{"id":4382,"date":"2015-05-09T14:03:14","date_gmt":"2015-05-09T12:03:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4382"},"modified":"2015-05-10T10:44:45","modified_gmt":"2015-05-10T08:44:45","slug":"allgemeines","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4382","title":{"rendered":"Allgemeines"},"content":{"rendered":"<p><strong>Allgemeines<\/strong><\/p>\n<p>Der Hexameter stammt aus den antiken Literaturen und darf als eine der wertvollsten Bereicherungen der deutschen Metrik bezeichnet werden. Denn er verbindet mit der reichsten Mannigfaltigkeit und Abwechslung einen gleichm\u00e4\u00dfig ruhigen Gang, der ihn besonders f\u00fcr die epische Erz\u00e4hlung geeignet macht. Die Mannigfaltigkeit beruht auf der Verschiedenartigkeit der Versf\u00fc\u00dfe, Wortf\u00fc\u00dfe und Z\u00e4suren; die Gleichm\u00e4\u00dfigkeit auf der gleichen Anzahl der Takte und der regelm\u00e4\u00dfigen Wiederkehr des gleichen Vers-Schlusses. So ist der Hexameter ebenso biegsam und vielseitig als ruhig und stark. Die mannigfaltigen Abstufungen machen ihn f\u00e4hig zum Ausdruck sanfterer und st\u00e4rkerer Empfindungen, er vereinigt Anmut mit W\u00fcrde und Kraft. Von seiner Verwendung im Heldengedicht hat er auch den Namen heroischer Vers.<\/p>\n<p>Das gilt freilich am meisten von dem griechischen Hexameter; denn der lateinische ist schon nicht ganz mehr derselbe Vers. Er ist dem Silbengewicht nach schwerer, denn er enth\u00e4lt im ganzen weniger Daktylen als der griechische. Er vergibt aber umgekehrt von seiner W\u00fcrde und Kraft durch die Neigung, sich jeder Empfindung oder Vorstellung mit besonderem Ausdruck anzuschlie\u00dfen, sie nachahmend (onomatopoetisch) wiederzugeben. Dem Wesen des homerischen Hexameters ist solche Vielseitigkeit mit Preisgebung des eigenen Charakters durchaus fremd. Der Hexameter hat hier gerade die entgegengesetzte Aufgabe, ausgleichend zu wirken und die Pers\u00f6nlichkeit des epischen Erz\u00e4hlers \u00fcber dem Wechsel der Empfindungen und Vorstellungen zu behaupten, die rhythmische Mannigfaltigkeit aber nur soweit anzustreben, als eben n\u00f6tig ist, um die Eint\u00f6nigkeit zu vermeiden. Erst bei Horaz und Vergil kommen die virtuosen Kunstst\u00fccke vor, die Vossens get\u00e4uschtes Ohr aus dem homerischen Hexameter heraush\u00f6rte, und die er dann in dem Vers wiederzugeben suchte:<\/p>\n<p>Hurtig mit Donnergepolter entrollte der t\u00fcckische Marmor,<\/p>\n<p>oder:<\/p>\n<p>Als ringsher pechschwarz aufstieg graundrohende Sturmnacht.<\/p>\n<p>Wir besitzen in Prosa und in Versen ausgezeichnete Charakteristiken des Hexameters. Schiller hat ihn in einem Distichon, A. Wilhelm Schlegel in Hexametern charakterisiert. Die beiden Schlegel haben auch in Prosa, Friedrich in seiner Geschichte der deutschen Literatur, und A. Wilhelm in seinen Berliner Vorlesungen, gl\u00e4nzende Charakteristiken des homerischen Verses hinterlassen, die noch Uhland in seinen Vorlesungen f\u00fcr unentbehrlich f\u00fcr jeden \u00dcbersetzer Homers betrachtete, w\u00e4hrend man ihn heute in alle romanischen und altdeutschen Versma\u00dfe \u00fcbersetzt haben m\u00f6chte, nur nicht in Hexameter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allgemeines Der Hexameter stammt aus den antiken Literaturen und darf als eine der wertvollsten Bereicherungen der deutschen Metrik bezeichnet werden. Denn er verbindet mit der reichsten Mannigfaltigkeit und Abwechslung einen gleichm\u00e4\u00dfig ruhigen Gang, der ihn besonders f\u00fcr die epische Erz\u00e4hlung geeignet macht. 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