{"id":8523,"date":"2017-12-15T10:05:04","date_gmt":"2017-12-15T09:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=8523"},"modified":"2017-12-15T10:04:42","modified_gmt":"2017-12-15T09:04:42","slug":"fehlerhafte-zaesuren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=8523","title":{"rendered":"Fehlerhafte Z\u00e4suren"},"content":{"rendered":"<p>Eine fehlerhafte Z\u00e4sur sch\u00e4digt den Hexameter nachhaltig. Das gilt vor allem in zwei F\u00e4llen:<\/p>\n<p><strong>1)<\/strong> Der Verseinschnitt liegt nicht <strong>im<\/strong>, sondern <strong>hinter<\/strong> dem dritten Versfu\u00df. Dadurch zerf\u00e4llt der Hexameter in zwei gleichgebaute Teilverse, die eher als selbst\u00e4ndig wahrgenommen werden denn als einem gr\u00f6\u00dferen Ganzen zugeh\u00f6rig! Im zwanzigsten Jahrhundert finden sich allerdings namhafte Verfasser, die in dieser Hinsicht unempfindlicher sind und so gebaute Verse gelegentlich oder sogar h\u00e4ufig verwendet haben. Ein Beispiel aus Bertolt Brechts &#8222;Die apokalyptischen Reiter&#8220;:<\/p>\n<p>(\u00c4lteren Zeiten verschrieben, ritten sie selber noch G\u00e4ule.)<br \/>\n\u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1<\/p>\n<p>Im Bewusstsein der Regel und um der Wirkung wegen, die von ihrer Verletzung ausgeht, benutzt Eduard M\u00f6rike diesen Einschnitt im &#8222;Sichern Mann&#8220;:<\/p>\n<p>Schmeidige doch ein weniges deine borstige Seele!<br \/>\n\u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1\u00a0 \/ \u2014 \u25e1\u25e1\u00a0 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u2014 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1<\/p>\n<p>Hier ist der Versto\u00df gegen die Z\u00e4surregel der Ausweis der &#8222;borstigen Seele&#8220;; ansonsten hat M\u00f6rike aber darauf geachtet, die beiden Versh\u00e4lften durch die genau entgegengesetzte Wahl der Versf\u00fc\u00dfe unterschiedlich zu halten. Dies wirkt am st\u00e4rksten am Ende der Teilverse, weswegen Heinrich Viehoff anmerkt:<\/p>\n<p><em>Fehlerhaft ist der Haupteinschnitt am Ende des dritten Fu\u00dfes, der den Vers halbieren w\u00fcrde, und in gesteigertem Ma\u00dfe fehlerhaft, wenn dieser Fu\u00df aus einem Spondeus besteht.<\/em> (Vorschule der Dichtkunst)<\/p>\n<p>M\u00f6rike hat als dritten Fu\u00df einen dreisilbigen Versfu\u00df!<\/p>\n<p><strong>2)<\/strong> Durch zwei Verseinschnitte <strong>hinter<\/strong> dem zweiten und <strong>hinter<\/strong> dem vierten Versfu\u00df zerf\u00e4llt der Hexameter in drei gleiche Teile. Zur Verdeutlichung verwenden viele Metriken diesen Vers von Jens Baggesen:<\/p>\n<p>Zwar ein bescheidener, frommer, und sittsamer, aber ein Mann doch.<br \/>\n\u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 \u25e1 <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> \u2014 \u25e1 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span>\u00a0 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 \u25e1 <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> \u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1<\/p>\n<p>Hier ist die regelgerechte Z\u00e4sur 3w zwar vorhanden, wird aber durch die drittelnden Einschnitte hinter dem zweiten und hinter dem vierten Fu\u00df \u00fcbert\u00f6nt.<\/p>\n<p>Auch diesen Regelversto\u00df hat Eduard M\u00f6rike im &#8222;Sichern Mann&#8220; der dem Inhalt angemessenen Wirkung wegen eingesetzt:<\/p>\n<p>Endlich am Schluss denn folget das Punctum, gro\u00df wie ein Kindskopf.<br \/>\n\u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> \u2014 \u25e1\u00a0 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u25e1 \/ \u2014 \u25e1 <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> \u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1<\/p>\n<p>Der Riese Suckelborst setzt den Schlusspunkt unter ein Werk, das er\u00a0 in ein gewaltiges, aus Scheunentoren gebundenes Buch schrieb; der Vers verdeutlicht das, indem er die den Hexameter schlie\u00dfende Klausel <span style=\"color: #ff0000\">\u2014 \u25e1 \u25e1 \/ \u2014 \u25e1<\/span> nicht nur einmal, sondern gleich dreimal verwirklicht! Die eigentliche Z\u00e4sur 3w ist auch hier nur eine Wortgrenze.<\/p>\n<p>Das alles noch einmal mit den Worten von Georg Friedrich Grotefend zusammengefasst:<\/p>\n<p><em>Am wenigsten darf der Vers durch den Mangel der Z\u00e4sur in zwei oder drei gleichartige Glieder zerfallen, welche man f\u00fcr ebensoviele besondere Verse halten k\u00f6nnte. Nicht zu gestatten ist daher die Endigung eines Wortes am Ende des dritten Fu\u00dfes, wenn nicht ein gewichtiges einsilbiges Wort darauf folgt, welches das Anhalten an jener Stelle verwehrt. Gleich unerlaubt ist der Einschnitt am Ende des zweiten und vierten Fu\u00dfes zugleich, denn durch solche regelm\u00e4\u00dfige Wiederkehr des Z\u00e4surmangels w\u00fcrde der Hexameter in einen dipodisch gemessenen Triumeter, oder bei wechselnden Daktylen und Spondeen in drei Adonische Verse ausarten.<\/em> (Anfangsgr\u00fcnde der deutschen Prosodie)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine fehlerhafte Z\u00e4sur sch\u00e4digt den Hexameter nachhaltig. Das gilt vor allem in zwei F\u00e4llen: 1) Der Verseinschnitt liegt nicht im, sondern hinter dem dritten Versfu\u00df. Dadurch zerf\u00e4llt der Hexameter in zwei gleichgebaute Teilverse, die eher als selbst\u00e4ndig wahrgenommen werden denn als einem gr\u00f6\u00dferen Ganzen zugeh\u00f6rig! Im zwanzigsten Jahrhundert finden sich allerdings namhafte Verfasser, die in&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=8523\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Fehlerhafte Z\u00e4suren<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":8483,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-8523","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8523"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8532,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8523\/revisions\/8532"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}