{"id":4924,"date":"2015-08-10T01:07:27","date_gmt":"2015-08-09T23:07:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=4924"},"modified":"2015-08-10T01:25:04","modified_gmt":"2015-08-09T23:25:04","slug":"der-dreisilbige-takt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=4924","title":{"rendered":"Der dreisilbige Takt"},"content":{"rendered":"<p>Aus: <strong>Andreas Heusler<\/strong>, Deutsche Versgeschichte, dritter Band (de Gruyter 1929), Seite 264 &#8211; 273.<\/p>\n<p>Leicht gek\u00fcrzt, vor allem um Verweise auf andere Stellen der<em> Versgeschichte. <\/em>Taktf\u00fcllungsarten nach Heuslers Notation bleiben erhalten, sind aber aus sich selbst heraus nicht immer unmittelbar verst\u00e4ndlich. Wer kann, sollte unbedingt den &#8222;richtigen&#8220; Text einsehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1124<\/strong> Fragen wir zun\u00e4chst nach dem prosodischen Anspruch des dreisilbigen Taktes.\u00a0 Wir werden dem Vorhandenen gerecht mit diesen sechs F\u00e4chern; man k\u00f6nnte noch mehr ins <em>Einzelne<\/em> sondern.<\/p>\n<p><strong>A.<\/strong> Taktinhalt <em>lebende; rettete; fr\u00f6hliche; mitten im; k\u00f6nnten die; auch von des; siehst du das<\/em>. Das hei\u00dft: beide Senkungen sprachlich schwachtonig ohne merkbaren St\u00e4rkeunterschied.<\/p>\n<p>Diese &#8222;reinsten Daktylen&#8220; gen\u00fcgten sowohl dem Ohre wie der Formel <span style=\"color: #ff0000\"><span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v v<\/span> und befriedigten daher auch die Strengsten. Als Ausnahme sei Uz genannt mit den Als-ob-Hexametern seines &#8222;Fr\u00fchlings&#8220;. Er h\u00e4lt es mit dem L\u00e4ngenmesser J. Fr. Christ und qu\u00e4lt sich lauter Senkungssilben zusammen, die beide vokalisch kurz und nicht &#8222;positionslang&#8220; sind; <em>weine be-; muse du; huldigen ihm; h\u00fcgel her- \/ ab<\/em> (h macht keine Position!)<\/p>\n<p><strong>B.<\/strong> Taktinhalt <em>Finsternis; Br\u00e4utigam; Dammerung; K\u00e4mmerlein; Einerlei; Lieblichkeit; Ritterschaft; Heidentum; Jahre nur; starrte noch; l\u00e4chelt auch; fr\u00fch genug; nahm es doch.<\/em> Das hei\u00dft: die zweite Senkungssilbe etwas st\u00e4rker, aber doch mit entschieden schwachem Nebenton.<\/p>\n<p>Nicht nur die Unbefangenen, sondern auch Vo\u00df erlaubten diese Gruppen. Sogar Schlegel hat sie erst in der Elegie &#8222;Rom&#8220; gemieden, desgleichen Platen. Ihnen waren also diese dritten Silben zu &#8222;lang&#8220; f\u00fcr das <span style=\"color: #ff0000\">v<\/span>.<\/p>\n<p><strong>C.<\/strong> <em>Taktinhalt heilsame; fruchtbares, be- \/ nachbarte; Ge- \/ heimnisse; Fremdlinge; Hoffnungen; marmorne; purpurne; Tr\u00fcbsal mit; Antlitz und; lass diesen; schallt unter; ernst nun be-; selbst auch der.<\/em> Das hei\u00dft: die erste Senkungssilbe der zweiten sprachlich \u00fcbergeordnet, doch schwach nebentonig.<\/p>\n<p>Diese Inhalte f\u00fcgen sich ohne H\u00e4rte in den Zeitfall |&#8217;x x x|. Alle, sogar die Strengsten, lie\u00dfen solche Takte durch; Platen allerdings nur sp\u00e4rlich. Schlegel litt gerade damals. als er Goethe verbesserte, an dem Vorurteil gegen die vermeintlichen <span class=\"postbody\"><span style=\"color: #ff0000\">\u2014\u2014 v<\/span>. Eines der Opfer ist Euphrosyne 55, siehe die erste Lesart WA I, 429: <em>dankbar die<\/em>.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>D.<\/strong> Taktinhalt <em>Vaterland; Mitternacht; Edelmut; \u00dcberfluss; Ungest\u00fcm.<\/em> Das hei\u00dft: das St\u00e4rkeverh\u00e4ltnis der Senkungen wie in B, doch die letzte Silbe entschiedener \u00fcbergeordnet; kr\u00e4ftiger Nebenton: <span style=\"color: #ff0000\">&#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v &#8218;v<\/span>.\u00a0 In dem Zeitfall <span class=\"postbody\">|&#8217;x\u22c5\u222ax| kommt diese Gruppe sprachgerecht heraus. Hier gehen die Richtungen merklicher auseinander. Schon Vo\u00df, dann seine ihn \u00fcberbietenden J\u00fcnger fanden dies unvereinbar mit dem Lang-kurz-kurz. Klopstock gebrauchte anfangs solche Takte unbefangen; sp\u00e4ter hat er so manches einhebige Weltgericht, Angesicht, Mitternacht entfernt: er zog nun die zweihebige Messung vor, meist zum Schaden seiner Verse. Man vergleiche Messias V, 17 in der \u00e4lteren und in der j\u00fcngeren Fassung:<\/span><\/p>\n<p><strong>Welt<\/strong>gericht \/ <strong>hal<\/strong>ten? Denn \/ <strong>so<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> ist das \/ <strong>An<\/strong>gesicht \/ <strong>ei<\/strong>nes Ver- \/ <strong>der<\/strong>bers<\/p>\n<p><strong>Ei<\/strong>ne Ge- \/ <strong>richt<\/strong>? denn \/ <strong>dies<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> ist das \/ <strong>An<\/strong>ge- \/ <strong>sicht<\/strong> des Ver- \/ <strong>der<\/strong>bers<\/p>\n<p>Schiller lie\u00df sich seine: &#8222;den \/ <strong>Wi<\/strong>derhall \/ <strong>weckt<\/strong>&#8222;; &#8222;dein \/ <strong>Ta<\/strong>gewerk \/ <strong>gleich<\/strong>&#8220; usw. nicht verleiden.\u00a0 Goethe misst im Reineke arglos so; h\u00e4tte er die Skrupel der Schule geteilt, so musste er f\u00fcr das Epos eine neue Namenreihe erfinden; denn all die <em>Kratzefu\u00df, Gieremund, R\u00fcsteviel, Krekelborn<\/em> konnte man doch schlecht mit zwei Ikten beladen! Im Hermann fand er schon viel seltener den Mut zu dieser F\u00fcllung, in der Achilleis gar nicht mehr. Aus den Distichen mussten diese Takte ziemlich spurlos verschwinden.<\/p>\n<p><strong>E.<\/strong> Taktinhalt<em> Leinwand von, Vorhof der; Wildpret und; Handwerk nur; Kaufmann ge-.<\/em> Verh\u00e4lt sich zu C wie D zu B. Auch hier wird Klopstock mit der zeit spr\u00f6der. Voss duldet 1781 noch einzelne der Art; f\u00fcr Schlegel und Platen sind sie nicht mehr m\u00f6glich. Schiller und Goethe empfanden sie als unverf\u00e4nglich: &#8222;<strong>fleh<\/strong>ten um \/ <strong>R\u00fcck<\/strong>kehr f\u00fcr \/ <strong>euch<\/strong>&#8222;; &#8222;<strong>gu<\/strong>tes \/ <strong>Hand<\/strong>geld ist \/ <strong>das<\/strong>&#8222;. Erst die Achilleis lehnte ab, und in den Elegien, Episteln usw. gab Goethe oft dem strafenden\u00a0<span class=\"postbody\"><span style=\"color: #ff0000\">\u2014\u2014 v<\/span><\/span> statt, das ihm sein Korrektor \u00fcberschrieb. Dies trug der deutschen Dichtung eine der schmerzlichsten Schlimmbesserungen ein. Der Pentameter Alexis und Dora 8:<\/p>\n<p><strong>Nur<\/strong> ein \/ <strong>Trau<\/strong>riger \/ <strong>steht<\/strong>, <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> <strong>r\u00fcck<\/strong>w\u00e4rts ge- \/ <strong>wen<\/strong>det, am \/ <strong>Mast<\/strong><\/p>\n<p>wurde zu dem bandagierten Kr\u00fcppel:<\/p>\n<p><strong>Ei<\/strong>ner nur \/ <strong>steht<\/strong> r\u00fcck- \/ <strong>w\u00e4rts<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> <strong>trau<\/strong>rig ge- \/ <strong>wen<\/strong>det am \/ <strong>Mast<\/strong><\/p>\n<p>Man kann den F\u00fcllungsty E beim Vorlesen bisweilen als leichte Stauung des Flusses versp\u00fcren. Es h\u00e4ngt vom Zusammenhang ab. Jedenfalls w\u00e4ren wir froh, wenn unsere Verse nichts \u00e4rgeres erlebt h\u00e4tten!<\/p>\n<p><strong>F.<\/strong> Taktinhalt<em> Landstra\u00dfe; Meerkatzen; Jungfrauen; dem\u00fctig; aufsteigen<\/em>. Das hei\u00dft: die mittlere Silbe der letzten entschiedener \u00fcbergeordnet als in C und auch in E; denn in E misst man die mittlere an der ersten, nicht an der dritten.<\/p>\n<p>Solche Takte w\u00fcrden einer Modelung <span class=\"postbody\">|&#8217;x\u22c5\u222ax|<\/span> am heftigsten widerstreben; aber auch der gleichm\u00e4\u00dfigen Zeitverteilung |&#8217;x x x| machen sie Schwierigkeit.Tats\u00e4chlich begegnet dieser Typ nur bei dem fr\u00fchen Klopstock in \u00fcberhaupt nennenswerter Zahl; bei Goethe und Schiller fehlt er so gut wie ganz, der Strengen zu geschweigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus: Andreas Heusler, Deutsche Versgeschichte, dritter Band (de Gruyter 1929), Seite 264 &#8211; 273. Leicht gek\u00fcrzt, vor allem um Verweise auf andere Stellen der Versgeschichte. Taktf\u00fcllungsarten nach Heuslers Notation bleiben erhalten, sind aber aus sich selbst heraus nicht immer unmittelbar verst\u00e4ndlich. 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