{"id":852,"date":"2014-02-10T03:30:02","date_gmt":"2014-02-10T01:30:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=852"},"modified":"2014-02-10T03:30:02","modified_gmt":"2014-02-10T01:30:02","slug":"sechstes-abenteuer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=852","title":{"rendered":"Sechstes Abenteuer"},"content":{"rendered":"<p>So zog er aus im Morgenstrahl.<br \/>\nDa lag im tiefen Tannental<br \/>\nEin schmucker Ort mit Bach und M\u00fchle.<br \/>\nEin Kirchlein gl\u00e4nzt von weichem B\u00fchle,<br \/>\nDes Pfarrers Haus daneben,<br \/>\nGanz \u00fcbergr\u00fcnt mit Reben,<br \/>\nDarunter, halbversteckt im Hain,<br \/>\nEin spitzes Dach mit Hirschgeweihn.<br \/>\nDer F\u00f6rster war zu jagen aus;<br \/>\nSein rundlich Weib bestellt das Haus,<br \/>\nIndes im Korb am Gartenhag<br \/>\nIhr sch\u00f6ner Junge schlummernd lag.<br \/>\nEin rotes R\u00f6ckchen trug der Kleine;<br \/>\nDie W\u00e4nglein gl\u00fchn im Rosenscheine.<br \/>\nRausch nahte auf den Zehen<br \/>\nUnd blieb verwundert stehen,<br \/>\nUnd lachend sagte er sich: &#8222;F\u00fcrwahr,<br \/>\nDer Racker gleicht mir auf ein Haar.&#8220;<br \/>\nIhm fiel mit allen Schelmerein<br \/>\nDer Mutwill&#8216; seiner Jugend ein,<br \/>\nUnd eh&#8216; er selber sich&#8217;s versann,<br \/>\nLief er schon mit dem Kind bergan;<br \/>\nEr trug es in des Pfaffen Bette<br \/>\nUnd legt sich an des Knaben St\u00e4tte.<\/p>\n<p>Bald kam die Frau mit muntrem Schritt<br \/>\nUnd nahm ihn in die Stube mit<br \/>\nUnd bettet ihn an sichrem Ort<br \/>\nMit manchem s\u00fc\u00dfen Liebeswort.<br \/>\nSie sa\u00df und schaukelt&#8216; ihn und sang,<br \/>\nIndes die Spindel surrend sprang.<br \/>\nSo heimlich war&#8217;s, so d\u00e4mmerk\u00fchl,<br \/>\nDas Bett so weich, so lind der Pf\u00fchl:<br \/>\nRausch bleibt behaglich liegen,<br \/>\nSchweigt still und l\u00e4sst sich wiegen.<br \/>\n&#8222;Ah&#8220;, denkt er, &#8222;mir ist sanft zu Mut!<br \/>\nWie hat&#8217;s ein solches Menschlein gut!<br \/>\nO Mutterblick, du sch\u00f6nstes Licht!<br \/>\nSo wohl erging mir&#8217;s lange nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Leis kam die Mittagsstunde<br \/>\nZum lichten Tannengrunde.<br \/>\nDer Harzduft kocht im Sonnenbrand;<br \/>\nEin schl\u00e4frig Gl\u00f6cklein summt ins Land.<br \/>\nDann ward es stille ringsumher<br \/>\nUnd Weg und Kirchlein menschenleer.<br \/>\nZur Kammer kam, sich auszuziehn,<br \/>\nDer wackre Priester Zephyrin.<br \/>\nDa lag das Kind. Der kleine Fant<br \/>\nWar ihm nur allzu wohl bekannt.<br \/>\nDer lacht&#8216; auch gleich, als er ihn sah.<br \/>\nBetreten stand er vor ihm da<br \/>\nUnd sprach in v\u00e4terlichem Ton:<br \/>\n&#8222;Ei sieh, bist du&#8217;s, mein goldner Sohn?<br \/>\nWer hat mit meinem armen Lieben<br \/>\nZur Unzeit solchen Scherz getrieben?&#8220;<br \/>\nEr nahm ihn samt dem Pf\u00fchl heraus<br \/>\nUnd huscht mit ihm ins F\u00f6rsterhaus:<br \/>\n&#8222;Gevatterin, Frau Friderun,<br \/>\nWas soll ich mit dem Rangen tun?<br \/>\nWir haben doch vor wenig Wochen<br \/>\nSein Erbgut feierlichst besprochen.<br \/>\nEr wird gewiss auf Erden<br \/>\nDereinst ein Bischof werden.<br \/>\nDoch treibt nicht frevle Neckerei!<br \/>\nIhr bringt uns gar noch ins Geschrei.&#8220;<br \/>\nSie sah ihm fragend ins Gesicht:<br \/>\n&#8222;Was meint ihr? Ich versteh euch nicht.&#8220;<br \/>\nEr sprach: Was sollt&#8216; ich meinen?<br \/>\nIhr kennt doch diesen Kleinen?&#8220;<br \/>\nUnd damit wickelt er ihn los<br \/>\nUnd stellt ihn auf der Mutter Scho\u00df.<br \/>\n&#8222;Herrgott&#8220;, rief sie, &#8222;es ist mein Bube!<br \/>\nSo liegt der Teufel in der Stube!&#8220;<\/p>\n<p>Zum T\u00fcrspalt wies sie bleich vor Graun;<br \/>\nDer Pfaffe schlich, hineinzuschaun.<br \/>\nEr mustert Rausch mit Kennerblicken<br \/>\nUnd zischelt mit bed\u00e4chtgem Nicken:<br \/>\n&#8222;Diaboli ludibrium!<br \/>\nWie sieht er sich bedrohlich um!<br \/>\nDas arme S\u00f6hnlein ward verz\u00fcckt:<br \/>\nEin Wechselbalg hat Euch ber\u00fcckt.&#8220;<br \/>\nSie ringt in wilder Angst die H\u00e4nde;<br \/>\nEr fasst sie tr\u00f6stend um die Lende<br \/>\nUnd fl\u00fcstert: &#8222;Nein, habt guten Mut!<br \/>\nIch will Euch raten, was Ihr tut,<br \/>\nWie wir&#8217;s in jungen Tagen<br \/>\nDie Muhmen h\u00f6rten sagen.<br \/>\nMerkt auf! Ihr m\u00fcsst vor allen Dingen<br \/>\nDen Feind mit List zum Sprechen bringen.<br \/>\nDann lohnt man ihm mit blauen Malen:<br \/>\nGeht, brauet Bier in Eierschalen!&#8220;<\/p>\n<p>Sie tat so, wie er sie gelehrt.<br \/>\nSie lief gesch\u00e4ftig um den Herd,<br \/>\n\u00dcbt allen Brauch der weisen Fraun,<br \/>\nDie Gerstentrank zum Feste braun.<br \/>\nIhr Treiben st\u00f6rt des Kleinen Ruh:<br \/>\nEr sah mit gro\u00dfen Augen zu,<br \/>\nErhob sich langsam aus den Daunen<br \/>\nUnd brummte mit treuherzgem Staunen:<br \/>\n&#8222;Nun bin ich doch so alt, so alt,<br \/>\nViel \u00e4lter als der Westerwald,<br \/>\nUnd hab mein Tage nicht geschaut,<br \/>\nDass man das Bier in Eiern braut!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Hui, drauf und dran! Wir haben ihn!&#8220;<br \/>\nSo rief der tapfre Zephyrin<br \/>\nUnd wischte aus der Kellert\u00fcr<br \/>\nMit einem Besenstiel herf\u00fcr.<br \/>\nDie Frau mit fliegendem Gelock<br \/>\nErgriff den knotgen Kunkelstock,<br \/>\nUnd beide hieben im Verein<br \/>\nAuf den erschrocknen Redner ein.<br \/>\nDie Wiege rollte hin und her;<br \/>\nDie Kissen flogen kreuz und quer.<br \/>\nWohl strebt er r\u00fcstig, zu entfliehn;<br \/>\nDoch stets ereilt ihn Zephyrin.<br \/>\nDer focht wie einst Sankt Michael;<br \/>\nDer Streiche ging ihm keiner fehl.<br \/>\nEr schrie und schlug in einem Saus:<br \/>\n&#8222;So treibt man dumme Teufel aus!&#8220;<\/p>\n<p>Rausch lief in Angst und Eile<br \/>\nWohl mehr als eine Weile.<br \/>\nWeit in der Wildnis hielt er an<br \/>\nUnd pries sein Gl\u00fcck, dass er entrann.<br \/>\n&#8222;Es scheint mir fast&#8220;, so murmelt er,<br \/>\n&#8222;Die alten Sp\u00e4\u00dfe ziehn nicht mehr.<br \/>\nDas war ein schwarzer W\u00fcterich!<br \/>\nUnd Teufel, glaub&#8216; ich, hie\u00df er mich.<br \/>\nWie kann mir solch ein Schimpf geschehn?<br \/>\nSollt ich ihm wirklich \u00e4hnlich sehn?&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So zog er aus im Morgenstrahl. 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