{"id":4395,"date":"2015-05-09T14:10:40","date_gmt":"2015-05-09T12:10:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4395"},"modified":"2015-05-09T14:10:40","modified_gmt":"2015-05-09T12:10:40","slug":"der-akzent","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4395","title":{"rendered":"Der Akzent"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Akzent im Hexameter<\/strong><\/p>\n<p>Wie alle Verse, die nicht auf regelm\u00e4\u00dfigem Wechsel von Hebung und Senkung beruhen, so fordert auch der Hexameter einen fest und sicher ausgepr\u00e4gten Takt: also stark hervortretende Akzente und und nicht zu starke Verletzung der Taktdauer. Nur wo die Akzente schon in der nat\u00fcrlichen Betonung deutlich hervortreten, wird auch der Rhythmus ganz unzweideutig sein. Ob ich lesen soll<\/p>\n<p>\u00c1uch dem M\u00e9nschen, <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> d\u00e9r dir im <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> \u00e9ngen L\u00e9ben beg\u00e9gnet<\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p>\u00c1uch dem M\u00e9nschen, der <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> d\u00edr im <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> \u00e9ngen L\u00e9ben beg\u00e9gnet<\/p>\n<p>ist nicht so deutlich. Voss wollte schwachbetonte Silben wie <em>an<\/em>, <em>sich<\/em> \u00fcberhaupt nur im ersten und f\u00fcnften Fu\u00df gelten lassen: im ersten Fu\u00df begreift man es, denn wenn mit dem Vers ein neuer Satz beginnt, so wird die erste Arsis beim Anheben unwillk\u00fcrlch verst\u00e4rkt; im f\u00fcnften Fu\u00df aber, wo sich der Vers dem Ende n\u00e4hert und daktylischen Rhythmus fordert, erwartet man viel mehr einen st\u00e4rkeren Akzent. Voss irrt auch hier, indem er die einslibigen W\u00f6rter f\u00fcr &#8222;L\u00e4ngen&#8220; und &#8222;K\u00fcrzen&#8220; erkl\u00e4rt; denn auch W\u00f6rter wie <em>an<\/em>, <em>sich<\/em> und dergleichen k\u00f6nnen einen st\u00e4rkeren Akzent haben, wofern es die Umgebung erlaubt. Mehrere schwachbetonte Hebungen schw\u00e4chen daher den Vers:<\/p>\n<p>\u00c1ber in e\u00ecnem Geb\u00fasch und in e\u00ecner vertra\u00falichen La\u00fabe.<\/p>\n<p>Versetzte Betonung ist im Hexameter selten m\u00f6glich. In den schon er\u00f6rterten F\u00e4llen, wo <em>Meerfl\u00fat<\/em> oder <em>ferntr\u00e9ffend<\/em> oder <em>ehrw\u00fardig<\/em> mit dem Akzent auf der zweiten Silbe gebraucht werden, liegt nur Abweichung von der gew\u00f6hnlichen Wortbetonung vor, nicht versetzter Versakzent; der Rhythmus ist hier v\u00f6llig ungest\u00f6rt. Aber im ersten Versfu\u00df kommen F\u00e4lle vor, wo nach der nat\u00fcrlichen Betonung steigender, nicht fallender Rhythmus herrscht. Die antikisierende Metrik dr\u00fcckt das so aus, dass ein steigender Spondeus oder ein Iambus statt des fallenden Spondeus oder des Daktylus stehe; und sie l\u00e4sst uns dar\u00fcber im Zweifel, ob die nat\u00fcrliche Betonung oder die Versbetonung zu Recht besteht. Soll man lesen<\/p>\n<p>In w\u00e9tt <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> e\u00ecfernder <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> Hast und oft mit dem Sch\u00f6neren prahlend<\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p>\u00cdn wett<span style=\"color: #ff0000\"> |<\/span> e\u00edfernder <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> H\u00e1st und oft mit dem Sch\u00f6neren prahlend<\/p>\n<p>etc.;<\/p>\n<p>Den We\u00ednst\u00f2ck der Zy <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> pr\u00e9sse verm\u00e4hlt<\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p>D\u00e9n Weinst\u00f3ck der Zy <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> pr\u00e9sse verm\u00e4hlt<\/p>\n<p>Voss setzt oft auch logisch betonte Silben an die Stelle der Senkung, zum Beispiel im Eingang der Ilias:<\/p>\n<p>Und v\u00edel <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> t\u00e1pfere <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> S\u00e9elen der H\u00e9ldens\u00f6hne zum Ais<br \/>\nSendete<\/p>\n<p>wo<em> \u00dand viel t\u00e1pfere<\/em> einen anderen Sinn (= sehr tapfere) g\u00e4be; oder<\/p>\n<p>Doch m\u00edr <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> g\u00e9bet die <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> Tochter zur\u00fcck und empfahet die L\u00f6sung<\/p>\n<p>wo <strong>mir<\/strong> Gegensatz zu dem vorhergehenden <em><strong>euch<\/strong> verleihen die unsterblichen den Sieg<\/em> bildet. Trotzdem aber diese Betonung durch den Silnn gefordert und am Eingang des Verses auch rhythmisch m\u00f6glich ist, zweifle ich doch, dass Voss sie angenommen h\u00e4tte. Ihm war es vielmehr in dem eitlen Streben nach gleichgewogenen Spondeen gerade lieb, zwei Akzente nebeneinander gehabt zu haben, und er wird in <em>\u00fand viel<\/em> und <em>d\u00f3ch mir<\/em> gewiss beide Akzente zur geltung zu bringen gesucht haben, das hei\u00dft schwebende Betonung haben eintreten lassen, da hier ja nicht blo\u00df zwei, sondern drei Akzente zusammentreffen: die Arsis, die zu betonende Silbe in Thesis, und die folgende Arsis. Daf\u00fcr spricht auch, dass er gewohnt war, Komposita wie <em>Wetteifer<\/em>, <em>Weinstock<\/em> ohne R\u00fccksicht auf die Umgebung mit dem akzent auf der zweiten Silbe zu gebrauchen und sich auch bei einsilbigen W\u00f6rtern um die Umgebung nicht zu k\u00fcmmern: darum erlaubt er sich auch in der Mitte des Verses Betonungen wie<\/p>\n<p>Rastlos schritten sie fort, k\u00fchl <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> v\u00f3n Baum <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> zwe\u00edgen be <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> schattet<\/p>\n<p>Halleten <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> v\u00f3n Kirch <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> t\u00farmen die Glocken laut zu der Feier<\/p>\n<p>Den Zuh\u00f6rern erschien daher auch sein feierlicher Vortrag als &#8222;wahrer Gesang und Intonation&#8220;.<\/p>\n<p>Zu den Akzentfragen pflegt man auch seit Klopstock die Lehre vom Nebenton oder (wie Klopstock ihn nennt) vom Tiefton zu z\u00e4hlen. Bekanntlich hat Klopstock W\u00f6rter wie <em>Richterstuhl, Sonnenweg, Weltgericht<\/em> (<span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v &#8218;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span><\/span>) oder wie <em>Sturmfluten<\/em> (<span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> &#8218;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <span class=\"postbody\">v<\/span><\/span>) erst in den sp\u00e4teren Ges\u00e4ngen des Messias (1755) vermieden, angeblich als Verletzung des &#8222;Tieftons&#8220;; fr\u00fcher hatte er sie stets als Daktylen gebraucht. Diese Frage betrifft aber erst in zweiter Linie und indirekt den Akzent; denn die Missachtung des Tieftons w\u00e4re an und f\u00fcr sich ohne Bedeutung. In W\u00f6rtern nach dem Paradigma <em>St\u00farmfl\u00f9ten <\/em>folgt der &#8222;Tiefton&#8220; unmittelbar auf den Hauptakzent und seine Unterdr\u00fcckung w\u00fcrde bei zwei Silben zwischen zwei starken Akzenten der Hebungen (<span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> &#8218;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <span class=\"postbody\">v | &#8222;\u2014 v v <\/span><\/span>) kaum ins Gewicht fallen. Im anderen Fall steht der Nebenakzent gar unmittelbar vor einer folgenden Hebung, durch die er noch mehr herabgedr\u00fcckt wird (<span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v\u00a0 &#8218;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> | <span class=\"postbody\">&#8222;\u2014<\/span><\/span>), so dass er ganz verloren geht (<span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v\u00a0 <span class=\"postbody\">\u2014<\/span> | <span class=\"postbody\">&#8222;\u2014<\/span><\/span>). An der Verletzung des Akzents w\u00fcrden wir also wenig Ansto\u00df nehmen; es handelt sich vielmehr um die Taktdauer und die Quantit\u00e4t. Denn diese W\u00f6rter mit nebentonigen, vollen Stammsilben sind entweder zu lang f\u00fcr die Dauer eines Taktes; oder es werden, um die Taktdauer auszugleichen, die schw\u00e4cher betonten Stammsilben unertr\u00e4glich verk\u00fcrzt, es geht mit dem Akzent die Silbendauer verloren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Akzent im Hexameter Wie alle Verse, die nicht auf regelm\u00e4\u00dfigem Wechsel von Hebung und Senkung beruhen, so fordert auch der Hexameter einen fest und sicher ausgepr\u00e4gten Takt: also stark hervortretende Akzente und und nicht zu starke Verletzung der Taktdauer. Nur wo die Akzente schon in der nat\u00fcrlichen Betonung deutlich hervortreten, wird auch der Rhythmus&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4395\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Der Akzent<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":4251,"menu_order":6,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4395","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4395"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4395\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4396,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4395\/revisions\/4396"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}