{"id":4391,"date":"2015-05-09T14:08:06","date_gmt":"2015-05-09T12:08:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4391"},"modified":"2015-05-09T14:08:06","modified_gmt":"2015-05-09T12:08:06","slug":"die-versfuesse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4391","title":{"rendered":"Die Versf\u00fc\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Versf\u00fc\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso wie in den Wortf\u00fc\u00dfen ist auch in den Versf\u00fc\u00dfen beim Hexameter die gr\u00f6\u00dfte Mannigfaltigkeit m\u00f6glich und verlangt. Er geh\u00f6rt zu den gemischten Versma\u00dfen, denn zweisilbige Versf\u00fc\u00dfe (Spondeen und Troch\u00e4en) wechseln mit dreisilbigen (Daktylen) in allen Versf\u00fc\u00dfen au\u00dfer im f\u00fcnften und sechsten ab. Die lebhaftere Bewegung des Daktylus wird durch den schwereren Spondeus gestaut und umgekehrt wieder der schwere Gang des Spondeus durch den leichteren Daktylus befl\u00fcget, so dass ein gleichm\u00e4\u00dfiges Schaukeln entsteht, nicht zu bewegt und nicht zu langsam, das dann in der typischen Figur\u00a0<span style=\"color: #ff0000\">\u00a0&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v v | &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <span class=\"postbody\">v<\/span>\u00a0<\/span> (oder <span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v v | &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <span class=\"postbody\">\u2014<\/span><\/span>) seinen nat\u00fcrlichen Abschluss findet.<\/p>\n<p>Hier, im Versschluss, soll sich der Rhythmus des Verses noch einmal rein auspr\u00e4gen und zweisilbige Versf\u00fc\u00dfe an f\u00fcnfter Stelle bilden immer eine Ausnahme. Freilich eine Ausnahme, die nicht selten vorkommt. Vorliebe f\u00fcr diese sogenannten <em>versus spondiaci<\/em> findet man schon bei Homer, weit weniger dagegen im Lateinischen, bei Vergil. In Klostocks Messias hat Strauss nach den sp\u00e4teren Umarbeitungen je einen Spondiacus auf achtzehn Verse gez\u00e4hlt, \u00fcbereinstimmend damit gibt auch Drobisch 5% an.<\/p>\n<p>Nach Hamels Untersuchungen h\u00e4tte er in den \u00e4lteren Ausgaben noch mehr gefunden; nach M. Ettlinger dagegen nimmt die Anzahl in den drei ersten Ges\u00e4ngen sp\u00e4ter umgekehrt zu: 1748: 85; 1760: 73; 1780: 109; 1799: 112. Diese zahlreichen Versus spondiaci mit ihren beiden zweisilbigen Versf\u00fc\u00dfen am Schlusse entsprechen dem lyrischen Charakter des klopstockischen Verses \u00fcberhaupt, der nicht lebhaft und kr\u00e4ftig zum Ziele eilt, sondern retardierend und melancholisch zu Ende kommt.<\/p>\n<p>In Vossens Homer betr\u00e4gt der Prozentsatz 3%, dem Spondeus im f\u00fcnften Fu\u00df geht aber fast immer ein Daktylus im vierten voraus. In Goethes munterem Reineke Fuchs kommt in 1000 Versen kein einziger Spondiacus vor, in Hermann und Dorothea 0,6 %. Dass sich Spondeus im f\u00fcnften Fu\u00df gern mit dem Ausgang auf einsilbiges Wort und auf einen dispondeeischen Wortfu\u00df verbindet, haben wir oben gesehen; M. Ettlinger findet, dass von den 56 durch alle Bearbeitungen des klopstockischen Messias hindurchgehenden Versus spondiaci nicht weniger als 38 auf Dispondeus schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Bei den Griechen \u00fcberwiegen die dreisilbigen, die h\u00fcpfenden Versf\u00fc\u00dfe. Bei den J\u00f6mern kommt der zweisilbige Spondeus schon h\u00e4ufiger vor. Auch die deutschen Hexameter sind schwerfl\u00fcssiger als die griechischen, da wir an Anap\u00e4sten gro\u00dfen Mangel leiden. Denn wenn Wortfu\u00df und Versfu\u00df im Hexameter nicht zusammenfallen sollen, sieht man sich gen\u00f6tigt, nach choriambischem Tonfall <span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v v | &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <\/span>entweder mit Anap\u00e4st\u00a0<span style=\"color: #ff0000\"> v v\u00a0 &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span><\/span>\u00a0 fortzufahren oder mit steigendem Spondeus <span style=\"color: #ff0000\"><span class=\"postbody\">\u2014<\/span> &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span>\u00a0<\/span>\u00a0 ; daher die gro\u00dfe Anzahl wirklicher oder durch versetzte Betonung k\u00fcnstlich erzeugter steigender Spondeen bei Voss und seinen Nachfolgern.<\/p>\n<p>Mehrere Spondeen in demselben Vers sind deshalb keineswegs selten. Dass aber ein Vers aus mehr Spondeen aus Daktylen besteht oder dass er nur Spondeen enth\u00e4lt, kommt au\u00dfer bei onomatopoetischem Ausdruck doch selten vor:<\/p>\n<p>Wo sich des <span style=\"color: #ff0000\">| <\/span>Bergs Glut <span style=\"color: #ff0000\">| <\/span>strom un <span style=\"color: #ff0000\">|\u00a0<\/span>hemmbar <span style=\"color: #ff0000\">| <\/span>langsam <span style=\"color: #ff0000\">| <\/span>fortw\u00e4lzt<\/p>\n<p>Dort wo des <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> opfernden <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> Volks Pracht <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> zug lang <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> sam berg <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> auf wallt<\/p>\n<p>Oder gar:<\/p>\n<p>Schwermuts <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> voll weh <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> klagt beim <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> Abschieds <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> fest Vor <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> ahnung<\/p>\n<p>Dazu kommt nun, dass der deutsche Hexameter in der Praxis selbst unserer besten Dichter au\u00dfer den Spondeen noch andere zweisilbige Versf\u00fc\u00dfe duldet, die Troch\u00e4en. Daraus ergibt sich, dass das Verh\u00e4ltnis der dreisibligen zu den zweisilbigen Versf\u00fc\u00dfen im Griechischen und im Deutschen ein durchaus verschiedenes sein muss. Und man sollte das auch gar nicht anders w\u00fcnschen. Zwischen den griechischen und den deutschen Daktylen, falls diese reine Daktylen sind, ist ein wesentlicher Unterschied. Die griechischen haben einen viel leichteren, sanfteren Fall als die deutschen. Unsere &#8222;L\u00e4ngen&#8220; sind im Gegensatz zu den &#8222;K\u00fcrzen&#8220; l\u00e4nger und st\u00e4rker betont als die griechischen L\u00e4ngen im Verh\u00e4ltnis zu den griechischen K\u00fcrzen; unsere &#8222;K\u00fcrzen&#8220; noch k\u00fcrzer, unbetonter und auch lautarmer als die griechischen. Der Gegensatz beider ist also im Deutschen ein weit st\u00e4rkerer als im Griechischen, die Wirkung eine viel drastischere. Ein Vers aus lauter Daktylen hat im Griechischen einen leise fallenden, im Deutschen einen polternden Charakter:<\/p>\n<p>Hurtig mit Donnergepolter entrollte der t\u00fcckische Marmor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Versf\u00fc\u00dfe Ebenso wie in den Wortf\u00fc\u00dfen ist auch in den Versf\u00fc\u00dfen beim Hexameter die gr\u00f6\u00dfte Mannigfaltigkeit m\u00f6glich und verlangt. Er geh\u00f6rt zu den gemischten Versma\u00dfen, denn zweisilbige Versf\u00fc\u00dfe (Spondeen und Troch\u00e4en) wechseln mit dreisilbigen (Daktylen) in allen Versf\u00fc\u00dfen au\u00dfer im f\u00fcnften und sechsten ab. Die lebhaftere Bewegung des Daktylus wird durch den schwereren Spondeus&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4391\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Die Versf\u00fc\u00dfe<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":4251,"menu_order":4,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4391","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4391"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4392,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4391\/revisions\/4392"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}