{"id":9315,"date":"2019-08-06T07:04:21","date_gmt":"2019-08-06T06:04:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9315"},"modified":"2020-07-28T00:16:37","modified_gmt":"2020-07-27T23:16:37","slug":"g-a-von-halem-der-guertel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9315","title":{"rendered":"G. A. von Halem: Der G\u00fcrtel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gerhard Anton von Halem<\/strong>: Poesie und Prose, Hoffmann, Hamburg 1789, S. 302 ff.<\/p>\n<p><strong>Der G\u00fcrtel<\/strong><\/p>\n<p>Selima liebte den Selmar. Es liebte Selmar die Hirtin.<br \/>\nGl\u00fccklich f\u00fchlten sie sich: doch dass sie Liebe begl\u00fcckte,<br \/>\nWussten die Sch\u00fcchternen nicht und nicht die Sch\u00e4fer der Fluren.<br \/>\nAmor befl\u00fcgelte jetzt die Stunde der s\u00fc\u00dfen Erkenntnis.<br \/>\nSelima war das Wunder der Flur. Die J\u00fcnglinge buhlten<br \/>\nWechselnd um Selimas Gunst. Beneidet wurde der Hirte,<br \/>\nWelchen der Hirtin verweilender Blick vor andern begl\u00fcckte.<br \/>\nThyrsis und Seladon traf vor allen der Neid. Die Get\u00e4uschten<br \/>\nWagten, des Blickes froh, mit Zittern der Liebe Gest\u00e4ndnis.<br \/>\nSelima schwieg err\u00f6tend, und wich: ihr flossen die Tr\u00e4nen.<br \/>\nAber es drang der Vater in sie, dass sie einen der Hirten<br \/>\nW\u00e4hle. Schon nahte der Tag, den zur Wahl die Sch\u00f6ne bestimmte.<br \/>\nDoch es hatt&#8216; ihr Herz nicht gew\u00e4hlt. Mit gesenktem Haupte<br \/>\nGing sie fr\u00fch auf die Flur, und gr\u00fc\u00dfte die steigende Sonne,<br \/>\nGr\u00fc\u00dfte mit Tr\u00e4nen sie heut&#8216;. &#8222;O Sonne!&#8220;, seufzte die Arme,<br \/>\n&#8222;F\u00fchre mir Selmarn zu!&#8220; Sie dacht&#8217;s; und nah war der Hirte.<br \/>\n&#8222;Selima!&#8220;, sprach der freundliche Hirt, &#8222;was bebest du? Rede!<br \/>\nNimmer bebtest du so! Nie wechselte Bl\u00e4sse mit R\u00f6te<br \/>\nSo auf deinem Gesicht.&#8220; &#8222;Dir beb&#8216; ich&#8220;, red&#8217;te die Sch\u00f6ne.<br \/>\nRaten solltest du mir, und dennoch scheu&#8216; ich die Frage &#8211;<br \/>\nAber weg mit der Furcht! Vertrau ich mich dir nicht, o Selmar!<br \/>\nWem vertrau&#8216; ich mich dann? Ach! Thyrsis und Seladon, beide<br \/>\nWerben um meine Hand, und w\u00e4hlen soll ich noch heute.<br \/>\nSch\u00e4fer! W\u00e4hle f\u00fcr mich! Nimm du, o Selmar! den G\u00fcrtel,<br \/>\nWelchen die Mutter mir lie\u00df, ihn einst dem J\u00fcngling zu geben,<br \/>\nDen sich erk\u00f6re mein Herz! Mein Herz, o Selmar! entschied nicht,<br \/>\nDrum so entscheide du! Gib einem der Sch\u00e4fer den G\u00fcrtel!<br \/>\nWas entf\u00e4rbest du dich? Versagst du der Freundin die Bitte?&#8220;<br \/>\nSelmar ergriff mit zitternder Hand den gel\u00f6seten G\u00fcrtel,<br \/>\nUnd ihn umrauschte der seidene Purpur. Aber die Liebe<br \/>\nRauscht&#8216; im Purpur, und macht&#8216; ihn beherzt. &#8222;Dank, Selma!&#8220;, so rief er,<br \/>\n&#8222;Dank f\u00fcr das s\u00fc\u00dfe Geschenk! Doch, freuet sich jemals ein Sch\u00e4fer,<br \/>\nWelchen dein Herz nicht erkor, des G\u00fcrtels, den du mir reichtest,<br \/>\nDann sei nimmer mir hold, o Paphia! Nimmer begegne<br \/>\nWieder Selimas Blick dem meinigen!&#8220; Selima senkte<br \/>\nSanfterr\u00f6tend zur Erde den Blick, und mutiger fasste<br \/>\nSelmar der Sch\u00e4ferin Hand: &#8222;Wohl, wohl mir, dein Herz hat erkoren!<br \/>\nMein ist der G\u00fcrtel &#8211; mein!&#8220; Er rief&#8217;s mit der Stimme der Wonne.<br \/>\nSelima hielt sich nicht, und sank in des Liebenden Arme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard Anton von Halem: Poesie und Prose, Hoffmann, Hamburg 1789, S. 302 ff. Der G\u00fcrtel Selima liebte den Selmar. Es liebte Selmar die Hirtin. 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