{"id":4385,"date":"2015-05-09T14:04:47","date_gmt":"2015-05-09T12:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4385"},"modified":"2015-05-09T14:04:47","modified_gmt":"2015-05-09T12:04:47","slug":"der-versschluss","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4385","title":{"rendered":"Der Versschluss"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Versschluss<\/strong><\/p>\n<p>Der Hexameter wird durch die regelm\u00e4\u00dfige Wiederkehr eines zweisilbigen Versfu\u00dfes nach je sechs Takten als rhythmische Einheit bezeichnet; die Reihe der bunt gemischten zwei- und dreisilbigen Versf\u00fc\u00dfe erh\u00e4lt also durch einen regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrenden zweisilbigen einen rhythmischen Abschluss. Aber auch der vorhergehende Fu\u00df ist in den meisten F\u00e4llen ein Daktylus: es wiederholen sich also meistens ein dreisilbiger und ein zweisilbiger Fu\u00df unmittelbar hinter einander von sechs zu sechs Takten. &#8222;Die Welle sinkt dem Ufer nahe mit Heftigkeit und zerflie\u00dft aufrauschend im Sande&#8220; sagt Voss, den Hexameterschluss unwillk\u00fcrlich auch im Rhythmus nachahmend. Gerade weil der Schluss des Verses durch so starke rhythmische Ver\u00e4nderungen deutlich markiert ist, gestattet der Hexameter freien Sinn\u00fcbergang und es ist ganz unn\u00f6tig, auf Vossens Empfehlung hin nach dem folgenden Vers eine Pause zu machen:<\/p>\n<p>Deren er zween anpackt, und wie junge Hund auf den Boden<br \/>\nSchlug.<\/p>\n<p>In Bezug auf den Versschluss ist zu beachten,dass man es beim Hexameter nicht wie beim klingenden Iambus mit einer \u00fcberz\u00e4hligen K\u00fcrze zu tun hat, sondern dass der Takt erst durch die letzte K\u00fcrze voll wird. Es ist also kein Grund vorhanden, sie so abfallen zu lassen wie beim Iambus. Die Versschl\u00fcsse auf tonloses -e werden darum eher vermieden als gesucht, wobei freilich auch das antike Schema ma\u00dfgebend ist; namentlich viele solche Versschl\u00fcsse hintereinander oder bei freiem Emjambement (das hei\u00dft: ohne Sinnpause) sucht man zu umgehen. Ganz zu vermeiden aber sind sie in unserer Sprache nicht; und Voss ist in dem Bestreben, ihnen aus dem Weg zu gehen, in den entgegengesetzten Fehler gefallen; er h\u00e4uft als die vermeintlich einzigen Spondeen die Komposita im Versschluss, die freilich auch im Versinnern bei ihm eine so gro\u00dfe Rolle spielen, dass oft ein Vers davon strozt:<\/p>\n<p>Sechs Schilfsessel umstanden den Steintisch, welche der Hausknecht<\/p>\n<p>Bei Schiller stehen meistens dreisilbige ( <span style=\"color: #ff0000\">v |\u00a0 &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v<\/span> oder\u00a0<span style=\"color: #ff0000\">v |\u00a0 &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <span class=\"postbody\">\u2014<\/span><\/span> ) und noch \u00f6fter zweisilbige W\u00f6rter im Versschluss, seltener einsilbige. Dagegen bildet Voss gern die homerischen Schl\u00fcsse auf einsilbige W\u00f6rter nach, denen noch Hermann wundervolle Wirkungen nachzur\u00fchmen wusste; sie sollen einmal das Gro\u00dfe und Erhabene auszeichnen, dann wieder das kleine durch exponierte Stellung umso l\u00e4cherlicher erscheinen lassen. Aber Voss, der so wenig wie unsere Klassiker \u00fcber die Betonung der einsilbigen W\u00f6rter im Klaren war, ist dadurch mit dem Satzakzent in best\u00e4ndigen Konflikt geraten. Die vossischen \u00dcbersetzungen von \u03bc\u03b7\u03c4\u03b9\u03b5\u03c4\u03b1 \u0396\u03b5\u03c5\u03c2 mit \u00d2<em>rdner der <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> W\u00e9lt, <span style=\"color: #ff0000\">\u00a6<\/span> Ze\u00fas<\/em>, der Versschluss:<\/p>\n<p>und pl\u00f6tzlich durchflog unl\u00f6schbar umher <span style=\"color: #ff0000\">\u00a6<\/span> Glut<\/p>\n<p>sind in Bezug auf den Akzent und die Satzpause gleich verfehlt, weil sie\u00a0 <span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> |\u00a0 &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014 <\/span><\/span>oder <span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> &#8218;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span><\/span> an die Stelle des von dem Vers geforderten\u00a0 <span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> &#8218;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span><\/span> setzen. Ebenso fehlerhaft sind trennbare Vorsilben mit dem Akzent in der letzten Senkung <em>b\u00e9bt a\u00faf<\/em> oder gar <em>zog \u00e1b<\/em>. Dem schlie\u00dfenden Einsilber geht gern ein steigender Spondeus voraus; Versschl\u00fcsse wie mit Jubelget\u00f3n lobts\u00edngt ihm halten Voss und Apel f\u00fcr besonders kr\u00e4ftig. Den Molossus von der Form <span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014\u00a0\u2014 &#8218;\u2014<\/span><\/span> (Kompositum + Simplex) finden sie hier mit Recht anst\u00f6\u00dfig, weil der Nebenakzent auf der letzen Silbe zu schwach ist und vor einem st\u00e4rker betonten Einsilber ganz verloren geht und weil dann noch obendein im vierten Fu\u00df Wortfu\u00df und Versfu\u00df zugleich schlie\u00dfen:<\/p>\n<p>Ziehn sanftschwebend dahin, wo erwachender <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> Fr\u00fchlings<span style=\"color: #ff0000\">\u00a6<\/span>hauch wohnt<\/p>\n<p>&#8211; Aber vor den ganz gleich zu beurteilenden F\u00e4llen wie:<\/p>\n<p>&#8230; Herrscher im D\u00f3nnergew\u00f3lk, Ze\u00fas<\/p>\n<p>hat sie kein richtiges Gef\u00fchl gewarnt. Nicht selten, namentlich im Verh\u00e4ltnis zu der geringeren Anzahl der Verse, die den Spondeus im f\u00fcnften Vers dulden, sind Ausg\u00e4nge auf zwei spondeische Wortf\u00fc\u00dfe:<\/p>\n<p>Wo sich des Bergs Glutstrom unhemmbar <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> langsam <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> fortw\u00e4lzt<\/p>\n<p>oder auf einen Doppelspondeus:<\/p>\n<p>Ringsum lagen die H\u00fcgel in lieblicher <span class=\"postbody\" style=\"color: #ff0000\">| <\/span>Abendd\u00e4mmrung.<\/p>\n<p>Die besten Versschl\u00fcsse werden beim Hexameter immer W\u00f6rter mit vollen Ableitungssilben bilden, wie <em>Schicksal, Reichtum, furchtbar<\/em>; weil hier die letzte Silbe voll aust\u00f6nt und doch der letzte Akzent st\u00e4rker zur Geltung kommt als bei den Kompositionen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Versschluss Der Hexameter wird durch die regelm\u00e4\u00dfige Wiederkehr eines zweisilbigen Versfu\u00dfes nach je sechs Takten als rhythmische Einheit bezeichnet; die Reihe der bunt gemischten zwei- und dreisilbigen Versf\u00fc\u00dfe erh\u00e4lt also durch einen regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrenden zweisilbigen einen rhythmischen Abschluss. 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