{"id":4416,"date":"2015-05-11T00:35:04","date_gmt":"2015-05-10T23:35:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4416"},"modified":"2020-07-28T00:16:20","modified_gmt":"2020-07-27T23:16:20","slug":"a-peters-hans-und-baerbel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4416","title":{"rendered":"A. Peters: Hans und B\u00e4rbel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Schnitter-Idylle (1840)<\/strong><\/p>\n<p>Rhythmisch sausten die Sensen im Korn, mit beb\u00e4nderten H\u00fcten<br \/>\nSchritten die Schnitter im Zug und schwangen die m\u00e4chtigen Schneiden.<br \/>\nSichtbar r\u00fcckten sie vor, wie ein Heer, das die Feinde zur\u00fcckdr\u00e4ngt,<br \/>\nSchritt f\u00fcr Schritt sie bek\u00e4mpft, nicht umblickt. Jubelnde M\u00e4dchen<br \/>\nBanden, was jene gef\u00e4llt, es erhob sich Mandel auf Mandel<br \/>\nStrotzender Garben; vom Feld quer\u00fcber schwankte ein Fuder<br \/>\nUnbeholfen davon. Ich schaute dem fr\u00f6hlichen Flei\u00df zu,<br \/>\nLange gefesselt. Zuletzt dann schlendert&#8216; ich weiter und setzte<br \/>\nUnter die Eiche mich, fern, am Brunnen. Da kam von den M\u00e4hern<br \/>\nEilig ein Dirnchen gesprungen, behend, leicht schl\u00fcpfenden Fu\u00dfes,<br \/>\nEinen gehenkelten Krug in der Hand, gerad&#8216; auf den Born zu.<br \/>\nSch\u00fcchtern sah sie umher, ob niemand lauschte. (Ich selbst war<br \/>\nHinter die Eiche getreten.) Sie stellte den Krug auf die Steinbank,<br \/>\nLehnte sich \u00fcber den Born, ihr Fig\u00fcrchen bespiegelnd, und lachte &#8211;<br \/>\nLachte noch einmal und nickte hinunter und pfiff, &#8211; doch es ging nicht.<br \/>\nSo mit gespitztem M\u00fcndchen verharrt&#8216; in der Schwebe die Kleine:<br \/>\nRot ihr Mieder und kurz nur das R\u00f6ckchen, es strebte vergebens<br \/>\nIhr mit dem blumigen Saume das nackende F\u00fc\u00dflein zu k\u00fcssen.<br \/>\nAber dem Hute gelangs, mir den Nacken zu bergen, die Stirn gar,<br \/>\nDoch nur ein Weilchen; sie l\u00f6ste das Band schon und sch\u00fcttelt&#8216; ihn von sich.<br \/>\nLang hings B\u00e4rbel nun so in Gedanken, des l\u00e4ndlichen Bornes<br \/>\nEinsam gl\u00fchende Knospe, in zitternder Tiefe gespiegelt.<br \/>\nEndlich doch bog sie sich auf, stand sinnend und griff nach dem Steinkrug,<br \/>\nSetzt&#8216; ihn wieder und sprach zu sich selbst mit vergn\u00fcglicher Schalkheit:<br \/>\n&#8222;Listiger Hans, und du f\u00e4ngst mich doch nicht! Steckst du im Born gar?<br \/>\nLauschest herauf? (Sie schnitt ein Gesicht in den Brunnen:) so mach ichs,<br \/>\nWerd&#8216; ich ja rot, wenn du kommst! Und zupfst du mich doch an den Z\u00f6pfen,<br \/>\nGreif ich zum Kruge geschwind und bespritze dich \u00fcber und \u00fcber!&#8220; &#8211;<br \/>\nHastig nun zog sie das Wasser, den frischen, elastischen Gliedern<br \/>\nG\u00f6nnte die rasche Bewegung das mannigfaltige Spiel kaum,<br \/>\nDenn schon kam von den Schnittern, den durst&#8217;gen, ein Bote her\u00fcber,<br \/>\nEins von den \u00e4lteren M\u00e4dchen. Es sagte und nahm ihr den Krug weg:<br \/>\n&#8222;B\u00e4rbel, wo steckst nur so lang? Und l\u00e4sst und verdursten und schaffst nichts?<br \/>\nSpottest best\u00e4ndig uns aus, doch nun wart, heut sorge f\u00fcr Spott nicht!<br \/>\nWei\u00dft du, was K\u00e4therle sprach? &#8218;Das H\u00e4schen, da sonst es so flink ist,<br \/>\nMuss es verliebt sein!&#8216; &#8211; Einer belacht&#8216; es, er rief: &#8218;Und das t\u00fcchtig!&#8220;<br \/>\n&#8222;Wars wohl der Hans?&#8220; &#8211; &#8222;Nein, Hans schwieg still, doch der alte Andreas<br \/>\nWetzte die Sense und sagte, und hustete immer: &#8218;So lauft doch<br \/>\nSelber und holt euch den Krug! Mags faule Magretel da dr\u00fcben<br \/>\nGleich nur am Kampe verbleiben, die Arbeit muss sie allein tun,<br \/>\nAlles da binden und stellen.&#8216; Da lachten die andern ihm Beifall.&#8220; &#8211;<br \/>\n&#8222;Ha, das tu ich gar fix, rief B\u00e4rbel, gewiss bin ich fr\u00fcher<br \/>\nFertig als ihr, und da komm ich und such Kornblumen, den Hut ab<br \/>\nSetz ich, ein Kr\u00e4nzel ins Haar, und tanz vor der Nas&#8216; euch und lache!&#8220;<br \/>\nSprach es und huschte hin\u00fcber und tummelte schon mit dem Korn sich:<br \/>\nLustig umflog sie das R\u00f6ckchen, ich sah an verschiedenen Orten<br \/>\nFast sie zugleich und man glaubte, sie tanze mit Garben den Kehraus:<br \/>\nEins, zwei, drei! und gestellt war wieder die folgende Mandel.<br \/>\nWeit jedoch dehnte die Ecke sich hin und da alles getan war,<br \/>\nSank sie ersch\u00f6pft an das Korn und nickte und tr\u00e4umte und schlief ein.<\/p>\n<p>B\u00e4rbel, du tr\u00e4umst? O ich rate, du tr\u00e4umst, wie im Kranz du sie auslachst,<br \/>\nOder vom Erntezug und vom Reigen &#8211; am Ende vom Hans gar?<br \/>\nJa, du tr\u00e4umest vom Hans, du Schalk, und du sinnst auf ein Schelmst\u00fcck,<br \/>\nTr\u00e4umst du aber auch wohl, dass Hans dein Schlummern be\u00e4ugelt? &#8211;<br \/>\nHans war den Schnittern entschl\u00fcpft, nach der Kleinen zu forschen, die Arbeit<br \/>\nFand er getan wie gehext, und noch nicht vom Erstaunen genesen,<br \/>\nSah er die liebliche Dirn&#8216; im Schlaf; hinschlich er und lauschte.<br \/>\nKeck stands J\u00e4ckchen dem Buben und dummschlau sann er auf Pfiffe,<br \/>\nHeute der S\u00fc\u00dfen Gest\u00e4ndnis und Brautkuss doch zu erbeuten.<br \/>\nWichtig fragt&#8216; er sich selbst und legt&#8216; an die Nase den Finger:<br \/>\n&#8222;Hans, wie f\u00e4ngst du das an? Erweck&#8216; ich sie, gibt es wie stets Krieg,<br \/>\nKirr&#8216; ich sie dann, tu sch\u00f6n, so reicht sie &#8217;nen Klapps mir und l\u00e4uft weg!&#8220;<br \/>\nDenkend rieb er die Stirn, schlug \u00f6fters ergrimmt vor den Kopf sich,<br \/>\nSann dann wieder bed\u00e4chtig und brummte. &#8211; &#8222;Ich habs!&#8220; rief er pl\u00f6tzlich,<br \/>\nUnd wie ein Zecher vom Blitz, halb trunken vom feurigen Weine,<br \/>\nAufspringt, Flaschen und Kr\u00fcge im stolprichten Schwunge dahinst\u00fcrzt,<br \/>\nSprang vor Entz\u00fccken der Hans, sah Maulwurfshaufen und Kraut nicht,<br \/>\nKam ins Gestrauchel, Gepurzel und st\u00fcrmt ins Getreide des Nachbars,<br \/>\nDass er die rasselnden Bunde zerwarf und im Nu auf der Nas&#8216; lag.<br \/>\nDoch wie ein Stehaufm\u00e4nnchen war schnell Hans wieder zu Beinen,<br \/>\nSchlich auf den Zehen und sp\u00e4hte in Angst, ob B\u00e4rbel erwacht sei.<br \/>\nHans, dein Gl\u00fccksstern strahlt. S\u00fc\u00dfruhend schlummerte B\u00e4rbel,<br \/>\nBietend im gl\u00fchenden Mund, so klein, liebreizend gespalten,<br \/>\nHold unschuldig dem Hans ein R\u00f6schen, das eben sich auftut.<\/p>\n<p>Hans nun fing sich im Hut ganz leis Grash\u00fcpfer in Unzahl,<br \/>\nNur von den kleinsten. Er streckte damit an der Seite des M\u00e4gdleins<br \/>\nSacht sich nieder und tat, sobald er die springende Heerschar<br \/>\n\u00dcber die Liebste ges\u00e4t, als schlief er &#8211; und schnarchte sofort laut.<br \/>\nB\u00e4rbel regte sich schon. Sie fuhr mit der Hand nach dem Ohr hin,<br \/>\nAuch in die Locken, worin sich ein Paar von den H\u00fcpfern verwickelt,<br \/>\nSchlug dann wieder nach einem im Halbschlaf, murmelte: &#8222;Fliege,<br \/>\nGeh doch!&#8220; &#8211; Aber umsonst. Zuletzt, unaufh\u00f6rlich gequ\u00e4lt, sprang<br \/>\nRasch sie empor und gewahrt den Buben. Sie st\u00f6\u00dft einen Schrei aus,<br \/>\nSteht schon gewendet zur Flucht, da entdeckt sie, er schl\u00e4ft ja, und kehrt um,<br \/>\nN\u00e4hert sich eilig, erblickt ihn mit pochendem Herzen, sie bebt noch,<br \/>\nAber sie schaut ihm ger\u00fchrt ins Antlitz und neigt sich ein wenig &#8211;<br \/>\nHans schl\u00e4ft ruhig &#8211; sie beugt sich tiefer und senkt auf ein Knie sich,<br \/>\nStreichelt ihm leise die Hand, hielt ein &#8211; kniff fein in die Wang&#8216; ihm &#8211;<br \/>\nHans schlief ruhig. &#8211; Sie lachte. &#8211; Doch Hans schlief ruhig sein St\u00fcckchen,<br \/>\nNur dass er st\u00f6hnte. Da presst&#8216; an ihr Herz sie die Hand des Verschmitzen,<br \/>\nHusch! und da war es geschehn: sie k\u00fcsst&#8216; ihm err\u00f6tend den Krauskopf.<br \/>\nJetzo blinzelte Hans, doch h\u00f6chst vorsichtig; er hielt sich<br \/>\n\u00c4ngstlich still wie ein Angler, der eben der tanzenden Spule<br \/>\nDeutliches Zucken gewahrt. Und der Goldfisch biss und ihr Kuss flog<br \/>\n\u00dcber die Lippen ihm hin. Da ruckte der Fischer die Schnur an,<br \/>\nSchlang ihr den Arm um den Nacken und rief: &#8222;Jetzt hab ich dich, F\u00fcchslein,<br \/>\nHab dich erwischt!&#8220; Doch sie schrie: &#8222;Hans, lass mich, du R\u00e4uber, du Spitzbub!&#8220;<br \/>\n&#8222;Nimmer, wo nicht du gelobst, mein Weibchen zu werden &#8211; entschlie\u00df dich!<br \/>\nVierzig Schafe und zwei Spann Ochsen nebst Wiesen und \u00c4ckern<br \/>\nSagte der Vater mir zu, dazu noch das kleinere Wohnhaus;<br \/>\n\u00dcberleg es dir recht und bedenk, dass du eher nicht loskommst!&#8220;<br \/>\nB\u00e4rbel erwiderte kurz, doch mit merklich beg\u00fctigter Stimme:<br \/>\n&#8222;Gleich lass los, du empf\u00e4ngst jetzt einen gepfefferten Ohrklapps<br \/>\nWegen des Trugs!&#8220; &#8211; Nach richt&#8217;gem Empfang stahl Hans ihr ein M\u00e4ulchen,<br \/>\nWiederholte die Frage und B\u00e4rbelchen fl\u00fcsterte: &#8222;Ja, Hans!&#8220;<\/p>\n<p>Fernher scholl der Gesang der Schnitter, die \u00fcber den H\u00fcgel,<br \/>\nDer schon die Sonne verbarg, heimzogen zum dampfenden Herde.<br \/>\nSanft von den T\u00f6nen gewiegt schlich eben das P\u00e4rchen vor\u00fcber.<br \/>\nNeckisch&#8216; h\u00f6rt ich sie fl\u00fcstern und Hans sprach schon von der Hochzeit,<br \/>\nWelches verf\u00e4ngliche Wort ihr so wonnigen Stich in das Herz gab,<br \/>\nDass sie zur Mutter zu eilen beklommen den Br\u00e4utigam antrieb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Schnitter-Idylle (1840) Rhythmisch sausten die Sensen im Korn, mit beb\u00e4nderten H\u00fcten Schritten die Schnitter im Zug und schwangen die m\u00e4chtigen Schneiden. 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