{"id":9715,"date":"2020-01-21T23:45:01","date_gmt":"2020-01-21T22:45:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9715"},"modified":"2020-02-04T22:44:29","modified_gmt":"2020-02-04T21:44:29","slug":"f-fergar-das-heroische-versmass","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9715","title":{"rendered":"F. Fergar: Das heroische Versma\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p>\n\nDiese Seite ist eine Unterseite zur Seite <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/worum-es-geht\/gesammeltes\/ueber-hexameter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00dcber Hexameter<\/a>, auf der viele weitere Texte \u00fcber den Hexameter zu finden sind.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus F. Fergars <strong>Kunst, in zwei Stunden ein Dichter zu werden<\/strong> (Pesth 1823).<\/p>\n\n\n\n<p>Das heroische Versma\u00df war das eigent\u00fcmliche Metrum der Griechen f\u00fcr ihre epische Poesie (Heldengedicht). Es besteht aus lauter daktylischen Hexametern (das hei\u00dft sechsf\u00fc\u00dfigen Versen), in denen aber statt der Daktylen ( \u2014 \u25e1 \u25e1) auch Spondeen (\u2014 \u2014) gesetzt werden k\u00f6nnen. Nur der f\u00fcnfte Fu\u00df bleibt in der Regel ein Daktylus, und der sechste ist nie ein vollst\u00e4ndiger Daktylus seines h\u00fcpfenden Charakters wegen, der nie den Eindruck eines beruhigenden Schlusses machen kann. Die deutschen Dichter haben, aus Mangel an Spondeen in unserer Sprache, in diesem Verse auch Troch\u00e4en (\u2014 \u25e1) zugelassen. Der Bau des Hexameters, welcher der \u00e4lteste und zugleich der sch\u00f6nste aller Verse ist, liegt f\u00fcr&#8217;s Auge in folgender Bezeichnung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2014\u25e1\u25e1|\u2014\u25e1\u25e1|\u2014 \u25e1\u25e1|\u2014\u25e1\u25e1|\u2014\u25e1\u25e1|\u2014\u25e1<\/p>\n\n\n\n<p> \u2014   \u2014  | \u2014  \u2014 | \u2014  \u2014 | \u2014  \u2014 | ( \u2014  \u2014) | \u2014  \u2014<\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1| \u2014 \u25e1 | \u2014 \u25e1 | \u2014  \u25e1|( \u2014 \u25e1)|<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mannigfaltigkeit der Vers- und\nWortf\u00fc\u00dfe w\u00fcrde jedoch allein nicht hinreichen, dem Verse seine\nVollendung zu geben, wenn ihm die wesentliche Z\u00e4sur fehlte, deren\nder Hexameter wegen seiner L\u00e4nge bedarf, wenn das Ohr leicht \u00fcber\nseine Mitte hinweggeleitet werden, und der Vers als ein rhythmisches\nGanzes auffassen soll. Meistens haben gute Hexameter ihre materielle\nHauptz\u00e4sur, bei welcher es nur auf ein Wortende, durchaus nicht auf\nSinnabschnitt ankommt, im dritten Fu\u00dfe und zwar entweder nach der\nL\u00e4nge (m\u00e4nnliche Z\u00e4sur) oder nach der K\u00fcrze (weibliche Z\u00e4sur),\nzum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eins nur ist mir bewusst, was K\u00f6nig und Bettler sich w\u00fcnschet,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u2014 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 || \u2014 | \u2014\n\u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dessen Verlust den erstern entg\u00f6ttert im Purpurgewande,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 | \u2014 \u25e1 || \u25e1\n| \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dessen Besitz den Mann im Kittel erh\u00f6het zum Halbgott.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 | \u2014 || \u25e1 | \u2014\n\u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u2014<\/p>\n\n\n\n<p><em>Holde Gesundheit, du, du bist dies Eine! Dich missen,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u2014 | \u2014 || \u2014 | \u2014\n\u2014 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hei\u00dft aufh\u00f6ren zu leben || und doch nicht sterben; dich haben,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u2014 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014\n\u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hei\u00dft auf goldener Leiter zum Sitz der Olympier steigen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 || \u25e1\n| \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p>(Neubeck)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mangel einer solchen Hauptz\u00e4sur um\ndie Mitte des Verses kann nur durch zwei andere ersetzt werden, deren\neine in den zweiten, die andere in den vierten Fu\u00df f\u00e4llt. Finden\nsich diese beiden Z\u00e4suren in einem Verse vereinigt, so ist derselbe\nauch ohne die mittlere Z\u00e4sur gut, zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lange hallt es den Hochverr\u00e4tern der Menschlichkeit nach, dumpf<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 | \u2014 \u25e1 || \u25e1 | \u2014 \u25e1 | \u2014\n\u25e1 || \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u2014<\/p>\n\n\n\n<p><em>Weit hallt&#8217;s nach, voll Entsetzens nach in die Kl\u00fcfte Gehennas!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u2014 | \u2014 || \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 | \u2014\n|| \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p>(Klopstock)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gebrauch der Troch\u00e4en statt der\nSpondeen im Hexameter muss m\u00f6glichst eingeschr\u00e4nkt werden.\nBesonders ununterbrochen hintereinander gebraucht, l\u00e4hmen sie den\nVers, zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle V\u00f6lker loben Gottes herrlichen Namen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 | \u2014 \u25e1 | \u2014 \u25e1 | \u2014 \u25e1 |\n\u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p>(Rothschild)<\/p>\n\n\n\n<p>Der gewichtvolle Spondeus dient,\nschweren Gang, Anstrengung, Nachdruck und W\u00fcrde zu malen und tut\nwegen seiner Seltenheit im Deutschen desto gr\u00f6\u00dfere Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6ftere Wiederkehr eines und desselben\nWortfu\u00dfes im Hexameter schadet seiner Mannigfaltigkeit. Besonders\ngeben ihm mehrmals aufeinander folgende amphibrachische Wortf\u00fc\u00dfe\nwidrig h\u00fcpfenden Takt, zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>R\u00e4uber verw\u00fcsten die Erde, und tragen die heiligen Namen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 | \u25e1 \u2014 \u25e1 | \u25e1  \u2014 \u25e1 ||\n\u25e1 \u2014 \u25e1 | \u25e1 \u2014 \u25e1 \u25e1 \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p><em>Flehet, ihr Tr\u00e4nen, Erbarmen, und flehet das Ende des Elends.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 | \u25e1 \u2014 \u25e1 | \u25e1 \u2014 \u25e1 ||\n\u25e1 \u2014 \u25e1 | \u25e1 \u2014 \u25e1 | \u25e1 \u2014 \u25e1<\/p>\n\n\n\n<p>(v. Stolberg)<\/p>\n\n\n\n<p>Allein nicht blo\u00df die H\u00e4ufung\namphibrachischer Wortf\u00fc\u00dfe, sondern \u00fcberhaupt die mehrmalige\nWiederholung eines und desselben Wortfu\u00dfes, welcher Art es auch sei,\nschadet der rhythmischen Mannigfaltigkeit des Hexameters.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenig behagen dem Ohre die Verse mit gleichem Geh\u00fcpfe,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Fl\u00fcchtige Daktyle aber gefallen noch weniger; darum<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sei der Gesang vielt\u00f6nig im wechselnden Tanz der Empfindung!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Vo\u00df)<\/p>\n\n\n\n<p>Nur der Anap\u00e4st darf als Wortfu\u00df\nviermal wiederkehren, wenn der erste zum Choriambus wird, zum\nBeispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eile dahin, wo der Tod und das Grab und die Nacht dich erwarten!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Klopstock)<\/p>\n\n\n\n<p>So auch der anap\u00e4stische Spondeus.\nDaktylische Wortf\u00fc\u00dfe d\u00fcrfen nur zwei miteinander verbunden werden,\nzum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcrchterlich rollende Donner von Zeus &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 ||\n\u25e1 | \u2014 &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nicht drei, zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcrchterlich donnerte Jupiter her &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1 | \u2014 \u25e1 \u25e1\n| \u2014 || &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Obgleich der letzte Daktylus zu einem\nChoriambus anw\u00e4chst. Ebenso d\u00fcrfen alle anderen Wortf\u00fc\u00dfe (zum\nBeispiel Amphibrachen, Iamben &#8230;) im Hexameter nie \u00f6fter als\nzweimal hintereinander stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hexameter erfordert als in sich\nvollendeter Vers einen auch durch die Worte vernehmbar bezeichneten\nSchlussfall. Man darf daher nicht willk\u00fcrlich den Vers beschlie\u00dfen,\nindem man mit unvollendeten Gliedern von Zeile zu Zeile\nhin\u00fcberspringt. Am wenigsten ist ein troch\u00e4ischer Schluss erlaubt,\nwenn er durch ein kraftloses Wort gebildet ist, welches, wie Artikel,\nZahlwort, Pronomen &#8230; genau an den Anfang des folgenden Verses sich\nanschlie\u00dft, und dadurch die am Ende jedes Hexameters notwendige\nrhythmische Pause hindert, zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie von vielen und gro\u00dfen Herden, gesondert an einem<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Langen H\u00fcgel hinab, gen\u00e4hrt vom Fr\u00fchlinge L\u00e4mmer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Weiden ..<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>(Klopstock) \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Seite ist eine Unterseite zur Seite \u00dcber Hexameter, auf der viele weitere Texte \u00fcber den Hexameter zu finden sind. Aus F. Fergars Kunst, in zwei Stunden ein Dichter zu werden (Pesth 1823). Das heroische Versma\u00df war das eigent\u00fcmliche Metrum der Griechen f\u00fcr ihre epische Poesie (Heldengedicht). 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