{"id":9258,"date":"2019-07-18T22:10:21","date_gmt":"2019-07-18T21:10:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9258"},"modified":"2019-07-20T22:20:14","modified_gmt":"2019-07-20T21:20:14","slug":"friedrich-rassmann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9258","title":{"rendered":"Friedrich Rassmann"},"content":{"rendered":"<p><strong>(1) Richterspruch<\/strong><br \/>\nDer liebt in seinem Leben nimmer,<br \/>\nWer nicht den Bund mit \u00c4gle schlie\u00dft!<br \/>\nWer sie zur Huldin nicht erkiest,<br \/>\nDer liebt in seinem Leben nimmer.<br \/>\nDenkt nur einmal, ein Frauenzimmer,<br \/>\nDas Anacharsis Reise liest!<br \/>\nDer liebt in seinem Leben nimmer,<br \/>\nWer nicht den Bund mit \u00c4gle schlie\u00dft.<\/p>\n<p><strong>(2) Reue<\/strong><br \/>\nSie wollte gern mich spielen h\u00f6ren,<br \/>\nIch war ein Tor, dass ich&#8217;s nicht tat!<br \/>\nEin Tor, da sie so schmeichelnd bat:<br \/>\nSie wollte gern mich spielen h\u00f6ren.<br \/>\nVielleicht, dass, meinem Spiel zu Ehren,<br \/>\nSie selbst nachher zum Fl\u00fcgel trat!<br \/>\nSie wollte gern mich spielen h\u00f6ren,<br \/>\nIch war ein Tor, dass ich&#8217;s nicht tat.<\/p>\n<p><strong>(3) Warnung<\/strong><br \/>\nDann m\u00fcsst ihr ja kein M\u00e4dchen artig hei\u00dfen,<br \/>\nWenn es das Spinnrad oder Strickzeug f\u00fchrt.<br \/>\nUnd wenn ihm auch das gr\u00f6\u00dfte Lob geb\u00fchrt,<br \/>\nDann m\u00fcsst ihr ja kein M\u00e4dchen artig hei\u00dfen.<br \/>\nIhr werdet sehn, ob nicht die F\u00e4den rei\u00dfen,<br \/>\nOb es nicht zwanzig Augen gleich verliert;<br \/>\nDamm m\u00fcsst ihr ja kein M\u00e4dchen artig hei\u00dfen,<br \/>\nWenn es das Spinnrad oder Strickzeug f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>(4) Ossian<\/strong><br \/>\n<em>Nach Lesung einer Abhandlung in den Horen<\/em><br \/>\nEs ist so s\u00fc\u00df, an Ossian zu glauben,<br \/>\nSo s\u00fc\u00df es ist, zu glauben an Homer.<br \/>\nUnd wenn auch MacPherson der Dichter w\u00e4r&#8216;,<br \/>\nEs ist so s\u00fc\u00df, an Ossian zu glauben.<br \/>\nKein Kritiker soll mir die Meinung rauben,<br \/>\nUnd schritt er auch in Bentleys R\u00fcstung her!<br \/>\nEs ist so s\u00fc\u00df, an Ossian zu glauben,<br \/>\nSo s\u00fc\u00df es ist, zu glauben an Homer.<\/p>\n<p><strong>(5) Freundschaftlicher Rat<\/strong><br \/>\nNaht euch nur keinem weiblichen Gesange,<br \/>\nDer rei\u00dft euch hin, der ist ein Talisman.<br \/>\nFolgt einem Freunde, der euch warnen kann:<br \/>\nNaht euch nur keinem weiblichen Gesange.<br \/>\nSie spielte neulich: Klopfe nicht so bange*<br \/>\nDa fing mein Herz erst recht zu klopfen an!<br \/>\nNaht euch nur keinem weiblichen Gesange,<br \/>\nDer rei\u00dft euch hin, der ist ein Talisman.<\/p>\n<p>*Eine sehr beliebte Arie aus dem deutschen Alcibiades, komponiert von Demoiselle Friederike Pallas.<\/p>\n<p><strong>(6) Am Fastnachtsabend<\/strong><br \/>\nMir f\u00e4llt&#8217;s nicht ein, zum Maskenball zu ziehen,<br \/>\nWoran die halbe Stadt sich heut vergn\u00fcgt.<br \/>\nDer Reiz der Stille hat mich l\u00e4ngst besiegt;<br \/>\nMir f\u00e4llt&#8217;s nicht ein, zum Maskenball zu ziehen.<br \/>\nDie Platten meines kleinen Ofens gl\u00fchen,<br \/>\nMein Pfeifchen brennt und meine Feder fliegt!<br \/>\nMir f\u00e4llt&#8217;s nicht ein, zum Maskenball zu ziehen,<br \/>\nWoran die halbe Stadt sich heut vergn\u00fcgt.<\/p>\n<p><strong>(7) Der einundzwanzigste April<\/strong><br \/>\nDen einundzwanzigsten April<br \/>\nLebt&#8216; ich ein Leben wie die G\u00f6tter!<br \/>\nEs war das sch\u00f6nste Manenwetter<br \/>\nDen einundzwanzigsten April;<br \/>\nUnd Daphne gab mir Lotusbl\u00e4tter,<br \/>\nUnd was sie sprach, war ein Idyll!<br \/>\nDen einundzwanzigsten April<br \/>\nLebt&#8216; ich ein Leben wie die G\u00f6tter.<\/p>\n<p><strong>(8) Scherzhafte Unzufriedenheit<\/strong><br \/>\nWohl hab&#8216; ich Recht, mich zu beklagen;<br \/>\nDie M\u00e4dchen frei&#8217;n jetzt alle hier!<br \/>\nGott Hymen klopft an jede T\u00fcr;<br \/>\nWohl hab&#8216; ich Recht, mich zu beklagen.<br \/>\nWie Philipps Sohn werd&#8216; ich bald fragen:<br \/>\nWas bleibt denn zu erobern mir?<br \/>\nWohl hab&#8216; ich Recht, mich zu beklagen;<br \/>\nDie M\u00e4dchen frei&#8217;n jetzt alle hier.<\/p>\n<p><strong>(9) Der erste J\u00e4nner<\/strong><br \/>\nDen ersten Tag im Januar<br \/>\nWerd&#8216; ich zeitlebens nicht vergessen!<br \/>\nIch w\u00fcnscht&#8216; ihr Gl\u00fcck zum neuen Jahr,<br \/>\nDen ersten Tag im Januar;<br \/>\nUnd sie beteuert mir vermessen,<br \/>\nDass sie seitdem recht gl\u00fccklich war!<br \/>\nDen ersten Tag im Januar<br \/>\nWerd&#8216; ich zeitlebens nicht vergessen.<\/p>\n<p><strong>10)<\/strong> Ja! Solch ein Fest wird sich nie sich wieder zeigen,<br \/>\nAls einst im Garten freundlich uns beschlich!<br \/>\nJetzt ist uns alles feind und hinderlich;<br \/>\nJa! Solch ein Fest wird sich nie wieder zeigen.<br \/>\nWir pfl\u00fcckten Kirschen von den vollen Zweigen,<br \/>\nSie a\u00df die meinen, und die ihren ich!<br \/>\nJa! Solch ein Fest wird nie sich wieder zeigen,<br \/>\nAls einst im Garten freundlich uns beschlich.<\/p>\n<p><strong>11) W\u00fcrdigung des Trioletts<\/strong><br \/>\nKein Kenner wird ein Triolett verachten;<br \/>\nEs bleibt ein sch\u00f6nes Spiel der Phantasie!<br \/>\nUnd hat es gleich Gedankenf\u00fclle nie,<br \/>\nKein Kenner wird ein Triolett verachten.<br \/>\nNicht immer will man einen Aar betrachten,<br \/>\nOft sieht man gern auch einen Kolibri;<br \/>\nKein Kenner wird ein Triolett verachten,<br \/>\nEs bleibt ein sch\u00f6nes Spiel der Phantasie.<\/p>\n<p><strong>(12) Frage<\/strong><br \/>\nDas nenn&#8216; ich eine Frage:<br \/>\nOb ich genesen bin?<br \/>\nDu lose Sch\u00e4ferin,<br \/>\nDas nenn&#8216; ich eine Frage!<br \/>\nAch, f\u00fcr der Liebe Plage<br \/>\nReicht keine Heilkunst hin!<br \/>\nDas nenn&#8216; ich eine Frage:<br \/>\nOb ich genesen bin?<\/p>\n<p><strong>(13) Triolett an ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen<\/strong><br \/>\nMaid! H\u00e4ttest du das Gegenteil gesagt,<br \/>\nSo w\u00e4r&#8216; ich gestern auf den Ball gegangen.<br \/>\nNeugierig fragt&#8216; ich: \u201eWirst du auch dort prangen?\u201c<br \/>\nMaid! H\u00e4ttest du das Gegenteil gesagt!<br \/>\nDu aber sprachst: \u201eJa freilich, bis es tagt!\u201c<br \/>\nO Maid, mit hohem Zauber rings umfangen,<br \/>\nMaid, h\u00e4ttest du das Gegenteil gesagt,<br \/>\nSo w\u00e4r&#8216; ich gestern auf den Ball gegangen!\u201c<\/p>\n<p><strong>(14) Die Gegend am Walde<\/strong><br \/>\nHier, wo die Schl\u00fcsselblumen sprie\u00dfen,<br \/>\nIst jetzt mein liebster Aufenthalt.<br \/>\nDie Gegend wird mir gar nicht alt,<br \/>\nHier, wo die Schl\u00fcsselblumen sprie\u00dfen.<br \/>\nTagt\u00e4glich geht sie in den Wald,<br \/>\nSie muss vorbei, sie muss mich gr\u00fc\u00dfen!<br \/>\nHier, wo die Schl\u00fcsselblumen sprie\u00dfen,<br \/>\nIst jetzt mein liebster Aufenthalt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1) Richterspruch Der liebt in seinem Leben nimmer, Wer nicht den Bund mit \u00c4gle schlie\u00dft! Wer sie zur Huldin nicht erkiest, Der liebt in seinem Leben nimmer. 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