{"id":5067,"date":"2015-09-08T23:43:22","date_gmt":"2015-09-08T21:43:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=5067"},"modified":"2020-02-04T22:15:16","modified_gmt":"2020-02-04T21:15:16","slug":"r-hamerling-der-hexameter-im-koenig-von-sion","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=5067","title":{"rendered":"R. Hamerling: Der Hexameter im &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist eine Unterseite zu <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/worum-es-geht\/gesammeltes\/ueber-hexameter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00dcBER Hexameter<\/a>, wo viele weitere Texte \u00fcber den Hexameter zu finden sind.<\/p>\n<p><strong>Rudolf Hamerling: Der Hexameter im &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>In einem Anhang zu seinem Versepos &#8222;Der K\u00f6nig von Sion&#8220; erkl\u00e4rt Rudolf Hamerling, wie die Hexameter des Werks angelegt sind und welche Gr\u00fcnde ihn dazu bewogen haben.<\/p>\n<p>Der &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220; war bereits in der ersten Auflage und noch weit mehr in der zweiten, auf jeder Seite verbesserten, ein Versuch, die strengeren Gesetze des Hexameters in einem gr\u00f6\u00dferen Werke zu verwirklichen, und den Vers dennoch ohne pedantischen Anstrich, leicht lesbar und nat\u00fcrlich zu gestalten.<\/p>\n<p>Es war dies in noch h\u00f6herem Ma\u00dfe seit der f\u00fcnften, die gleichfalls auf jeder Seite formelle Verbesserungen erfuhr. Fast noch zahlreichere \u00c4nderungen wurden bei dem sechsten Neudruck vorgenommen, nicht blo\u00df formeller, sondern an einigen Stellen auch sachlicher Natur. Auch die siebente Auflage wurde formell wieder vielfach verbessert, und erscheint \u00fcberdies gereinigt von den zahllosen Druckfehlern, welche die sechste entstellten.<\/p>\n<p>Die achte und neunte Auflage sucht gleichfalls durch neue Verbesserungen dem Ideal des guten deutschen Hexameters noch n\u00e4herzukommen, einem Hexameter n\u00e4mlich, der ebensowohl die Anspr\u00fcche des nat\u00fcrlichen Wortakzents und einer flie\u00dfenden Rede befriedigt, als er denjenigen eines feinf\u00fchlenden, metrisch gebildeten Ohres gem\u00e4\u00df ist.<\/p>\n<p>Man hat nun in der Tat den Hexameter im &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220; leicht lesbar und flie\u00dfend gefunden, aber zum Teil geglaubt, dies r\u00fchre von einer freien und leichten Behandlung her. Aber nur der strenggebaute und namentlich von Troch\u00e4en m\u00f6glichst freie Hexameter ist leicht lesbar, klangvoll und flie\u00dfend.<\/p>\n<p>Dass im im &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220; der Troch\u00e4us in einem Ma\u00dfe vermieden worden, wie bisher noch nie in einem deutschen Gedichte von solcher Ausdehnung, wird der Beurteiler zugeben, es m\u00fcsste nur sein, dass ihm die Kenntnis der mittelzeitigen Silben abginge und er dieselben dem Dichter als K\u00fcrzen anrechnete. In diesem Falle w\u00e4re er auf das Lehrbuch der Metrik von Minckwitz zu verweisen.<\/p>\n<p>Wirkliche Troch\u00e4en, das hei\u00dft solche, deren zweite Silbe keine Mittelzeit, sondern eine entschiedene K\u00fcrze ist, hat der &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220; nur in einer verschwindend kleinen Zahl von F\u00e4llen.\u00a0 Zu den Mittelzeiten aber nimmt er, au\u00dfer den von Minckwitz festgestellten, auch die pers\u00f6nlichen Pronomina, die Verbalform &#8222;ist&#8220;, die nicht zu gewichtigen Pr\u00e4positionen, das zwar gewichtige, aber in einem gr\u00f6\u00dferen Werke unm\u00f6glich immer als L\u00e4nge zu gebrauchende &#8222;durch&#8220;.<\/p>\n<p>Kurz nehme ich nach Bedarf die erste Silbe des unbestimmten Artikels in den Beugungsformen (&#8222;eine&#8220;, &#8222;einen&#8220; usw.), was durch die Tonlosigkeit, mit welcher ja doch immer ein Artikel gesprochen wird, als entschuldigt gelten kann. &#8222;Hierher&#8220; gebrauche ich als Spond\u00e4us, &#8222;hieher&#8220; aber n\u00f6tigenfalls als Iambus.<\/p>\n<p>Kein Bedenken trage ich ferner, zwei mittelzeitige Silben nebeneinander als K\u00fcrzen zu gebrauchen; mit reifem Bedacht gestatte ich mir vielmehr im Gebrauch dieser doch meist sehr unbetonten Mittelzeiten eine gr\u00f6\u00dfere Freiheit, mehr darauf achtend, was ein feingebildetes Ohr, als was eine gedankliche Theorie gestattet.<\/p>\n<p>Es hat Ansto\u00df gegeben, dass in den ersten Auflagen des &#8222;K\u00f6nigs von Sion&#8220; unbetonte Mittelzeiten wie &#8222;und&#8220;, &#8222;doch&#8220;, &#8222;mit&#8220;, &#8222;aus&#8220; usw. an den Versanfang gestellt worden (was manche als iambische Versanf\u00e4nge bezeichneten!!). Dies war aber nach Platens und der strengen Metriker Vorgang geschehen. Beispiele finden sich \u00fcberall. Man sehe Platens &#8222;Fischer auf Capri&#8220;. Da begegnen wir auf zwei Seiten Versanf\u00e4ngen dieser Art: &#8222;Mit Schie\u00dfscharten versehen&#8220; &#8211; &#8222;Ans treulose Gestade&#8220; &#8211; &#8222;Aus unwirtlichem Stein&#8220;. Platen verlie\u00df sich auf die nachhelfende Betonung des Lesers. Indessen sind seit der zweiten Auflage die betreffenden Stellen des &#8222;K\u00f6nigs von Sion&#8220; fast s\u00e4mtlich ge\u00e4ndert worden, da der Dichter die Forderung, den Hexameter so zu gestalten, dass kein Vorleser ihn verderben kann, als begr\u00fcndet anerkennt.<\/p>\n<p>In Beziehung auf die Z\u00e4suren darf der Beurteiler nicht vers\u00e4umen nachzulesen, welche Ausnahmen von der Regel die Theorie gestattet; ferner darf er nicht die F\u00e4lle \u00fcbersehen, wo die mangelnde Z\u00e4sur einen malerischen Zweck hat, wie zum Beispiel in dem Verse, wo von der Schlange gesagt ist; &#8222;Aber in hurtigen Windungen denkt sie gemach zu entgleiten.&#8220;<\/p>\n<p>Die Zahl der nicht unter diese beiden Kategorien fallenden &#8222;z\u00e4surlosen&#8220; Hexameter im K\u00f6nig von Sion&#8220;, wenn \u00fcberhaupt noch welche darin vorkommen, ist gewiss kleiner als in den besten Hexameterwerken.<\/p>\n<p>&#8211; Richtig ist, dass m\u00e4nnliche Z\u00e4suren dem Vers einen festeren Halt geben als weibliche, und dass daher die Zahl der m\u00e4nnlichen immer gr\u00f6\u00dfer sein muss als die der weiblichen. Aber ganz t\u00f6richt w\u00e4re es, zu fordern, dass letztere nur ausnahmsweise vorkommen d\u00fcrfen. Man begegnet bei Homer vier bis f\u00fcnf Hexametern mit weiblicher Z\u00e4sur nacheinander sehr h\u00e4ufig. Die ersten hundert Verse der Iliade haben 52 m\u00e4nnliche und 49 weibliche Z\u00e4suren! Ich denke, man darf dem feinen Ohr der Griechen vertrauen.<\/p>\n<p>Seit der f\u00fcnften Auflage sind aus dem Werke auch die meisten jener Hexameter verschwunden, die man als amphibrachische tadeln konnte. Die wenigen, die geblieben und die nicht schon der Zweck des Malerischen oder sonst Charakteristischen rechtfertigt, sind von der Art, dass sie, nach dem Sinne betont, nicht nach dem Schema des Verses markiert, das Ohr nicht beleidigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220; schlie\u00dft sich in der Silbenmessung und im Versbau an Platen und an Minckwitz. In den Punkten, worin der von diesen abweicht, geschieht es nach bewussten Prinzipien, nach Prinzipien, welche sich dem Dichter w\u00e4hrend der Ausarbeitung des Werkes aufgedr\u00e4ngt haben.<\/p>\n<p>Beurteiler wie Nachfolger werden jedoch immer beachten m\u00fcssen, was h\u00e4ufig, was selten, was nur ausnahmsweise, oder gar nur einmal im ganzen Werk sich findet. Letzteres kann auch auf einem Versehen, oder (was wohl zu beachten) auf einem Druckfehler beruhen. Ja, auf einem Druckfehler! Ist doch der Dichter f\u00fcr die Korrektheit seiner Verse nur so lange verantwortlich, als er lebt und den Wiederabdruck seiner Dichtungen \u00fcberwachen kann. Es versteht sich ja beinahe von selbst, dass bei einem Neudruck des &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220;, der nach meinem Ableben erfolgt, sich jedes &#8222;euere&#8220; in &#8222;eure&#8220;, jedes &#8222;hieher&#8220; in &#8222;hierher&#8220; (was f\u00fcr mich, wie oben gesagt, metrisch nicht ganz dasselbe ist), jedes &#8222;reineste&#8220; in &#8222;reinste&#8220; usw. verwandelt. Ein sch\u00f6ner Akt der Piet\u00e4t w\u00e4re es, wenn man es zur Gepflogenheit machte, beim Wiederabdruck von Dichtwerken nach dem Tode des Autors immer ein Exemplar von der letzten Auflage zugrunde zu legen, die bei seinen Lebzeiten erschien und die er selbst noch durchzusehen in der Lage war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist eine Unterseite zu \u00dcBER Hexameter, wo viele weitere Texte \u00fcber den Hexameter zu finden sind. Rudolf Hamerling: Der Hexameter im &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220;. In einem Anhang zu seinem Versepos &#8222;Der K\u00f6nig von Sion&#8220; erkl\u00e4rt Rudolf Hamerling, wie die Hexameter des Werks angelegt sind und welche Gr\u00fcnde ihn dazu bewogen haben. Der &#8222;K\u00f6nig von&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=5067\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in R. Hamerling: Der Hexameter im &#8222;K\u00f6nig von Sion&#8220;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":4072,"menu_order":8,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5067","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5067"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5067\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9878,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5067\/revisions\/9878"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4072"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}