{"id":9301,"date":"2019-08-04T22:40:09","date_gmt":"2019-08-04T21:40:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9301"},"modified":"2019-08-18T13:18:35","modified_gmt":"2019-08-18T12:18:35","slug":"georg-joseph-keller","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9301","title":{"rendered":"Georg Joseph Keller"},"content":{"rendered":"<p>Ab <strong>(26)<\/strong> aus: Keller, Georg Joseph: Dichtungen. Selbstverlag, W\u00fcrzburg 1850. (<a href=\"https:\/\/reader.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb10112219_00001.html\">online<\/a>)<\/p>\n<p><strong>(1) Verj\u00fcngung<\/strong><br \/>\nWenn ich von altem Weine trinke,<br \/>\nSo werd&#8216; ich pl\u00f6tzlich wieder jung.<br \/>\nSei&#8217;s, dass mein N\u00e4schen rosig blinke,<br \/>\nWenn ich von altem Weine trinke.<br \/>\nDen Geist befl\u00fcgelt neuer Schwung,<br \/>\nDas Herz erf\u00fcllt Beseligung.<br \/>\nWenn ich von altem Weine trinke,<br \/>\nSo werd&#8216; ich pl\u00f6tzlich wieder jung.<\/p>\n<p><strong>(2) S\u00fc\u00dfer Schlummer<\/strong><br \/>\nSenkt still der Abend sich hernieder,<br \/>\nErschlie\u00dft sich mir ein Feenreich.<br \/>\nDer Geist entschwebt auf Aargefieder,<br \/>\nSenkt still der Abend sich hernieder.<br \/>\nIm Traum bin Gl\u00fccklichen ich gleich,<br \/>\nO Phantasie! Durch dich so reich!<br \/>\nSenkt still der Abend sich hernieder,<br \/>\nErschlie\u00dft sich mir ein Feenreich.<\/p>\n<p><strong>(3) Bitteres Erwachen<\/strong><br \/>\nGar bitter ist oft das Erwachen,<br \/>\nHab&#8216; \u00fcberselig ich getr\u00e4umt.<br \/>\nWenn Morpheus mir die Schl\u00e4f&#8216; ums\u00e4umt,<br \/>\nIst oft gar bitter das Erwachen.<br \/>\nWeil Missgeschick gleich gift&#8217;gen Drachen<br \/>\nSich immer mir entgegen b\u00e4umt,<br \/>\nSo ist gar bitter das Erwachen,<br \/>\nHab&#8216; \u00fcberselig ich getr\u00e4umt.<\/p>\n<p><strong>(4) Alles ein Traum<\/strong><br \/>\nDes Lebens Lust und Schmerz ist nur ein Traum,<br \/>\nDer mit der Stunden Fl\u00fcgelschlag entschwindet.<br \/>\nDes Fr\u00fchlings Pracht, der Rose Glut verk\u00fcndet:<br \/>\nDes Lebens Lust und Schmerz ist nur ein Traum.<br \/>\nDrum hasch&#8216; ich froh der Freude goldnen Saum,<br \/>\nWeil alles unsern armen sich entwindet,<br \/>\nWeil Lebens Lust und Schmerz nichts als ein Traum,<br \/>\nDer mit der Stunde Fl\u00fcgelschlag entschwindet.<\/p>\n<p><strong>(5) Macht der Liebe<\/strong><br \/>\nM\u00e4chtig wie der erste Maienhauch<br \/>\nWecket uns der G\u00f6tterstrahl der Liebe;<br \/>\nEr belebet unsre zwarten Triebe<br \/>\nM\u00e4chtig wie der erste Maienhauch.<br \/>\nJa! Beschleichet uns das Alter auch,<br \/>\nWirkt doch, wenn nichts mehr uns bliebe,<br \/>\nM\u00e4chtig wie der erste Maienhauch,<br \/>\nDie Erinn&#8217;rung uns&#8217;rer ersten Liebe.<\/p>\n<p><strong>(6) Bleibendes Anschaun<\/strong><br \/>\nSo wie ich sie das erste Mal erblickt,<br \/>\nSo steht sie immer noch vor meiner Seele.<br \/>\nAch! Wie hat mich ihr holdes Bild entz\u00fcckt,<br \/>\nSo wie ich sie das erste Mal erblickt!<br \/>\nSei&#8217;s, dass mich auch der Schmerz der Trennung qu\u00e4le,<br \/>\nDass sie zu mir die Neigung l\u00e4ngst erstickt;<br \/>\nSo wie ich sie das erste Mal erblickt,<br \/>\nSo steht sie immer noch vor meiner Seele.<\/p>\n<p><strong>(7) Ewige N\u00e4he<\/strong><br \/>\nDu bist ja niemal fern von mir,<br \/>\nWeil tief ich dich im Herzen trage.<br \/>\nDer Spruch erstickt mir jede Klage:<br \/>\n\u201eDu bist ja niemal fern von mir!\u201c<br \/>\nDoch sehnt sich stets mein Herz nach dir,<br \/>\nWenn ich auch noch so oft es sage:<br \/>\n\u201eDu bist ja niemal fern von mir,<br \/>\nWeil tief ich dich im Herzen trage.\u201c<\/p>\n<p><strong>(8) Wechselseitiger Unterricht<\/strong><br \/>\nWas K\u00fcssen sei, du wei\u00dft&#8217;s noch nicht,<br \/>\nDu sollst es nun von mir erlernen.<br \/>\nDen Tadel eile zu entfernen:<br \/>\nWas K\u00fcssen sei, du wei\u00dft&#8217;s noch nicht!<br \/>\nDoch bist du achtsam bei dem Lernen,<br \/>\nSo wett&#8216; ich, dass dein Mund bald spricht:<br \/>\n\u201eWas K\u00fcssen sei, du wei\u00dft&#8217;s noch nicht,<br \/>\nDu sollst es nun von mir erlernen.\u201c<\/p>\n<p><strong>(9) Selbstbetrachtung<\/strong><br \/>\nO greifet stets in eure eig&#8217;ne Brust,<br \/>\nWollt allzu streng ihr \u00fcber andre richten!<br \/>\nPr\u00fcft euch im Gl\u00fcck, im Schmerz, in Gram und Lust;<br \/>\nO greifet stets in eure eig&#8217;ne Brust,<br \/>\nUnd sanfter werdet ihr im Richtspruch schlichten,<br \/>\nSeid ihr der eig&#8217;nen Triebe wohl bewusst.<br \/>\nO greifet stets in eure eig&#8217;ne Brust,<br \/>\nWollt allzu streng ihr \u00fcber andre richten.<\/p>\n<p><strong>(10) Letzter Trost<\/strong><br \/>\nSo lang ich noch ein Lied kann singen,<br \/>\nIst mir nicht alles Gl\u00fcck geraubt.<br \/>\nNicht beug&#8216; ich hoffnungsleer mein Haupt,<br \/>\nSo lang ich noch ein Lied kann singen.<br \/>\nIn meine Klaget\u00f6ne schlingen<br \/>\nErinn&#8217;rungen sich, gr\u00fcn belaubt.<br \/>\nSo lang ich noch ein Lied kann singen,<br \/>\nIst mir nicht alles Gl\u00fcck geraubt.<\/p>\n<p><strong>(11) M\u00e4\u00dfigung<\/strong><br \/>\nIhr, die ihr in des Gl\u00fcckes Hafen seid,<br \/>\nSchaut nicht so stolz auf eure Freunde nieder!<br \/>\nEuch trug zum Port des g\u00fcnst&#8217;gen Winds Gefieder,<br \/>\nIhr, die ihr in des Gl\u00fcckes Hafen seid!<br \/>\nDas Gl\u00fcck beherrscht die Welt, wie leicht zerstreut<br \/>\nAuch eure Flotte Schicksalslaune wieder!<br \/>\nDrum, die ihr in des Gl\u00fcckes Hafen seid,<br \/>\nSchaut nicht so streng auf eure Freunde nieder.<\/p>\n<p><strong>(12) Trost<\/strong><br \/>\nUngleich spendet&#8217;s Schicksal seine Huld,<br \/>\nDoch ich will mich drob nicht gr\u00e4men.<br \/>\nMir erm\u00fcdet nimmer die Geduld,<br \/>\nSpendet&#8217;s Schicksal ungleich seine Huld.<br \/>\nDass ich arm bin, ist nicht meine Schuld,<br \/>\nMeine W\u00fcnsche kann ich ja bez\u00e4hmen.<br \/>\nSpendet&#8217;s Schicksal ungleich seine Huld,<br \/>\nWill ich drob mich doch nicht gr\u00e4men.<\/p>\n<p><strong>(13) Aufruf<\/strong><br \/>\nHascht der Feude gold&#8217;ne Fl\u00fcgel,<br \/>\nEh&#8216; die Stunde rasch entflieht!<br \/>\nWeil der Jugend Reiz noch bl\u00fcht,<br \/>\nHascht der Freude gold&#8217;ne Fl\u00fcgel!<br \/>\nAch! ein einz&#8217;ger Nordhauch zieht<br \/>\nUns zum dunklen Grabesh\u00fcgel.<br \/>\nHascht der Freude gold&#8217;ne Fl\u00fcgel,<br \/>\nEh&#8216; die Stunde rasch entflieht!<\/p>\n<p><strong>(14) Frage<\/strong><br \/>\nWas hab&#8216; ich wieder da gemacht?<br \/>\nFrag&#8216; ich, wenn&#8217;s Herz allein gehandelt.<br \/>\nDie Frage hat oft Gram gebracht:<br \/>\nWas hab&#8216; ich wieder da gemacht?<br \/>\nOft hat&#8217;s zum Guten sich gewandelt,<br \/>\nUnd fragend das Gem\u00fct gelacht:<br \/>\nWas hab&#8216; ich wieder da gemacht?<br \/>\nHat auch das Herz allein gehandelt.<\/p>\n<p><strong>(15) Dauer<\/strong><br \/>\nNicht alles stirbt mit dieses Lebens Glut;<br \/>\nDrum heb&#8216; ich froh den freien Blick nach oben.<br \/>\nDie ganze Sch\u00f6pfung ruft mit heiterm Mut:<br \/>\nNicht alles stirbt mit dieses Lebens Glut.<br \/>\nEs h\u00e4lt das Grab nur Irdisches umwoben,<br \/>\nUnd aufrecht h\u00e4lt mich bei des Schicksals Wut:<br \/>\nNicht alles stirbt mit dieses Lebens Glut;<br \/>\nDrum heb ich froh den freien Blick nach oben.<\/p>\n<p><strong>(16) Beruhigung<\/strong><br \/>\nBin ich denn stets der Narr im Spiel?<br \/>\nWas tut&#8217;s, ich wollte nur das Gute.<br \/>\nNicht frage, Herz! im Schamgef\u00fchl:<br \/>\nBin ich denn stets der Narr im Spiel?<br \/>\nJa! Trifft dich auch des Schicksals Rute,<br \/>\nDas Rechte tu&#8216; mit frohem Mute,<br \/>\nUnd bist du auch der Narr im Spiel,<br \/>\nWas tut&#8217;s, ist nur erreicht das Gute.<\/p>\n<p><strong>(17) Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nEin ruh&#8217;ges Herz, ein heit&#8217;rer Mut &#8211;<br \/>\nDie kann allein als Gl\u00fcck ich preisen.<br \/>\nF\u00fcrwahr! Es ist das h\u00f6chste Gut<br \/>\nEin ruh&#8217;ges Herz, ein heit&#8217;rer Mut.<br \/>\nDrum t\u00f6nt in allen meinen Weisen,<br \/>\nDie fr\u00f6hlich singt mein leichtes Blut:<br \/>\nEin ruh&#8217;ges Herz, ein heit&#8217;rer Mut,<br \/>\nDie kann allein als Gl\u00fcck ich preisen.<\/p>\n<p><strong>(18) Eigener Sinn<\/strong><br \/>\nIch bin nun einmal, wie ich bin,<br \/>\nNicht \u00e4ndern will ich meine Sitten.<br \/>\nWerd&#8216; ich geneckt, werf&#8216; ich so hin:<br \/>\nIch bin nun einmal, wie ich bin.<br \/>\nMein Liebchen hat drob oft gestritten,<br \/>\nErst sp\u00e4t gew\u00f6hnte sich sein Sinn<br \/>\nAn&#8217;s: Ich bin einmal, wie ich bin,<br \/>\nNicht \u00e4ndern will ich meine Sitten.<\/p>\n<p><strong>(19) Ewiger Sang<\/strong><br \/>\nDie Zeit der Lieder ist vorbei,<br \/>\nUnd ach! sie kehret nimmer wieder?<br \/>\nMan singt nur in des Lebens Mai.<br \/>\nDie Zeit der Lieder ist vorbei!<br \/>\nDoch senkt sich Gl\u00fcck in&#8217;s Herz mir nieder,<br \/>\nWird auch das Alte wieder neu;<br \/>\nIst auch der Lieder Zeit vorbei,<br \/>\nSo sing&#8216; ich mir die Alten wieder.<\/p>\n<p><strong>(20) Das Liebste<\/strong><br \/>\nMein Liebstes ist mein Saitenspiel,<br \/>\nEs l\u00e4sst mich allen Harm vergessen.<br \/>\nZeigt mir Fortuna noch so viel,<br \/>\nMein Liebstes ist mein Saitenspiel.<br \/>\nHab&#8216; ich auch niemals Gold besessen,<br \/>\nIch kann mich doch mit Kr\u00f6sus messen.<br \/>\nMein Liebstes ist mein Saitenspiel,<br \/>\nEs l\u00e4sst mich allen Harm vergessen.<\/p>\n<p><strong>(21) Vollst\u00e4ndiges Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nMein M\u00e4dchen und mein volles Glas,<br \/>\nSie machen mir die Welt zum Himmel.<br \/>\nWas will ich mehr, hab&#8216; ich nur das,<br \/>\nMein M\u00e4dchen und mein volles Glas!<br \/>\nRuft mich der Tod vom Weltget\u00fcmmel,<br \/>\nSo k\u00fcnd&#8216; ein Stein im blum&#8217;gen Gras:<br \/>\nSein M\u00e4dchen und sein volles Glas,<br \/>\nSie machten ihm die Welt zum Himmel.<\/p>\n<p><strong>(22) Zweifel<\/strong><br \/>\nDien&#8216; ich der Liebe, oder nicht?<br \/>\nDer Zweifel qu\u00e4let meine Seele.<br \/>\nWer bringt mir auf die Frage Licht:<br \/>\nDien&#8216; ich der Liebe, oder nicht?<br \/>\nWas hilft&#8217;s, dass ich mich ewig qu\u00e4le,<br \/>\nWenn stets mein Herz doch zagend spricht:<br \/>\nDien&#8216; ich der Liebe, oder nicht?<br \/>\nDer Zweifel qu\u00e4lt stets meine Seele.<\/p>\n<p><strong>(23) Sp\u00e4te Klugheit<\/strong><br \/>\nMan geht vom Rathaus kl\u00fcger stets herab,<br \/>\nIm Leben musst&#8216; ich es gar oft erkunden.<br \/>\nGewann ich nichts, ist doch der Spruch gefunden:<br \/>\nMan geht vom Rathaus kl\u00fcger stets herab.<br \/>\nDrum was f\u00fcr Lose dir das Schicksal gab,<br \/>\nDir bleibt der Spruch zum Balsam deiner Wunden:<br \/>\nMan geht vom Rathaus kl\u00fcger stets herab,<br \/>\nIm Leben musst&#8216; ich es gar oft erkunden.<\/p>\n<p><strong>(24) Gest\u00e4ndnis<\/strong><br \/>\nAls mit ihr ich in der Gondel fuhr,<br \/>\nMusst&#8216; ich endlich ihr mein Herz entdecken;<br \/>\nUnd ich tat es blass vor Angst und Schrecken,<br \/>\nAls mit ihr ich in der Gondel fuhr,<br \/>\nLang mit Zweifeln wollte sie mich necken;<br \/>\nGleich doch fand ich ihrer Liebe Spur,<br \/>\nAls mit ihr ich in der Gondel fuhr,<br \/>\nUnd ich durfte ganz mein Herz entdecken.<\/p>\n<p><strong>(25) Immerw\u00e4hrendes Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nGedenk ich nur der holden, s\u00fc\u00dfen Braut,<br \/>\nSo tobt mein Herz in wonnevollen Schl\u00e4gen.<br \/>\nJa! alle G\u00f6tter treten mir entgegen,<br \/>\nGedenk ich nur der holden, s\u00fc\u00dfen Braut;<br \/>\nUnd immer aus des Lebens F\u00fcllhorn taut<br \/>\nSo holdes Labsal meinen blum&#8217;gen Wegen,<br \/>\nDenn immer denk ich nur der s\u00fc\u00dfen Braut,<br \/>\nDass stets mein Herz erbebt in freud&#8217;gen Schl\u00e4gen.<\/p>\n<p><strong>An das T\u00f6chterchen eines Freundes<\/strong><\/p>\n<p><strong>(26)<\/strong> In deines Lebens Bl\u00fctenmai<br \/>\nWill ich dir kleine Lieder senden.<br \/>\nGott m\u00f6ge alles Herbe wenden<br \/>\nIn deines Lebens Bl\u00fctenmai.<br \/>\nDa Liederchen die Gabe spenden,<br \/>\nDass heiter das gem\u00fct uns sei,<br \/>\nWill ich in deines Lebensmai<br \/>\nDir diese kleinen Lieder senden.<\/p>\n<p><strong>(27)<\/strong> In ungetr\u00fcbter Fr\u00fchlingspracht<br \/>\nSoll heiter dir das Leben flie\u00dfen.<br \/>\nDu machst den augenblick genie\u00dfen<br \/>\nIn ungetr\u00fcbter Fr\u00fchlingspracht.<br \/>\nSchnell pfl\u00fcck&#8216; die Bl\u00fcmchen, welche sprie\u00dfen,<br \/>\nDie vorgelockt des Lenzes Macht,<br \/>\nSoll dir in ungetr\u00fcbter Pracht<br \/>\nDas Leben heiter stets entflie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>(28)<\/strong> Wenn dir der Jugend Traum entfloh&#8217;n,<br \/>\nDa stellen m\u00e4hlich ein sich Schmerzen.<br \/>\nGott wende sie von deinem Herzen,<br \/>\nWenn dir der Jugend Traum entfloh&#8217;n.<br \/>\nLern zu entbehren jetzo schon!<br \/>\nDu sprichst dem Schicksal leichter Hohn,<br \/>\nWenn dir der Jugend Traum entfloh&#8217;n,<br \/>\nUnd ein sich stellen m\u00e4hlich Schmerzen.<\/p>\n<p><strong>(29)<\/strong> Die Liebe wird dir Rosen streu&#8217;n,<br \/>\nDoch sind sie selten ohne Dornen.<br \/>\nDein ganzes Wesen wird es spornen,<br \/>\nWill dir die Liebe Rosen streu&#8217;n.<br \/>\nSanft m\u00f6ge dich ihr Duft erfreu&#8217;n,<br \/>\nUnd nimmer deine Wahl dich reu&#8217;n:<br \/>\nWir dir die Liebe Rosen streu&#8217;n,<br \/>\nSo seien dir sie ohne Dornen.<\/p>\n<p><strong>(30)<\/strong> Pflanz sich dein Gl\u00fcck in dein Gem\u00fct,<br \/>\nBl\u00fcht dir im Greisenalter Jugend.<br \/>\nIst dir das H\u00f6chste stets die Tugend,<br \/>\nPflanzt sich den Gl\u00fcck in dein Gem\u00fct.<br \/>\nSind dir die Rosen auch verbl\u00fcht,<br \/>\nIn der Erinnerung Labe suchend<br \/>\nPflanz sich dein Gl\u00fcck in dein Gem\u00fct,<br \/>\nBleibt dir im Greisenalter Jugend.<\/p>\n<p><strong>(31) Der Becher<\/strong><br \/>\nIn einem weingef\u00fcllten Becher<br \/>\nLiegt viel verborgen wunderbar.<br \/>\nDes Lebens Balsam sieht der Zecher<br \/>\nIn einem weingef\u00fcllten Becher.<br \/>\nUnd auch des Liedes k\u00fchner Aar<br \/>\nHolt Kraft oft f\u00fcr sein Fl\u00fcgelpaar<br \/>\nAus einem weingef\u00fcllten Becher,<br \/>\nWo viel verborgen wunderbar.<\/p>\n<p><strong>(32) Unterbrochene Ruhe<\/strong><br \/>\nWenn L\u00fcftchen durch die Bl\u00e4tter fl\u00fcstern,<br \/>\nScheint mir&#8217;s zu sein ein traut Gekos.<br \/>\nSanft ruht man auf dem Pf\u00fchl von Moos,<br \/>\nWenn L\u00fcftchen durch die Bl\u00e4tter fl\u00fcstern.<br \/>\nNicht lieg ich lang der Ruh&#8216; im Scho\u00df,<br \/>\nDenn nach Gekose werd&#8216; ich l\u00fcstern,<br \/>\nWenn L\u00fcftchen durch die Bl\u00e4tter fl\u00fcstern,<br \/>\nWeil es mir schein ein traut Gekos.<\/p>\n<p><strong>(33) Fl\u00fcchtiges Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nWenn Schlummer mir das Haupt umwunden,<br \/>\nLabt mich des Gl\u00fcckes Sonnenschein.<br \/>\nWelch frohes Leben stellt sich ein,<br \/>\nWenn Schlummer mir das Haupt umwunden!<br \/>\nWas ich als wirklich nie gefunden,<br \/>\nLacht mir in meinen Tr\u00e4umerein.<br \/>\nWenn Schlummer mir das Haupt umwunden,<br \/>\nLabt mich des Gl\u00fcckes Sonnenschein.<\/p>\n<p><strong>(34) An Sie<\/strong><br \/>\nDie Bl\u00fcmchen labt ein Tr\u00f6pfchen Tau,<br \/>\nDas neue D\u00fcfte sie uns spenden.<br \/>\nWird ganz das Gl\u00fcck sich von mir wenden,<br \/>\nDa Bl\u00fcmchen labt ein Tr\u00f6pfchen Tau?<br \/>\nEin Blick aus deines Auges Blau,<br \/>\nEin sanfter Druck von deinen H\u00e4nden<br \/>\nIst mir, was Bl\u00fcmchen ist der Tau,<br \/>\nDass neue Liebe ich kann spenden.<\/p>\n<p><strong>(35) Die freundlichen Drei<\/strong><br \/>\nDie Liebe, Lieder und der Wein,<br \/>\nDie drei verkl\u00e4ren uns das Leben.<br \/>\nEs lassen uns dem Staub entschweben<br \/>\nDie LIebe, Lieder und der Wein.<br \/>\nKehrt eins nur von den dreien ein,<br \/>\nIst nicht mehr Macht dem Schmerz gegeben.<br \/>\nDie Liebe, Lieder und der Wein,<br \/>\nDie drei verkl\u00e4ren uns das Leben.<\/p>\n<p><strong>(36) Vertrauen<\/strong><br \/>\nGottes Hand ist&#8217;s, welche waltet<br \/>\nF\u00fcr den ganzen Wesenring.<br \/>\nWie mein Schicksal sich gestaltet,<br \/>\nGottes Hand ist&#8217;s, welche waltet.<br \/>\nWenn ich Lust, wenn Schmerz empfing,<br \/>\nHat sich mein Vertrau&#8217;n entfaltet:<br \/>\nGottes Hand ist&#8217;s, welche waltet<br \/>\nF\u00fcr den ganzen Wesenring.<\/p>\n<p><strong>(37) Anakreon<\/strong><br \/>\nDu lieblicher Anakreon,<br \/>\nIch muss dich wirklich gl\u00fccklich preisen!<br \/>\nDu zechest froh mit r\u00fcst&#8217;gen Greisen,<br \/>\nDu lieblicher Anakreon.<br \/>\nMit Rosen in dem silberwei\u00dfen<br \/>\nGelock belebst du&#8217;s Barbiton.<br \/>\nDu lieblicher Anakreon,<br \/>\nIch muss dich wahrlich gl\u00fccklich preisen.<\/p>\n<p><strong>(38) Das Lieblingspl\u00e4tzchen<\/strong><br \/>\nAn der still vertrauten Quelle<br \/>\nRuh&#8216; ich oft auf weichem Moos.<br \/>\nWas der Fr\u00fchling mir erschloss<br \/>\nAn der still vertrauten Quelle,<br \/>\nSing&#8216; ich voll Begeistrung helle.<br \/>\nWenn das Leben mir entfloss,<br \/>\nAn der still vertrauten Quelle<br \/>\nRuh&#8216; ich unter weichem Moos.<\/p>\n<p><strong>(39) Der Gl\u00fcckshafen<\/strong><br \/>\nIm dunklen, k\u00fchlen Grabe<br \/>\nErstirbt uns jeder Schmerz.<br \/>\nDrum findet mancher Labe<br \/>\nIm dunklen k\u00fchlen Grabe.<br \/>\nSo hoffet auch mein Herz,<br \/>\nBar jeder Gl\u00fcckesgabe,<br \/>\nIm dunklen, k\u00fchlen Grabe,<br \/>\nDass schweige jeder Schmerz.<\/p>\n<p><strong>(40) Vergeblicher Wunsch<\/strong><br \/>\nNur heit&#8217;re Lieder m\u00f6cht&#8216; ich singen,<br \/>\nDie Andern auch das Herz erfreu&#8217;n.<br \/>\nDie Jugend m\u00fcsste sich erneu&#8217;n,<br \/>\nWollt&#8216; ich nur heit&#8217;re Lieder singen.<br \/>\nZur Lenzeszeit allein erklingen<br \/>\nDie Lieder, die zum Herzen dringen.<br \/>\nNur heit&#8217;re Lieder m\u00f6cht&#8216; ich singen,<br \/>\nDie Andern auch das Herz erfreu&#8217;n.,<\/p>\n<p><strong>(41) Gl\u00fccklicher Gewinn und Verlust<\/strong><br \/>\nSchweigt in des Grabes Nacht der Schmerz,<br \/>\nSo lacht auch keine Freude!<br \/>\nWeil ausgeschlagen hat das Herz,<br \/>\nSchweigt in des Grabes Nacht der Schmerz.<br \/>\nWer ist des herben Schicksals Beute,<br \/>\nDer blicke hoffend himmelw\u00e4rts.<br \/>\nSchweigt in des Grabes Nacht der Schmerz,<br \/>\nSo lacht auch keine Freude.<\/p>\n<p><strong>(42) Erstes Begegnen<\/strong><br \/>\nBei einem muntern Fr\u00fchlingsreigen,<br \/>\nDa sah ich dich das erste Mal.<br \/>\nEs ging mir auf des Gl\u00fcckes Strahl<br \/>\nBei einem muntern Fr\u00fchlingsreigen.<br \/>\nEs m\u00f6ge ihm das Leben gleichen,<br \/>\nDann sag&#8216; ich segnend tausendmal:<br \/>\nBei einem muntern Fr\u00fchlingsreigen,<br \/>\nDa sah ich dich zum ersten Mal.<\/p>\n<p><strong>(43) Ungel\u00f6ste Frage<\/strong><br \/>\nWie Liebe mir ins Herz gekommen,<br \/>\nDas, teure Freunde! wei\u00df ich nicht.<br \/>\nMein ganzes Sein war eingenommen,<br \/>\nWie Liebe mir ins Herz gekommen.<br \/>\nWie durch die Nacht die Sonne bricht,<br \/>\nSo war sie pl\u00f6tzlich mir entglommen.<br \/>\nWie Liebe mir ins Herz gekommen,<br \/>\nDas, teure Freunde, wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p><strong>(44) Bitte<\/strong><br \/>\nWenn ich in Fr\u00fchlingswonnen schw\u00e4rme,<br \/>\nErinnert mich nicht, dass sie flieh&#8217;n.<br \/>\nKein Missklang soll mein Herz durchzieh&#8217;n,<br \/>\nWenn ich in Fr\u00fchlingswonnen schw\u00e4rme;<br \/>\nDass, wenn die Lenzeslust dahin,<br \/>\nIhr Bild noch lebt in alter W\u00e4rme.<br \/>\nWenn ich in Fr\u00fchlingswonnen schw\u00e4rme,<br \/>\nErinnert mich nicht, dass sie flieh&#8217;n.<\/p>\n<p><strong>(45) Was bleibt<\/strong><br \/>\nIn deinem Herzen such&#8216; dein Gl\u00fcck,<br \/>\nDie Au\u00dfenwelt kann&#8217;s nicht dir geben.<br \/>\nWeil alles \u00c4u\u00df&#8217;re muss verschweben,<br \/>\nSuch in dem Herzen nur dein Gl\u00fcck.<br \/>\nWas schwand, kehrt nimmermehr zur\u00fcck.<br \/>\nDas Herz besiegt des Todes Beben.<br \/>\nIn deinem Herzen such&#8216; dein Gl\u00fcck,<br \/>\nDie Au\u00dfenwelt kann&#8217;s nicht dir geben.<\/p>\n<p><strong>(46) Frohe \u00dcberraschung<\/strong><br \/>\nEi! Ei! Bist du schon wieder da?<br \/>\nH\u00f6r&#8216; ich dich gar zu gerne fragen.<br \/>\nDenn Gl\u00fcckliches kann mir nur sagen:<br \/>\nEi! Ei! Bist du schon wieder da?<br \/>\nIst uns das Greisenalter nah,<br \/>\nUnd du rufst aus noch mit Behagen:<br \/>\nEi! Ei! Bist du schon wieder da?<br \/>\nSo h\u00f6r&#8216; ich&#8217;s dich noch lieber fragen.<\/p>\n<p><strong>(47) H\u00f6herer Genuss<\/strong><br \/>\nAllein kann ich kein Gl\u00fcck genie\u00dfen;<br \/>\nO Freunde! kommt und teilt&#8217;s mit mir.<br \/>\nNicht Eremiten sind wir hier;<br \/>\nAllein kann ich kein Gl\u00fcck genie\u00dfen.<br \/>\nWenn Andern Freudenblumen sprie\u00dfen,<br \/>\nO dann genie\u00df&#8216; ich zehnfach schier.<br \/>\nAllein kann ich kein Gl\u00fcck genie\u00dfen;<br \/>\nO Freunde! kommt und teilt&#8217;s mit mir.<\/p>\n<p><strong>(48) Sp\u00e4tes Bedenken<\/strong><br \/>\nDas h\u00e4tt&#8216; ich nimmer mir gedacht!<br \/>\nDas sollte nie ein Kluger sagen.<br \/>\nViel Ungemach hat schon gebracht:<br \/>\nDas h\u00e4tt&#8216; ich nimmer mir gedacht!<br \/>\nWer etwas gut sich \u00fcberschlagen,<br \/>\nDer denket wohl an alle Lagen.<br \/>\nDas h\u00e4tt&#8216; ich nimmer mir gedacht!<br \/>\nDas sollte drum kein Kluger sagen.<\/p>\n<p><strong>(49) Nur nicht zu viel<\/strong><br \/>\nWer gar zu \u00e4ngstlich \u00fcberdenkt,<br \/>\nWird sicher nie zum Ziel gelangen.<br \/>\nWo ist, die dem wohl K\u00fcsse schenkt,<br \/>\nDer gar zu \u00e4ngstlich \u00fcberdenkt?<br \/>\nRasch hab&#8216; ich ihren Leib umfangen,<br \/>\nDie Lippen haben sich verschr\u00e4nkt &#8211;<br \/>\nWer gar zu \u00e4ngstlich \u00fcberdenkt,<br \/>\nWird sicher nie zum Ziel gelangen.<\/p>\n<p><strong>(50) Rat<\/strong><br \/>\nDie Wolken zieh&#8217;n vor\u00fcber,<br \/>\nEs kehrt der Sonnenschein.<br \/>\nDenk&#8216;, schl\u00e4gt das Ungl\u00fcck ein,<br \/>\nDie Wolken zieh&#8217;n vor\u00fcber.<br \/>\nWird&#8217;s Leben todestr\u00fcber,<br \/>\nLass dir zum Troste sein:<br \/>\nDie Wolken zieh&#8217;n vor\u00fcber,<br \/>\nEs kehrt der Sonnenschein.<\/p>\n<p><strong>(51) Gedenke<\/strong><br \/>\nWenn wiederkehrt der Sonnenschein,<br \/>\nGedenke wohl der tr\u00fcben Tage.<br \/>\nLeicht stellet \u00dcbermut sich ein,<br \/>\nWenn wiederkehrt der Sonnenschein.<br \/>\nDer f\u00fcgt sich leicht in jede Lage,<br \/>\nWer wei\u00df, dass es nicht ewig tage,<br \/>\nWenn wiederkehrt der Sonnenschein,<br \/>\nGedenke wohl der tr\u00fcben Tage.<\/p>\n<p><strong>(52) Unterschied<\/strong><br \/>\nWie&#8217;s gehen will, mag&#8217;s gehen!<br \/>\nIch kann&#8217;s ja \u00e4ndern nicht,<br \/>\nNicht Leichtsinn ist&#8217;s, der spricht:<br \/>\nWie&#8217;s gehen will, mag&#8217;s gehen!<br \/>\nDie treu den Pflichten stehen,<br \/>\nDie sprechen mit Gewicht:<br \/>\nWie&#8217;s gehen will, mag&#8217;s gehen,<br \/>\nIch kann&#8217;s ja \u00e4ndern nicht.<\/p>\n<p><strong>(53) Zuversicht<\/strong><br \/>\nEs siegt ein gottergeb&#8217;nes Streben.<br \/>\nZum Kampf! O scheue nicht den Tod!<br \/>\nWenn tausend Donner dich umgeben,<br \/>\nEs siegt ein gottergeb&#8217;nes Streben.<br \/>\nWas Gottvertrauen dir gebot,<br \/>\nF\u00fchrt dich zu sch\u00f6nsten Morgenrot.<br \/>\nEs siegt ein gottergeb&#8217;nes Streben.<br \/>\nZum Kampf! O scheue nicht den Tod!<\/p>\n<p><strong>(54) Blick nach oben<\/strong><br \/>\nAm azurblauen Himmelszelt<br \/>\nH\u00e4ngt oft mein Auge mit Verlangen.<br \/>\nWas ist&#8217;s, das mir so wohl gef\u00e4llt<br \/>\nAm azurblauen Himmelszelt?<br \/>\nErf\u00fcllt das Herz mir Erdenbangen,<br \/>\nIst&#8217;s Jenseits, das die Brust erhellt.<br \/>\nAm azurblauen HImmelszelt<br \/>\nH\u00e4ngt d&#8217;rum mein Aug&#8216; oft mit Verlangen.<\/p>\n<p><strong>(55) Wiederholter Irrtum<\/strong><br \/>\nDas h\u00e4tt&#8216; ich wahrlich nicht gedacht,<br \/>\nDass man so sehr sich k\u00f6nne tr\u00fcgen!<br \/>\nWie oft hab&#8216; ich mir schon gesagt:<br \/>\nDas h\u00e4tt&#8216; ich wahrlich nicht gedacht!<br \/>\nBleib&#8216; treu du! Wenn die andern l\u00fcgen,<br \/>\nLass dir als Trost den Seufzer g&#8217;n\u00fcgen:<br \/>\nDas h\u00e4tt&#8216; ich wahrlich nicht gedacht,<br \/>\nDass man so sehr sich k\u00f6nnte tr\u00fcgen!<\/p>\n<p><strong>(56) Rat<\/strong><br \/>\nWenn welken deiner Freude Rosen,<br \/>\nSo gr\u00e4me du dich nicht zu sehr!<br \/>\nMach&#8216; dir die Last nicht selber schwer,<br \/>\nWenn welken deiner Freude Rosen.<br \/>\nSuch&#8216; neue Knospen zu erlosen,<br \/>\nSo denkst du des Verlust&#8217;s nicht mehr.<br \/>\nWenn welken deiner Freude Rosen,<br \/>\nSo gr\u00e4me du dich nicht zu sehr.<\/p>\n<p><strong>(57) Trost<\/strong><br \/>\nWas ich in hoher Lust besa\u00df,<br \/>\nHat mir des Schicksals Neid genommen.<br \/>\nDurch das ist gl\u00fch&#8217;nder Schmerz entglommen,<br \/>\nWas ich in hoher Lust besa\u00df.<br \/>\nDoch ist mir itzt ein Trost noch das,<br \/>\nDass nicht durch mich ich d&#8217;rumgekommen.<br \/>\nWas ich in hoher Lust besa\u00df,<br \/>\nHat mir des Schicksals Neid genommen.<\/p>\n<p><strong>(58) Der Gl\u00fcckliche<\/strong><br \/>\nWer im Stand ist, zu entsagen,<br \/>\nTr\u00e4gt viel leichter sein Geschick.<br \/>\nDer allen beherrscht das Gl\u00fcck,<br \/>\nWer im Stand ist, zu entsagen.<br \/>\nBald verstummen seine Klagen,<br \/>\nRuhe kehrt ihm schnell zur\u00fcck.<br \/>\nWer im Stand ist, zu entsagen,<br \/>\nTr\u00e4gt viel leichter sein Geschick.<\/p>\n<p><strong>(59) Auf die Dauer<\/strong><br \/>\nWas m\u00fchsam du vollbracht,<br \/>\nDas suche zu bewahren.<br \/>\nDir mehre Gl\u00fcck und Macht,<br \/>\nWas m\u00fchsam du vollbracht.<br \/>\nZum Heil in Greisenjahren<br \/>\nSoll klug die Jugend sparen.<br \/>\nWas m\u00fchsam du vollbracht,<br \/>\nDas suche zu bewahren.<\/p>\n<p><strong>(60) Mein Liebling<\/strong><br \/>\nDie Blumenk\u00f6nigin, die Rose,<br \/>\nSoll immerdar mein LIebling sein.<br \/>\nO welche D\u00fcfte birgt im Scho\u00dfe<br \/>\nDie Himmelsk\u00f6nigin, die Rose.<br \/>\nSie schlie\u00dft das Bild der Trauten ein,<br \/>\nDer treu sich meine Triebe weih&#8217;n.<br \/>\nDie Blumenk\u00f6nigin, die Rose,<br \/>\nSoll darum stets mein Liebling sein.<\/p>\n<p><strong>(61) Fr\u00fchlings Wiederkehr<\/strong><br \/>\nWenn wiederkehrt des Fr\u00fchlings Pracht,<br \/>\nDann leb&#8216; ich auf zu neuen Wonnen.<br \/>\nStets wird viel Liedstoff mir gebracht,<br \/>\nWenn wiederkehrt des Fr\u00fchlings Pracht.<br \/>\nUnd ist von meines Lebens Bronnen<br \/>\nDas letzte Tr\u00f6pflein mir verronnen,<br \/>\nWenn wiederkehrt des Fr\u00fchlings Pracht,<br \/>\nDamm leb&#8216; ich erst zu neuen Wonnen.<\/p>\n<p><strong>(62) Die Nacht<\/strong><br \/>\nWenn aus sich breitet finst&#8217;re Nacht,<br \/>\nMuss sich aus ihr der Tag entwinden.<br \/>\nDen Trost kann leicht sich jeder finden,<br \/>\nWenn aus sich breitet finst&#8217;re Nacht.<br \/>\nUnd wenn des Lebens Funken schwinden,<br \/>\nSei durch den Spruch mir Trost gebracht:<br \/>\nWenn aus sich breitet finst&#8217;re Nacht,<br \/>\nMuss sich aus ihr der Tag entwinden.<\/p>\n<p><strong>(63) R\u00e4tsel<\/strong><br \/>\nWarum so viele feige beben,<br \/>\nWenn ihre ird&#8217;sche H\u00fclle sinkt?<br \/>\nF\u00fcrwahr, nicht kann ich Antwort geben,<br \/>\nWarum so viele feige beben.<br \/>\nIch hoff&#8216; im Tod erst wahres Leben.<br \/>\nDas macht&#8217;s, dass mir als R\u00e4tsel klingt,<br \/>\nWarum so viele feige beben,<br \/>\nWenn ihre ird&#8217;sche H\u00fclle sinkt.<\/p>\n<p><strong>(64) Freiheit<\/strong><br \/>\nDie Freiheit ist das h\u00f6chste Gut<br \/>\nF\u00fcr den, der wahre Freiheit kennet.<br \/>\nIn jedes Wackern Herzen brennet:<br \/>\n\u201eDie Freiheit ist das h\u00f6chste Gut.\u201c<br \/>\nWenn sie in dem Gesetze ruht<br \/>\nUnd gleiches Recht jedwedem g\u00f6nnet,<br \/>\nJa! dann ist sie das h\u00f6chste Gut;<br \/>\nDann Heil euch, wenn ihr sie erkennet.<\/p>\n<p><strong>(65) Ebbe und Flut<\/strong><br \/>\nWenn hoch sich auch die Flut erhebt,<br \/>\nSie muss doch bald sich wieder senken.<br \/>\nDer Ebbe magst du stets gedenken,<br \/>\nWenn hoch sich auch die Flut erhebt.<br \/>\nStets hat mich Zuversicht belebt,<br \/>\nUnd feig&#8216; hat nie mein Herz gebebt.<br \/>\nIch wusste, wenn die Flut sich hebt,<br \/>\nSie muss doch bald sich wieder senken.<\/p>\n<p><strong>(66) Fliehe nicht!<\/strong><br \/>\nKomm her, du allerliebstes Kind!<br \/>\nUnd lass uns traulich kosen.<br \/>\nDu fliehest, ruf&#8216; ich dir: \u201eGeschwind<br \/>\nKomm her, du allerliebstes Kind!\u201c<br \/>\nAm grauen Haupt darfst dich nicht sto\u00dfen,<br \/>\nDenk&#8216; dir, es seien wei\u00dfe Rosen.<br \/>\nD&#8217;rum komm, du allerliebstes Kind,<br \/>\nUnd lass uns traulich kosen.<\/p>\n<p><strong>(67) Geschm\u00e4lerter Genuss<\/strong><br \/>\nWer nur auf das sieht, was ihm fehlet,<br \/>\nGenie\u00dfet keine Freude rein,<br \/>\nDem kehrt ein wahres Gl\u00fcck nicht ein,<br \/>\nDer nur auf das sieht, was ihm fehlet.<br \/>\nMit Dank genie\u00df&#8216; ich das, was mein;<br \/>\nDrum hat der Spruch mein Gl\u00fcck gest\u00e4hlet:<br \/>\nWer nur auf das sieht, was ihm fehlet,<br \/>\nGenie\u00dfet keine Freude rein.<\/p>\n<p><strong>(68) Hoffnung<\/strong><br \/>\nWenn im Herz die Bl\u00e4tter fallen,<br \/>\nFreut man auf den Fr\u00fchling sich.<br \/>\nFort sind l\u00e4ngst die Nachtigallen,<br \/>\nWenn im Herbst di Bl\u00e4tter fallen.<br \/>\nDoch der Lenz kehrt sicherlich,<br \/>\nUnd deswegen tr\u00f6st&#8216; ich mich,<br \/>\nWenn im Herbst die Bl\u00e4tter fallen,<br \/>\nDa der Lenz kehrt sicherlich.<\/p>\n<p><strong>(69) Abschied<\/strong><br \/>\nIhr Triolettchen flieget fort<br \/>\nWie leichtbeschwingte Schmetterlinge!<br \/>\nUnd sch\u00e4tzet man euch auch geringe,<br \/>\nIhr Triolettchen fliegt doch fort!<br \/>\nEs zeigt die Landschaft hier und dort<br \/>\nUns auch so leicht beschwingte Dinge.<br \/>\nDrum Triolettchen fliegt doch fort<br \/>\nWie leichtbeschwingte Schmetterlinge!<\/p>\n<p><strong>(70) Gro\u00dfes im Kleinen<\/strong><br \/>\nEin sanfter H\u00e4ndedruck<br \/>\nKann gro\u00dfes Gl\u00fcck gew\u00e4hren.<br \/>\nO welche Lust kann n\u00e4hren<br \/>\nEin sanfter H\u00e4ndedruck!<br \/>\nNicht um des Inders Schmuck<br \/>\nMag manches Herz entbehren,<br \/>\nWas sanfter H\u00e4ndedruck<br \/>\nAn Gl\u00fcck ihm kann gew\u00e4hren.<\/p>\n<p><strong>(71) Leichte Wahl<\/strong><br \/>\nW\u00e4hle, was dich gl\u00fccklich macht,<br \/>\nWeinpokale oder K\u00fcsse!<br \/>\nSagte mir des Schicksals Macht:<br \/>\n\u201eW\u00e4hle, was dich gl\u00fccklich macht!\u201c<br \/>\nMein dann w\u00e4ren Hochgen\u00fcsse,<br \/>\nDenn ich &#8211; wahrlich! schnell bedacht &#8211;<br \/>\nW\u00e4hlte, was mich gl\u00fccklich macht,<br \/>\nWeinpokale mir und K\u00fcsse.<\/p>\n<p><strong>(72) T\u00e4uschung<\/strong><br \/>\nWenn ich von meinem Gl\u00fccke singe,<br \/>\nDa t\u00e4uscht mich oft die Phantasie.<br \/>\nMich freuen h\u00e4ufig winz&#8217;ge Dinge,<br \/>\nWenn ich von meinem Gl\u00fccke singe.<br \/>\nWird mir zu Teil ein Gro\u00dfes nie,<br \/>\nW\u00e4r&#8216; fr\u00f6hlich, wenn ich Kleines singe,<br \/>\nWenn ich von meinem Gl\u00fccke singe,<br \/>\nDa t\u00e4uscht mich oft die Phantasie.<\/p>\n<p><strong>(73) Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nWas Gl\u00fcck sei, kann kein Weiser sagen,<br \/>\nGl\u00fcck nenn ich das, was mich erfreut.<br \/>\nWas dir missf\u00e4llt, kann mir behagen!<br \/>\nWas Gl\u00fcck sei, kann kein Weiser sagen.<br \/>\nWas morgen keine Lust mir beut,<br \/>\nBegl\u00fccket mich, wird mir es heut.<br \/>\nWas Gl\u00fcck sei, kann kein Weiser sagen,<br \/>\nGl\u00fcck nenn ich das, was mich erfreut.<\/p>\n<p><strong>(74) Leichter Ersatz<\/strong><br \/>\nEin ein&#8217;ger heitrer Sonnenblick<br \/>\nL\u00e4sst mich gar manchen Schmerz vergessen.<br \/>\nDoch selten wird mir zugemessen<br \/>\nEin einz&#8217;ger heitrer Sonnenblick.<br \/>\nWie tr\u00fcge man auch sein Geschick,<br \/>\nWie misste man, was man besessen,<br \/>\nWenn nicht ein heit&#8217;rer Sonnenblick<br \/>\nUns lie\u00dfe manchen Schmerz vergessen.<\/p>\n<p><strong>(75) Unab\u00e4nderlich<\/strong><br \/>\nIch kann es nimmer \u00e4ndern,<br \/>\nWas mich schon lange dr\u00fcckt.<br \/>\nEil&#8216; ich zu fremden L\u00e4ndern,<br \/>\nIch kann es doch nicht \u00e4ndern.<br \/>\nWeil&#8217;s mir das Herz umstrickt<br \/>\nMit starken Eisenb\u00e4ndern,<br \/>\nSo kann ich nimmer \u00e4ndern,<br \/>\nWas mich schon lange dr\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>(76) Schwur<\/strong><br \/>\nMein geliebtes Vaterland!<br \/>\nHerz und Blut will ich dir weihen.<br \/>\nGebe Gott dir stets Gedeihen.<br \/>\nMein geliebtes Vaterland.<br \/>\nBis mein Leben ausgebrannt,<br \/>\nBis mich deckt des Grabes Sand,<br \/>\nMein geliebtes Vaterland,<br \/>\nWill ich Herz und Blut dir weihen.<\/p>\n<p><strong>(77) Der Wicht<\/strong><br \/>\nO das ist ein gemeiner Wicht,<br \/>\nDer unbezahlt nicht r\u00fchrt die Hand,<br \/>\nWer anders denket, als er spricht,<br \/>\nO das ist ein gemeiner Wicht,<br \/>\nUnd wer nicht gern f\u00fcr&#8217;s Vaterland,<br \/>\nSei&#8217;s selbst im Tode, \u00fcbt die Pflicht,<br \/>\nO das ist ein gemeiner Wicht,<br \/>\nDer sei aus unserm Kreis gebannt.<\/p>\n<p><strong>(78) Herzlicher Gru\u00df<\/strong><br \/>\nO Vater Noah, sei gegr\u00fc\u00dft,<br \/>\nDass du den Wein erfunden!<br \/>\nDer Ruf ist tief empfunden,<br \/>\nO Vater Noah, sei gegr\u00fc\u00dft!<br \/>\nDein Trank hat&#8217;s Leben mir vers\u00fc\u00dft,<br \/>\nMir manchen Schmerz entwunden.<br \/>\nD&#8217;rum Vater Noah sei gegr\u00fc\u00dft,<br \/>\nDass du den Wein erfunden.<\/p>\n<p><strong>(79) W\u00fcrze<\/strong><br \/>\nEin froher Rundgesang<br \/>\nErh\u00f6ht des Bechers Freuden.<br \/>\nMir kann viel Lust bereiten<br \/>\nEin froher Rundgesang.<br \/>\nSpricht frei von allem Zwang<br \/>\nDas Herz im Liederklang,<br \/>\nMuss froher Rundgesang<br \/>\nErh\u00f6h&#8217;n des Bechers Freuden.<\/p>\n<p><strong>(80) Meine Freude<\/strong><br \/>\nEin inniges Behagen<br \/>\nDurchzittert mir das Herz,<br \/>\nScheucht eines Bruders Schmerz<br \/>\nEin inniges Behagen.<br \/>\nKann And&#8217;rer Last ich tragen,<br \/>\nH\u00f6rt sicher man mich sagen:<br \/>\nEin inniges Behagen<br \/>\nDurchzitter mir das Herz.<\/p>\n<p><strong>An &#8211;<\/strong><\/p>\n<p><strong>(81)<\/strong> Lass laut dein Lied erschallen,<br \/>\nWenn&#8217;s dich zu singen dr\u00e4ngt.<br \/>\nWillst Frohen du gefallen,<br \/>\nLass laut dein Lied erschallen.<br \/>\nVon keinem Zwang beengt,<br \/>\nVom Herzen nur gelenkt,<br \/>\nLass laut dein Lied erschallen.<br \/>\nWenn&#8217;s dich zu singen dr\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>(82)<\/strong> Will einer dich nicht h\u00f6ren,<br \/>\nSing&#8216; ungest\u00f6rt du fort!<br \/>\nDas soll dem Sang nicht wehren,<br \/>\nWill einer dich nicht h\u00f6ren.<br \/>\nMissf\u00e4llt ihm Ton und Wort,<br \/>\nGeh&#8216; er an andern Ort.<br \/>\nWill einer dich nicht h\u00f6ren,<br \/>\nSing&#8216; ungest\u00f6rt du fort!<\/p>\n<p><strong>(83)<\/strong> Wem gl\u00fch&#8217;nder Wein nicht mundet,<br \/>\nDer labe sich am Quell.<br \/>\nMir tauget kein Gesell,<br \/>\nDem gl\u00fch&#8217;nder Wein nich mundet.<br \/>\nSchon mancher ward erkundet,<br \/>\nDem t\u00f6nt dein Lied zu hell.<br \/>\nWem gl\u00fch&#8217;nder Wein nicht mundet,<br \/>\nDer labe sich am Quell.<\/p>\n<p><strong>(84)<\/strong> Wer bringt ein gutes Herz,<br \/>\nWird immer gern dich h\u00f6ren.<br \/>\nVerscheuche dem den Schmerz,<br \/>\nDer bringt ein gutes Herz.<br \/>\nAuf! Unsre Lust zu mehren,<br \/>\nSchlag&#8216; an zu vollen Ch\u00f6ren!<br \/>\nWer bringt ein gutes Herz,<br \/>\nWird immer gern dich h\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>(85) Vergeblicher Tadel<\/strong><br \/>\nO spiel&#8216; nicht stets mit Trioletten!<br \/>\nSo ruft mir mancher tadelnd zu.<br \/>\nEs st\u00f6rt der Ruf nicht meine Ruh:<br \/>\nO spiel&#8216; nicht stets mit Trioletten!<br \/>\nKann ich Gedanken passend betten,<br \/>\nUnd leicht in h\u00fcbscher Form verketten,<br \/>\nSo spiel&#8216; ich gern mit Trioletten,<br \/>\nRuft mancher mir auch tadelnd zu.<\/p>\n<p><strong>(86)<\/strong> <strong>Herbstluft<\/strong><br \/>\nWenn die Traube reift am H\u00fcgel,<br \/>\nT\u00f6net Jubelsang am Main.<br \/>\nFrohe Stunden kehren ein,<br \/>\nWenn die Traube reif am H\u00fcgel.<br \/>\nWein, der ist des Kummers Z\u00fcgel,<br \/>\nWein, der gibt dem Geiste Fl\u00fcgel.<br \/>\nWenn die Traube reift am H\u00fcgel,<br \/>\nT\u00f6net Jubelsang am Main.<\/p>\n<p><strong>(87)<\/strong> <strong>Franken<\/strong><br \/>\nIm lieben Land der Franken,<br \/>\nDa bin ich gar zu gern.<br \/>\nMir strahlt des Gl\u00fcckes Stern<br \/>\nIm lieben Land der Franken.<br \/>\nNicht tr\u00fcg&#8216; ich den Gedanken<br \/>\nZu sterben von ihm fern.<br \/>\nIm lieben Land der Franken<br \/>\nDa bin ich gar zu gern.<\/p>\n<p><strong>(88)<\/strong> <strong>An die Sonne 1849<\/strong><br \/>\nO Sonne, scheine hell und warm,<br \/>\nDass reifen unsre Trauben.<br \/>\nWir rufen dir in tiefem Harm:<br \/>\nO Sonne scheine hell und warm!<br \/>\nWillst die Arznei du rauben,<br \/>\nDie w\u00e4rmt, wenn St\u00fcrme schnauben.<br \/>\nO Sonne, scheine hell und warm,<br \/>\nDass reifen unsre Trauben!<\/p>\n<p><strong>(89)<\/strong> <strong>Der Freund<\/strong><br \/>\nGlaub&#8217;s, der ist ein Freund dir nicht,<br \/>\nDer nur redet dir nach Willen;<br \/>\nUnd wer nie dir widerspricht,<br \/>\nGlaub&#8217;s, der ist ein Freund dir nicht.<br \/>\nWem nur s\u00fc\u00dfe Wort&#8216; entquillen,<br \/>\nUnd wer aus in Lob nur bricht,<br \/>\nGlaub&#8217;s, der ist ein Freund dir nicht,<br \/>\nMeid&#8217;s, das Herz ihm zu enth\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>(90)<\/strong> <strong>Rat<\/strong><br \/>\nZ\u00e4hle nicht des Kummers Stunden,<br \/>\nDie der Freude z\u00e4hle nur.<br \/>\nScheuchend deiner Schmerzen Spur<br \/>\nZ\u00e4hle nicht des Kummers Stunden.<br \/>\nWas dein Herz mit Lust empfunden,<br \/>\nSei mit ew&#8217;gem Reiz umwunden.<br \/>\nZ\u00e4hle nicht des Kummers Stunden,<br \/>\nDie der Freude z\u00e4hle nur.<\/p>\n<p><strong>(91)<\/strong> <strong>Gru\u00df<\/strong><br \/>\nEs leben hoch die Franken!<br \/>\nDas sei mein erster Gru\u00df.<br \/>\nDas Herz spricht den Gedanken:<br \/>\nEs leben hoch die Franken!<br \/>\nWenn meine Kr\u00e4fte sanken,<br \/>\nWenn in das Grab ich muss,<br \/>\nEs leben hoch die Franken!<br \/>\nSei dann mein letzter Gru\u00df.<\/p>\n<p><strong>(92) Verschlossen<\/strong><br \/>\nStill im Kerzen muss man&#8217;s tragen,<br \/>\nWenn uns traf ein Schicksalspfeil.<br \/>\nWas die HImmel uns versagen,<br \/>\nStill im Herzen muss man&#8217;s tragen.<br \/>\nSelten nimmt ein Dritter Teil.<br \/>\nNicht gef\u00e4hrdet&#8217;s unser Heil,<br \/>\nWenn im Herzen still wir tragen,<br \/>\nDass uns traf ein Schicksalspfeil.<\/p>\n<p><strong>(93) Zu seiner Zeit<\/strong><br \/>\nFrisch gewagt ist halb gewonnen,<br \/>\nHalb verloren ist es auch.<br \/>\nFr\u00fcher war es wohl mein Brauch:<br \/>\nFrisch gewagt ist halb gewonnen.<br \/>\nSeit die Jugend mir entronnen,<br \/>\nDenk&#8216; ich etwas mehr besonnen,<br \/>\nFrisch gewagt ist halb gewonnen,<br \/>\nHalb verloren ist es auch.<\/p>\n<p><strong>(94)<\/strong> <strong>Ewiger Bund<\/strong><br \/>\nWen einmal Dichterlust ergriff,<br \/>\nDer kann nicht mehr vom Sch\u00f6nen lassen.<br \/>\nReich schm\u00fcckt sich dem des Lebens Schiff,<br \/>\nWen einmal Dichterlust ergriff.<br \/>\nNatur wird ihm das Herz erfassen,<br \/>\nAn ihrem Male darf er prassen.<br \/>\nWen einmal Dichterlust ergriff,<br \/>\nDer kann nicht mehr vom Sch\u00f6nen lassen.<\/p>\n<p><strong>(95) Natur<\/strong><br \/>\nDer gr\u00f6\u00dfte Dichtergeist der Welt<br \/>\nBist du, du heilige Natur!<br \/>\nTreu folgt der ew&#8217;gen Sch\u00f6nheit Spur<br \/>\nDer gr\u00f6\u00dfte Dichtergeist der Welt.<br \/>\nWie auch die Sonne steigt und f\u00e4llt,<br \/>\nIn Jugendfrische webst du nur,<br \/>\nDu gr\u00f6\u00dfter Dichtergeist der Welt,<br \/>\nDu ew&#8217;ge, heilige Natur.<\/p>\n<p><strong>(96) Das Vaterauge<\/strong><br \/>\nIch wei\u00df, ein Vaterauge wacht,<br \/>\nWenn auch des Schicksals Donner grollen.<br \/>\nMag Tr\u00e4nenflut vom Auge rollen,<br \/>\nIch wei\u00df, ein Vaterauge wacht,<br \/>\nUnd dadurch sei ihm Dank gebracht,<br \/>\nDass wir ein fest Vertrauen zollen:<br \/>\nIch wei\u00df, ein Vaterauge wacht,<br \/>\nWenn auch des Schicksals Donner grollen.<\/p>\n<p><strong>(97) Ungerechter Tadel<\/strong><br \/>\n\u201eWer wird denn stets vom Weine singen?\u201c<br \/>\nGerecht ist dieser Tadel nicht.<br \/>\nNur Undank ist es, welcher spricht:<br \/>\n\u201eWer wird denn stels vom Weine singen?\u201c<br \/>\nEr gibt dem Geiste neue Schwingen,<br \/>\nEs ist&#8217;s, der Liederkr\u00e4nze flicht.<br \/>\n\u201eWer wird den stets vom Weine singen?\u201c<br \/>\nGerecht ist dieser Tadel nicht.<\/p>\n<p><strong>(98) Wechsel<\/strong><br \/>\nJede Zeit hat ihre Plage,<br \/>\nJede Zeit hat ihre Lust.<br \/>\nWenn es st\u00fcrmet, so ertrage,<br \/>\nJede Zeit hat ihre Plage.<br \/>\nSchnell erschlie\u00dfe deine Brust,<br \/>\nWenn du merkst, dass Gl\u00fcck dir tage.<br \/>\nJede Zeit hat ihre Plage,<br \/>\nJede Zeit hat ihre Lust.<\/p>\n<p><strong>Sonst und jetzt<\/strong><\/p>\n<p><strong>(99)<\/strong> In meinen jungen Jahren<br \/>\nHat ich viel Lust und Schmerz.<br \/>\nDie Liebe f\u00fcllt&#8216; mein Herz<br \/>\nIn meinen jungen Jahren.<br \/>\nUnd was ich da erfahren,<br \/>\nWar Kummer bald, bald Scherz.<br \/>\nIn meinen jungen Jahren<br \/>\nHatt&#8216; ich viel Lust und Schmerz.<\/p>\n<p><strong>(100)<\/strong> Das Alter ist gekommen,<br \/>\nDoch besser ist es nicht.<br \/>\nDie Liebe ist verglommen,<br \/>\nDas Alter ist gekommen.<br \/>\nVon neuen W\u00fcnschen spricht<br \/>\nDas Herz, bis mir es bricht.<br \/>\nDas Alter ist gekommen,<br \/>\nDoch besser ist es nicht.<\/p>\n<p><strong>(101)<\/strong> Der Mensch muss immer hoffen<br \/>\nUnd f\u00fcrchten auch zugleich.<br \/>\nHat Ungl\u00fcck dich getroffen &#8211;<br \/>\nDer Mensch muss immer hoffen.<br \/>\nUnd bist du freudenreich,<br \/>\nSteht&#8217;s Herz der Furcht doch offen.<br \/>\nDer Mensch muss immer hoffen<br \/>\nUnd f\u00fcrchten auch zugleich.<\/p>\n<p><strong>(102) Feuerung<\/strong><br \/>\nWenn kalt des Winter&#8217;s St\u00fcrme weh&#8217;n,<br \/>\nSch\u00fcrt an die Glut von Innen.<br \/>\nLasst rasch herum die Becher geh&#8217;n.<br \/>\nWenn kalt des Winters St\u00fcrme weh&#8217;n.<br \/>\nDas Eis, es muss zerrinnen<br \/>\nAm Feuer uns&#8217;rer Rebenh\u00f6h&#8217;n.<br \/>\nWenn kalt des Winter St\u00fcrme weh&#8217;n,<br \/>\nSch\u00fcrt an die Glut von Innen.<\/p>\n<p><strong>(103) Adel<\/strong><br \/>\nDas ist der wahre Seelenadel,<br \/>\nZu wollen immer nur, was gut.<br \/>\nNicht z\u00fcrnen dem gerechten Tadel,<br \/>\nDas ist der wahre Seelenadel.<br \/>\nWer Gutes wegen Lob nicht tut,<br \/>\nDer hat den echten Heldenmut.<br \/>\nDas ist der wahre Seelenadel,<br \/>\nZu wollen immer nur, was gut.<\/p>\n<p><strong>(104) F\u00fcr die Zukunft<\/strong><br \/>\nVor dem Handeln muss man denken,<br \/>\nReue schleichet sonst uns nach.<br \/>\nWeh! Dass ich nicht immer sprach:<br \/>\nVor dem Handeln muss man denken.<br \/>\nLass&#8217;t Vergang&#8217;nes ein uns senken;<br \/>\nDrauf Gedanken erstlich lenken:<br \/>\nVor dem Handeln muss man denken,<br \/>\nReue schleichet sonst uns nach.<\/p>\n<p><strong>(105) Der Spr\u00f6den<\/strong><br \/>\nM\u00e4dchen! Sei nicht allzuw\u00e4hlig;<br \/>\nSp\u00e4ter m\u00f6cht&#8216; es reuen dich.<br \/>\nWeil die Jahre flieh&#8217;n allm\u00e4hlig,<br \/>\nM\u00e4dchen! Sei nicht allzuw\u00e4hlig!<br \/>\nWenn der Jugend Reiz erblich,<br \/>\nFl\u00fcchten blad die Freier sich.<br \/>\nM\u00e4dchen! Sei nicht allzuw\u00e4hlig,<br \/>\nSp\u00e4ter m\u00f6cht&#8216; es reuen dich.<\/p>\n<p><strong>(106) Toast<\/strong><br \/>\nO sto\u00dfet alle freudig an,<br \/>\nUnd lasst die Braven leben!<br \/>\nBei uns hier weilt kein schlechter Mann,<br \/>\nDrum sto\u00dfet alle freudig an!<br \/>\nDen Bruder-Handschlag geben<br \/>\nWir dem, den nichts verlocken kann.<br \/>\nO sto\u00dfet alle freudig an,<br \/>\nUnd lasst die Braven leben!<\/p>\n<p><strong>(107) Hoch!<\/strong><br \/>\nHoch, wer seinen N\u00e4chsten liebt,<br \/>\nUnd es zeigt durch seine Taten.<br \/>\nWer sein Brot den Armen gibt,<br \/>\nHoch, da er den N\u00e4chsten liebt!<br \/>\nWer auf seinen Erdenpfaden<br \/>\nKeinen Pilger je betr\u00fcbt,<br \/>\nHoch, da er den N\u00e4chsten liebt,<br \/>\nUnd es zeigt durch seine Taten.<\/p>\n<p><strong>(108) Der Kuss<\/strong><br \/>\nEin einz&#8217;ger fl\u00fccht&#8217;ger Kuss<br \/>\nSchl\u00e4gt leicht das Herz in Fesseln.<br \/>\nEs streut oft herbe Nesseln<br \/>\nEin einz&#8217;ger fl\u00fccht&#8217;ger Kuss.<br \/>\nIch dank&#8217;s des Himmels Schluss,<br \/>\nDass froh ich sagen muss,<br \/>\nEin einz&#8217;ger fl\u00fccht&#8217;ger Kuss<br \/>\nSchl\u00e4gt leicht das Herz in Fesseln.<\/p>\n<p><strong>(109) Besitztum<\/strong><br \/>\nIst die Jugend auch entschwunden,<br \/>\nDank&#8216; ich ihr doch vieles Gl\u00fcck.<br \/>\nFreudif schaut mein Herz zur\u00fcck,<br \/>\nIst die Jugend auch entschwunden.<br \/>\nWas das offne Herz empfunden,<br \/>\nWird vom Alter nicht entwunden.<br \/>\nIst di Jugend auch entschwunden,<br \/>\nDank&#8216; ich ihr doch vieles Gl\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>(110) Labe<\/strong><br \/>\nDie heit&#8217;re Kunst der Lieder<br \/>\nErfreute oft mein Herz.<br \/>\nEs b\u00e4ndigt manchen Schmerz<br \/>\nDie heitre Kunst der Lieder.<br \/>\nEs strahlt in ihnen wieder<br \/>\nDer Jugend s\u00fc\u00dfer Scherz.<br \/>\nO heitre Kunst der Lieder<br \/>\nErfreu noch oft mein Herz!<\/p>\n<p><strong>(111) Kein Prophet<\/strong><br \/>\nDer Zukunft Schleier l\u00fcfte nicht,<br \/>\nGenie\u00dfe froh, was dir gegeben.<br \/>\nSoll freudenleer nicht sein dein Leben,<br \/>\nDer Zukunft Schleier l\u00fcfte nicht.<br \/>\nWer k\u00f6nnte froh den lick erheben,<br \/>\nW\u00fcsst er, was ein bald auf ihn bricht?<br \/>\nDer Zukunft Schleier l\u00fcfte nicht,<br \/>\nGenie\u00dfe froh, was dir gegeben!<\/p>\n<p><strong>(112) Anh\u00e4nglichkeit<\/strong><br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich auch auf zur Sonne fliegen,<br \/>\nZur Erde kehrt&#8216; ich doch zur\u00fcck.<br \/>\nAn sie w\u00fcrd&#8216; ich als Sohn mich schmiegen,<br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich auch auf zur Sonne fliegen.<br \/>\nHier bl\u00fchte meiner Jugend Gl\u00fcck,<br \/>\nHier soll auch meine Asche liegen.<br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich auch auf zur Sonne fliegen,<br \/>\nZur Erde kehrt&#8216; ich doch zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>(113) Aufruf<\/strong><br \/>\nLasst die Kriegstrompete t\u00f6nen,<br \/>\nTastet an man euer Recht.<br \/>\nWill ein freches Volk euch h\u00f6hnen,<br \/>\nLasst die Kriegstrompete t\u00f6nen!<br \/>\nDass ihr siegreich im Gefecht,<br \/>\nSeid ein Volk, das deutsch und echt;<br \/>\nLasst die Kriegstrompete t\u00f6nen,<br \/>\nTastet an man euer Recht.<\/p>\n<p><strong>(114) Genuss<\/strong><br \/>\nWenn sanfte Fr\u00fchlingswinde kosen,<br \/>\nVergisst man leicht des Winters Not.<br \/>\nPfl\u00fcckt Veilchen euch und duft&#8217;ge Rosen,<br \/>\nWenn sanfte Fr\u00fchlingswinde kosen.<br \/>\nGenie\u00dfet, was der Lenz euch bot;<br \/>\nGar bald sind seine Freuden tot.<br \/>\nWenn sanfte Fr\u00fchlingswinde kosen,<br \/>\nVergisst man leicht des Winters not.<\/p>\n<p><strong>(115) St\u00e4rkung<\/strong><br \/>\nWenn wild des Winters St\u00fcrme tosen,<br \/>\nErh\u00e4lt uns Fr\u00fchlingshoffnung reg.<br \/>\nDie Hoffnung leuchtet unserm Weg,<br \/>\nWenn wild des Winters St\u00fcrme tosen.<br \/>\nWir wissen deckt Schnee das Geheg,<br \/>\nDas d&#8217;raus bald bl\u00fchen duft&#8217;ge Rosen.<br \/>\nWenn wild des Winters St\u00fcrme tosen,<br \/>\nErh\u00e4lt uns Fr\u00fchlingshoffnung reg.<\/p>\n<p><strong>(116) Sch\u00f6nste Pflicht<\/strong><br \/>\nDes Bruders Schmerz zu heilen<br \/>\nIst s\u00fc\u00dfe Menschenpflicht.<br \/>\nEin sch\u00f6n&#8217;res kenn ich nicht,<br \/>\nAls Bruders Schmerz zu heilen.<br \/>\nMag Ungl\u00fcck mich ereilen,<br \/>\nWenn mein Gewissen spricht:<br \/>\nDes Bruders Schmerz zu heilen<br \/>\nWar meine liebste Pflicht.<\/p>\n<p><strong>(117) Vergessen<\/strong><br \/>\nWie viel im Leben ich verlor,<br \/>\nWill ich mir vor nicht sagen.<br \/>\nIch will auch nicht beklagen,<br \/>\nWie viel im Leben ich verlor.<br \/>\nTritt nun der Sonne Licht hervor,<br \/>\nSoll&#8217;s Dasein mir behagen.<br \/>\nWie viel im Leben ich verlor,<br \/>\nWill ich mir d&#8217;rum nicht sagen.<\/p>\n<p><strong>(118) Wohlwollen<\/strong><br \/>\nKann ich nicht Jugendfreuden teilen,<br \/>\nSo g\u00f6nn&#8216; ich sie der Jugend doch.<br \/>\nWeil schwer des Greisenalters Joch,<br \/>\nKann ich nicht Jugendfreuden teilen.<br \/>\nGenie\u00dfet, eh&#8216; die Jahr&#8216; enteilen.<br \/>\nBleibt nichts, gewiss Erinn&#8217;rung noch.<br \/>\nKann ich nicht Jugendfreuden teilen,<br \/>\nSo g\u00f6nn&#8216; ich sie der Jugend doch.<\/p>\n<p><strong>(119) Musenquelle<\/strong><br \/>\nO heit&#8217;rer Blick ins Fr\u00fchlingstal,<br \/>\nDer ist mir der Begeist&#8217;rung Quelle.<br \/>\nMehr hebt, als Wein im Goldpokal,<br \/>\nEin heit&#8217;rer Blick ins Fr\u00fchlingstal.<br \/>\nSeh&#8216; ich, wie Kraft die Sch\u00f6pfung schwelle,<br \/>\nSo str\u00f6mt das Lied auch rein und helle.<br \/>\nEin heit&#8217;rer Blick ins Fr\u00fchlingstal,<br \/>\nDer ist mir der Begeist&#8217;rung Quelle.<\/p>\n<p><strong>(120) Klagelos<\/strong><br \/>\nNicht feige will ich klagen,<br \/>\nDass offen steht das Grab.<br \/>\nF\u00e4llt jede Bl\u00fcte ab,<br \/>\nNicht feige will ich klagen.<br \/>\nDes Herzens Stimmen sagen,<br \/>\nIm Jenseits muss es tagen.<br \/>\nDrum will ich feig&#8216; nicht klagen,<br \/>\nDass offen steht das Grab.<\/p>\n<p><strong>(121) Wann?<\/strong><br \/>\nO Herz! Wann wird dir Ruhe?<br \/>\nWann endet deine Qual?<br \/>\nSchon seufzt&#8216; ich tausendmal:<br \/>\nO Herz! Wann wird dir Ruhe?<br \/>\nWenn brach des Auges Strahl,<br \/>\nErst in der schwarzen Truhe,<br \/>\nO Herz, da wird dir Ruhe,<br \/>\nDa endet deine Qual.<\/p>\n<p><strong>(122) Am 18. Oktober<\/strong><br \/>\nAuf den Bergen flammt die Lohe,<br \/>\nSiegesjubel t\u00f6nt im Tal.<br \/>\nDass ist ein Erinn&#8217;rungsstrahl,<br \/>\nDass auf Bergen flammt die Lohe.<br \/>\nDie Begeisterung, die hohe,<br \/>\nN\u00e4hrt in eurer Brust zumal,<br \/>\nDass auf Bergen flammt die Lohe,<br \/>\nSiegesjubel t\u00f6nt im Tal.<\/p>\n<p><strong>An &#8211;<\/strong><br \/>\n<em>Zum Angebinde<\/em><\/p>\n<p><strong>(123)<\/strong> Zu deinem Angebinde<br \/>\nEin freundlich Triolett,<br \/>\nWeil ich nichts bess&#8217;res finde<br \/>\nZu deinem Angebinde.<br \/>\nEs sagt sich kurz und nett<br \/>\nDein Gl\u00fcck sei mein&#8217;s. Ich winde<br \/>\nZu deinem Angebinde<br \/>\nEin freundlich Triolett.<\/p>\n<p><strong>(124)<\/strong> Wollt&#8216; ich die W\u00fcnsche sagen,<br \/>\nDie n\u00e4hrt mein Herz f\u00fcr dich,<br \/>\nNicht k\u00f6nnt&#8216; ich&#8217;s in zw\u00f6lf Tagen.<br \/>\nWollt&#8216; ich die W\u00fcnsche sagen,<br \/>\nNie, wahrlich! endet&#8216; ich.<br \/>\nIch w\u00e4re zu beklagen,<br \/>\nWollt&#8216; ich die W\u00fcnsche sagen,<br \/>\nDie n\u00e4hrt mein Herz f\u00fcr dich.<\/p>\n<p><strong>(125)<\/strong> Du wei\u00dft es l\u00e4ngst ja schon,<br \/>\nWas ich dir w\u00fcnsche Gutes.<br \/>\nDu sagtest mir mit Hohn,<br \/>\nDu w\u00fcsstest l\u00e4ngst es schon.<br \/>\nDrum send&#8216; ich frohen Mutes<br \/>\nEin Liedchen leichten Blutes.<br \/>\nWeil wei\u00dft du l\u00e4ngst es schon,<br \/>\nwas ich dir w\u00fcnsche Gutes.<\/p>\n<p><strong>(126) Gru\u00df<\/strong><br \/>\nHeil, Heil dir, liebes Frankenland!<br \/>\nDir str\u00f6me reichlich Gottes Segen,<br \/>\nUnd allw\u00e4rts schalle dir entgegen:<br \/>\nHeil, Heil dir, liebes Frankenland!<br \/>\nInd wirst du oftmals auch verkannt,<br \/>\nTreu willst du doch das Rechte pflegen.<br \/>\nD&#8217;rum Heil dir, liebes Frankenland,<br \/>\nDir str\u00f6me reichlich Gottes Segen.<\/p>\n<p><strong>(127) Gleichviel<\/strong><br \/>\nSei Sturmesnacht, sei Sonnenschein,<br \/>\nWir steuern sicher zu dem Ziele.<br \/>\nMein Mut wird gleich sich immer sein,<br \/>\nSei Sturmesnacht, sei Sonnenschein.<br \/>\nJa! Strenge tadeln muss ich viele,<br \/>\nDie Angst und Kummer sch\u00fcchtert ein.<br \/>\nSei Sturmesnacht, sei Sonnenschein,<br \/>\nWir steuern sicher zu dem Ziele.<\/p>\n<p><strong>(128) Vorsicht<\/strong><br \/>\nWillst du duft&#8217;ge Rosen pfl\u00fccken,<br \/>\nO vergiss da nicht den Dorn.<br \/>\nLass vom Schin dich nicht ber\u00fccken,<br \/>\nWillst du duf&#8217;ge Rosen pfl\u00fccken.<br \/>\nLeicht verstopft des Gl\u00fcckes Born,<br \/>\nWas versprochen uns Entz\u00fccken.<br \/>\nWillst du duft&#8217;ge Rosen pfl\u00fccken,<br \/>\nO vergiss da nicht den Dorn.<\/p>\n<p><strong>(129) Gl\u00fcckslos<\/strong><br \/>\nGl\u00fccklich, wer sich l\u00e4sst gen\u00fcgen,<br \/>\nEitlem Schimmer nach nicht strebt.<br \/>\nDankend sag&#8216; ich mit Vergn\u00fcgen:<br \/>\nGl\u00fccklich, wer sich l\u00e4sst begn\u00fcgen.<br \/>\nWem sein Gl\u00fcck im Herzen lebt,<br \/>\nSchreibt die Schrift mit goldnen Z\u00fcgen:<br \/>\nGl\u00fccklich, wer sich l\u00e4sst begn\u00fcgen,<br \/>\nEitlem Schimmer nach nicht strebt.<\/p>\n<p><strong>(130) Lenzleben<\/strong><br \/>\nWenn die ersten Knospen schwellen,<br \/>\nWird das Herz auch wieder jung.<br \/>\nSelbst den Geist treibt neuer Schwung,<br \/>\nWenn die ersten Knospen schwellen.<br \/>\nNeue Freudenlieder quellen<br \/>\nZu des Lenzes Huldigung.<br \/>\nWenn die ersten Knospen schwellen,<br \/>\nWird das Herz auch wieder jung.<\/p>\n<p><strong>(131) R\u00fcge<\/strong><br \/>\nLass dich durch den Schein nicht tr\u00fcgen,<br \/>\nDu mein allzuoffnes Herz!<br \/>\nWohl verdienest du die R\u00fcgen:<br \/>\nLass dich durch den Schien nicht tr\u00fcgen.<br \/>\nDoch das mildert meinen Schmerz,<br \/>\nDass ich selbst nie sank zum L\u00fcgen.<br \/>\nLass dich durch den Schin nicht tr\u00fcgen,<br \/>\nDu mein allzuoffnes Herz!<\/p>\n<p><strong>(132) Lebenssonne<\/strong><br \/>\nWas die Sonne ist dem Leben.<br \/>\nIst die Liebe f\u00fcr das Herz.<br \/>\nAuch die Freundschaft kann uns geben,<br \/>\nWas die Sonne ist dem Leben.<br \/>\nFreundschaft, Liebe, sie erheben<br \/>\nAus dem Staube himmelw\u00e4rts.<br \/>\nWas die Sonne ist dem Leben,<br \/>\nIst die Liebe f\u00fcr das Herz.<\/p>\n<p><strong>(133) Alles seiner Zeit<\/strong><br \/>\nF\u00fcr des Lebens Mai die Liebe,<br \/>\nFreundschaft f\u00fcr des Lebens Herbst.<br \/>\nWie dem Fr\u00fchling Bl\u00fctentriebe,<br \/>\nSo dem Lebensmai die Liebe.<br \/>\nKranz, wenn du dich welk entf\u00e4rbst,<br \/>\nBleibt nichts, wenn nicht Freundschaft bliebe.<br \/>\nF\u00fcr des Lebens Mai die Liebe,<br \/>\nFreundschaft f\u00fcr des Lebens Herbst.<\/p>\n<p><strong>(134) Einzige Hoffnung<\/strong><br \/>\nMein Hoffen steht auf Gott allein,<br \/>\nEr kann mir sicher Hilfe senden.<br \/>\nMag mir das Aug&#8216; voll Tr\u00e4nen sein,<br \/>\nMein Hoffen steht auf Gott allein.<br \/>\nWenn alle treulos ab sich wenden,<br \/>\nWenn meine Lebensstunden enden &#8211;<br \/>\nMein Hoffen steht auf Gott allein,<br \/>\nEr kann mir sicher Hilfe senden.<\/p>\n<p><strong>(135) Gott<\/strong><br \/>\nGanz verlassen hast du mich noch nie;<br \/>\nNahe warst du, wenn die Not am gr\u00f6\u00dften.<br \/>\nDarum kann der Spruch mein Her auch tr\u00f6sten:<br \/>\nGanz verlassen hast du mich noch nie.<br \/>\nWas zur Pr\u00fcfung mir den Schluss verlieh,<br \/>\nTrug ich still, bis sich die Schmerzen l\u00f6sten.<br \/>\nGanz verlassen hast du mich noch nie.<br \/>\nNahe warst du, wenn die Not am gr\u00f6\u00dften.<\/p>\n<p><strong>Neujahrswunsch<\/strong><\/p>\n<p><strong>(136)<\/strong> W\u00fcnsche zu dem neuen Jahre<br \/>\nBrauchst du wahrlich heute nicht.<br \/>\nGar zu selten sind es wahre<br \/>\nW\u00fcnsche zu dem neuen Jahre.<br \/>\nDass dich Gott vor solchen wahre,<br \/>\nDie allein die Lippe spricht!<br \/>\nW\u00fcnsche zu dem neuen Jahre<br \/>\nBrauchst du wahrlich heute nicht.<\/p>\n<p><strong>(137)<\/strong> Was dir kann das Herz begl\u00fccken,<br \/>\nHast du schon im \u00dcberfluss.<br \/>\nReichlich spendet dir Entz\u00fccken,<br \/>\nWas dir kann das Herz begl\u00fccken,<br \/>\nUnd es steht durch Himmelsschluss<br \/>\nDir das Gl\u00fcck auf ehrnem Fu\u00df.<br \/>\nWas dir kann das Herz begl\u00fccken,<br \/>\nHast du schon im \u00dcberfluss.<\/p>\n<p><strong>(138)<\/strong> Keine W\u00fcnsche will ich sagen,<br \/>\nDenn du kennest l\u00e4ngst mein Herz.<br \/>\nLass nach Floskeln andre jagen,<br \/>\nKeine W\u00fcnsche will ich sagen.<br \/>\nFlehend blick ich himmelw\u00e4rts,<br \/>\nUnd ich sage nicht aus Scherz:<br \/>\nKeine W\u00fcnsche will ich sagen,<br \/>\nDenn du kennest l\u00e4ngst mein Herz.<\/p>\n<p><strong>(139) Wechsel<\/strong><br \/>\nJe h\u00f6her stieg dein Flug,<br \/>\nSo tiefer kannst du fallen.<br \/>\nSei stets gerecht du allen,<br \/>\nJe h\u00f6her stieg dein Flug.<br \/>\nDu hoffst mit Recht und Fug,<br \/>\nZu stehn, bedenkst du klug:<br \/>\nJe h\u00f6her stieg dein Flug,<br \/>\nSo tiefer kannst du fallen.<\/p>\n<p><strong>(140)<\/strong> <strong>Liederquell<\/strong><br \/>\nStoff zu neuen Liedern spendet<br \/>\nUnersch\u00f6pflich die Natur.<br \/>\nHeil dir, wenn die Quelle nur<br \/>\nStoff zu neuen Liedern spendet.<br \/>\nSie ist g\u00f6ttlich sch\u00f6n vollendet.<br \/>\nWahrt des Sch\u00f6pfers heil&#8217;ge Spur.<br \/>\nStoff zu neuen Liedern spendet<br \/>\nUnersch\u00f6pft drum die Natur.<\/p>\n<p><strong>(141) Wiegenlied<\/strong><br \/>\nSchlie\u00df&#8216; deine \u00c4uglein zu,<br \/>\nUnd tr\u00e4ume s\u00fc\u00dfe Sachen.<br \/>\nDass bald du kannst erwachen,<br \/>\nSchlie\u00df&#8216; deine \u00c4uglein zu.<br \/>\nMag, wenn erwachsen du,<br \/>\nDas Leben so dir lachen,<br \/>\nDass, schlie\u00dft das Aug&#8216; sich zu,<br \/>\nDu tr\u00e4umest s\u00fc\u00dfe Sachen.<\/p>\n<p><strong>(142) Vergeblicher Wunsch<\/strong><br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich jemal nur vergessen,<br \/>\nWas mich gl\u00fccklich sonst gemacht!<br \/>\nDann nicht seufzt&#8216; ich jede Nacht:<br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich jemals nur vergessen!<br \/>\nUnter Rosen und Zypressen<br \/>\nDr\u00e4ngt zur Lippe sich mit Macht:<br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich jemal nur vergessen,<br \/>\nWas mich gl\u00fccklich sonst gemacht!<\/p>\n<p><strong>(143) Nachgenuss<\/strong><br \/>\nIch habe gelebt und genossen;<br \/>\nLeer ist itzt der Freude Pokal.<br \/>\nGott dank&#8216; ich&#8217;s, ihr trauten Genossen,<br \/>\nIch habe gelebt und genossen.<br \/>\nUnd wird mir der Scheitel auch kahl,<br \/>\nLuft labt noch, wenn sie auch verflossen.<br \/>\nIch habe gelebt und genossen;<br \/>\nSei leer nun der Freude Pokal.<\/p>\n<p><strong>(144) Kurz gebunden<\/strong><br \/>\nWird mir auch ein Wunsch versaget,<br \/>\nGr\u00e4m&#8216; ich mich doch nicht darob.<br \/>\nT\u00f6richt nenn&#8216; ich den, der klaget,<br \/>\nWird ihm auch ein Wunsch versaget.<br \/>\nWas mich sonst mit Lust umwob,<br \/>\nHat mir bald nicht mehr behaget.<br \/>\nWird mir auch ein Wunsch versaget,<br \/>\nGr\u00e4m&#8216; ich mich doch nicht darob.<\/p>\n<p><strong>(145) Toleranz<\/strong><br \/>\nIch nenne keinen einen Toren,<br \/>\nDer&#8217;s Herz an eitle Dinge h\u00e4ngt.<br \/>\nIch wei\u00df, wie oft ich mich gekr\u00e4nkt,<br \/>\nWenn man genannt mich einen Toren.<br \/>\nDas hat mir oft das Gl\u00fcck geschworen,<br \/>\nWoran mit Spott ein And&#8217;rer denkt.<br \/>\nIch nenne keinen einen Toren,<br \/>\nDer&#8217;s Herz an eitle Dinge h\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>(146) Trostloser Zustand<\/strong><br \/>\nWohl dir, wenn noch der Liebe Schmerzen<br \/>\nDie ganze Seele dir durchgl\u00fch&#8217;n!<br \/>\nMir kann kein Gl\u00fcck auf Erden bl\u00fch&#8217;n.<br \/>\nWohl dir, wenn noch der Liebe Schmerzen<br \/>\nDir W\u00fcnsche lassen; meinem Herzen<br \/>\nFehlt Mut, um Gl\u00fcck mich zu bem\u00fch&#8217;n.<br \/>\nWohl dir, wenn noch der LIebe Schmerzen<br \/>\nDie ganze Seele dir durchgl\u00fch&#8217;n!<\/p>\n<p><strong>(147) Antwort<\/strong><br \/>\nWarum ich doch zufrieden,<br \/>\nWenn ich auch nicht genie\u00dfe?<br \/>\nDer Frage L\u00f6sung flie\u00dfe,<br \/>\nWarum ich doch zufrieden,<br \/>\nDir draus, dass Lust mir sprie\u00dfe,<br \/>\nIst Andern Gl\u00fcck beschieden.<br \/>\nDrum bin ich doch zufrieden,<br \/>\nWenn ich auch nicht genie\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>(148) Gerechtigkeit<\/strong><br \/>\nWillst du einen Andern richten,<br \/>\nSchau erst in dein eignes Herz.<br \/>\nSieh, was noch bei dir zu schlichten,<br \/>\nWillst du einen Andern richten.<br \/>\nHeut ist Lust, was morgen Schmerz;<br \/>\nHeut bist mild du, morgen Erz.<br \/>\nWillst du einen Andern richten,<br \/>\nSchau erst in den eignes Herz.<\/p>\n<p><strong>(149) Gleiches Ma\u00df<\/strong><br \/>\nJeder sieht mit andern Augen,<br \/>\nUnd er glaubt, er sehe gut.<br \/>\nMilde sollst daraus du saugen:<br \/>\nJeder sieht mit andern Augen.<br \/>\nDenke, wie es wohl dir tut,<br \/>\nWenn die Andern Nachsicht brauchen.<br \/>\nJeder sieht mit andern Augen,<br \/>\nUnd er glaubt, er sehe gut.<\/p>\n<p><strong>(150) Gr\u00f6\u00dftes Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nEin heiteres Gem\u00fct,<br \/>\nDas immer sich begn\u00fcget!<br \/>\nWie&#8217;s auch das Schicksal f\u00fcget,<br \/>\nEin heiteres Gem\u00fct!<br \/>\nHeil dem, dem allzeit bl\u00fcht,<br \/>\nWenn Schicksals Blitz auch gl\u00fcht,<br \/>\nEin heiteres Gem\u00fct,<br \/>\nDas immer sich begn\u00fcget.<\/p>\n<p><strong>(151) Guter Gedanke<\/strong><br \/>\nHeute mir und morgen dir,<br \/>\nDas ist&#8217;s Los im Erdenleben.<br \/>\nDenke, will dich&#8217;s Schicksal heben:<br \/>\nHeute mir und morgen dir!<br \/>\nMilde, Edler sch\u00f6nste Zier.<br \/>\nWird der Himmel, denkst du, geben:<br \/>\nHeute mir und morgen dir!<br \/>\nDas ist&#8217;s Los im Erdenleben.<\/p>\n<p><strong>(152) Schein tr\u00fcgt<\/strong><br \/>\nNicht alles, was uns schlimm erscheint,<br \/>\nIst darum wirklich b\u00f6se.<br \/>\nEs zeigt des N\u00e4chsten Bl\u00f6\u00dfe<br \/>\nNicht alles, was uns schlimm erscheint.<br \/>\nNur das entscheidet, wie&#8217;s gemeint,<br \/>\nDes Bruders Wert und Gr\u00f6\u00dfe.<br \/>\nNicht alles, was uns schlimm erscheint,<br \/>\nIst darum wirklich b\u00f6se.<\/p>\n<p><strong>153) Beste Arznei<\/strong><br \/>\nWenn dich ein herber Kummer dr\u00fcckt,<br \/>\nSo kann nur die Natur ihn heilen.<br \/>\nSie ist&#8217;s, die wieder dich begl\u00fcckt,<br \/>\nWenn dich ein herber Kummer dr\u00fcckt.<br \/>\nWenn Tr\u00e4nen deinem Aug&#8216; enteilen,<br \/>\nDu tief verletzt von Schicksalspfeilen,<br \/>\nWenn dich ein herber Kummer dr\u00fcckt,<br \/>\nSo kann nur die Natur dich heilen.<\/p>\n<p><strong>(154) Ewiger Lenz<\/strong><br \/>\nEin Jugenlenz, der nie verbl\u00fchet,<br \/>\nIst uns&#8217;rer Brust die Poesie.<br \/>\nSie bleibt, wenn Sommerschw\u00fcle gl\u00fchet,<br \/>\nEin Jugendlenz, der nie verbl\u00fchet.<br \/>\nIm Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck flieht sie nie;<br \/>\nSelbst wenn des Alters Last uns bl\u00fchet,<br \/>\nIst Jugendlenz, der nie verbl\u00fchet,<br \/>\nF\u00fcr uns&#8217;re Brust die Poesie.<\/p>\n<p><strong>(155) Leichter raten als tun<\/strong><br \/>\nO hemme deiner Tr\u00e4nen Lauf!<br \/>\nDas ist gar leicht zu sagen.<br \/>\nLeicht spricht, wem steht der Himmel auf:<br \/>\nO hemme deiner Tr\u00e4nen Lauf!<br \/>\nWen herb Geschick geschlagen,<br \/>\nR\u00e4t nicht bei fremden Klagen:<br \/>\nO hemme deiner Tr\u00e4nen Lauf!<br \/>\nObgleich es leicht zu sagen.<\/p>\n<p><strong>(156) Vorfrage<\/strong><br \/>\nWenn mir ein And&#8217;rer das getan,<br \/>\nWas w\u00fcrd&#8216; ich wohl empfinden?<br \/>\nWillst handeln du, denk&#8216; erst daran:<br \/>\nWenn mir einAnd&#8217;rer das getan?<br \/>\nDein Herz neigt sicher sich zum Linden,<br \/>\nFragst stehts du auf des Lebens Bahn:<br \/>\nWenn mir ein And&#8217;rer das getan,<br \/>\nWas w\u00fcrd&#8216; ich wohl empfinden?<\/p>\n<p><strong>(157) Zu sp\u00e4t und zu fr\u00fch<\/strong><br \/>\nO h\u00e4tt&#8216; ich&#8217;s immer nur bedacht,<br \/>\nBevor ich kr\u00e4ftig wollte handeln!<br \/>\nDer Seufzer hat mir Gram gebracht:<br \/>\nO h\u00e4tt&#8216; ich&#8217;s immer nur bedacht!<br \/>\nNie wird die Bahn zum Gro\u00dfen wandeln,<br \/>\nWer stets zuerst und \u00e4ngstlich sagt:<br \/>\nO h\u00e4tt&#8216; ich immer nur bedacht,<br \/>\nBevor ich kr\u00e4ftig wollte handeln.<\/p>\n<p><strong>(158) Heilmittel<\/strong><br \/>\nDas beste Mittel ist die Zeit<br \/>\nSelbst f\u00fcr die tiefsten Herzenswunden.<br \/>\nVertrau&#8216; du ihr, du wirst gesunden,<br \/>\nDas beste Mittel ist die Zeit.<br \/>\nUnd glaubst du, Trost sei noch so weit,<br \/>\nGar bald, gar bld hast du gefunden,<br \/>\nDas beste Mittel sei die Zeit<br \/>\nSelbst f\u00fcr die tiefsten Herzenswunden.<\/p>\n<p><strong>(159) Warnung<\/strong><br \/>\nWillst du mir treu nicht sein,<br \/>\nSo wirst du&#8217;s schon beklagen.<br \/>\nDas siehst du wohl noch ein,<br \/>\nWillst du mir treu nicht sein.<br \/>\nKein Treurer wird dich frein.<br \/>\nWas brauch&#8216; ich Tor zu sagen:<br \/>\nWillst du mir treu nicht sein,<br \/>\nSo wirst du&#8217;s schon beklagen.<\/p>\n<p><strong>(160) Gleichheit im Wechsel<\/strong><br \/>\nHeute tr\u00fcbe, Morgen heiter,<br \/>\nHeute heiter, Morgen tr\u00fcb!<br \/>\nSo rollt&#8217;s kurze Leben weiter,<br \/>\nHeute tr\u00fcbe, Morgen heiter.<br \/>\nDass es so ist, ist mir lieb.<br \/>\nTr\u00f6stend bleibt mir als Beileiter:<br \/>\nHeute tr\u00fcbe, Morgen heiter,<br \/>\nHeute heiter, Morgen tr\u00fcb.<\/p>\n<p><strong>(161) Gedenktafel<\/strong><br \/>\nWer auch ein einz&#8217;ges Mal betrogen,<br \/>\nBetr\u00fcgt zum zweiten Mal mich wieder nicht.<br \/>\nF\u00fcr immer ist das Urteil dem gewogen,<br \/>\nWer auch ein einz&#8217;gesmal mich nur betrogen.<br \/>\nKein freundlich Wort, kein freundliches Gesicht<br \/>\nMacht, dass der T\u00e4uschung Eindruck mir verflogen.<br \/>\nWer auch ein einz&#8217;gesmal mich nur betrogen,<br \/>\nBetr\u00fcgt zum zweitenmal mich wieder nicht.<\/p>\n<p><strong>(162) Gl\u00fccklicher Trost<\/strong><br \/>\nMein Lieblichen trotzt gar oft mit mir;<br \/>\nDoch will ich diesen Trotz nicht missen,<br \/>\nDenn Wonne bringt es f\u00fcr und f\u00fcr,<br \/>\nWenn&#8217;s Liebchen einmal trotzt mit mir.<br \/>\nEs s\u00fchnt, vers\u00f6hnt mit tausend K\u00fcssen.<br \/>\nDrum, Freund! vergn\u00fcgt verk\u00fcnd&#8216; ich dir:<br \/>\nMein Liebchen trotzt gar oft mit mir,<br \/>\nDoch will ich diesen Trotz nicht missen<\/p>\n<p><strong>(163) Besserer Grund<\/strong><br \/>\nDer hat&#8217;s gesagt, der hat&#8217;s gesagt,<br \/>\nDas dient mir nimmer zu Beweisen.<br \/>\nWie viel hat Ungl\u00fcck schon gemacht:<br \/>\nDer hat&#8217;s gesagt, der hat&#8217;s gesagt!<br \/>\nWillst du mich fort zum Handeln rei\u00dfen,<br \/>\nDann zeige Taten, die vollbracht.<br \/>\nDer hat&#8217;s gesagt, der hat&#8217;s gesagt,<br \/>\nDas dient mir nimmer zu beweisen.<\/p>\n<p><strong>(164) Kopf und Herz<\/strong><br \/>\nO Freund, das Herz hat auch sein Recht;<br \/>\nNicht soll&#8217;s dem Kopf als Sklave dienen.<br \/>\nDenk&#8216;, wenn ich dir zu rasch erschienen,<br \/>\nO Freund, das Herz hat auch sein Recht.<br \/>\nWas gro\u00df auf dieses Lebens B\u00fchnen,<br \/>\nRuft laut dem menschlichen Geschlecht:<br \/>\nDes Edlen Herz hat auch sein Recht,<br \/>\nNicht soll&#8217;s dem Kopf als Sklave dienen.<\/p>\n<p><strong>(165) Unterschied<\/strong><br \/>\nWas B\u00f6ses mir ein Irrtum tat,<br \/>\nDas kann ich gern und leicht vergeben.<br \/>\nMein Zorn wird lange dem nicht leben,<br \/>\nWas B\u00f6ses mir ein Irrtum tat.<br \/>\nDoch merket, wer den schlimmen Rat<br \/>\nZur Kr\u00e4nkung will gen mich erheben;<br \/>\nWas B\u00f6ses mir der Irrtum tat,<br \/>\nDas kann ich, Bosheit nicht vergeben.<\/p>\n<p><strong>(166) Universalmittel<\/strong><br \/>\nEin gutes Glas von Frankenwein<br \/>\nKann stets das Herz uns heiter stimmen.<br \/>\nDrum nehmt&#8216; wenn schl\u00e4gt das Ungl\u00fcck ein,<br \/>\nEin gutes Glas von Frankenwein!<br \/>\nSolang noch Lebensf\u00fcnkchen glimmen,<br \/>\nKann immerhin noch Rettung sein<br \/>\nIm guten Glas von Frankenwein,<br \/>\nDas stets das Herz wird heiter stimmen.<\/p>\n<p><strong>(167) K\u00f6nnen und Wollen<\/strong><br \/>\nIch m\u00f6chte wohl, doch kann ich nicht<br \/>\nAll meine Br\u00fcder gl\u00fccklich wissen.<br \/>\nOft seufz&#8216; ich, wenn die Kraft gebricht:<br \/>\nIch m\u00f6chte wohl, doch kann ich nicht.<br \/>\nUnd muss ich den Erfolg auch missen,<br \/>\nSo ist es Trost, wenn&#8217;s Herz mir spricht:<br \/>\nIch m\u00f6chte wohl, doch kann ich nicht<br \/>\nAll meine Br\u00fcder gl\u00fccklich wissen.<\/p>\n<p><strong>(168) Rat<\/strong><br \/>\nTu nur, was deine Kraft vermag,<br \/>\nDes Nebenmenschen Gl\u00fcck zu mehren!<br \/>\nEs folgt dir keine Reue nach,<br \/>\nTust du, was deine Kraft vermag.<br \/>\nEs wird dein Streben jeder ehren,<br \/>\nWill Gott Gedeih&#8217;n auch nicht bescheren,<br \/>\nTust du, was deine Kraft vermag.<br \/>\nDes Nebenmenschen Gl\u00fcck zu mehren.<\/p>\n<p><strong>(169) Liebe Gabe<\/strong><br \/>\nDer Strau\u00df, den du mir dargereicht,<br \/>\nErf\u00fcllt mein Herz mit hoher Freude.<br \/>\nDes Herzens zarte Regung zeigt<br \/>\nDer Strau\u00df, den du mir dargereicht.<br \/>\nEs sagt, wenn ihn auch Sturm zerstreute,<br \/>\nDass stets du bleibst mir treu geneigt,<br \/>\nDer Strau\u00df, den du mir dargereicht.<br \/>\nDrum f\u00fcllt er mir das Herz mit Freude.<\/p>\n<p><strong>(170) Trost<\/strong><br \/>\nViel Tolles hab&#8216; ich schon gemacht,<br \/>\nDoch, Gott sei Dank! Nichts Schlechtes!<br \/>\nHab&#8216; ich nicht oft mir selbst gesagt:<br \/>\nViel Tolles hab&#8216; ich schon gemacht!<br \/>\nWohl dem, der tut was Rechtes,<br \/>\nUnd beizusetzen hat die Macht:<br \/>\nViel Tolles hab&#8216; ich schon gemacht!<br \/>\nDoch, Gott sei Dank! Nichts Schlechtes.<\/p>\n<p><strong>(171) Wahrheit<\/strong><br \/>\nWer an sich selbst allein nur denkt,<br \/>\nDer misst f\u00fcrwahr gar viele Freuden.<br \/>\nKein menschlich Herz ward dem geschenkt,<br \/>\nWer an sich selbst allein nur denkt.<br \/>\nWie tiefd wird in mein Herz gesenkt,<br \/>\nKann bannen ich des Freundes Leiden:<br \/>\nWer an sich selbst allein nur denkt,<br \/>\nDer misst f\u00fcrwahr gar viele Freuden!<\/p>\n<p><strong>(172) Sonst und Jetzt<\/strong><br \/>\nO jetzo klag&#8216; ich nimmer mehr,<br \/>\nJetzt bin ich mehr erfahren.<br \/>\nUnd was auch komme mir daher,<br \/>\nO jetzo klag&#8216; ich nimmer mehr.<br \/>\nIchh muss all Gl\u00fcck gew\u00e4hren,<br \/>\nDass aus ich rufe schmerzenleer:<br \/>\nO jetzo klag&#8216; ich nimmer mehr,<br \/>\nJetzt bin ich mehr erfahren.<\/p>\n<p><strong>(173) Unwandelbar<\/strong><br \/>\nIch lasse nimmermehr von dir,<br \/>\nWeil ganz ich deinen Wert erkundet.<br \/>\nSelbst wenn dein Wort mein Herz verwundet,<br \/>\nSo lass ich nimmermehr von dir.<br \/>\nZum h\u00f6chsten Gl\u00fcck w\u00e4r&#8216; ich gesundet,<br \/>\nVerk\u00fcndete dein Mund nur mir:<br \/>\nIch lasse nimmermehr von dir,<br \/>\nWeil ganz ich deinen Wert erkundet!<\/p>\n<p><strong>(174) Gutm\u00fctigkeit<\/strong><br \/>\nH\u00f6rst du Freudenbecher klingen,<br \/>\nG\u00f6nn&#8216; sie denen, die begl\u00fcckt.<br \/>\nLass den Neid dich nicht bezwingen,<br \/>\nH\u00f6rst du Freudenbecher klingen.<br \/>\nWenn den Edlen Gram auch dr\u00fcckt,<br \/>\nWird sein Herz doch noch entz\u00fcckt,<br \/>\nH\u00f6rt er Freudenbecher klingen,<br \/>\nDie der andern Herz begl\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>175) Das Schlimmste<\/strong><br \/>\nDes Menschen-Herzens Wankelmut &#8211;<br \/>\nVon dem will ich nichts sagen.<br \/>\nViel Wunden hat geschlagen<br \/>\nDes Menschen-Herzens Wankelmut.<br \/>\nOft hatt&#8216; ich, wenn ich traut und gut<br \/>\nIn meines Liebchens Arm geruht,<br \/>\nVon Menschen-Herzens Wankelmut<br \/>\nGar Herbes zu beklagen.<\/p>\n<p><strong>(176) Grund<\/strong><br \/>\nDer Liebsten, die ich kenne,<br \/>\nWeih&#8216; gern ich jedes Lied.<br \/>\nGeh\u00f6rt ja mein Gem\u00fct<br \/>\nDer Liebsten, die ich kenne.<br \/>\nDass ich zum Sang entbrenne,<br \/>\nMacht sie, die f\u00fcr mich gl\u00fcht.<br \/>\nDer Liebsten, die ich kenne,<br \/>\nWeih&#8216; gern ich jedes Lied.<\/p>\n<p><strong>(177) Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nStets hat es Freude mir gemacht,<br \/>\nKonnt&#8216; Anderen ich Frohes bringen.<br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; f\u00f6dern ich dem Freund Gelingen,<br \/>\nHat stets es Freude mir gemacht.<br \/>\nGemeinheit hat mich oft verlacht,<br \/>\nWenn frohen Herzens ich gesagt:<br \/>\nStets hat es Freunde mir gemacht,<br \/>\nKonnt&#8216; Anderen ich Freude bringen.<\/p>\n<p><strong>(178) Verlust<\/strong><br \/>\nWer stets nur denkt auf Geldgewinn,<br \/>\nWird sicherlich gar viel verlieren.<br \/>\nDie Zeit schl\u00fcpft unben\u00fctzt dem hin,<br \/>\nWer stets nur denkt auf Geldgewinn.<br \/>\nWird Silberschnee das Haupt ihm zieren,<br \/>\nDann seufzt er &#8211; tr\u00fcb ist Herz und Sinn &#8211;<br \/>\nWer stets nur denkt auf Geldgewinn,<br \/>\nWird sicherlich gar viel verlieren.<\/p>\n<p><strong>(179) Rechtes Ma\u00df<\/strong><br \/>\nEs soll der Zukunft jeder denken,<br \/>\nUnd heiter wird sein Leben sein.<br \/>\nDrum pr\u00e4ge jeder wohl sich ein:<br \/>\nEs soll der Zukunft jeder denken.<br \/>\nDoch soll dabei dem ros&#8217;gen Schein<br \/>\nDes Augenblicks sein Herz er schenken.<br \/>\nSo soll der Zukunft jeder denken,<br \/>\nDann wird sein Leben heiter sein.<\/p>\n<p><strong>(180) Bitte<\/strong><br \/>\nWenn ich den frohen Becher hebe,<br \/>\nDann kommet mir mit Ernstem nicht!<br \/>\nSei&#8217;s, dass ich auch der Welt entschwebe,<br \/>\nWenn ich den vollen Becher hebe.<br \/>\nDass mir zum Ernst nicht Kraft gebricht,<br \/>\nDrum ganz der Lust ich hin mich gebe,<br \/>\nWenn ich den frohen Becher hebe,<br \/>\nSo kommt mir auch mit Ernstem nicht.<\/p>\n<p><strong>(181) Wechsel<\/strong><br \/>\nO tut nur alles zur bestimmten Zeit;<br \/>\nScherz muss in Ernst, und Ernst in Scherz sich wandeln.<br \/>\nDen lohnt am Ziel nur Siegesfreudigkeit,<br \/>\nWer alles tut zu der bestimmten Zeit.<br \/>\nWer aber scherzhaft will den Ernst behandeln.<br \/>\nUnd ernst den Scherz, der tut mir wahrlich leid!<br \/>\nO tut nur alles zur bestimmten Zeit,<br \/>\nMuss Ernst in Scherz und Scherz in Ernst sich wandeln.<\/p>\n<p><strong>(182) Grund<\/strong><br \/>\nViele h\u00f6r&#8216; ich immer klagen,<br \/>\nAber ach! Sie handeln nicht.<br \/>\nWeil zur Tat die Kraft gebricht,<br \/>\nH\u00f6r&#8216; ich immer viele klagen.<br \/>\nWer mit Mut sein Recht verficht,<br \/>\nBraucht als Tugend nicht \u201eErtragen\u201c.<br \/>\nViele h\u00f6r&#8216; ich immer klagen,<br \/>\nWeil sie m\u00e4nnlich handeln nicht.<\/p>\n<p><strong>(183) Sie an Ihn<\/strong><br \/>\nPocht es nicht dir im Gewissen,<br \/>\nWenn ein Schmetterling du bist?<br \/>\nWillst du And&#8217;rer Lippen k\u00fcssen,<br \/>\nPocht es nicht dir im Gewissen?<br \/>\nDich hab&#8216; ich allein gek\u00fcsst;<br \/>\nRache werd&#8216; ich nicht vermissen.<br \/>\nPocht es dir nicht im Gewissen,<br \/>\nWenn ein Schmetterling du bist?<\/p>\n<p><strong>(184) Er an Sie<\/strong><br \/>\nDein s\u00fc\u00dfer Mund, so purpurrot,<br \/>\nMacht, dass ich leicht die Andern misse.<br \/>\nEr ist&#8217;s, der Himmelslust mir bot,<br \/>\nDein s\u00fc\u00dfer Mund, so purpurrot.<br \/>\nWenn ich dein Lippenp\u00e4rchen k\u00fcsse,<br \/>\nW\u00fcrd&#8216; ich lebendig, w\u00e4r&#8216; ich tot.<br \/>\nDrum macht dein Mund so purpurrot,<br \/>\nDass ich gar leicht die Andern misse.<\/p>\n<p><strong>(185) Sie an Ihn<\/strong><br \/>\nO k\u00f6nnte man den M\u00e4nnern trau&#8217;n,<br \/>\nWenn sie mit sch\u00f6nen Worten spielen!<br \/>\nOft sag&#8216; ich mir mit Angstgef\u00fchlen:<br \/>\nO k\u00f6nnte man den M\u00e4nnern trau&#8217;n,<br \/>\nNach Andern seh&#8216; ich oft dich schau&#8217;n,<br \/>\nDen Blick nach mir nur selten zielen.<br \/>\nO k\u00f6nnte man den M\u00e4nnern trau&#8217;n,<br \/>\nWenn sie mit sch\u00f6nen Worten spielen!<\/p>\n<p><strong>(186) Er an Sie<\/strong><br \/>\nDich hab&#8216; ich immer nur am Herzen,<br \/>\nMein Blick mag schweifen, wo er will.<br \/>\nSiehst du mich auch mit Andern scherzen,<br \/>\nDich hab&#8216; ich immer nur im Herzen.<br \/>\nDrum schweige mit den Klagen still,<br \/>\nUnd banne jede Zweiflerschmerzen.<br \/>\nDich hab&#8216; uch immer nur im Herzen,<br \/>\nMein Blick mag schweifen, wo er will.<\/p>\n<p><strong>(187) Antwort<\/strong><br \/>\nSind es die Augen, ist&#8217;s der Mund,<br \/>\nDie halten stets mein Herz gefangen?<br \/>\nO k\u00f6nnte Antwort ich erlangen!<br \/>\nSind es die Augen, ist&#8217;s der Mund?<br \/>\nHa! In der Seele wird mir kund,<br \/>\nDass mich dein ganzes Ich umfangen;<br \/>\nDrum nicht die Augen, nicht der Mund<br \/>\nBehalten stets mein Herz gefangen.<\/p>\n<p><strong>(188) An Baron Friedrich<\/strong><br \/>\nWenn du fort von mir gezogen,<br \/>\nDenke manchmal freundlich mein!<br \/>\nTreu bleibt dir mein Herz gewogen,<br \/>\nWenn du fort von mir gezogen.<br \/>\nM\u00f6ge stets dein Gl\u00fcck gedeih&#8217;n,<br \/>\nWird mein Wunsch tagt\u00e4glich sein.<br \/>\nDrum, wenn fort du auch gezogen,<br \/>\nDenke manchmal freundlich mein!<\/p>\n<p><strong>(189) Beruhigung<\/strong><br \/>\nNicht alle Tag&#8216; ist Sonnenschein;<br \/>\nDer Wechsel nur erh\u00e4lt das Leben.<br \/>\nDie Wahrheit macht mein Herz ergeben,<br \/>\nNicht alle Tag&#8216; ist Sonnenschein;<br \/>\nUnd treten Ungl\u00fccks-Wetter ein,<br \/>\nMuss wieder mich der Spruch erheben,<br \/>\nNicht alle Tag&#8216; ist Sonnenschein,<br \/>\nDer Wechsel nur erh\u00e4lt das Leben.<\/p>\n<p><strong>(190) Trost<\/strong><br \/>\nKommt das Ungl\u00fcck \u00fcber Nacht,<br \/>\nKann der Morgen Gl\u00fcck auch bringen.<br \/>\nSuche mutig nur zu ringen,<br \/>\nKommt das Ungl\u00fcck \u00fcber Nacht.<br \/>\nDas Geschick wirst du bezwingen,<br \/>\nHast du reichlich \u00fcberdacht,<br \/>\nDass, kommt Ungl\u00fcck \u00fcber Nacht,<br \/>\nGl\u00fcck der Morgen dir kann bringen.<\/p>\n<p><strong>(191) Zuruf<\/strong><br \/>\nO Freund! Verlassen bist du nicht,<br \/>\nWenn du nicht selber dich verlassen.<br \/>\nWenn an die Nacht des Schicksals bricht,<br \/>\nO Freund! verlassen bist du nicht.<br \/>\nFest muss der Feind dein Auge fassen,<br \/>\nUnd Manneskraft ist Mannespflicht.<br \/>\nO Freund! Verlassen bist du nicht,<br \/>\nWenn du nicht selber dich verlassen.<\/p>\n<p><strong>(192) Vertrauen<\/strong><br \/>\nKein Schicksalslos ist allzuschwer,<br \/>\nGott schickt nicht mehr, als zu ertragen.<br \/>\nDas ist dem Siege die Gew\u00e4hr,<br \/>\nKein Schicksalslos ist allzuschwer.<br \/>\nKannst du nur stets in Wahrheit sagen:<br \/>\nNicht eig&#8217;ne Schuld hat mich geschlagten,<br \/>\nDann ist kein Schicksalslos zu schwer,<br \/>\nGott schickt nicht mehr, als zu ertragen.<\/p>\n<p><strong>(193) An X.<\/strong><br \/>\nNenn immerhin mein Dichten Spielerei,<br \/>\nIn leichten Formen leichte Waren!<br \/>\nNie wirst du meinen Zorn gewahren,<br \/>\nNennst immer du mein Dichten Spielerei.<br \/>\nScherz macht dem Ernst zur Tat die Bahnen frei,<br \/>\nUnd T\u00e4uschung f\u00fchret oft zum Wahren.<br \/>\nDrum nennen du mein Dichten Spielerei,<br \/>\nIn leichten Formen leichte Waren.<\/p>\n<p><strong>(194) Bemerkung<\/strong><br \/>\nEin Gl\u00e4schen Wein kann uns erheitern,<br \/>\nDoch viele machen wirr im Kopf.<br \/>\nEs leugnet nur ein m\u00fcrr&#8217;scher Tropf,<br \/>\nDass kann ein Gl\u00e4schen Wein erheitern.<br \/>\nDoch will der Sinne Schiff dir scheitern,<br \/>\nEntschlage dann dich alles Weitern.<br \/>\nEin Gl\u00e4schen Wein kann uns erheitern,<br \/>\nDoch viele machen wirr im Kopf.<\/p>\n<p><strong>(195) Mahnung<\/strong><br \/>\nMerkt es euch, ihr muntern Zecher,<br \/>\nM\u00e4\u00dfigkeit gew\u00e4hrt Genuss.<br \/>\nSitzt ihr bei dem vollen Becher,<br \/>\nMerkt euch das, ihr muntern Zecher!<br \/>\nDrum, dass euch nicht \u00dcberdruss<br \/>\nEure Freuden mache schw\u00e4cher,<br \/>\nMerkt es euch, ihr muntern Zecher,<br \/>\nM\u00e4\u00dfigkeit gew\u00e4hrt Genuss.<\/p>\n<p><strong>(196) Selbstbekenntnis<\/strong><br \/>\nWer st\u00f6rrig folgt nur seinem Sinn,<br \/>\nWird ab gar oft vom Ziele irren.<br \/>\nDie T\u00e4uschung nehme jeder hin,<br \/>\nWer st\u00f6rrig folgt nur seinem Sinn.<br \/>\nIch selber bin nicht leicht zu kirren,<br \/>\nWeswegen \u00fcberzeugt ich bin,<br \/>\nWer st\u00f6rrig folgt nur seinem Sinn,<br \/>\nWird ab gar oft vom Ziele irren.<\/p>\n<p><strong>(197) Ungerechtigkeit<\/strong><br \/>\nWenn ich tief ins Gl\u00e4schen schaue,<br \/>\nDa verdammen mich gleich alle.<br \/>\nWahr ist, dass da bald ich lalle,<br \/>\nWenn ich tief ins Gl\u00e4schen schaue.<br \/>\nW\u00fcsstet ihr, was ich erbaue<br \/>\nMir f\u00fcr eine Gl\u00fcckeshalle,<br \/>\nW\u00fcrdet, wenn ins Glas ich schaue,<br \/>\nIhr mich nicht verdammen alle.<\/p>\n<p><strong>(198) Aufforderung<\/strong><br \/>\nWer nie noch einen dummen Streich gemacht,<br \/>\nDer schleudre nur auf mich die ersten Steine,<br \/>\nDa ich aus tiefster Seele den beweine,<br \/>\nDer nie noch einen dummen Streich gemacht.<br \/>\nDa keine Hand sich findet, wahrlich keine,<br \/>\nWird k\u00fchn von mir die Fordrung vorgebracht:<br \/>\nWer nie noch einen dummen Streich gemacht,<br \/>\nDer schleudre nur auf mich die ersten Steine.<\/p>\n<p><strong>(199) Klugheit<\/strong><br \/>\nNicht alles, was ich wei\u00df,<br \/>\nWill ich darum auch wissen.<br \/>\nIch wei\u00df gar oft mit Flei\u00df<br \/>\nNicht alles, was ich wei\u00df.<br \/>\nDer Kluge ist beflissen,<br \/>\nZu sagen &#8211; seis mit Schwei\u00df &#8211;<br \/>\nNicht alles, was ich wei\u00df,<br \/>\nWill ich darum auch wissen.<\/p>\n<p><strong>(200) Pr\u00fcfung<\/strong><br \/>\nWas heute s\u00fc\u00df erscheint,<br \/>\nKann morgen nicht behagen.<br \/>\nDrum dem sich schnell vereint,<br \/>\nWas heute s\u00fc\u00df erscheint.<br \/>\nKannst du den Wunsch erjagen,<br \/>\nDann brauchst du nicht zu klagen:<br \/>\nWas heute s\u00fc\u00df erscheint,<br \/>\nKann morgen nicht behagen.<\/p>\n<p><strong>(201) Rat<\/strong><br \/>\nReicht man dir der Lust Pokal,<br \/>\nSchl\u00fcrfe du ihn bis zur Neige.<br \/>\nZaudre lange nicht mit Wahl,<br \/>\nReicht man dir der Lust Pokal.<br \/>\nWei\u00dft du, dass das Gl\u00fccksrad steige,<br \/>\nDass es f\u00e4llt, ein Blitzesstrahl?<br \/>\nReicht man dir der Lust Pokal,<br \/>\nSchl\u00fcrfe du ihn bis zur Neige.<\/p>\n<p><strong>(202) H\u00e4sslicher Anblick<\/strong><br \/>\nWem mit Erz das Herz umgittert,<br \/>\nDass ihm das Gef\u00fchl erstarb,<br \/>\nDer erbebt nicht, wenn es wittert.<br \/>\nWem mit Erz das Herz umgittert,<br \/>\nRuhe wohl sich, der erwarb.<br \/>\nSchaudernd doch mein Herz erzittert,<br \/>\nSeh&#8216; ich, wem das Herz umgittert,<br \/>\nDass ihm das Gef\u00fchl erstarb.<\/p>\n<p><strong>(203) Hoffnungslosigkeit<\/strong><br \/>\nM\u00f6gen Fr\u00fchlingsl\u00fcftchen f\u00e4cheln,<br \/>\nMich erquicken sie nicht mehr.<br \/>\nAb mir locken sie kein L\u00e4cheln,<br \/>\nM\u00f6gen Fr\u00fchlingsl\u00fcfte f\u00e4cheln.<br \/>\nWeh mir! Dass ich hoffnungsleer,<br \/>\nDass ich seufze kummerschwer:<br \/>\nM\u00f6gen Fr\u00fchlingsl\u00fcftchen f\u00e4cheln,<br \/>\nMich erquicken sie nicht mehr.<\/p>\n<p><strong>(204) Sonst und jetzt<\/strong><br \/>\nNur das Heute, nicht das Morgen<br \/>\nNahm in Anspruch sonst mein Herz.<br \/>\nMir erf\u00fcllt die Brust mit Scherz<br \/>\nNur das Heute, nicht das Morgen.<br \/>\nO wie war ich wohl geborgen,<br \/>\nDa vor Zeiten, ohne Sorgen,<br \/>\nNur das Heute, nicht das Morgen<br \/>\nMir in Anspruch nahm das Herz.<\/p>\n<p><strong>(205) Vergeblicher Rat<\/strong><br \/>\nLass, was ich bedr\u00fccket, fahren!<br \/>\nAch! Das ist so leicht gesagt.<br \/>\nWer vermag stets zu bewahren:<br \/>\nLass, was dich berdr\u00fccket, fahren!<br \/>\nSchmerzlich hab&#8216; ich oft geklagt,<br \/>\nRieten mir, die unerfahren:<br \/>\nLass, was dich bedr\u00fccket, fahren!<br \/>\nAch! Das ist so leicht gesagt.<\/p>\n<p><strong>(206) Semper idem<\/strong><br \/>\nHeute so und morgen so!<br \/>\nGelten mag das wohl f\u00fcr Andre.<br \/>\nMir nicht gilt, wohin ich wandre:<br \/>\nHeute so und morgen so.<br \/>\nFestigkeit nur macht mich froh.<br \/>\nImmer sag&#8216; ich drum: Ho! Ho!<br \/>\nHeute so und morgen so!<br \/>\nGelten mag das wohl f\u00fcr andre.<\/p>\n<p><strong>(207) Labe<\/strong><br \/>\nWenn mir ein Schmerz die Brust beengt,<br \/>\nSo bin ich doch nicht ganz verlassen.<br \/>\nKann ich nur einen Anker fassen,<br \/>\nWenn mir ein Schmerz die Brust beengt.<br \/>\nSo lang ein Lied empor sich dr\u00e4ngt,<br \/>\nDas Trost und Balsam mir noch schenkt,<br \/>\nWenn mir ein Schmerz die Brust beengt,<br \/>\nSo bin ich g\u00e4nzlich nicht verlassen.<\/p>\n<p><strong>(208) Sicherer Port<\/strong><br \/>\nLass das Wetter st\u00fcrmen,<br \/>\nWie es immer will.<br \/>\nMag die Flut sich t\u00fcrmen,<br \/>\nLass das Wetter st\u00fcrmen.<br \/>\nIst&#8217;s im Herzen still,<br \/>\nWird dein Gl\u00fcck sich schirmen,<br \/>\nMag das Wetter st\u00fcrmen,<br \/>\nWie es immer will.<\/p>\n<p><strong>(209) Erkl\u00e4rung<\/strong><br \/>\nIch bettle wohl um einen Kuss,<br \/>\nDoch will er nicht gen\u00fcgen.<br \/>\nAuch das ist mir Vergn\u00fcgen,<br \/>\nZu betteln nur um einen Kuss.<br \/>\nWeil allzu selig der Genuss,<br \/>\nMuss Kuss an Kuss sich f\u00fcgen.<br \/>\nDrum, bettl&#8216; ich nur um einen Kuss,<br \/>\nSo kann er nicht gen\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>(210) Grund<\/strong><br \/>\nEntst\u00f6psle mir noch eine Flasche!<br \/>\nDann aber schlie\u00dfen wir&#8217;s f\u00fcr heut.<br \/>\nAuf Kellner! Mir ist&#8217;s Herz erfreut,<br \/>\nEntst\u00f6psle mir noch eine Flasche.<br \/>\nJe mehr ich von dem Nektar nasche,<br \/>\nSo lauter ruf&#8216; ich allezeit:<br \/>\nEntst\u00f6psle mir noch eine Flasche,<br \/>\nDann aber schlie\u00dfen wir&#8217;s f\u00fcr heut!<\/p>\n<p><strong>(211) Schuld<\/strong><br \/>\nSo hat&#8217;s die Liebe nur getan,<br \/>\nWenn ich recht dumme Streiche mache,<br \/>\nEs hei\u00dft bei jeder schiefen Sache:<br \/>\nEs hat&#8217;s die Liebe nur getan.<br \/>\nJetzt, da mir Greisenjahre nahn,<br \/>\nMuss h\u00f6ren ich auch noch die Sprache,<br \/>\nEs hat&#8217;s die Liebe nur getan,<br \/>\nWenn ich recht dumme Streiche mache.<\/p>\n<p><strong>(212) Prophezeiung<\/strong><br \/>\nO gib mir doch nur einen Kuss!<br \/>\nDu wirst es wahrlich nicht bereuen.<br \/>\nLass lang nicht betteln deinen Treuen:<br \/>\nO gib mir doch nur einen Kuss!<br \/>\nIch bin gewiss, dass bald dann muss<br \/>\nDein eigner Mund den Wunsch erneuen:<br \/>\nO gib mir doch nur einen Kuss!<br \/>\nDu wirst es wahrlich nicht bereuen.<\/p>\n<p><strong>(213) Klage<\/strong><br \/>\nDass ich von Kuss und Becher singe,<br \/>\nIst wahrlich jetzt nur Spielerei.<br \/>\nEs ist der Anlass l\u00e4ngst vorbei,<br \/>\nDass ich von Kuss und Becher singe.<br \/>\nErinnerung zaubert vor mir Dinge,<br \/>\nDie mich erg\u00f6tzt, so wahr und treu,<br \/>\nDass ich von Kuss und Becher singe,<br \/>\nWenn&#8217;s jetzt auch nichts als Spielerei.<\/p>\n<p><strong>(214) Mahnung<\/strong><br \/>\nO w\u00fcsstet ihr, wie&#8217;s mir ums Herz,<br \/>\nIhr w\u00fcrdet wahrlich mich bedauern.<br \/>\nIhr schontet mich mit eurem Scherz,<br \/>\nO w\u00fcsstet ihr, wie&#8217;s mir ums Herz.<br \/>\nWas euch erfreut, f\u00fcllt mich mit Schmerz,<br \/>\nDa Eifersucht mich will umaluern,<br \/>\nO w\u00fcsstet ihr, wie&#8217;s mir ums Herz,<br \/>\nIhr w\u00fcrdet wahrlich mich bedauern.<\/p>\n<p><strong>(215) Immer gleich<\/strong><br \/>\nWie ich mich immer stellen mag,<br \/>\nIch schie\u00dfe stets daneben.<br \/>\nMir bleibt voll steten Gl\u00fccks kein Tag,<br \/>\nWie ich mich immer stellen mag.<br \/>\nJe mehr ich an will streben,<br \/>\nDes Gl\u00fcckes Schatz zu heben,<br \/>\nSo mehr, wie ich mich stellen mag,<br \/>\nSchie\u00df sicher ich daneben.<\/p>\n<p><strong>(216) Gl\u00fccklicher Fund<\/strong><br \/>\nWenn sich verwandte Herzen finden,<br \/>\ndann str\u00f6mt des HImmels Segen aus.<br \/>\nEin bleibend Gl\u00fcck bewohnt das Haus,<br \/>\nWenn sich verwandte Herzen finden.<br \/>\nEins sucht das Andre loszubinden<br \/>\nVom Weh, das bringt des Sturms Gebraus;<br \/>\nWenn sich verwandte Herzen finden,<br \/>\nDann str\u00f6mt des Himmels Segen aus.<\/p>\n<p><strong>(217) Heilmittel<\/strong><br \/>\nEin L\u00e4cheln von der Liebsten Mund<br \/>\nKann alle Schmerzen heilen.<br \/>\nEs kann die Wolken teilen<br \/>\nEin L\u00e4cheln von der Liebsten Mund.<br \/>\nUnd sei das Herz auch noch so wund,<br \/>\nDurchbohrt von Schicksals-Pfeilen,<br \/>\nEin L\u00e4cheln von der Liebsten Mund<br \/>\nKann alls Schmerzen heilen.<\/p>\n<p><strong>(218) Frage<\/strong><br \/>\nVermag dein L\u00e4cheln mich zu heilen,<br \/>\nWarum denn l\u00e4chelst du mir nicht?<br \/>\nEs ist f\u00fcrwahr dir heil&#8217;ge Pflicht,<br \/>\nVermag dein L\u00e4cheln mich zu heilen.<br \/>\nDie H\u00fclfe suche zu beeilen,<br \/>\nBevor mein Mund dir z\u00fcrnend spricht:<br \/>\n\u201eVermag dein L\u00e4cheln mich zu heilen,<br \/>\nWarum denn l\u00e4chelst du mir nicht?\u201c<\/p>\n<p><strong>(219) Entbehrliches<\/strong><br \/>\nItzt brauchen wir nicht steifen Ball<br \/>\nUnd kunstgezierte B\u00fchnen.<br \/>\nEs ist der Lenz erschienen,<br \/>\nDrum brauchen wir nicht steifen Ball.<br \/>\nEin Jubeltanz erf\u00fcllt das All,<br \/>\nLust spricht aus allen Mienen;<br \/>\nDrum brauchen wir nicht steifen Ball<br \/>\nUnd kunstgezierte B\u00fchnen.<\/p>\n<p><strong>(220) Ersatz<\/strong><br \/>\nDer Mai ist wiederum gekommen,<br \/>\nUnd er ersetzt, was ich verlor.<br \/>\nDrum sing&#8216; ich mit der Br\u00fcder Chor:<br \/>\nDer Mai ist wiederum gekommen.<br \/>\nWas Sommer. Winter, Herbst genommen,<br \/>\nReicht schoner, als es war zuvor,<br \/>\nDer Mai, der wiederum gekommen,<br \/>\nDer mir ersetzt, was ich verlor.<\/p>\n<p><strong>(221) Unm\u00f6gliches<\/strong><br \/>\nDass ich dem Lenz nicht Lieder singe,<br \/>\nDas wird mir wohl unm\u00f6glich sein.<br \/>\nMich zwinget nur der Totenschrein,<br \/>\nDass ich dem Lenz nicht Lieder singe.<br \/>\nEr st\u00e4rket neu des Geistes Schwinge,<br \/>\nVerlornes macht Erinnrung mein;<br \/>\nDrum, dass dem Lenz kein Lied ich singe,<br \/>\nDas wird mir wohl unm\u00f6glich sein.<\/p>\n<p><strong>(222) Antwort<\/strong><br \/>\nWer kalt ist bei des Lenzes Spenden,<br \/>\nVerdient der Lob, verdient der Neid?<br \/>\nDem bin zum Mitleid ich bereit,<br \/>\nWer kalt ist bei des Lenzes Spenden.<br \/>\nWie man nur mag die Frage wenden,<br \/>\nDen dr\u00fcckt gewiss ein riesig Leid,<br \/>\nWer kalt ist bei des Lenzes Spenden;<br \/>\nDrum ihm kein Lob, drum ihm nicht Neid.<\/p>\n<p><strong>(223) Grund<\/strong><br \/>\nKann nicht mein Lied mit eurem t\u00e4nen,<br \/>\nSo g\u00f6nn&#8216; ich euch doch eure Lust.<br \/>\nF\u00fcllt herbes Wehe meine Brust,<br \/>\nKann nicht mein Lied mit eurem t\u00f6nen.<br \/>\nMag Gott das Leben euch versch\u00f6nen,<br \/>\nZum Trost mir bin ich mir bewusst,<br \/>\nKann nicht mein Lied mit eurem t\u00f6nen,<br \/>\nSo g\u00f6nn&#8216; ich euch doch eure Lust.<\/p>\n<p><strong>(224) Unergr\u00fcndlich<\/strong><br \/>\nMit Dichtern ist nicht wohl zu rechten;<br \/>\nEin jeder singt, was ihm gef\u00e4llt.<br \/>\nUnd da ihm freisteht alle Welt,<br \/>\nSo ist mit Dichtern nicht zu rechten.<br \/>\nEr will sein Kr\u00e4nzchen gerne flechten,<br \/>\nWenns auch nur eine Brust erhellt.<br \/>\nDrum ist mit Dichtern nicht zu rechten,<br \/>\nDa jeder singt, was ihm gef\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>(225) Unersch\u00f6pfliche Wonne<\/strong><br \/>\nAllj\u00e4hrlich kehrt der Fr\u00fchling wieder,<br \/>\nUnd immer ist er neu und hold.<br \/>\nEr, der unz\u00e4hl&#8217;ge Wonnen zollt,<br \/>\nAllj\u00e4hrlich kehrt der Fr\u00fchling wieder.<br \/>\nSch\u00f6n bleiben seiner Lerchen Lieder,<br \/>\nWarm strahlet seiner Sonne Gold.<br \/>\nKehrt auch der Lenz allj\u00e4hrlich wieder,<br \/>\nEr bleibet immer neu und hold.<\/p>\n<p><strong>(226) Trostlosigkeit<\/strong><br \/>\nWen nicht der Lenz erquicken kann,<br \/>\nF\u00fcr den nicht kenn&#8216; ich Arzeneien.<br \/>\nWie soll auch dem noch Gl\u00fcck gedeihen,<br \/>\nWen nicht der Lenz erquicken kann?<br \/>\nDen h\u00e4lt ein b\u00f6ser Zauberbann,<br \/>\nDen nicht der Zaubrer Lenz kann feien.<br \/>\nWen nicht der Lenz erquicken kann,<br \/>\nF\u00fcr den nicht kenn&#8216; ich Arzeneien.<\/p>\n<p><strong>(227) Du und Ich<\/strong><br \/>\nWas dir gef\u00e4llt, was dir behagt,<br \/>\nBraucht nicht gerad&#8216; auch mir zu munden.<br \/>\nOft hat mit Unlust mich umwunden<br \/>\nWas dir gef\u00e4llt, was dir behagt.<br \/>\nWenn&#8217;s bei den Antipoden tagt,<br \/>\nIst uns der Sonne LIcht verschwunden.<br \/>\nWas dir gef\u00e4llt, was dir behagt,<br \/>\nBraucht nicht gerad auch mir zu munden.<\/p>\n<p><strong>(228) Kunst<\/strong><br \/>\nWer&#8217;s verstehet, kalt zu bleiben,<br \/>\nNahet seinem Ziele leicht.<br \/>\nSicher hat den Wunsch erreicht,<br \/>\nWer&#8217;s verstehet, kalt zu bleiben.<br \/>\nAch! Ich kann es so nicht treiben,<br \/>\nWelcher dem die Segel streicht,<br \/>\nDer&#8217;s verstehet, kalt zu bleiben,<br \/>\nDass er naht dem Ziele leicht.<\/p>\n<p><strong>(229) Sonderbar<\/strong><br \/>\nVon namenlosem Sehnen<br \/>\nSchwillt oft mir an die Brust.<br \/>\nIns Auge treten Tr\u00e4nen<br \/>\nVon namenlosem Sehnen;<br \/>\nUnd selbst beim Fest der Lust,<br \/>\nWo and&#8217;re froh mich w\u00e4hnen,<br \/>\nVon namenlosem Sehnen<br \/>\nSchwillt oft mir an die Brust.<\/p>\n<p><strong>An Dr. J. B. Go\u00dfmann<\/strong><\/p>\n<p><strong>(230)<\/strong> Die Liederkunst schenkt reiche Bl\u00fcte,<br \/>\nDie jedem Nordsturm trotzen kann.<br \/>\nO wohl dem menschlichen Gem\u00fcte,<br \/>\nDem schenkt die Dichtkunst reiche Bl\u00fcte.<br \/>\nEin Lenz umf\u00e4chelt deinen Kahn,<br \/>\nDer froh durchmisst des Lebens Bahn,<br \/>\nDa dir die Dichtkunst spendet Bl\u00fcte,<br \/>\nDie jedem Nordsturm trotzen kann.<\/p>\n<p><strong>(231)<\/strong> Wenn auch den Himmel Wolken schw\u00e4rzen,<br \/>\nDer Stern der Dichtkunst h\u00fcllt sich nicht.<br \/>\nEr bleibt ein s\u00fc\u00dfer Trost dem Herzen,<br \/>\nWenn auch den Himmel Wolken schw\u00e4rzen.<br \/>\nWas immer ein auf uns auch bricht,<br \/>\nWas h\u00f6hnend die Gemeinschaft spricht,<br \/>\nWenn auch den Himmel Wolken schw\u00e4rzen.<br \/>\nDer Stern der Dichtkunst h\u00fcllt sich nicht.<\/p>\n<p><strong>(232)<\/strong> Die Freundschaft, Liederkunst der Liebe<br \/>\nBeschirmen treu des Herzens Gl\u00fcck.<br \/>\nNie wankte in der Welt Getriebe<br \/>\nDie Freundschaft, Liederkunst und Liebe.<br \/>\nDrum hebst du stets auch froh den Blick,<br \/>\nWenn manchmal auch die Wolken tr\u00fcbe.<br \/>\nDa Freundschaft, Liederkunst und LIebesklage<br \/>\nDir schirmen treu des Herzens Gl\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>(233)<\/strong> Bis deines Lebens Flamme sinket,<br \/>\nSei dir dies Kleeblatt treu und hold,<br \/>\nDass reines Gl\u00fcck dir immer winket,<br \/>\nBis deines Lebens Flamme sinket.<br \/>\nDen Toren g\u00f6nne du ihr Gold,<br \/>\nDa Sch\u00f6nres, als dem Kr\u00f6sus blinket,<br \/>\nBleibt bis des Lebens Flamme sinket,<br \/>\nIst dir dies Kleeblatt treu und hold.<\/p>\n<p><strong>(234) Bitte<\/strong><br \/>\nIch g\u00f6nne jedermann sein Gl\u00fcck;<br \/>\nLasst mich das meine still genie\u00dfen!<br \/>\nWie mir auch hin die Tage flie\u00dfen,<br \/>\nIch g\u00f6nne jedermann sein Gl\u00fcck.<br \/>\nWas floh, kehrt nimmer mehr zur\u00fcck:<br \/>\nDrum jedem Heil, dem Freuden sprie\u00dfen!<br \/>\nIch g\u00f6nne jedermann sein Gl\u00fcck;<br \/>\nLasst mich das meine still genie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>(235) Seligkeit<\/strong><br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich trocknen alle Tr\u00e4nen,<br \/>\nO wie f\u00fchlt&#8216; ich mich begl\u00fcckt!<br \/>\nJa! zum Gott w\u00e4r&#8216; ich entz\u00fcckt,<br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich trocknen alle Tr\u00e4nen.<br \/>\nIch verg\u00e4\u00dfe all mein Sehnen,<br \/>\nAlles, was mich schmerzlich dr\u00fcckt,<br \/>\nK\u00f6nnt&#8216; ich trocknen alle Tr\u00e4nen,<br \/>\nO wie f\u00fchlt&#8216; ich mich begl\u00fcckt!<\/p>\n<p><strong>(236) M\u00e4nnerpflicht<\/strong><br \/>\nNie zu wanken in der Treue,<br \/>\nDas ist eines Mannes Pflicht.<br \/>\nNiemals brachte noch es Reue,<br \/>\nNie zu wanken in der Treue.<br \/>\nHeil! Wenn jede Handlung spricht,<br \/>\nWenn herein auch Ungl\u00fcck bricht:<br \/>\nNie zu wanken in der Treue,<br \/>\nDas ist eines Mannes Pflicht.<\/p>\n<p><strong>(237) Gl\u00fcckliches Los<\/strong><br \/>\nMit heiterm Sinn durchs Leben wallen,<br \/>\nIst mehr als Kaiserkronen wert.<br \/>\nEs hat mir Gottes Huld beschert,<br \/>\nMit heitrem Sinn durchs Leben wallen.<br \/>\nWas immer mir f\u00fcr Lose fallen,<br \/>\nIch trage sie, bleibt unversehrt,<br \/>\nMit heitrem Sinn durchs Leben wallen.<br \/>\nDas ist viel mehr als Kronen wert.<\/p>\n<p><strong>(238) Hoffnung<\/strong><br \/>\nWer noch vermag auf Gl\u00fcck zu hoffen,<br \/>\nDem ist nicht aller Trost geraubt;<br \/>\nWeil der an bess&#8217;res Los noch glaubt,<br \/>\nWer noch vermag auf Gl\u00fcck zu hoffen.<br \/>\nUnd steht das dunkle Grab auch offen,<br \/>\nDas von Zypressen ist umlaubt,<br \/>\nWer noch vermag auf Gl\u00fcck zu hoffen,<br \/>\nDem ist nicht aller Trost geraubt.<\/p>\n<p><strong>(239) In der Neujahrsnacht<\/strong><br \/>\nWieder ist ein Jahr entschwunden;<br \/>\nBringt ein neues Bessres mir?<br \/>\nSind geheilt des Herzens Wunden,<br \/>\nWenn das neue Jahr entschwunden?<br \/>\nAch! So lang wir wandeln hier,<br \/>\nSeufzen an dem Jahrschluss wir:<br \/>\nWieder ist ein Jahr entschwunden?<br \/>\nBringt ein neues Bessres mir?<\/p>\n<p><strong>(240) Bitte<\/strong><br \/>\nOhne viel Bedenken<br \/>\nEilt&#8216; ich mutig fort;<br \/>\nUnd ich kam zum Port<br \/>\nOhne viel Bedenken.<br \/>\nGott mag Gnade schenken,<br \/>\nDass nicht schmerzt das Wort:<br \/>\nOhne viel Bedenken<br \/>\nEilt&#8216; ich mutig fort.<\/p>\n<p><strong>(241) Seliger Tod<\/strong><br \/>\nDie d\u00fcftereiche Rose<br \/>\nStirbt gern an deiner Brust.<br \/>\nWas f\u00fchlt f\u00fcr sel&#8217;ge Lust<br \/>\nDie d\u00fcftereiche Rose!<br \/>\nIch neide ihre Lose,<br \/>\nUnd seufze selbst bewusst:<br \/>\nDie d\u00fcftereiche Rose<br \/>\nStirbt gern an deiner Brust.<\/p>\n<p><strong>(242) Aufforderung<\/strong><br \/>\nLeert die Becher bis zur Neige,<br \/>\nSonst verfliegt der w\u00fcrz&#8217;ge Duft.<br \/>\nWo ein fr\u00f6hlich Mahl sich zeige,<br \/>\nLeert die Becher bis zur Neige!<br \/>\nJeder, eh er in die Gruft,<br \/>\nWo nicht Freude wohne, steige,<br \/>\nLeer&#8216; die Becher bis zur Neige,<br \/>\nSonst verfliegt der w\u00fcrz&#8217;ge Duft.<\/p>\n<p><strong>(243) Z\u00f6gre nicht<\/strong><br \/>\nWenn ein Freudenbl\u00fcmchen bl\u00fcht,<br \/>\nEil&#8216; es dir zu pfl\u00fccken!<br \/>\nSchl\u00fcrfe das Entz\u00fccken,<br \/>\nWenn ein Freudenbl\u00fcmchen bl\u00fcht.<br \/>\nWahr&#8216; es treulich im Gem\u00fct,<br \/>\nDann kann&#8217;s nichts entr\u00fccken.<br \/>\nWenn ein Freudenbl\u00fcmchen bl\u00fcht,<br \/>\nEil&#8216; es dir zu pfl\u00fccken.<\/p>\n<p><strong>(244) Letzter Trost<\/strong><br \/>\nDie Hoffnung auf das Jenseits st\u00e4rket,<br \/>\nSie ist das Einzige, was bleibt.<br \/>\nWenn Sturm des Lebens Nachen treibt,<br \/>\nDie Hoffnung auf das Jenseits st\u00e4rket.<br \/>\nUnd naht das Alter unvermerket,<br \/>\nDas mich in Asche leicht zerst\u00e4ubt,<br \/>\nDie Hoffnung auf das Jenseits st\u00e4rket,<br \/>\nSie ist das Einzige, was bleibt.<\/p>\n<p><strong>(245) Lenzlust<\/strong><br \/>\nDie Lerche schwingt sich k\u00fchn empor<br \/>\nMit lauten Jubelkl\u00e4ngen.<br \/>\nEs wogt vor Lustges\u00e4ngen,<br \/>\nSchwingt sich die Lerche k\u00fchn empor.<br \/>\nIch mische mich auch in den Chor,<br \/>\nDa die Gef\u00fchle dr\u00e4ngen,<br \/>\nSchwingt sich die Lerche k\u00fchn empor,<br \/>\nMit lauten Jubelkl\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>(246) R\u00e4tsel<\/strong><br \/>\nMan kann oft selbst nicht sagen,<br \/>\nWas uns das Herz bewegt.<br \/>\nWarum es bange schl\u00e4gt,<br \/>\nKann man oft selbst nicht sagen.<br \/>\nMan f\u00fchlt es rascher schlagen,<br \/>\nWie in den Jugendtagen,<br \/>\nDoch kann man selbst nicht sagen,<br \/>\nWas uns das Herz bewegt.<\/p>\n<p><strong>(247) Der Freudentempel<\/strong><br \/>\nWo auch nur zwei beisammen sitzen,<br \/>\nKann schon ein Freudentempel sein.<br \/>\nEs spr\u00fcht von Scherzen und von Witzen,<br \/>\nWo auch nur zwei zusammensitzen.<br \/>\nDoch f\u00fchrt das Paar Gott Eros ein,<br \/>\nDann sieht man sel&#8217;ge Augen blitzen.<br \/>\nWo auch nur zwei zusammensitzen,<br \/>\nKann schon ein Freudentempel sein.<\/p>\n<p><strong>(248) Weihe<\/strong><br \/>\nDas erste Bl\u00fcmchen, das erbl\u00fcht,<br \/>\nWill ich der Liebsten schicken.<br \/>\nEs labt gar freundlich das Gem\u00fct<br \/>\nDas erste Bl\u00fcmchen, das erbl\u00fcht.<br \/>\nAls mir&#8217;s gegl\u00fcckt, sie zu erblicken,<br \/>\nWar mir des Gl\u00fcckes Stern ergl\u00fcht.<br \/>\nDas erste Bl\u00fcmchen, das erbl\u00fcht,<br \/>\nWill ich der Liebsten schicken.<\/p>\n<p><strong>(249) Kein Neid<\/strong><br \/>\nWenn Einem Freudenrosen bl\u00fch&#8217;n,<br \/>\nSo will ich ihn nicht neiden.<br \/>\nEr pfl\u00fccke sie sich schnell und k\u00fchn,<br \/>\nWenn Einem Freudenrosen bl\u00fch&#8217;n.<br \/>\nDa bald sie wieder scheiden,<br \/>\nUnd sucht er sie, ihn meiden;<br \/>\nWenn Einem Freudenrosen bl\u00fch&#8217;n,<br \/>\nSo will ich ihn nicht neiden.<\/p>\n<p><strong>Die Rose<\/strong><\/p>\n<p><strong>(250)<\/strong> Als ich die Rose mir gebrochen,<br \/>\nDa welkt&#8216; sie bald in meiner Hand.<br \/>\nGar tief hat mich der Dorn gestochen,<br \/>\nals ich die Rose mir gebrochen.<br \/>\nO h\u00e4tt&#8216; ich schon den Schmerz gekannt,<br \/>\nDer durch die Seele mir gebrannt,<br \/>\nDie Rose h\u00e4tt&#8216; ich nicht gebrochen,<br \/>\nSie welkte nicht in meiner Hand.<\/p>\n<p><strong>(251)<\/strong> Mich fasst&#8216; ein tiefes, inn&#8217;ges Sehnen,<br \/>\nAls ich das R\u00f6schen bl\u00fchen sah.<br \/>\nUnd liegt&#8217;s vor mir entbl\u00e4ttert da,<br \/>\nFasst mich ein tiefes, inn&#8217;ges Sehnen.<br \/>\nUnd selber m\u00f6cht ich itzt noch w\u00e4hnen,<br \/>\nDass ich bereit zum Pfl\u00fccken, ja!<br \/>\nFasst&#8216; wieder mich so inn&#8217;ges Sehnen,<br \/>\nAls wie ich&#8217;s R\u00f6schen bl\u00fchen sah.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab (26) aus: Keller, Georg Joseph: Dichtungen. Selbstverlag, W\u00fcrzburg 1850. (online) (1) Verj\u00fcngung Wenn ich von altem Weine trinke, So werd&#8216; ich pl\u00f6tzlich wieder jung. Sei&#8217;s, dass mein N\u00e4schen rosig blinke, Wenn ich von altem Weine trinke. Den Geist befl\u00fcgelt neuer Schwung, Das Herz erf\u00fcllt Beseligung. Wenn ich von altem Weine trinke, So werd&#8216; ich&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9301\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Georg Joseph Keller<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":9226,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-9301","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9301","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9301"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9301\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9408,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9301\/revisions\/9408"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}