{"id":9378,"date":"2019-08-14T12:36:01","date_gmt":"2019-08-14T11:36:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9378"},"modified":"2019-08-14T12:36:17","modified_gmt":"2019-08-14T11:36:17","slug":"johannes-roeloffs","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9378","title":{"rendered":"Johannes Roeloffs"},"content":{"rendered":"<p><strong>(1) Fester Wille<\/strong><br \/>\nStrebe du nach deinem Ziel,<br \/>\nScheint auch alles zu misslingen;<br \/>\nWill das Schicksal dich bezwingen,<br \/>\nStrebe du nach deinem Ziel!<br \/>\nFester Wille n\u00fctzt schon viel,<br \/>\nHilft das Schwerste oft erringen:<br \/>\nStrebe drum nach deinem Ziel,<br \/>\nScheint auch alles zu misslingen!<\/p>\n<p><strong>(2) Wahres Gl\u00fcck<\/strong><br \/>\nSuche nicht des Lebens Gl\u00fcck<br \/>\nIn den G\u00fctern, die verfliegen,<br \/>\nIn dem rauschenden Vergn\u00fcgen<br \/>\nSuche nicht des Lebens Gl\u00fcck!<br \/>\nNur mit geistig reinem Blick<br \/>\nWirst du, Freund, das Gl\u00fcck besiegen;<br \/>\nSuche nicht des Lebens Gl\u00fcck<br \/>\nIn den G\u00fctern, die verfliegen!<\/p>\n<p><strong>(3) Zeitenflucht<\/strong><br \/>\nUnersetzlich in den Strom der Zeiten<br \/>\nEilet die verlorne Stunde hin;<br \/>\nManchem flie\u00dft ein ganzes Leben hin<br \/>\nUnersetzlich in den Strom der Zeiten.<br \/>\nM\u00f6ge dich auf gute Bahn geleiten<br \/>\nFr\u00fch schon edler Wille, klarer Sinn!<br \/>\nUnersetzlich in den Strom der Zeiten<br \/>\nEilet die verlorne Stunde hin.<\/p>\n<p><strong>(4) H\u00f6chstes Gut<\/strong><br \/>\nReines Herz und fester Mut<br \/>\nSind des Lebens gr\u00f6\u00dftes Gut;<br \/>\nDarum suche zu erhalten<br \/>\nReines Herz und festen Mut!<br \/>\nBannt des Schicksals d\u00fcst&#8217;res Walten<br \/>\nIn dem Aug&#8216; die Tr\u00e4nenflut:<br \/>\nKann dich aufrecht nur erhalten<br \/>\nReines Herz und fester Mut.<\/p>\n<p><strong>(5) Anerbieten<\/strong><br \/>\nWillst du mir zu eigen sein,<br \/>\nRosig wird mir dann das Leben.<br \/>\nHerz und Hand will ich dir geben,<br \/>\nWillst du mir zu eigen sein!<br \/>\nGeben erst? &#8211; Nein, dir alleine<br \/>\nF\u00fchl ich&#8217;s l\u00e4ngst entgegen beben;<br \/>\nDoch willst du mein Eigen sein,<br \/>\nWird mir rosig erst das Leben.<\/p>\n<p><strong>(6) Schlachtruf<\/strong><br \/>\nO Mann, ermanne dich zum Manne<br \/>\nUnd fr\u00f6hne Weiberlaunen nicht!<br \/>\nDer Schmeichler ist ein armer Wicht;<br \/>\nO Mann, ermanne dich zum Manne!<br \/>\nDer Eiche beuge sich die Tanne,<br \/>\nDoch aber jene dieser nicht;<br \/>\nDarum ermanne dich zum Manne<br \/>\nUnd fr\u00f6hne Weiberlaunen nicht!<\/p>\n<p><strong>Liebesbote<\/strong><\/p>\n<p><strong>(7)<\/strong> Klinge, Liedlein, kling&#8216; hin\u00fcber<br \/>\nZu der rosigsch\u00f6nen Maid!<br \/>\nAch sie ist von mir so weit;<br \/>\nKlinge, Liedlein, kling&#8216; hin\u00fcber!<br \/>\nM\u00f6chte selber gern hin\u00fcber;<br \/>\nDoch wie ist das Meer so breit!<br \/>\nKlinge du f\u00fcr mich hin\u00fcber<br \/>\nZu der rosigsch\u00f6nen Maid!<\/p>\n<p><strong>(8)<\/strong> Lisple ihr in sanften T\u00f6nen,<br \/>\nDass ich treu geblieben bin<br \/>\nMeinem ersten Liebessinn;<br \/>\nLisple ihr in sanften T\u00f6nen,<br \/>\nIhre treue Lieb&#8216; zu kr\u00f6nen,<br \/>\nDaran denk&#8216; ich immerhin;<br \/>\nLisple ihr in sanften T\u00f6nen,<br \/>\nDass ich treu geblieben bin!<\/p>\n<p><strong>Das freie Wort<\/strong><\/p>\n<p><strong>(9)<\/strong> Wo es vieles gibt zu singen,<br \/>\nSind die S\u00e4nger selten fern.<br \/>\nBleib&#8216; in Deutschland d&#8217;rum so gern,<br \/>\nDenn wie viel gibt&#8217;s da zu singen!<br \/>\nH\u00f6re manches Lied erklingen,<br \/>\nManches Lied von echtem Kern;<br \/>\nWo es vieles gibt zu singen,<br \/>\nSind ja S\u00e4nger selten fern.<\/p>\n<p><strong>(10)<\/strong> Freies Lied aus freiem Munde<br \/>\nIst des S\u00e4ngers gr\u00f6\u00dfte Lust;<br \/>\nWunderbar erf\u00fcllt die Brust<br \/>\nFreies Lied aus freiem Munde.<br \/>\nSchweigen muss ich! Tiefe Wunde<br \/>\nSchl\u00e4gt dies Wort in meine Brust;<br \/>\nFreies Wort aus freiem Munde<br \/>\nW\u00e4r&#8216; auch meine gr\u00f6\u00dfte Lust.<\/p>\n<p><strong>(11)<\/strong> Lasst das freie Wort erklingen.<br \/>\nLasst es t\u00f6nen voll und laut,<br \/>\nDie ihr z\u00fcrnend niederschaut,<br \/>\nLasst das freie Wort erklingen!<br \/>\nNimmer wird das Segen bringen,<br \/>\nWas sich im Geheimen baut;<br \/>\nLasst das freie Wort erklingen,<br \/>\nLasst es t\u00f6nen voll und laut!<\/p>\n<p><strong>Glosse<\/strong><\/p>\n<p>Motto (Friedrich R\u00fcckert):<\/p>\n<p><em>Sei hochbeseligt oder leide,<\/em><br \/>\n<em>Das Herz bedarf ein zweites Herz;<\/em><br \/>\n<em>Geteilte Freud&#8216; ist doppelt Freude,<\/em><br \/>\n<em>Geteilter Schmerz ist halber Schmerz.<\/em><\/p>\n<p><strong>(12)<\/strong> Sei hochbeseligt oder leide,<br \/>\nAlleinsein ist ein armes Los;<br \/>\nEs macht das Leben nackt und blo\u00df;<br \/>\nSei hoch beseligt oder leide,<br \/>\nIm Herzen regt sich doch ein Trieb,<br \/>\nDer sagt uns: \u201eHabe Menschen lieb,<br \/>\nSei hochbeseligt oder leide!\u201c<\/p>\n<p><strong>(13)<\/strong> Das Herz bedarf ein zweites Herz.<br \/>\nDas f\u00fchlt&#8216; ich j\u00fcngst im eignen Busen<br \/>\nUnd singe jetzt im Dienst der Musen:<br \/>\nDas Herz bedarf ein zweite Herz!<br \/>\nUnd h\u00f6rst du es, geliebtes Wesen?<br \/>\nKannst du in meinen Augen lesen,<br \/>\nMein Herz bedarf ein zweites Herz?<\/p>\n<p><strong>(14)<\/strong> Geteilte Freud&#8216; ist doppelt Freude!<br \/>\nDen alten Spruch, den lieb&#8216; ich gern.<br \/>\nDa halte du dein Herz nicht fern;<br \/>\nGeteilte Freud&#8216; ist doppelte Freude!<br \/>\nWie pocht das Herz in meiner Brust!<br \/>\nO w\u00e4rst du gleiches dir bewusst!<br \/>\nGeteilte Freund&#8216; ist doppelt Freude.<\/p>\n<p><strong>(15)<\/strong> Geteilter Schmerz ist halber Schmerz.<br \/>\nWem soll ich meine Liebe klagen?<br \/>\nWer hilft mir, meine Sehnsucht tragen?<br \/>\nGeteilter Schmerz ist halber Schmerz!<br \/>\nDoch nein, die s\u00fc\u00dfen Liebesschmerzen,<br \/>\nIch trag sie gern allein im Herzen;<br \/>\nGeteilter Schmerz w\u00e4r&#8216; halber Schmerz.<\/p>\n<p><strong>(16)<\/strong> Das schwerste Muss<br \/>\nVon der Liebsten scheiden m\u00fcssen,<br \/>\nIst wohl stets ein hartes Muss;<br \/>\nAber ohne letzten Kuss<br \/>\nVon der Liebsten scheiden m\u00fcssen;<br \/>\nUnter bittern Tr\u00e4neng\u00fcssen,<br \/>\nOhne Gru\u00df und Abschiedskuss<br \/>\nVon der LIebsten scheiden m\u00fcssen,<br \/>\nIst das allerschwerste Muss.<\/p>\n<p><strong>Doppelsonne<\/strong><\/p>\n<p><strong>(17)<\/strong> Ich war auf Bergesh\u00f6he fr\u00fch gegangen,<br \/>\nAls kaum der junge Tag begann, zu grauen;<br \/>\nDes Sonnenaufgangs Herrlichkeit zu schauen,<br \/>\nWar ich auf Bergesh\u00f6he fr\u00fch gegangen;<br \/>\nBald sah ich auch die Sonne gl\u00e4nzend prangen<br \/>\nUnd ringsumher das Himmelszelt erblauen,<br \/>\nUnd freute mich, dass ich hinaufgegangen,<br \/>\nAls kaum der junge Tag begann zu grauen.<\/p>\n<p><strong>(18)<\/strong> Der schneebedeckten Berge h\u00f6chste Zinken<br \/>\nErgl\u00fchten weit umher im Sonnengold;<br \/>\nAuch schien ein Purpurmantel ausgerollt<br \/>\nWeit \u00fcber aller Berge h\u00f6chste Zinken.<br \/>\nO sch\u00f6n, den ersten Morgentau zu trinken,<br \/>\nDen Erde ihrer Sonne dankbar zollt,<br \/>\nWann schneebedeckter Berge h\u00f6chste Zinken<br \/>\nErgl\u00fchen weit umher im Sonnengold!<\/p>\n<p><strong>(19)<\/strong> Zufrieden stieg ich nun ins Tal hinunter<br \/>\nMit frohem, wonnezitterndem Gem\u00fct,<br \/>\nIns Tal, wo mir noch andre Freude bl\u00fcht,<br \/>\nStieg nun zufrieden wieder ich hinunter.<br \/>\nLebendig ward es unten, bunt und bunter;<br \/>\nIm Sonnenstrahl ergl\u00e4nzte Blatt und Bl\u00fct&#8216;:<br \/>\nZufrieden stieg ich in mein Tal hinunter<br \/>\nMit frohem, wonnezitterndem Gem\u00fct.<\/p>\n<p><strong>(20)<\/strong> Da schien die Sonne nochmals aufgegangen;<br \/>\nMein M\u00e4dchen h\u00fcpfte durch die Blumenau,<br \/>\nVon Bl\u00fcten streifte sie den Perlentau.<br \/>\nMir schien die Sonne nochmal aufgegangen,<br \/>\nAls ich erblickt das Morgenrot der Wangen,<br \/>\nDer Locken Gold, der Augen Himmelblau;<br \/>\nNoch eine Sonne schien mir aufgegangen,<br \/>\nAls Berta h\u00fcpfte durch die Blumenau.<\/p>\n<p><strong>(21)<\/strong> So will ich ferner jeden Morgen gehen,<br \/>\nDes Doppelsonnenaufgangs mich zu freun;<br \/>\nEs soll mir stets die sch\u00f6nste Freude sein,<br \/>\nSo k\u00fcnftig jeden Morgen auszugehen;<br \/>\nDenn l\u00e4sst sich auch die Sonne &#8218;mal nicht sehen,<br \/>\nWird doch mein M\u00e4dchen nicht verfinstert sein;<br \/>\nD&#8217;rum will ich k\u00fcnftig jeden Morgen gehen,<br \/>\nDes Doppelsonnenaufgangs mich zu freun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1) Fester Wille Strebe du nach deinem Ziel, Scheint auch alles zu misslingen; Will das Schicksal dich bezwingen, Strebe du nach deinem Ziel! Fester Wille n\u00fctzt schon viel, Hilft das Schwerste oft erringen: Strebe drum nach deinem Ziel, Scheint auch alles zu misslingen! (2) Wahres Gl\u00fcck Suche nicht des Lebens Gl\u00fcck In den G\u00fctern, die&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9378\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Johannes Roeloffs<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":9226,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-9378","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9378","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9378"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9378\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9379,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9378\/revisions\/9379"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}