{"id":856,"date":"2014-02-10T03:32:21","date_gmt":"2014-02-10T01:32:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=856"},"modified":"2014-02-10T03:32:21","modified_gmt":"2014-02-10T01:32:21","slug":"achtes-abenteuer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=856","title":{"rendered":"Achtes Abenteuer"},"content":{"rendered":"<p>Er kam, des Bauernlebens satt,<br \/>\nIn eine hochget\u00fcrmte Stadt.<br \/>\nDa str\u00f6mt das Volk im Abendschein<br \/>\nDurch Tor und Br\u00fccke aus und ein:<br \/>\nAltherrn mit wei\u00dfen Haaren<br \/>\nIn farbigen Talaren;<br \/>\nStudenten ziehn in Schw\u00e4rmen<br \/>\nMit Lachen und mit L\u00e4rmen.<br \/>\nAus blumgen K\u00e4hnen schallt Gesang<br \/>\nZu Bechergru\u00df und Lautenklang.<br \/>\nSie riefen Heil der hohen Schule<br \/>\nUnd sangen von der liebsten Buhle.<\/p>\n<p>Rausch, als es dunkelt, folgt von fern<br \/>\nDurchs Stadttor zwei gelehrten Herrn.<br \/>\nDie priesen einen weisen Mann,<br \/>\nDer heut den Doktorhut gewann:<br \/>\nDer sei vor allen andren Meistern<br \/>\nVertraut mit G\u00f6ttern und mit Geistern.<br \/>\n&#8222;Den&#8220;, dache Rausch, &#8222;den muss ich sehn!<br \/>\nDer eine Mann wird mich verstehn.<br \/>\nIhm werd ich nicht zum Spotte<br \/>\nVor diesem neuen Gotte.<br \/>\nZwar der ist Sieger, ist im Recht;<br \/>\nDoch ich bin werter von Geschlecht.<br \/>\nMir brachte Blumenopfer dar<br \/>\nEin adlig Volk in goldnem Haar,<br \/>\nDa seine krumgenasten V\u00e4ter<br \/>\nEin Kalb umsprangen mit Gezeter.<br \/>\nDas wei\u00df der Mann; der ist gelehrt.<br \/>\nWie mich das Bauernvolk entehrt,<br \/>\nDem weisen Meister will ich&#8217;s klagen:<br \/>\nDer wird manch tr\u00f6stlich Wort mir sagen.&#8220;<\/p>\n<p>Er sucht das h\u00f6chste Giebeldach,<br \/>\nDort war des Herrn Studiergemach,<br \/>\nPocht an die T\u00fcre zart und fein;<br \/>\nDa schallt ein m\u00fcrrisches Herein!<br \/>\nUnd drin am Fensterpulte stand<br \/>\nEin Mann in langem Hausgewand.<br \/>\nDer, rings umschanzt vom B\u00fccher hauf,<br \/>\nLiest ruhig fort und blickt nicht auf.<br \/>\nDoch nickt er fl\u00fcchtig im Studieren<br \/>\nUnd brummt: &#8222;Ihr wollt Euch inskribieren.<br \/>\nDort liegt das Merkbuch, tragt Euch ein!<br \/>\nIhr sollt den Kursus benedein:<br \/>\nWas Ihr bis heut von G\u00f6ttern wisst,<br \/>\nIst des Augias alter Mist.&#8220;<br \/>\nDann kramt er fort in seinen B\u00e4nden.<br \/>\nRausch dreht sein H\u00fctlein in den H\u00e4nden:<br \/>\n&#8222;Verzeiht, dass ich Euch plage,<br \/>\nUnd g\u00f6nnet mir die Frage:<br \/>\nHat einer von der G\u00f6tter Art<br \/>\nSich Euch schon leibhaft offenbart?&#8220;<br \/>\n&#8222;Pah&#8220;, lacht er, &#8222;eitel Phantasie!<br \/>\nDie gibt es nicht und gab es nie.&#8220;<br \/>\n&#8222;Oho&#8220;, sprach Bruder Rausch gekr\u00e4nkt,<br \/>\n&#8222;Das geht so glatt nicht, wie Ihr denkt!<br \/>\nUnd wollt ihr nur vom Buche sehn,<br \/>\nSo habt Ihr einen vor Euch stehn.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Was?&#8220; schrie emp\u00f6rt der weise Mann,<br \/>\nSprang vor und starrt ihn grimmig an.<br \/>\n&#8222;Ein Ammenspuk! Was will der hier?<br \/>\nWagt so ein Popanz sich zu mir?<br \/>\nF\u00fcrwahr, ein Puck, ein Poltergeist,<br \/>\nEin Kerl, der Rumpelstilzchen hei\u00dft!<br \/>\nWelch ein Phantast hat Euch vexiert,<br \/>\nZu glauben, dass Ihr existiert?<br \/>\nDas haben wohl die Philologen<br \/>\nEuch armem Schlucker vorgelogen.<br \/>\nJedoch gemach! Sie sind gerichtet.<br \/>\nIch habe gr\u00fcndlich sie vernichtet;<br \/>\nSie sterben aus, habt nur Geduld!&#8220;<br \/>\nUnd damit warf auf seinen Pult<br \/>\nEr einen schweren Folianten,<br \/>\nIn Holz gefasst, mit Eisenkanten.<br \/>\nDas knallte wie ein Donnerschlag,<br \/>\nDass Bruder Rausch zu Tod erschrak.<br \/>\n&#8222;Hier ist der Schule Wust und Wahn<br \/>\nF\u00fcr alle Zeiten abgetan.<br \/>\nVon all den himmlischen Gestalten,<br \/>\nMir hat nicht eine standgehalten.<br \/>\nWer ist noch, was er scheint, geblieben?<br \/>\nZum Urbrei hab&#8216; ich sie zerrieben.<br \/>\nDoch gar mit Herren Euren Wesens,<br \/>\nDa macht man wenig Federlesens.<br \/>\nIch wei\u00df, Ihr bildet Euch wohl ein,<br \/>\nEin deutsch Original zu sein,<br \/>\nUnd seid im Nilschlamm doch gezeugt<br \/>\nMit allem, was da kreucht und fleugt!<br \/>\nIhr seid, wenn nicht ein Renegat,<br \/>\nEin nachgepfuschtes Plagiat,<br \/>\nEin Faselhans nach fremder Norm,<br \/>\nKurz, eine schlechte Typhonform!<br \/>\nDas merkt Euch wohl, und nun hinaus!<br \/>\nF\u00fcr Larven bin ich nicht zu Haus.&#8220;<br \/>\nSo schob der Mann mit Ungeb\u00fchr<br \/>\nDen Kleinen unsanft vor die T\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er kam, des Bauernlebens satt, In eine hochget\u00fcrmte Stadt. 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