{"id":5328,"date":"2015-11-01T00:00:19","date_gmt":"2015-10-31T22:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=5328"},"modified":"2015-11-08T15:55:02","modified_gmt":"2015-11-08T13:55:02","slug":"5328-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=5328","title":{"rendered":"B. Dieckhoff: Anap\u00e4stische Verse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus: Bernhard Dieckhoff, Handbuch der Poetik f\u00fcr Gymnasien (M\u00fcnster 1832).<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a7 72<\/strong>. Die anap\u00e4stischen Verse.<\/p>\n<p>Sie werden von den Alten dipodisch, von den Neueren monopodisch gemessen.\u00a0 Im Deutschen sind sie zwei-, drei- oder vierf\u00fc\u00dfig, akatalektisch und katalektisch. Diese nimmt man im Deutschen, da f\u00fcr den letzten Fu\u00df eine blo\u00dfe K\u00fcrze steht, besser f\u00fcr hyperkatalektisch.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Anap\u00e4sten kann auch der Spond\u00e4us ohne Verr\u00fcckung der Arsis (\u00a0<span style=\"color: #ff0000\">\u2014 \u2014&#8216;<\/span>\u00a0 )stehen: und die Neuern erlauben sich an dessen Stelle, so wie in den daktylischen Versen den Troch\u00e4us, so hier den Iambus, der aber, wenn nicht der Rhythmus des Verses bedeutend leiden soll, nur sparsam eingestreut werden darf. Der Daktylus und Proceleusmaticus, den die Alten statt des Anap\u00e4sten gebrauchen konnten, und wo dann die Arsis auf eine kurze Silbe f\u00e4llt, k\u00f6nnen in deutschen anap\u00e4stischen Versen nicht gebraucht werden.<\/p>\n<p>Einen eigenen Namen f\u00fchrte bei den Alten der <em>Dimeter catalecticus<\/em> (im Deutschen der dreif\u00fc\u00dfige hyperkatalektische anap\u00e4stische Vers). Er hie\u00df <em>Paroemiacus<\/em> und wurde besonders als Schlussvers nach mehreren akatalektischen Versen, gebraucht, wozu sein Rhythmus sich auch sehr wohl eignet. Er findet sich auch in deutschen Gedichten oft.<\/p>\n<p>Ein Beispiel von einem anap\u00e4stischen System nach der Weise der Alten ist:<\/p>\n<p>Allwaltender Zeus, und o freundliche Nacht,<br \/>\n\u2014 \u2014&#8216; \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 (Dimeter acatalecticus)<\/p>\n<p>Des unendlichen Glanzes Erk\u00e4mpfrin<br \/>\n\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 (Paroemiacus)<\/p>\n<p>Die um Ilions Burg du das Trugnetz warfst<br \/>\n\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014&#8216; \/ \u2014 \u2014&#8216; (Dimeter acatalecticus)<\/p>\n<p>Dass niemand nicht, der Erwachsenen nicht,<br \/>\n\u2014 \u2014&#8216; \/ \u2014 \u2014&#8216; <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 (Dimeter acatalecticus)<\/p>\n<p>Noch der J\u00fcngeren Schar, dem gewaltigen Garn<br \/>\n\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 (Dimeter acatalecticus)<\/p>\n<p>In das knechtische Joch<br \/>\n\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 (Monometer akatalecticus)<\/p>\n<p>Hinrei\u00dfenden Jammers entschl\u00fcpfte.<br \/>\n\u2014 \u2014&#8216; \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 (Paroemiacus)<\/p>\n<p><em>&#8211; Wilhelm von Humboldt nach Aeschylus.<\/em><\/p>\n<p>Bei den Alten ist noch besonders wichtig der <em>Tetrameter catalecticus<\/em> (der siebenf\u00fc\u00dfige hyperkatalektische anap\u00e4stische Vers), welcher auch der Aristophanische hei\u00dft, weil ihn Aristophanes h\u00e4ufig gebraucht hat. Er hat nach der zweiten Dipodie einen bedeutenden Abschnitt, der nicht in die Mitte eines Wortes fallen darf, weil der Leser hier unwillk\u00fcrlich eine l\u00e4ngere Pause macht.<\/p>\n<p>Beispiel:<\/p>\n<p>O du ehrsamer Mann, der begehrte von uns die erhabene Weisheit zu holen,<br \/>\n\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1<br \/>\nWie begl\u00fcckt zu Athen, und im griechischen Land wird einst dein Name gepriesen!<br \/>\nWenn du anders noch Kraft des Ged\u00e4chtnisses hast, und mit hungererduldender Liebe<br \/>\nDich den Studien weihst, und m\u00fcde nicht wirst nach Gebote zu stehn und zu laufen;<br \/>\nWenn du Frost ausstehst, und dar\u00fcber nicht klagst, und das Fr\u00fchst\u00fcck willig vers\u00e4umest.<\/p>\n<p><em>F. A. Wolf nach Aristophanes.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus: Bernhard Dieckhoff, Handbuch der Poetik f\u00fcr Gymnasien (M\u00fcnster 1832). \u00a7 72. Die anap\u00e4stischen Verse. Sie werden von den Alten dipodisch, von den Neueren monopodisch gemessen.\u00a0 Im Deutschen sind sie zwei-, drei- oder vierf\u00fc\u00dfig, akatalektisch und katalektisch. Diese nimmt man im Deutschen, da f\u00fcr den letzten Fu\u00df eine blo\u00dfe K\u00fcrze steht, besser f\u00fcr hyperkatalektisch. F\u00fcr&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=5328\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in B. 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