{"id":9399,"date":"2019-08-17T23:49:42","date_gmt":"2019-08-17T22:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9399"},"modified":"2019-08-17T23:50:09","modified_gmt":"2019-08-17T22:50:09","slug":"jules-chevalier-potier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9399","title":{"rendered":"Jules Chevalier Potier"},"content":{"rendered":"<p><strong>(1) Stumme Liebe<\/strong><br \/>\nVom Gram, der mir im Herzen nagt,<br \/>\nMuss leider meine Lippe schweigen,<br \/>\nUnd nur die bleichen Wangen zeugen<br \/>\nVom Gram, der mir im Herzen nagt;<br \/>\nDieweil es kaum mein Auge wagt,<br \/>\nDie bitt&#8217;re Tr\u00e4ne ihr zu zeigen,<br \/>\nSo muss auch meine Lippe schweigen<br \/>\nVom Gram, der mir im Herzen nagt.<\/p>\n<p><strong>(2) M\u00e4dchen-Lippen<\/strong><br \/>\nEin Becher sind der M\u00e4dchen Lippen,<br \/>\nWoraus man Gl\u00fcck und Unheil trinkt,<br \/>\nD&#8217;rum nicht aus Allen sucht zu nippen!<br \/>\nEin Becher sind der M\u00e4dchen Lippen,<br \/>\nDer oft den Tod der Ruhe bringt;<br \/>\nWie Schiffer die Korallen-Klippen,<br \/>\nSo meidet, wenn er lockend winkt,<br \/>\nDen Becher dieser M\u00e4dchen-Lippen,<br \/>\nDer oft den Tod der Ruhe bringt!<\/p>\n<p><strong>(3) Das Menschenherz<\/strong><br \/>\nAuch das Menschenherz hat Saiten,<br \/>\nLieb&#8216; ist dessen Harfnerin,<br \/>\nUnd wie Abendwinde gleiten<br \/>\n\u00dcber Menschenherzens Saiten<br \/>\nIhre Rosenfinger hin! &#8211;<br \/>\nDoch nur bei noch unentweihten<br \/>\nLocket Sph\u00e4ren-Harmonien<br \/>\nAus des Menschenherzens Saiten<br \/>\nLiebe, dessen Harfnerin!<\/p>\n<p><strong>(4) Des Menschen Herz<\/strong><br \/>\nEs ist das Herz ein Dom bei Nachteiliger<br \/>\nIn dem die Lieb&#8216; als Ampel gl\u00fcht,<br \/>\nSchon \u00f6fter hab&#8216; ich mir gedacht,<br \/>\nEs ist das Herz ein Dom der Nacht,<br \/>\nWoraus entsetzt der Beter flieht,<br \/>\nWard keine Leuchte angefacht.<br \/>\nDoch ist mein Herz ein Dom der Nacht,<br \/>\nWorin die Lieb&#8216; als Ampfel gl\u00fcht!<\/p>\n<p><strong>Das Menschenherz<\/strong><\/p>\n<p><strong>(5)<\/strong> Herzen find demant&#8217;ne Becher,<br \/>\nWelche Lieb&#8216; mit Nektar f\u00fcllt,<br \/>\nHimmelswonne wird dem Zecher,<br \/>\nDessen Herz als Demantbecher<br \/>\nJenen Feuertrank umh\u00fcllt! &#8211;<br \/>\nTrinkt! so lang ein Tropfen quillt<br \/>\nAus des Herzens Demantbecher,<br \/>\nWelchen Lieb&#8216; mit Nektar f\u00fcllt!<\/p>\n<p><strong>(6)<\/strong> Und es ist ein Buch der Lieder<br \/>\nUnser Herz im Busensschrein,<br \/>\nAmor mit dem Goldgefieder<br \/>\nIst von diesem Buch der Lieder<br \/>\nDer Verfasser ganz allein!<br \/>\nWollt ihr also singen, Br\u00fcder!<br \/>\nBlickt in euer Herz hinein;<br \/>\nDenn es ist ein Buch der Lieder<br \/>\nUnser Herz im Busenschrein!<\/p>\n<p><strong>(7) Das Menschenherz<\/strong><br \/>\nMeines ward zum Leichensteine<br \/>\nMeiner Lieb&#8216; auf&#8217;s Grab gesetzt;<br \/>\nSeit du mordetest, die Reine,<br \/>\nWard mein Herz zum Leichensteine<br \/>\nDem dein Name einge\u00e4tzt! &#8230;<br \/>\nDoch von Blumen ward nicht eine<br \/>\nZu des Herzens Leichensteine<br \/>\nMeiner Lieb&#8216; aufs Grab gelegt!<\/p>\n<p><strong>(8) Die dreifache Gabe<\/strong><br \/>\nEinst lehrte mich ein sch\u00f6ner Mai:<br \/>\nNur Lieb&#8216; sei wahre Poesie;<br \/>\nAllein die Liebe sprach: es sei<br \/>\nEin sch\u00f6ner Mai die Poesie!<br \/>\nNein, nein! &#8211; rief Poesie dabei &#8211;<br \/>\nDie Liebe ist der sch\u00f6ne Mai!<br \/>\nDa pries ich Gott, dass er verlieh:<br \/>\nMir Liebe, Mai und Poesie!<\/p>\n<p><strong>(9) Der Zeitenstrom<\/strong><br \/>\nEs rauscht dahin der Strom der Zeit<br \/>\nUnd keine Macht h\u00e4lt ihn zur\u00fcck,<br \/>\nUnd was euch j\u00fcngst entz\u00fcckt, erfreut,<br \/>\nEs rauscht dahin im Strom der Zeit!<br \/>\nGenie\u00dft darum, was das Geschick<br \/>\nEuch nur an Wonnestunden beut;<br \/>\nDenn keine Macht h\u00e4lt es zur\u00fcck,<br \/>\nEs rauscht dahin im Strom der Zeit!<\/p>\n<p><strong>(10)<\/strong> Als ich mit meinem Lieb&#8216; gebrochen,<br \/>\nBrach ich zugleich mein Herz entzwei!<br \/>\nWie bange f\u00fchlt ich da es pochen,<br \/>\nAls ich mit meiner Lieb&#8216; gebrochen! &#8230;<br \/>\nDie Biene gleich, die selbst dabei<br \/>\nMuss sterben, wenn sie uns gestochen,<br \/>\nSo brach, als ich mit ihr gebrochen,<br \/>\nZugleich mein armes Herz entzwei!<\/p>\n<p><strong>(11) Die Blume meines Lebens<\/strong><br \/>\nSie welkt dahin, die Blume meines Lebens,<br \/>\nEh&#8216; noch die Bl\u00fcte aus der Knospe brach,<br \/>\nAch! jede Sorg&#8216; und Wartung ist vergebens &#8211;<br \/>\nSie welkt dahin, die Blume meines Lebens,<br \/>\nUnd m\u00e4hlig folgt der morsche Stamm ihr nach.<br \/>\nDa ihr ein heit&#8217;rer Wonnemond gebrach,<br \/>\nSol welkt dahin die Blume meines Lebens,<br \/>\nEh&#8216; noch die Bl\u00fcte aus der Knospe brach!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1) Stumme Liebe Vom Gram, der mir im Herzen nagt, Muss leider meine Lippe schweigen, Und nur die bleichen Wangen zeugen Vom Gram, der mir im Herzen nagt; Dieweil es kaum mein Auge wagt, Die bitt&#8217;re Tr\u00e4ne ihr zu zeigen, So muss auch meine Lippe schweigen Vom Gram, der mir im Herzen nagt. (2) M\u00e4dchen-Lippen&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9399\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Jules Chevalier Potier<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":9226,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-9399","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9399","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9399"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9399\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9400,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9399\/revisions\/9400"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}