{"id":846,"date":"2014-02-10T03:24:44","date_gmt":"2014-02-10T01:24:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=846"},"modified":"2014-02-11T01:47:56","modified_gmt":"2014-02-10T23:47:56","slug":"drittes-abenteuer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=846","title":{"rendered":"Drittes Abenteuer"},"content":{"rendered":"<p>Der Sonnwendabend k\u00fchlt die Luft<br \/>\nMit Rosentau und Lindenduft.<br \/>\nSchon funkeln wie entflammte Sterne<br \/>\nLustfeuer auf den H\u00f6hn der Ferne.<br \/>\nIm Klostergarten gr\u00fcn umheckt<br \/>\nPrangt eine Tafel reich gedeckt<br \/>\nMit zieren Bechern und Pokalen,<br \/>\nMit Eisgeschirr und Erdbeerschalen.<br \/>\nRings in den Lauben liegen Pf\u00fchle;<br \/>\nVerdoppelt ist die Zahl der St\u00fchle.<br \/>\nEs harren auf des Mahls Beginn<br \/>\nDie Br\u00fcder mit erregtem Sinn,<br \/>\nEin fragendes Gedr\u00e4nge.<br \/>\nDa nahen muntre Kl\u00e4nge:<br \/>\nDer Kleine tanzt durchs offne Tor;<br \/>\nEr bl\u00e4st auf gr\u00fcnem Haberrohr,<br \/>\nUnd hinter ihm, ein holder Schwarm,<br \/>\nDa schreiten paarweis Arm in Arm<br \/>\nZw\u00f6lf zarte B\u00fcrschlein jung an Jahren<br \/>\nIm Kleid der fahrenden Scholaren.<br \/>\nEr jubelt: &#8222;Heil zum Sonnenfeste!<br \/>\nNun teilet euch in meine G\u00e4ste!&#8220;<\/p>\n<p>Bald schmausten alle buntgesellt.<br \/>\nDurch Lampen war der Tisch erhellt;<br \/>\nDie hingen von den Linden<br \/>\nAus blumigen Gewinden.<br \/>\nErst sahn die Sch\u00fcler schamhaft drein<br \/>\nUnd hauchten sch\u00fcchtern Ja und Nein.<br \/>\nDoch Bruder Rausch mit Scherz und Schwank<br \/>\nSchenkt ihnen s\u00fc\u00dfen Lautertrank,<br \/>\nDass alle Wangen festlich gl\u00fchten,<br \/>\nAus sanften Augen Funken spr\u00fchten.<br \/>\nSie schauten seitw\u00e4rts ihren Mann<br \/>\nMit raschen Schelmenblicken an<br \/>\nUnd stimmten in die Neckerein<br \/>\nMit silberhellem Kichern ein.<\/p>\n<p>So ging es fort in Saus und Braus.<br \/>\nDoch als zu Ende war der Schmaus,<br \/>\nDa r\u00fcckten sie die St\u00fchle<br \/>\nUnd schw\u00e4rmten durch die K\u00fchle.<br \/>\nEin Sonnwendfeuer wird entfacht;<br \/>\nDas lodert in die Vollmondnacht.<br \/>\nSie lagern in der Runde<br \/>\nAuf weichem Wiesengrunde.<br \/>\nDie Sch\u00fcler streun im \u00dcbermut<br \/>\nSich Rosen in der Locken Flut<br \/>\nUnd flechten sie, mit Wein durchlaubt,<br \/>\nDen M\u00f6nchen um das kahle Haupt,<br \/>\nDass l\u00fcstern aus den Kr\u00e4nzen<br \/>\nDie wei\u00dfen Platten gl\u00e4nzen.<br \/>\nDa schallt ein Lachen von der Linde;<br \/>\nDort wiegt sich Rausch im Abendwinde.<br \/>\nEr sa\u00df, rot angegl\u00fcht vom Brand,<br \/>\nDie Zauberfiedel in der Hand.<br \/>\nSie riefen &#8222;Spiel uns einen Reigen!&#8220;<br \/>\nUnd wieder fing er an zu geigen,<br \/>\nDoch heut mit nie geh\u00f6rtem Klang,<br \/>\nDer fein durch alle Sinne drang.<br \/>\nAnhebt sie leis und leise,<br \/>\nDie heilge Elbenweise.<br \/>\nSie bebt hinaus durch Berg und Flur:<br \/>\nDer Hochzeitsreigen der Natur.<br \/>\nEin s\u00fc\u00dfer Schreck durchzuckt die Nacht.<br \/>\nWas schl\u00e4ft und atmet, das erwacht.<br \/>\nDie V\u00f6glein in des Nestes Ruh,<br \/>\nSie sch\u00fctteln sich und h\u00f6ren zu.<br \/>\nDie Hindin auf der Heide<br \/>\nBlickt auf von ihrer Weide.<br \/>\nDer Wolf, von Beutegier entbrannt,<br \/>\nVergisst sein Wid und steht gebannt.<br \/>\nDer Eichwald stillt sein Rauschen,<br \/>\nUnd alle Wesen lauschen.<br \/>\nUnd wie die Weise m\u00e4hlich schwillt,<br \/>\nHaucht weiche Sehnsucht durchs Gefind.<br \/>\nDie jungen M\u00f6nche schaun empor,<br \/>\nAls \u00f6ffne sich des Himmels Tor,<br \/>\nVon Schauern \u00fcberronnen,<br \/>\nVon Wehmut und von Wonnen,<br \/>\nDas Herz im Tiefsten aufgew\u00fchlt,<br \/>\nDas sich noch nie so k\u00fchn gef\u00fchlt.<br \/>\nVerhei\u00dfend lockt in alle Weiten<br \/>\nDie Welt mit tausend Herrlichkeiten;<br \/>\nNach Wunderfernen st\u00fcrmt ihr Sinn.<br \/>\nDie Alten tr\u00e4umen vor sich hin,<br \/>\nAls s\u00e4hen sie Gestalten schweben<br \/>\nAus einem fr\u00fchern Erdenleben.<br \/>\nSo fremd und doch so wohlbekannt<br \/>\nEntschleiert sich ihr Jugendland.<br \/>\nDa liegt es rings im Maienschein:<br \/>\nWie ging sich&#8217;s da so hold zu zwein!<br \/>\nSie fasst ein schmerzliches Gel\u00fcst<br \/>\nNach Lippen, die sie einst gek\u00fcsst,<br \/>\nNach bl\u00fctenhellen Wangen,<br \/>\nDie l\u00e4ngst in Staub vergangen.<\/p>\n<p>Da w\u00e4chst der Klang mit Zaubermacht<br \/>\nWie Sturmgesang der Fr\u00fchlingsnacht.<br \/>\nO, schaut nicht vorw\u00e4rts, nicht zur\u00fcck!<br \/>\nSo nahe gr\u00fc\u00dft euch Lieb und Gl\u00fcck.<br \/>\nDie Welt ist euer, schaut euch um!<br \/>\nEin festlich prangend Heiligtum.<br \/>\nDes Mondes Silber tr\u00e4nkt die Matten,<br \/>\nUnd rieselt durch der Zweige Schatten,<br \/>\nUnd alle Blumen \u00f6ffnen sacht<br \/>\nDes Bl\u00e4tterscho\u00dfes zarte Pracht,<br \/>\nUnd s\u00fc\u00dfe Wohlger\u00fcche schwellen<br \/>\nDer L\u00fcfte sanft erregte Wellen.<br \/>\nGleich W\u00f6lfchen steigt der Bienen Zug;<br \/>\nSie schw\u00e4rmen auf im Hochzeitflug.<br \/>\nVon Faltern wimmelt Busch und Au;<br \/>\nDie Adler kreisen hoch im Blau.<br \/>\nWaldv\u00f6glein heben goldnen Schall,<br \/>\nDie Lerche mit der Nachtigall.<br \/>\nDer Spielhahn schleift, der T\u00e4uber girrt;<br \/>\nDas gluckst und schmettert, zirpt und schwirrt,<br \/>\nUnd fernher aus den F\u00f6hren<br \/>\nErdr\u00f6hnt des Hirsches R\u00f6hren.<\/p>\n<p>Mit allberauschender Gewalt<br \/>\nErgreift die Weise Jung und Alt<br \/>\nUnd rei\u00dft sie fort im Siegerschritt:<br \/>\nSie springen auf und singen mit.<br \/>\nDie Sch\u00fcler zw\u00e4ngt ihr Brustgewand:<br \/>\nSie werfen&#8217;s ab mit wilder Hand, &#8211;<br \/>\nUnd schwanwei\u00df taucht aus schwarzer H\u00fclle<br \/>\nMagdlicher Glieder schlanke F\u00fclle,<br \/>\nUnd wen noch Traumesweh umwunden,<br \/>\nF\u00fchlt im Entz\u00fccken sich gesunden.<br \/>\nDer Erde liebstes Lenzgebild,<br \/>\nDas Lieb und Luft entgegenschwillt,<br \/>\nLicht\u00e4ugig Leben jugendwarm<br \/>\nSchmiegt sehnend sich in ihren Arm.<\/p>\n<p>Wie gl\u00fcht ihr Blick im Flammenglanz!<br \/>\nUnd horch, die Weise ruft zum Tanz.<br \/>\nVerzaubert muss sich alles drehn;<br \/>\nKein Halten gibt&#8217;s, kein Widerstehn.<br \/>\nSie fassen sich im Ringelreihn<br \/>\nUnd rasen um den Feuerschein,<br \/>\nBis im Gewog die Kette rei\u00dft<br \/>\nUnd Paar um Paar im Wirbel kreist.<br \/>\nDas scherzt wie Br\u00e4utigam und Braut,<br \/>\nNeckt, flieht und hascht mit Jubellaut.<br \/>\nSie schlie\u00dfen fester sich zusammen<br \/>\nUnd springen jauchzend durch die Flammen,<br \/>\nUm sich in lauschigen Revieren,<br \/>\nIn dunklen Lauben zu verlieren.<\/p>\n<p>Nur noch ein einzger Ton erscholl,<br \/>\nDer s\u00fc\u00df und immer s\u00fc\u00dfer schwoll,<br \/>\nBis alle Sinnen und Gedanken<br \/>\nIn ihm ertranken und versanken.<\/p>\n<p>Und sieh, da wallt die K\u00f6nigin,<br \/>\nFrau Minne, durch die Mondnacht hin.<br \/>\nSie blickt umher: Des Himmels Dach<br \/>\nUmw\u00f6lbt ein gro\u00dfes Brautgemach.<br \/>\nSie segnet mild die \u00e4rmste St\u00e4tte,<br \/>\nWeiht jedes Blatt zum Hochzeitbette. &#8211;<\/p>\n<p>Und r\u00fcckw\u00e4rts spielt nach Elbenpflicht<br \/>\nSein Zauberlied der kleine Wicht,<br \/>\nBis das es leise, wie&#8217;s begann,<br \/>\nIn einen Seufzerhauch verrann.<\/p>\n<p>Still ist es. Nur die Flamme saust,<br \/>\nDie tobend in den \u00c4ther braust.<br \/>\nNun sinkt sie j\u00e4h, mit Rauch vermischt,<br \/>\nZuckt, spr\u00fcht und flackert und erlischt.<br \/>\nSacht glitt der Mond dem Walde zu,<br \/>\nUnd Tal und H\u00fcgel kehrt zur Ruh.<br \/>\nDie Rose, \u00fcppig aufgebl\u00fcht,<br \/>\nDie Lilie neigt sich schlummerm\u00fcd.<br \/>\nDa taumeln aus den Kelchen<br \/>\nVerschlungene Libellchen.<br \/>\nEs regnen K\u00e4fer liebesmatt<br \/>\nWie Tropfen Gold von Blatt zu Blatt.<br \/>\nDie V\u00f6gel stecken wieder<br \/>\nDie K\u00f6pflein ins Gefieder.<br \/>\nGl\u00fchw\u00fcrmchen tippt sein Lichtlein aus;<br \/>\nStill sucht das Wild sein gr\u00fcnes Haus.<br \/>\nNun huscht der Tr\u00e4ume Schattenschwarm,<br \/>\nUnd Lieb entschl\u00e4ft in Liebesarm.<br \/>\nNichts wacht mehr als der Sternenreigen;<br \/>\nDer wandelt fort in selgem Schweigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sonnwendabend k\u00fchlt die Luft Mit Rosentau und Lindenduft. Schon funkeln wie entflammte Sterne Lustfeuer auf den H\u00f6hn der Ferne. Im Klostergarten gr\u00fcn umheckt Prangt eine Tafel reich gedeckt Mit zieren Bechern und Pokalen, Mit Eisgeschirr und Erdbeerschalen. Rings in den Lauben liegen Pf\u00fchle; Verdoppelt ist die Zahl der St\u00fchle. 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