{"id":4239,"date":"2015-04-19T13:41:38","date_gmt":"2015-04-19T11:41:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4239"},"modified":"2015-04-19T14:43:36","modified_gmt":"2015-04-19T12:43:36","slug":"zu-neubecks-hexameter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4239","title":{"rendered":"Zu Neubecks Hexameter"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus einer Rezension von August Wilhelm Schlegels Elegie &#8222;Rom&#8220; in der Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung (Januar 1807)<\/strong><\/p>\n<p>Ehe Schlegel sich zu seiner jetzigen Meisterschaft hindurchgearbeitet hatte, machte er an sich und andere K\u00fcnstler sehr laxe Forderungen und begn\u00fcgte sich oft schon, wenn er dem Bed\u00fcrfnis des Wohlklangs Gen\u00fcge leistete.<\/p>\n<p>Jenes bewies er durch seine eigenen hexametrischen Gedichte, durch fr\u00fchere Urteile \u00fcber den Vossischen Homer (von denen er vieles als unreif zur\u00fccknahm &#8211; <em>Charakteristik, T. 2, S.192<\/em>); mehr noch durch das \u00fcberschwengliche Log, welches er dem Verfasser der <em>Gesundbrunnen<\/em> zuteilte: &#8222;er habe Vo\u00df die hexametrische Kunst beinahe bis zur Gleichheit abgelernt.&#8220;<\/p>\n<p>Es sei ferne, diesem lieblichen S\u00e4nger den Kranz entrei\u00dfen zu wollen, den ihm die Musen selbst aufs Haupt gesetzt haben; allein einen vollendeten Versk\u00fcnstler d\u00fcrfen wir Neubeck nicht nennen. Zwar hat er seinen Hexameter mit Sorgfalt und sichtbar nach dem vossischen ausgebildet; allein er scheint doch mehr im Allgemeinen die Harmonie der vossischen Versifikation begriffen und empfunden, als die Grunds\u00e4tze derselben studiert und ergr\u00fcndet zu haben.<\/p>\n<p>Er glaubte, ihr gr\u00f6\u00dfter Zauber entstehe aus der richtig beobachteten Quantit\u00e4t, und darin zeigt er sich auch fast immer unstr\u00e4flich; aber das tiefere Geheimnis der gl\u00fccklichen Z\u00e4suren und mannigfaltigen kleineren Einschnitte, des vollt\u00f6nenden Versausgangs, des Periodenbaus, der sch\u00f6nen Mischung von wohllautenden Vokalen und Mitlautern: alle diese Dinge, die nur ein feingebildetes Ohr wahrnimmt, hat Neubeck der <em>Luise<\/em> nicht abgelernt.<\/p>\n<p>Wir wollen gern verschweigen, dass sich in seinem Gedichte vielleicht f\u00fcnfzig Verse finden, die wegen der verfehlten Z\u00e4sur gar keine Hexameter bilden; aber auch, wo die einzelnen Verse untadelig sind, scheint der Verfasser so wenig Sinn f\u00fcr den Reiz der Abwechslung zu haben, dass man bisweilen vier, f\u00fcnf Amphibrachen hintereinander findet, oder acht bis zeht Verse, die durchaus einerlei Silbenfall haben, oft in den n\u00e4mlichen Wortf\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Solche Dinge, die Schlegel ehemals gut nannte, w\u00fcrden ihm jetzt sehr verwerflich d\u00fcnken, da er seitdem in der Metrik eine Vollkommenheit errungen hat, die ihn den ersten Vorbildern an die Seite stellt.<\/p>\n<p>(T. Z.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus einer Rezension von August Wilhelm Schlegels Elegie &#8222;Rom&#8220; in der Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung (Januar 1807) Ehe Schlegel sich zu seiner jetzigen Meisterschaft hindurchgearbeitet hatte, machte er an sich und andere K\u00fcnstler sehr laxe Forderungen und begn\u00fcgte sich oft schon, wenn er dem Bed\u00fcrfnis des Wohlklangs Gen\u00fcge leistete. 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