{"id":8008,"date":"2017-08-19T10:37:47","date_gmt":"2017-08-19T09:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=8008"},"modified":"2017-08-19T23:28:35","modified_gmt":"2017-08-19T22:28:35","slug":"r-v-gottschall-das-anapaestische-versmass","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=8008","title":{"rendered":"R. v. Gottschall: Das anap\u00e4stische Versma\u00df"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik. (1858, <\/strong>in Ausz\u00fcgen<strong>)<\/strong><\/p>\n<p>Der Anap\u00e4stus ist gleichsam der beschleunigte Jambus; der einfache Anprall des Jambus wird hier ein verdoppelter, und dadurch der Vers lebhaft und st\u00fcrmisch bewegt. Im Auftakt kann statt des Anap\u00e4stus ein Jambus stehen, doch nicht durchweg; in einzelnen Zeilen muss der strengere Rhythmus immer angedeutet sein. Ebenso kann statt des letzten Anap\u00e4stus ein Iambus stehen,\u00a0 wodurch der heftige Anlauf etwas beruhigter aust\u00f6nt. Auch der Spond\u00e4us, dessen zweite Silbe einen h\u00f6heren Ton erhalten muss, kann statt des Anap\u00e4stus gesetzt werden. In kleineren anap\u00e4stischen Strophen wird man Zwei-, Drei- und Vierf\u00fc\u00dfler wechseln lassen und dadurch die verschiedenste Struktur des Verses erreichen.<\/p>\n<p><strong>Die anap\u00e4stische Dipodie<\/strong>: Dieser Vers hat Kraft, kurz abgesto\u00dfene Energie; er wechselt mit dem Iambus.<\/p>\n<p><strong>Der vierf\u00fc\u00dfige Anap\u00e4stus<\/strong>: Ein rhythmisch bewegter Vers, der wie der vorige auch mit weiblichen Endungen aust\u00f6nen, gereimt und ungereimt verwendet werden, mit Spond\u00e4en und Jamben wechseln kann. Platen hat ihn zu den Chorstrophen in seinen Lustspielen benutzt und ihm dadurch einen strophischen Charakter gegeben, dass er auf f\u00fcnf Verszeilen eine sechste folgen l\u00e4sst, die aus drei Versf\u00fc\u00dfen mit weiblicher Endung besteht.<\/p>\n<p>Auf, auf, o Genossen! Er wandelt heran<br \/>\nLichtsch\u00f6n, wie Apoll, der K\u00f6cher und Pfeil<br \/>\nIm Geb\u00fcsch ablegt, und die Leier bezieht<br \/>\nMit Saiten! Es sp\u00fclt der kastalische Quell<br \/>\nAn die Kn\u00f6chel des Gotts und es schleicht Sehnsucht<br \/>\nIn die liebliche Seele der Musen.<\/p>\n<p>(Romantischer \u00d6dipus)<\/p>\n<p><strong>Der achtf\u00fc\u00dfige Anap\u00e4stus (Tetrameter)<\/strong>: Dieser Vers des Aristophanes, den nach seinem Vorbilde Platen und Pruz f\u00fcr die Chorstrophen ihrer satirischen Kom\u00f6dien angewendet, hat einen pr\u00e4chtig wogenden Gang, der nicht blo\u00df f\u00fcr behaglich ausgef\u00fchrte Gem\u00e4lde der komischen Muse, sondern auch f\u00fcr die Bilder \u00fcppiger Schilderung und Empfindung, selbst f\u00fcr einen majest\u00e4tischen Ernst geeignet macht. Er verlangt nach jeder Dipodie einen scharfen Einschnitt; die Hauptz\u00e4sur des Verses aber f\u00e4llt nach der zweiten Dipodie. Der Spond\u00e4us macht seinen Gang w\u00fcrdevoller. Dieser Vers kann ebenfalls eine weibliche Endung haben und reimlos wie greimt angewendet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik. (1858, in Ausz\u00fcgen) Der Anap\u00e4stus ist gleichsam der beschleunigte Jambus; der einfache Anprall des Jambus wird hier ein verdoppelter, und dadurch der Vers lebhaft und st\u00fcrmisch bewegt. Im Auftakt kann statt des Anap\u00e4stus ein Jambus stehen, doch nicht durchweg; in einzelnen Zeilen muss der strengere Rhythmus immer angedeutet&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=8008\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in R. v. 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