{"id":4469,"date":"2015-05-26T01:27:30","date_gmt":"2015-05-25T23:27:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4469"},"modified":"2017-12-11T11:50:42","modified_gmt":"2017-12-11T10:50:42","slug":"der-getroestete-f-x-bronner","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4469","title":{"rendered":"Der Getr\u00f6stete (F. X. Bronner)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Getr\u00f6stete<\/strong><br \/>\n(Eine wahre Geschichte)<\/p>\n<p>Der Frau Dorothea Zellweger<br \/>\ngeb. Gessner gewidmet,<br \/>\nbei ihrer Verm\u00e4hlung. 1790.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie wenn zu traur&#8217;gen Zellen<br \/>\nDie Sonne strahlt,<br \/>\nUnd dann, erwacht, die Biene<br \/>\nZur \u00d6ffnung eilt;<br \/>\nWie sie des Fr\u00fchlings Wonne<br \/>\nEntz\u00fccket sieht;<br \/>\nSo &#8211; seh&#8216; ich deinen Wonne &#8211;<br \/>\nBin ich entz\u00fcckt.<\/p>\n<p><em>&#8211; S. Gessner<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geliebte Freundin!<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffff99\">.\u00a0\u00a0\u00a0<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nehmen Sie<br \/>\nDies Brautgedichtchen g\u00fctig auf!<br \/>\nEs zieht verlangend Ihnen nach,<br \/>\nWie Schwalben warmer Sommerluft,<br \/>\nUnd will sich gern dazu verstehn,<br \/>\nIns Nachtland der Vergessenheit<br \/>\nHinab zu gleiten, wenn es nur<br \/>\nDen Trost mit sich nimmt, Ihrem Mund<br \/>\nEin s\u00fc\u00dfes L\u00e4cheln abgelockt<br \/>\nUnd Ihre sch\u00f6ne Seele sanft<br \/>\nGer\u00fchrt zu haben. Aber doch<br \/>\nZur Warnung eins! (Denn Schrecken tut<br \/>\nDen jungen Frauen gar nicht wohl.)<br \/>\nEs spricht von einem gr\u00e4sslichen,<br \/>\nErgrimmten Tier. Entsetzen Sie<br \/>\nSich nicht zum zweitenmal vor ihm!<br \/>\nUnd sollten Sie es etwa selbst<br \/>\nIm Bilde scheu&#8217;n, so lassen Sie,<br \/>\nIch bitte, dies Gedichtchen nichts<br \/>\nEntgelten! Denn sein ganzer Stoff<br \/>\nIst echter Wahrheit Gold, sein Kleid<br \/>\nIdyllentracht; sein Ziel Ihr Herz;<br \/>\nSein Himmel Ihres Beifalls Lohn.<br \/>\nNun, Gnade! Himmelspf\u00f6rtnerin!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einer weiten Wanderung<br \/>\nIn fremde Lande schmachtete<br \/>\nDer junge Fischer Hali\u00e4t,<br \/>\nVoll Kummer, einst nach H\u00fclf&#8216; und Trost,<br \/>\nWie nach des Retters Arm ein Kind,<br \/>\nDas Wolkenbruch und Wogendrang<br \/>\nAuf einen \u00f6den Werder warf.<br \/>\nDa bot Pal\u00e4mon ihm die Hand,<br \/>\nPal\u00e4mon, dem die Redlichkeit<br \/>\nAus jeder Miene leuchtete,<br \/>\nDen weit und breit die ganze Trift<br \/>\nDer Hirtenf\u00e4nger Ersten pries.<br \/>\nDa wachte in des Fischers Brust<br \/>\nDie lang&#8216; entschlafne Munterkeit<br \/>\nVon neuem auf, und str\u00f6mte bald<br \/>\nIn kleinen Fischerliedern aus.<br \/>\nPal\u00e4mons edle Gattin hielt<br \/>\nIhn wert wie einen gl\u00fccklichen,<br \/>\nWillkommnen Gast; ihr lieber Sohn,<br \/>\nEin J\u00fcngling, der sich Biedersinn<br \/>\nUnd edelmut zu F\u00fchrern kor,<br \/>\nVertauschte Herz um Herz mit ihm:<br \/>\nUnd ihre Tochter, sanft und gut,<br \/>\nUnd reich mit jeder Anmut Reiz<br \/>\nGeschmucket, wie die sch\u00f6nste Braut<br \/>\nIn ihres Vaters Sch\u00e4ferwelt,<br \/>\nWar dem ger\u00fchrten Hali\u00e4t,<br \/>\nWas nach dem Frost der jungen Flur<br \/>\nDie milde Fr\u00fchlingssonne ist;<br \/>\nSie l\u00e4chelt frische Lebenslust<br \/>\nUnd Wonne allen Wesen zu.<br \/>\nVom s\u00fc\u00dfesten Entz\u00fccken schwoll<br \/>\nDes dankbarn Fischers Busen oft<br \/>\nIm Kreise dieser Redlichen.<\/p>\n<p>Doch ach! ein herbes Schicksal rief<br \/>\nIhn bald, aus ihrer Mitte weg,<br \/>\nZur Wildnis seines Vaterlands.<br \/>\nEr wohnte dort am Lycusstrom,<br \/>\nVon seiner Freunde Heimat fern,<br \/>\nIn einem Binsenh\u00fcttchen, still,<br \/>\nEinsiedlerisch und unbemerkt.<br \/>\nNur selten brachten Fremdlinge<br \/>\nVon seines Herzen Lieblingen<br \/>\nIhm Kunde aus dem fernen Land;<br \/>\nJetzt froh erw\u00fcnscht, wie nachts ein Licht<br \/>\nDem Irrenden im d\u00fcstern Wald;<br \/>\nJetzt trauervoll und schmerzlich, wie<br \/>\nDas Prasseln eines Hagelschlags<br \/>\nDem Pfl\u00fcger, oder Sturmgebraus<br \/>\nDem Schiffervolk auf weiter See.<br \/>\nAch! nur zu bald bereitete<br \/>\nDie Nachricht von Pal\u00e4mons Tod<br \/>\nIhm nie gef\u00fchlter Schmerzen Glut<br \/>\nIn seines Busen Innerstem!<\/p>\n<p>Oft, wenn sein Herz vom s\u00fc\u00dfen Drang,<br \/>\nSich mitzuteilen, \u00fcberfloss,<br \/>\nUnd rings in \u00f6der Wildnis doch<br \/>\nKein mitempfindend Wesen traf;<br \/>\nOft, wenn gesch\u00e4ftig seine Hand<br \/>\nAus Weiden kleine Reusen flocht,<br \/>\nUnd wenn er einsam seinen Kahn<br \/>\nAuf raschen Fluten treiben lie\u00df,<br \/>\nBeim Angeln und beim Netzeziehn,<br \/>\nBeim Hahnengru\u00df und Eulenruf,<br \/>\nSchwang auf der Sehnsucht Fittichen<br \/>\nSein Geist sich zu Pal\u00e4mons Haus<br \/>\nIn seiner Lieben Arme hin &#8211;<br \/>\nWie ein gefangnes V\u00f6gelchen<br \/>\nBegierig sich ins Freie schwingt,<br \/>\nBis es des Fadens Fessel f\u00fchlt,<br \/>\nAn dem ein loser Knab&#8216; es h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Jetzt hatte falbes Abendrot<br \/>\nIhn ans Gestad hinausgelockt.<br \/>\nEr w\u00fchlte da den feuchten Grund,<br \/>\nMit einer Lampe in der Hand,<br \/>\nNach Regenw\u00fcrmern eifrig durch,<br \/>\nUm K\u00f6der f\u00fcr die Angel sich<br \/>\nZu sammeln, und die Fische schlau<br \/>\nDurch ausgestreute F\u00fctterung<br \/>\nZum reichen Fanf herbeizuziehn.<br \/>\nSein Sinn entflog, indes er grub,<br \/>\nZuz seinen fernen Freunden hin.<br \/>\nJ\u00fcngst hatt&#8216; ein trauriges ger\u00fccht<br \/>\nVon ihm die Ruhe weggescheucht;<br \/>\nNun brach er so in Klagen aus:<\/p>\n<p>&#8222;O Tochter meines edlen Freunds,<br \/>\nDu s\u00fc\u00dfes Kind, der Unschuld Bild!<br \/>\nIst&#8217;s wahr, was das Ger\u00fccht erz\u00e4hlt?<br \/>\nIst deine Sch\u00f6nheit hingewelkt,<br \/>\nVerw\u00fcstet deiner Bildung Reiz<br \/>\nDurch eines Ungeheuers Zahn,<br \/>\nWie eine sch\u00f6ne Lilie<br \/>\nDurch garstiger Insekten Fra\u00df?<br \/>\nMan sagt, an d\u00fcnnem Faden hing<br \/>\nDein Leben: Ach! mich schauert drob! &#8211;<br \/>\nDu kamst an deiner Freundin Hand<br \/>\nAus einer k\u00fchlen Laube her,<br \/>\nDen Abendschmuck der Flur zu sehn.<br \/>\nZwei sch\u00f6ne Lusterscheinungen,<br \/>\nDie sanft geh\u00fcllt in Mondenlicht,<br \/>\nSich unsrer Erde segnend nahn,<br \/>\nUnd Trost und s\u00fc\u00dfe Linderung<br \/>\nAuf Leidende herunterstreun.<br \/>\nDa schoss ein gr\u00e4\u00dflich gro\u00dfer Hund<br \/>\nMit aufgesperrtem Rachen, laut<br \/>\nVerderben murrend, auf dich los,<br \/>\nUnd schlang die raue Pfote dir<br \/>\nErgrimmt um deinen Lilienhals,<br \/>\nDen nie ein k\u00fchner Menschenarm<br \/>\nDurch frechen Druck entheiligte.<br \/>\nNoch spannte so viel Kraft und Mut<br \/>\nDie Sehne dir, durch Schrecken stark,<br \/>\nDem f\u00fcrchterlichen Ungeheu&#8217;r<br \/>\nDen wunden Nacken zu entziehn.<br \/>\nO weh! da sprang der Rasende<br \/>\nMit doppelt ungest\u00fcmer Wut,<br \/>\nMit Augen wie des H\u00f6llengeists,<br \/>\nZum zweitenmal an dir empor.<br \/>\nDie treue Freundin griff ihn k\u00fchn<br \/>\nBeim Halsband, rief und zerrt&#8216; und riss:<br \/>\nUmsonst! Des M\u00e4dchens schwache Hand<br \/>\nWard von des Tieres Zug besiegt<br \/>\nWie von dem Sturm ein \u00c4hrenhalm.<br \/>\nEs hauet geifernd sein Gebiss<br \/>\nIn deinen runden, weichen Arm,<br \/>\nUnd knirscht im durchgequetschten Fleisch,<br \/>\nUnd mischt des M\u00f6rderrachens Schaum<br \/>\nMit deinem unbefleckten Blut.<br \/>\nO Jammer, Jammer! S\u00fc\u00dfes Kind!<br \/>\nDu fliehst, ein L\u00e4mmchen vor dem Wolf,<br \/>\nEr folgt dir mit Hy\u00e4nendurst,<br \/>\nBis wo die Rettung deiner harrt,<br \/>\nBis zu des Gartens offner T\u00fcr.<br \/>\nDu schl\u00fcpfest schnell hinaus, und ziehst<br \/>\nEntschlossen und behende sie<br \/>\nAn dich, und dr\u00fcckst und klammerst fest<br \/>\nMit allem Aufwand deiner Kraft<br \/>\nDes Ungeheuers Schnauze ein,<br \/>\nDass es vor Qual die Z\u00e4hne fletscht,<br \/>\nUnd durch die enge L\u00fccke sich<br \/>\nDer Schneide zu entwinden strampft.<br \/>\nO Gl\u00fcck! Nun klappt der Riegel zu:<br \/>\nDu siehst dich au\u00dfer der Gefahr,<br \/>\nErholest dich, und pr\u00fcfest selbst<br \/>\nDer tiefen Wunden offnen Mund,<br \/>\nUnd dr\u00fcckst beherzt das Blut heraus.<\/p>\n<p>Erschrocken eilt dein Vater nun<br \/>\nHerbei, und deine Mutter und<br \/>\nDein Bruder; alle stehen blass<br \/>\nUm dich, voll Graun, und wagens kaum<br \/>\nDer Wunden G\u00e4hnen anzusehn.<br \/>\nVon ihrem Mitleid sanft ger\u00fchrt<br \/>\nErz\u00e4hlest du, mit munterm Ton,<br \/>\nund angenommner Heiterkeit,<br \/>\nDein Abenteuer, edles Kind!<br \/>\nVergissest eigne Schmerzen gern,<br \/>\nUm ihrem Herzen Trost zu leihn,<br \/>\nUnd l\u00e4chelst liebreich Minderung<br \/>\nDes j\u00e4hen Schreckens ihnen zu.<br \/>\n&#8218;Gott! war das Untier etwa toll?&#8216;<br \/>\nWer zittert f\u00fcr den Leben nicht?<br \/>\nMit Beben pr\u00fcft man h\u00f6chstgenau<br \/>\nDes Hundes Wildheit b\u00f6ser Art,<br \/>\nUnd findet ihn &#8211; o Gl\u00fcck! &#8211; nicht toll.<br \/>\nNun Mut und Preis dem, der dir Mut<br \/>\nUnd Kr\u00e4fte gab! Dein Leben lischt<br \/>\nNicht aus! Geliebtes Kind, es hing<br \/>\nF\u00fcrwahr an d\u00fcnnem Faden nur.<br \/>\nAch! aber wenn der Gr\u00e4ssliche<br \/>\nMit wilder Wut dir Klau und Zahn<br \/>\nAuch in das holde Antlitz hieb?<br \/>\nWenn deiner sanften Bildung Reiz<br \/>\nNun unter schlimmen Narben welkt?<br \/>\nDann ewig Jammerschad&#8216; um dich!<br \/>\nDer J\u00fcngling geht in seiner Kraft<br \/>\nAn dir vor\u00fcber, sucht ein Herz,<br \/>\nDas edel ist, und ach! err\u00e4t<br \/>\nAus deiner Z\u00fcge Widerstreit<br \/>\nDer Seele hohe Sch\u00f6nheit nicht!<br \/>\nDann, sanftes M\u00e4dchen, schmeichelt dir<br \/>\nDer s\u00fc\u00dfe Muttername nie,<br \/>\nUnd du verbl\u00fchest, wie ein Baum,<br \/>\nDer einsam in der W\u00fcste traurt,<br \/>\nUnd niemals s\u00fc\u00dfe Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.&#8220;<\/p>\n<p>So klagt&#8216; am Ufer Hali\u00e4t.<br \/>\nDa rauscht&#8216; es hinter ihm durchs Gras:<br \/>\nUnd sieh! ein Fremdling trat vor ihn.<br \/>\n&#8222;Willkommen mir&#8220;, sprach Hali\u00e4t,<br \/>\nUnd bot ihm freundlich seine Hand,<br \/>\n&#8222;Willkommen, fremder Mann! Dir steht<br \/>\nMein H\u00fcttchen offen; sei mein Gast!&#8220;<br \/>\nDa f\u00fchrt&#8216; er ihn an seinen Herd,<br \/>\nUnd setzt ihm Met und Fische vor,<br \/>\nUnd wusch ihm seine F\u00fc\u00dfe rein.<br \/>\nUnd als der Mann, gelabt und froh,<br \/>\nSich auf sein Schilfbett lagerte,<br \/>\nBerfragt&#8216; er ihn, und streckte sich<br \/>\nVertraulich plaudernd neben ihn:<br \/>\n&#8222;Nun sage mir, mein Freund! wenn nicht<br \/>\nDie Antwort dir beschwerlich f\u00e4llt,<br \/>\nWoher dein Weg dich heute f\u00fchrt?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich komme&#8220;, sprach der Reisende,<br \/>\n&#8222;Aus dem Gebirg&#8216;, und setze schon<br \/>\nNeun Tage meinen Wanderstab<br \/>\nDurch unbekannte Gegenden.<br \/>\nDoch naht sich meiner Reise Ziel<br \/>\nNoch nicht. Denn fern vom Meere wohnt<br \/>\nMein Freund, den ich besuchen will.<br \/>\nAllein auf meinem Wege zog<br \/>\nEin braver J\u00fcngling freundlich mich<br \/>\nIn seiner Mutter wirtlich Haus,<br \/>\nUnd sagte: &#8218;Lieber Gast! Wenn dich<br \/>\nDein Weg in jene Triften f\u00fchrt,<br \/>\nWo Lycus mit dem Vindastrom<br \/>\nSein rauschendes Gew\u00e4sser mischt;<br \/>\nSo gr\u00fc\u00dfe mir zu tausendmal<br \/>\nDen guten Fischer Hali\u00e4t!'&#8220;<\/p>\n<p>O Freund! Das war Pal\u00e4mons Sohn!&#8220;<br \/>\nRief schnell der \u00fcberraschte Wirt,<br \/>\nUnd Freude blitzt&#8216; aus seinem Blick:<br \/>\nWie lebt er? Wie sein Schwesterchen?<br \/>\nWie seine Mutter? Sprich, mein Freund!<br \/>\nIch bin der Fischer Hali\u00e4t.<br \/>\nHat nicht der Rachen jenes Hunds<br \/>\nDes s\u00fc\u00dfen M\u00e4dchens Angesicht<br \/>\nMit schlimmen Narben \u00fcberdeckt?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Heil dir!&#8220;, erwiderte der Gast<br \/>\nMit fr\u00f6hlicher Verwunderung:<br \/>\n&#8222;So bin ich, wo der Vindastrom<br \/>\nSich mit des Lycus Fluten mischt,<br \/>\nBei dir, nach dem mein Herz sich sehnt?<br \/>\nNoch glaubt&#8216; ich mich so nahe nicht.<br \/>\nIch gr\u00fc\u00dfe dich mit Freundeskuss,<br \/>\nMit aller Bruders-Offenheit!<br \/>\nO h\u00e4tt&#8216; ich dich sogleich erkannt!<br \/>\nIch w\u00e4r als Freudenbote dir<br \/>\nSchon lange doppelt lieb und wert.<br \/>\nVernimm nun kurz den Inbegriff<br \/>\nVon dem, was dich entz\u00fccken wird!<br \/>\n&#8211; Pal\u00e4mons Tochter ist verm\u00e4hlt! &#8211;<br \/>\nWas machst du so die Augen gro\u00df?<br \/>\nDes Hundes Rachen hat ihr nicht<br \/>\nDas Antlitz, nur den Arm zerfleischt.<br \/>\nNoch schimmert ihrer Anmut Licht.<br \/>\nWas seufzest du, und l\u00e4chelst halb?&#8220;<br \/>\n&#8222;O wenn sie nur auch gl\u00fccklich ist!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das ist sie, Freund! Vernimm mich ganz!<br \/>\nIhr Nachbar, ein verehrter Greis,<br \/>\nBesuchte j\u00fcngst das H\u00fcgelland.<br \/>\nDort floss im Kreise redlicher,<br \/>\nBew\u00e4hrter Freunde ihm der Mund<br \/>\nVon seiner sanften Nachbarin,<br \/>\nUnd ihrer holden Sittsamkeit<br \/>\nUnd ihrem Witze, froh und leicht,<br \/>\nUnd ihren tausend Tugenden<br \/>\nUnd Reizen \u00fcber. Sieh! da kam,<br \/>\nVon dieser sch\u00f6nnen Schilderung<br \/>\nherangelockt, und l\u00fcstern nach<br \/>\nDes urbilds seligem Besitz,<br \/>\nNicht lange drauf ein edler Mann<br \/>\n&#8211; Rechtschaffen, offem klug und gut -,<br \/>\nVon seines H\u00fcgellandes Trift<br \/>\nZum Wohnort derr Gepriesenen.<br \/>\nEr sah die Sch\u00f6ne, ward entz\u00fcckt,<br \/>\nUnd bot ihr, flehend, Herz und Hand.<br \/>\nSieh, Freund! So schlang des Himmels Huld<br \/>\nUm dieses werte Seelenpaar<br \/>\nGetreuer Liebe sch\u00f6nstes Band.<br \/>\nDie Rosen der Zufriedenheit<br \/>\nUnd jedes s\u00fc\u00dfen Gl\u00fcckes bl\u00fchn,<br \/>\nIm h\u00f6chsten Flor, ringsum sie her,<br \/>\nUnd d\u00fcften ihnen Wonne zu.<br \/>\nDies wei\u00df ich alles aus dem Mund<br \/>\nDer edlen Freunde, die du kennst;<br \/>\nUnd unser Tischgespr\u00e4ch beschloss<br \/>\nPal\u00e4mons Witwe mit dem Wunsch:<br \/>\n&#8222;O lebte mein Geliebter noch,<br \/>\nUnd n\u00e4hme Teil an unserm Gl\u00fcck;<br \/>\nDann w\u00e4ren unsre Freuden voll!&#8220;<br \/>\nEin Tr\u00e4nchen bebte sichtbarlich<br \/>\nIn ihren Augen, da sie sprach,<br \/>\nUnd weckte r\u00fchrend auch bei uns<br \/>\nDes Mitgef\u00fchles nassen Blick.&#8220;<\/p>\n<p>Bewegt erwiedert&#8216; Hali\u00e4t:<br \/>\n&#8222;Dein Wort ist reich an hoher Lust,<br \/>\nMit s\u00fc\u00dfer Wehmut untermengt,<br \/>\nWie der erw\u00fcnschte Hochzeitstag<br \/>\nDer zarten jungen Braut, wenn ihr<br \/>\nGeliebter, von der Mutter weg,<br \/>\nSie in sein fermes Haus entf\u00fchrt.<br \/>\nO! meiner Freundin seliger,<br \/>\nVerkl\u00e4rter Gatte sieht gewiss<br \/>\nAus seiner sch\u00f6nen Sternenwelt,<br \/>\nSanftl\u00e4chelnd, auf dies holde Paar<br \/>\nHerab, und streckt die Strahlenhand<br \/>\nZum v\u00e4terlichen Segen aus.<br \/>\nS\u00fc\u00df wie sein z\u00e4rtlichstes Gef\u00fchl,<br \/>\nEntz\u00fcckend wie ein himmlischer<br \/>\nGesang, ist deine Botschaft mir,<br \/>\nDass seine Tochter gl\u00fccklich ward.<br \/>\nEin Freudenfest sei diese Nacht!<br \/>\nDie Wonne raubt mir ohnehin<br \/>\nDen Schlaf. Wohlan, mein lieber Freund!<br \/>\nAuch morgen bleibest du mein Gast;<br \/>\nEin froher Rasttag st\u00e4rket dich.<br \/>\nHier blinkt noch s\u00fc\u00dfer Met genug,<br \/>\nUnd drau\u00dfen im Beh\u00e4lter schwimmt<br \/>\nDer sch\u00f6nste Fisch; den schupp&#8216; ich ab,<br \/>\nUnd brat&#8216; ihn langsam in der Glut,<br \/>\nZum n\u00e4chtlichen vergn\u00fcgten Mahl.<br \/>\nKomm, Brunder! Lass uns festen, bis<br \/>\nDer Schlaf uns eindlich mit Gewalt<br \/>\nIn seine weichen Arme nimmt!&#8220;<\/p>\n<p>So sprach der junge Hali\u00e4t,<br \/>\nUnd h\u00fcpfte froh um seinen Herd,<br \/>\nWie Fischchen in der lauen Flut,<br \/>\nUnd trank, und a\u00df, und sang entz\u00fcckt.<\/p>\n<p>Er sang, die Muschel in der Hand:<\/p>\n<p>Des Himmels besten Segen dir,<br \/>\nGeliebtes Paar! Es lagre sich<br \/>\nDer Freuden mannigfaltig Heer<br \/>\nVor deiner Haust\u00fcr, wie ein Schwarm<br \/>\nGesunder Bienen vor dem Mund<br \/>\nDes \u00fcberf\u00fcllten Korbs im Mai!<\/p>\n<p>Die Liebe web&#8216; aus Zaubergarn<br \/>\nEin unzerrei\u00dflich starkes Netz,<br \/>\nUnd schling&#8216; es, sanft und fest, um dich!<br \/>\nDann, edle Freundin! gl\u00e4nzt dein Gl\u00fcck,<br \/>\nUndsterblich, wie der Tugend Lohn,<br \/>\nUnd ungetr\u00fcbt, wie Sonnenlicht;<\/p>\n<p>Dann str\u00f6mt von dir Zufriedenheit,<br \/>\nErquickend, gleich dem Fr\u00fchlingstau,<br \/>\nAuch \u00fcber deine Lieben aus;<br \/>\nDann bl\u00fchst du, wie ein sch\u00f6ner Baum,<br \/>\nDer an der Wasserquelle prangt<br \/>\nUnd reichlich s\u00fc\u00dfe Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.\u00b0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Getr\u00f6stete (Eine wahre Geschichte) Der Frau Dorothea Zellweger geb. 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