Wald, und entgehet dem Jammergeschick noch<br \/>\nSeines ge\u00e4ngstigten Bruders, den jetzt das zerschmetternde Blei traf.<br \/>\nEinsam betrauert es hier, in einer verborgenen Felskluft,<br \/>\nAch! den blutigen Fall des F\u00fcrsten der W\u00e4lder; den grauen<br \/>\nAugen entst\u00fcrzten hinab in das Moos die Tropfen der Wehmut.<br \/>\nJ\u00e4ger von hohem Geschlecht, befl\u00fcgelt den Tod des Erlegten<br \/>\nRasch mit geschliffenem Stahl! Nicht langsam unter der Doggen<br \/>\nZ\u00e4hne verblute der Hirsch, unw\u00fcrdige Qualen erduldend!<br \/>\nDass sein letztes Ger\u00f6chel zum Rachausrufe nicht werde.<br \/>\nG\u00f6tter vernehmen den Ruf des grausam Erw\u00fcrgten; sie lieben<br \/>\nNicht der Menschen Geschlechter allein; dem Tiere, das harmlos<br \/>\nLebet im Wald und sterbend den Herrn der Erde bereichert,<br \/>\nG\u00f6nnen sie gerne auch, weil es atmet, ein fr\u00f6hliches Dasein.<br \/>\nMuss es bluten, so w\u00fcnscht der Erbarmung ewige G\u00fcte<br \/>\nAbzuk\u00fcrzen die Pein, zu befl\u00fcgeln das grause Verh\u00e4ngnis.<br \/>\nHorch! Ich singe noch mehr. In den gr\u00fcnlichen N\u00e4chten der Forste<br \/>\nLauscht unsichtbar oft die g\u00f6ttliche Nymphe der Quelle,<br \/>\nDeren Kristall ihr trinkt zur Genesung. Junger Dryaden<br \/>\nFestliche T\u00e4nze zu schaun, sich selbst in den Reigen zu mischen,<br \/>\nWeilt sie die Nacht durch hier, bis r\u00f6tlich der Morgen herauftagt.<br \/>\nAber sobald das Get\u00f6se der Jagd, und das Wiehern der Rosse<br \/>\nDurch die D\u00e4mmerung hallt, so zerstreut die tanzende Schar sich.<br \/>\nJede verbrigt sich in Kluft und Baum vor dem Auge der Menschen.<br \/>\nScheut ihr J\u00e4ger, die Gegenwart der hehren Najade!<br \/>\nWagts nicht, grausam zu sein vor dem schauenden Auge der G\u00f6ttin,<br \/>\nDeren Geschenk ihr sch\u00f6pft, damit ihr Fluch nicht den Heilborn<br \/>\nEuch zur Vergeltung entkr\u00e4fte, der G\u00f6tter Beleidigung r\u00e4che.<\/p>\n<p>Kommt, ich nahe dem Ziel, o kommt, Teutoniens T\u00f6chter,<br \/>\nSchm\u00fcckt noch meinen Gesang, eh meinen H\u00e4nden die goldne<br \/>\nLeier entf\u00e4llt, und zur\u00fcck zum Olymp entfleugt die Begeistrung!<br \/>\nDoch sie fliehe zur\u00fcck, ihr lockt sie wieder herunter!<br \/>\nSchm\u00fcckt, ihr Holden, meinen Gesang, und verg\u00f6nnet dem Dichter<br \/>\nNur ein beschiedenes Reis zum Lohn von dem Kranze der Myrthe,<br \/>\nDen die Grazien euch und die sanfteren Tugenden flechten.<br \/>\nGebt mir das bl\u00fchende Reis, dass ich um die Leier es winde,<br \/>\nWelche die Muse mir stimmt zu sanftern, melodischen T\u00f6nen.<br \/>\nHuldinnen schuf die Natur zu den Werken der blutigen Jagd nicht.<br \/>\nFl\u00fcgel zu geben dem Huf, mit der Schenkel Gewalt an des Gaules<br \/>\nR\u00fccken gedr\u00fcckt, ziemt M\u00e4nnern allein, und Penthesileen,<br \/>\nWild und beherzt: allein wer \u00fcbertrifft in des Tanzes<br \/>\nLeichtesten WEndungen euch? Herzu! Der erleuchtete Saal winkt!<br \/>\nFolgent dem Beispiel hier der reigenliebenden Nymphen!<br \/>\nSchwebt im wei\u00dfen Gewande dahin mit dem k\u00fchneren J\u00fcngling<br \/>\nDurch labyrinthische Reihn, bald schwimmend in sanfter Bewegung,<br \/>\nBald mit gefl\u00fcgelter Eil&#8216;, und zephyrlich h\u00fcpfenden F\u00fc\u00dfen.<br \/>\nDoch bei den heiligen Tr\u00e4nen verwittweter Gatten, den Tr\u00e4nen<br \/>\nUngl\u00fcckseliger M\u00fctter, und liebender J\u00fcnglinge Jammer!<br \/>\nRaset nicht, gleich den M\u00e4naden, und bis zur w\u00fcsten Ermattung;<br \/>\nNoch eilt, hei\u00df vom Tanze, zum luftigen Fenster im Vorsaal,<br \/>\nWo mit k\u00fchlendem Hauch euch f\u00e4chelt der feuchtende Nachtwind!<br \/>\nFolgt wann schneller die Purpurflut in den schwellenden Adern<br \/>\nKreiset, des J\u00fcnglings Wink nicht nach zum Gang in den Mondschein!<br \/>\nLasst, wann dem wallenden Busen der Odem gl\u00fchend ens\u00e4uselt,<br \/>\nEuch nicht verleiten, den kalten Kristall der Quelle zu trinken!<br \/>\nLasst euch warnen das Jammergeschick der jungen Theone!<\/p>\n<p>Singe die bange Geschichte, mein Lied. Ich muss mit dem Spr\u00f6ssling<br \/>\nDunkler Zypressen das Myrtenreis an der Leier verm\u00e4hlen,<br \/>\nDie nun t\u00f6nen sollte zum Tanz. Jetzt t\u00f6net sie Wehmut,<br \/>\nWehmut t\u00f6net sie jetzt an dem fr\u00fchen Grabe Theonens.<br \/>\nWie sich, vom Sturme gebrochen, die Lilie neigt an dem Bache,<br \/>\nDann am Ufer verwelkt, so sank und verweset am Quell sie,<br \/>\nWo sie den Sommer hindurch verweilte mit ihrem Geliebten.<br \/>\nDieser beschloss, sich hier an der Urne der guten Najade<br \/>\nAufzuheitern den Geist, zu zerstreun die Wolken des Ernstes<br \/>\nAuf der denkenden Stirn. Ihm war die sch\u00f6ne Theone,<br \/>\nIhm schon br\u00e4utlich verlobt, zu der Heilungsquelle gefolget,<br \/>\nZ\u00e4rtlich besorgt um den innig geliebten. Frisch, wie der Morgen,<br \/>\nWann er \u00fcber dem Hain aus goldnen Wo\u00f6ken hervorblickt,<br \/>\nSchwebte die liebliche Fr\u00fchlingsbraut mit siegender Anmut<br \/>\nDurch die bewundernden Reihn der sammelten G\u00e4ste der Nymphe.<br \/>\nDoch als jetzo die Saiten verstummten, und eben ihr Medon<br \/>\nSich in dem Nebengemach mit gleich empfindenden Freunden<br \/>\nTraulich beredete, schlich Theone mit gl\u00fchender Stirne,<br \/>\nTaubeperlt und feucht, wie die Erstlingsblume des Fr\u00fchlings,<br \/>\nWelche die tagende Wolke mit hellem Silber betr\u00e4ufte,<br \/>\nAlso schlich sie, von keiner Gespielin begleitet, zum Garten,<br \/>\nAch! ganz uneingedenk der Warnung ihres Geliebten.<br \/>\nFeuchtkalt wehte die Nacht, und schauernd eilte die Jungfrau<br \/>\nHin zur Grottenkaskade, die silberhell in dem Mondlicht<br \/>\n\u00dcber das Moos in ein Becken herab mit sanftem Ger\u00e4usch floss.<br \/>\nSchmettere lauter, o Nachtigall, im Platanen geh\u00f6lze,<br \/>\nFl\u00f6t ein lesbisches Lied! &#8211; O Jammer! Du singest ein Grablied,<br \/>\nMelancholisch und ernst, denn ach! schon blinkt im Kristalle,<br \/>\nSchon ber\u00fchret die Lippen die lebensberaubende K\u00fchlung,<br \/>\nAus dem Becken gesch\u00f6pft; und der Mond in der silbernen Welle<br \/>\nZitterte sanft, und sie trank &#8211; tot sank die sch\u00f6nste der Br\u00e4ute,<br \/>\nTot in den Sand, und verhauchte den Geist. Im Saale vermisst sie<br \/>\nBald ihr Geliebter, und eilt mit Ahndungen aus der Versammlung.<br \/>\nDie du der Leidenden gern dich erbrarmst, mitleidige seele,<br \/>\nNoch, noch spare die Tr\u00e4nen. &#8211; Der \u00e4ngstlich suchende J\u00fcngling<br \/>\nWar in den Garten gekommen, und rief die Geliebte mit Namen.<br \/>\nAber verstummt war des Mundes lieblicher Wohllaut,<br \/>\nEinst sein Echo. Leise verhallte der z\u00e4rtliche Name<br \/>\nTief in den Schatten der Nacht. Ein Schauer durchstr\u00f6mt ihm die Glieder.<br \/>\nDunklere Wolken verh\u00fcllten den Mond; elegischer weinte<br \/>\nPhilomeles Gefl\u00f6t, die Quelle murmelte klagend.<br \/>\nEben ersch\u00fcttern das Herz ihm neue Schauer, indem er<br \/>\nKommt zu der St\u00e4tte der Trauer, und hell ihr wei\u00dfes Gewand sieht<br \/>\nSchimmern im d\u00e4mmernden Lichte der Mondnacht. Eilender naht er.<br \/>\nHalte den bebenden schritt zur\u00fcck, Ungl\u00fccklicher! Fliehe!<br \/>\nFliehe, damit nicht kaltes Entsetzen dich t\u00f6tend ergreife!<br \/>\nAber vielleicht ist Rettung &#8211; vielleicht noch Hoffnung zum Leben &#8211;<br \/>\nZweifelnd zuerst, ob seine Geliebte die wei\u00dfe Gestalt sei,<br \/>\nRief er noch einmal: &#8222;Theone!&#8220; &#8211; &#8222;Theone!&#8220;, hallte die Grotte<br \/>\nB\u00e4nger zur\u00fcck, und es folgt ein schreckliches Todesverstummen.<br \/>\nZitternd darauf, und mit klopfender Angst bebet n\u00e4her der J\u00fcngling,<br \/>\nSieht die R\u00f6te der Wangen entflohn, sies rieseln des Schwei\u00dfes<br \/>\nTropfen vom wohlbekannten Gesicht; doch glaubt er sie tot nicht,<br \/>\nW\u00e4hnet, entatmet liege sie nur in t\u00e4uschender Ohnmacht.<br \/>\nDoch nun fasst er die Lilienhand der Entseelten, und fand sie<br \/>\nStarr und kalt und entstellt von bl\u00e4ulichen Flecken &#8211; Entsetzen!<br \/>\nJetzt erst drang, wie ein Dolch, der finstere Todesgedanke<br \/>\nDurch sein Herz, und den Lippen entscholl ein beklommener Angstschrei;<br \/>\nDenn ihn l\u00e4hmte der Schmerz. &#8211; O seht den ersch\u00fctternden Anblick!<br \/>\nNeben der Leiche der Braut liegt, niedergeschleudert vom Schrecken,<br \/>\nMedon, und kann nicht weinen, um H\u00fclfe zu rufen vermochte<br \/>\nKaum der Elende noch; doch hier war H\u00fclfe vergebens,<br \/>\nGanz ohnm\u00e4chtig die Kunst. &#8211; Tr\u00fcb starrte das Aug&#8216; in die Nacht hin;<br \/>\nWeder die bl\u00fchende Farbe des Antlitzes kehrete wieder,<br \/>\nNoch die Wallung des Busens, den Herzschlag leise verk\u00fcndend.<br \/>\n<span style=\"color: #993366\">Selbst dem pr\u00fcfenden Erz<\/span> unbeweglich ruhte der Leichnam.<br \/>\nUm den Verzweifenden standen verstummt die trautesten Freunde,<br \/>\nTr\u00e4nen im Blick; kaum wagten die Lippen ein linderndes Trostwort.<br \/>\nEr, den Tr\u00f6stungen taub, und m\u00fcde, die Sonne zu schauen,<br \/>\nEr noch immer mit K\u00fcssen die Stirn der Geliebten bedeckend<br \/>\nUnd den erkalteten Mund, er w\u00fcnscht zu vergehn, und verging nicht,<br \/>\nWill nur sterben mit ihr, doch sein erbarmt sich der Tod nicht,<br \/>\nMitleidlos &#8211; und nun, ihr mitempfindenden Herzen,<br \/>\nEhrt sein Jammergeschick mit der Menschlichkeit heiligen Tr\u00e4nen!<br \/>\nDoch die Leier entsinket der Hand mittrauernd; ich kann nicht<br \/>\nSingen des J\u00fcnglings Schmerz, da zur\u00fcck ihm kam die Besinnung;<br \/>\nAuch nicht den eigenen Gram, denn Freundin war mir Theone.<br \/>\nLieblicher Stern, fr\u00fchgingest du nieder, und nimmer erhebst du<br \/>\nWieder dein strahlendes Haupt; dein freundlicher Schimmer erheitert<br \/>\nNicht mehr deine Gespielen zum Scherz in den Hallen der Heimat.<br \/>\nNicht mehr d\u00e4mmert dein Licht, vom Gew\u00f6lk der innigen R\u00fchrung<br \/>\nOder des Mitleids sanft umzogen, die Wonne der Wehmut<br \/>\nUns in die Tiefen des Herzens hinab; das Auge der Not blickt<br \/>\nNicht mehr nach dir empor; du strahlst der flehenden Armut<br \/>\nNicht mehr Segen und Trost herab und himmlische Milde.<br \/>\nLieblicher Stern, dich verbirgt uns ewige Nacht, und wir weinen.<br \/>\nGleich dem S\u00e4nger, der einst wehklagt&#8216; an der Urne Narcissas,<br \/>\nWeint&#8216; ein Vater dir nach, und eine verzweifelte Mutter;<br \/>\nAch! und mit Orpheus Jammer verweint sein Leben ein J\u00fcngling.<br \/>\nFern von der Heimat ruht auf einem l\u00e4ndlichen Kirchhof<br \/>\nMedons Braut, und die Freundin des Harfners, der die Geschenke<br \/>\nG\u00fctiger Nymphen besang, und die Regeln lehrte des Heilkelchs.<br \/>\nTrauerbirken umhangen den Aschenkrug mit der Aufschrift:<br \/>\nReizendes M\u00e4dchen, vernimm! Hier ruht die H\u00fclle Theonens,<br \/>\nModernder Staub nun, ein beseelt von der Grazien Anmut.<br \/>\nGl\u00fchend vom Tanze trank sie den Tod in der K\u00fchle der Quelle,<br \/>\nAch! urpl\u00f6tzlichen Tod! Streu deine Blumen, und denke,<br \/>\nDenk&#8216; an das Wehegeschick der fr\u00fchverbl\u00fcten Theone!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erl\u00e4uterungen<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">L\u00e4chelnder Unschuld Sieg<\/span>: In den Hagestolzen von Iffland.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Des Herbstes l\u00e4ndliche Feier<\/span>: Der Herbstag von Iffland.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Das einst Nauscaa spielte<\/span>: S. Homers Odyssee von Vo\u00df. Sechster Gesang.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Eine K\u00f6nigin hier<\/span>: Die Klasse <em>Polyandria monogyna<\/em>, oder die vielm\u00e4nnrige mit einem Stempel oder weiblichem Geschlechtsteil. Dahin geh\u00f6ren zum Beispiel der Mohn, das Sch\u00f6llkraut, die Linde.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Mit sultanischer Pracht<\/span>: Die Klasse Monandria digynia, oder die einm\u00e4nnrige mit zwei Stempeln oder weiblichen Geschlechtsteilen, wie der Fr\u00fchlings- und Herbstwasserstern, <em>Callitriche verna et autumnalis<\/em> L.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366\">Hier im geheimen Gemach<\/span>: Die Klasse<em> Cryptogamia<\/em>, oder der unkenntlichen Verm\u00e4hlungen, welche die Moose und Schw\u00e4mme enth\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ist andrer Gebote Befolgung \u00fcbrig dem Trinker Einer Genesungsquelle. Du sollst sie lernen, wofern du Dein willf\u00e4hriges Ohr nicht versagst der belehrenden Vorschrift. Eines nur ist mir bewusst, was K\u00f6nig und Bettler sich w\u00fcnschet, Dessen Verlust den ersten entg\u00f6ttert im Purpurgewande, Dessen Besitz den Mann im Kittel erh\u00f6het zum Halbgott. Holde Gesundheit du, du&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4080\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Vierter Gesang<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":4037,"menu_order":3,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4080","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4080","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4080"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4080\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4199,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4080\/revisions\/4199"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4037"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4080"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}