{"id":987,"date":"2014-02-22T01:58:35","date_gmt":"2014-02-21T23:58:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=987"},"modified":"2015-10-03T19:16:08","modified_gmt":"2015-10-03T17:16:08","slug":"zum-deutschen-hexameter-goetzinger","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=987","title":{"rendered":"Zum deutschen Hexameter"},"content":{"rendered":"<p>Diese Seite ist eine Unterseite zur Seite <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/worum-es-geht\/gesammeltes\/ueber-hexameter\/\" target=\"_blank\">\u00dcber Hexameter<\/a>, auf der viele weitere Texte \u00fcber den Hexameter zu finden sind.<\/p>\n<p>Neue Jahrb\u00fccher f\u00fcr Philologie und P\u00e4dogogik, II. Abteilung, 1869, Heft 5<\/p>\n<p>\u201eN\u00e4chst der bedeutsamen und wohlklingenden Mannigfaltigkeit in dem Verh\u00e4ltnisse und der Folge der F\u00fc\u00dfe, beruht die Sch\u00f6nheit des Hexameters haupts\u00e4chlich auf der Z\u00e4sur, den untergeordneten Einschnitten und den Wortf\u00fc\u00dfen.\u201c Unter diesen von A. W. Schlegel zusammengestellten Hexametergrundlagen sind die drei letztern, C\u00e4sur, untergeordnete Einschnitte und Wortf\u00fc\u00dfe bereits \u00f6fters abgehandelt worden; die Wortf\u00fc\u00dfe schienen besonders Klopstocken zur Untersuchung zu reizen. Dagegen war mir bisher nicht m\u00f6glich, Eingehenderes \u00fcber die bedeutsame und wohlklingende Mannigfaltigkeit in dem Verh\u00e4ltnisse und der Folge der F\u00fc\u00dfe zu finden; Klopstock bemerkt blo\u00df: die Regel unsers Hexameters ist, den Daktylus \u00f6fter als den Troch\u00e4us, und diesen \u00f6fter als den Spondeus zu setzen; ob aber die vier ersten F\u00fc\u00dfe in ihrem Verh\u00e4ltnisse zum f\u00fcnften Fu\u00dfe einander gleich stehen oder nicht, dar\u00fcber hat er sich nicht ausgesprochen. Auch bei A. W. Schlegel finde ich nichts N\u00e4heres; ebenso wenig bei F. A. Wolf in den Analeklen oder bei Platen oder bei Minckwitz. Es scheint, man hat vor lauter Streit dar\u00fcber, ob der deutsche Rhythmus quantitierend oder akzentuierend sei, vergessen, einzelne Verse selbst\u00e4ndig zu untersuchen; denn Wackernagels vortreffliches B\u00fcchlein reicht blo\u00df bis an Klopstock, und nicht einmal in seine Hexameter hinein; blo\u00df bei Viehoff in der Vorschule der Dichtkunst habe ich einigen Aufschluss gefunden, wenn er als drittes Hexametergesetz folgendes aufstellt: &#8218;Es darf in den vier ersten F\u00fc\u00dfen nicht eine Reihe von Spondeen auf einander folgen, es sei denn, dass dadurch eine besondere Wirkung erzielt wird, sowie es auch andrerseits nicht w\u00fcnschenswert ist, dass s\u00e4mtliche vier erste F\u00fc\u00dfe aus Daktylen bestehen, wenn man nicht wieder dadurch etwas Besonderes ausdr\u00fccken will.&#8216; Unter den Spondeen versteht Viehoff sinkende Spondeen; von den Troch\u00e4en spricht er weiter unten und gibt f\u00fcr sie vier Punkte zu beachten: l) Man vermeide sie, wo der Gegenstand eine gemessene w\u00fcrdevolle Haltung der Form verlangt. 2) Man stelle sie nicht zwischen zwei schwere Spondeen, sondern vermittle den \u00dcbergang durch einen Daktylus. 3) Nicht jede Stelle ertr\u00e4gt den Troch\u00e4us gleich gut. Am besten eignet er sich f\u00fcr den ersten Fu\u00df, der in mehreren Versarten gewisse Freiheiten gestattet, und f\u00fcr den vierten, in welchem auch bei Homer einige Male Troch\u00e4en vorkommen. 4) Der Troch\u00e4us wird weniger st\u00f6rend, wenn auf die Arsis eine kr\u00e4ftige Z\u00e4sur folgt, weil dann die Satzpause in die Thesis f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Aber warum im ersten und vierten Fu\u00df? Weils bei andern Versarten mit dem ersten so geschieht und bei Homer mit dem vierten? Das sind keine schlagenden Gr\u00fcnde, und doch war es mir Bed\u00fcrfnis, meinen Sch\u00fclern zum Behufe metrischer Aufgaben sagen zu k\u00f6nnen, wie es zu halten sei in Betreff der Vertauschung der vier ersten Daktylen mit zweisilbigen Versf\u00fc\u00dfen, denn auf die Frage, ob Spondeus oder Troch\u00e4us, lie\u00df ich mich hier nicht ein.<\/p>\n<p>Ich nahm darum irgend ein hexametrisches Gedicht vor und schrieb mir s\u00e4mtliche Versf\u00fc\u00dfe auf, ob sie zweisilbig oder dreisilbig seien; an die erste Probe h\u00e4ngte sich eine zweite und dritte, bis ich soviel zusammen hatte, dass ich hier Einiges mitteilen zu k\u00f6nnen glaube, was den Freunden des deutschen Hexameters nicht ohne Interesse sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Im ersten und dritten Bande der Analekten von F. A. Wolf finden sich bekanntlich etwas \u00fcber hundert Verse der Odyssee so \u00fcbersetzt, dass die deutsche \u00dcbersetzung eben dieselben Versf\u00fc\u00dfe, Gliederungen und Einschnitte hat wie der griechische Text. Der \u00dcbersetzer, nach Schlegel F. A. Wolf selber, obgleich er sich E. G. L. unterschreibt, verspricht die ganze Odyssee so bearbeiten zu wollen, wenn ihm ein Verleger etwas \u00fcber 2 Rthlr. f\u00fcr jeden Vers verspreche; es solle eine \u00dcbersetzung werden, in welcher der \u00dcbersetzer das Allerh\u00f6chste, wozu die Kunst am Ziele der Laufbahn reize, mit redlicher Liebe angestrebt habe. Ich will hier wie bei allen \u00fcbrigen statistischen Anf\u00fchrungen die Zahl der dreisilbigen Versf\u00fc\u00dfe in Prozente verwandeln, damit zwischen allen dasselbe Verh\u00e4ltnis stattfinde; es gibt also in der Wolfischen Odyssee folgende Daktylen in den vier ersten Versf\u00fc\u00dfen auf je 100 Verse: Wolf 63 \u2014 58 \u2014 82 \u2014 73, also im dritten und vierten mehr als im ersten und zweiten; in 22 von hundert Versen sind die zwei ersten Versf\u00fc\u00dfe zweisilbig.<\/p>\n<p>Ich fahre weiter fort und stelle von Dichtern aus der Vorwolfischen und Vorschlegelschen Zeit die Daktylen zusammen, wobei ich mit der Aufz\u00e4hlung der Gedichte beginne, aus welchen ich die Versf\u00fc\u00dfe erhoben habe. Ich habe lauter ganz hexametrische und keine elegischen Gedichte gew\u00e4hlt, weil ich nicht wei\u00df, ob nicht der Pentameter eine gewisse Wirkung auf seinen Hexameter aus\u00fcbe; blo\u00df bei Gottsched sind neun Hexameter aus Distichen gez\u00e4hlt, um von ihm eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Zahl zu haben; auf literarische Vollst\u00e4ndigkeit macht mein Verzeichnis keinen Anspruch.<\/p>\n<p>In der nun folgenden Aufzahlung gelten die vier ersten Zahlen als Zahl der Daktylen vom ersten bis vierten Fu\u00dfe; die f\u00fcnfte Zahl gibt den Durchschnitt der vier ersten, die sechste diejenigen Verse, welche den ersten und zweiten Fu\u00df zweisilbig haben, alles auf Hundert erweitert oder zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>1. Gottsched, (aus W. Wackernagels Gesch. des Hexameters): 75, 66, 40, 55, 59, 1<\/p>\n<p>2. Klopstock, sechster Gesang der Messiade: 46, 76, 65, 44, 58 ,8<\/p>\n<p>3. Voss, Siebzigster Geburtstag: 60, 75, 64, 63, 65, 4<\/p>\n<p>4. Voss, Odyssee, sechster Gesang, \u00e4lteste Ausgabe: 48, 65, 70, 53, 59, 12<\/p>\n<p>5. H\u00f6lty, Christel und Hannchen: 49, 79, 51, 58, 59, 26<\/p>\n<p>6. F. L. Stolberg, Antwort an G. A. B\u00fcrger: 41, 78, 78, 66, 63, 6<\/p>\n<p>7. B\u00fcrger, \u00dcbersetzte Ilias, erster Gesang: 45, 57, 42, 35, 45, 22<\/p>\n<p>8. Wieland, Hymne auf Gott: 58, 80, 88, 40, 66, 0<\/p>\n<p>9. Goethe, Episteln: 38, 78, 59, 42, 54, 14<\/p>\n<p>10. Knebel, Philomela in Tiefurt: 46, 76, 50, 30, 50, 8<\/p>\n<p>11. Kosegarten, Hymne an die Tugend: 51, 80, 55, 45, 58, 5<\/p>\n<p>12. Mnioch, Hellenik und Romantik: 47, 96, 43, 71, 65, 0<\/p>\n<p>13. Selmar, lieber Empfindung und Vernunft: 60, 88, 69, 53, 67, 2<\/p>\n<p>14. Neubeck, Hymnus an die Nemesis: 60, 79, 67, 52, 64, 5<\/p>\n<p>15. Neuffer, Die Tageszeilen, Der Mittag: 50, 83, 67, 48, 62, 2<\/p>\n<p>16. H\u00f6lderlin, An den \u00c4ther: 41, 65, 60, 38, 51, 16<\/p>\n<p>17. Seume, Das mystische Backwerk: 54, 70, 72, 49, 61, 11<\/p>\n<p>18. Lappe, B\u00fccher und Bilder: 85, 87, 70, 29, 68, 2<\/p>\n<p>Man hatte bei den Zahlen der W\u00f6lfischen Verse: 63, 58, 82, 73 etwa vermuten k\u00f6nnen, dass nach dem bereits von Viehoff angef\u00fchrten Gesetze die beiden ersten F\u00fc\u00dfe deshalb weniger Daktylen enthalten, weil in jedem Verse eine Vertretung des Grundrhythmus durch stellvertretenden Rhythmus am ehesten im Anfange stattfinden mag, indem ja in diesem Falle der reine Rhythmus schon noch Gelegenheit hat, wieder am Ende des Verses sein Recht zu behaupten. Sieht man aber die neuen Zahlen an, so f\u00e4llt auf den ersten Augenblick auf, dass im Allgemeinen der zweite Fu\u00df am meisten, der vierte am wenigsten Daktylen hat, also ganz anders als bei Wolf; und der Grund ist leicht genug zu ermessen: durch die Hauptz\u00e4sur wird der Hexameter geteilt; da diese weitaus in den meisten Fallen im dritten Fu\u00dfe steckt, so verliert der dritte Fu\u00df den Eindruck seines Rhythmus, sei er nun zwei- oder dreisilbig; ist n\u00e4mlich die m\u00e4nnliche Z\u00e4sur da:<\/p>\n<p>X x x \/ X x x \/ X <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> x x \/ X x x \/ X x x \/ X x<\/p>\n<p>so h\u00f6ren wir wol beim Beginn des Hexameters den daktylischen Rhythmus; dieser klingt aber vor der C\u00e4sur in anap\u00e4stischem Rhythmus aus, um mit ebendemselben Anap\u00e4st wieder die zweite H\u00e4lfte zu beginnen und diese mit Troch\u00e4us zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ist aber weibliche Z\u00e4sur da:<\/p>\n<p>X x x \/ X x x \/ X x <span style=\"color: #ff0000\">|| <\/span>x \/ X x x \/ X x x \/ X x<\/p>\n<p>so schlie\u00dft die erste H\u00e4lfte troch\u00e4isch und beginnt die zweite jambisch. Wie daher nach altem Rechte der f\u00fcnfte Fu\u00df als der letzte daktylische des ganzen Verses rein bleiben soll, so pflegen unsere Hexametriker den zweiten Fu\u00df als den letzten ganzen vor der C\u00e4sur ebenfalls wom\u00f6glich rein zu halten, d. h. in den angef\u00fchrten Gedichten wenigstens von 100 F\u00fc\u00dfen 57, bei Mioch 96, im Durchschnitt 82 mal. Dagegen wird der vierte Fu\u00df, auf den der st\u00e4ndige Daktylus folgt, am ehesten zweisilbig sein d\u00fcrfen, bei uns von 100 Versen zum wenigsten blo\u00df 29 Mal, zum meisten 71 Mal, im Durchschnitt 48. Der erste Fu\u00df pflegt (blo\u00df beim alten Gottsched ist das noch nicht der Fall) weniger Daktylen zu haben als der zweite, eben weil ja der zweite es ist, dem man vor allem die Obliegenheit auferlegt hat, den daktylischen Rhythmus der ersten H\u00e4lfte zu retten; er hat n\u00e4mlich in den 18 Beispielen wenigstens 38 und h\u00f6chstens 85 Daktylen auf 100 Verse, tut im Durchschnitt 53 auf hundert; es hat aber zugleich dieser erste Fu\u00df mehr Daktylen als der vierte, weil im Falle der zweite Fu\u00df zweisilbig erscheint, er den daktylischen Rhythmus der ersten H\u00e4lfte repr\u00e4sentieren soll; dass dies im allgemeinen der Fall ist, ersieht man aus der sechsten Rubrik, wo wieder in Prozenten die Verse verzeichnet stehen, welche weder den ersten noch den zweiten Fu\u00df daktylisch haben; es sind bei Wieland und Mnioch gar keine F\u00e4lle der Art, bei andern wenig; bei Voss in der Odyssee, bei H\u00f6lderlin und Seume schon etwas mehr, drei Dichtern, die freilich schon mit dem zweiten Fu\u00dfe unter dem Durchschnitt blieben, und beim genialen B\u00fcrger, der den daktylischen Tanz am wenigsten versteht, am meisten, durchschnittlich sechs Prozent, bei denen teilweise anzunehmen ist, dass besondere metrische Wirkungen den Mangel der Daktylen herbeigef\u00fchrt haben. Der dritte Fu\u00df erscheint mehr daktylisch als der vierte, \u00f6fters weniger rein als der erste, manchmal doch reiner als der erste, bei Voss Odyssee, Stolberg, Wieland und Seume ebenso rein oder noch reiner als der zweite Fu\u00df, jedenfalls unter den vieren der Fu\u00df, welcher sich der Berechnung am ehesten entzieht, im Durchschnitt (es sei blo\u00df der Vollst\u00e4ndigkeit zu Liebe erw\u00e4hnt) 62 Daktylen enthaltend. Er ist wie wir schon gesagt, durch die Z\u00e4sur seines zusammenh\u00e4ngenden Rhythmus beraubt, enth\u00e4lt aber vielleicht darum noch so viele reine dreisilbige F\u00fc\u00dfe, weil die weibliche Z\u00e4sur durchaus den Daktylus voraussetzt. Statistische Nachweise daf\u00fcr kann ich jetzt nicht geben.<\/p>\n<p>Man hat mit einer gewissen Geringsch\u00e4tzung diese deutschen Hexametriker behandelt und ihnen besonders vorgeworfen, sie h\u00e4tten sich aus lauter Bequemlichkeit des Troch\u00e4us statt des reinen Spondeus bedient, wie ja schon Klopstock dem Troch\u00e4us geradezu das Wort geredet habe. Man hat dabei aber, soviel uns bekannt, stets blo\u00df auf die zweisilbigen F\u00fc\u00dfe R\u00fccksicht genommen und nie zugeschaut, wie denn die dreisilbigen F\u00fc\u00dfe dieser troch\u00e4ischen Hexametriker beschaffen w\u00e4ren. Zwar k\u00f6nnen freilich ihre Daktylen reiner oder weniger rein sein &#8211; davon sprechen wir hier weiter nicht &#8211; aber blo\u00df Bequemlichkeit war die Zulassung der Troch\u00e4en sicher nicht; sonst h\u00e4tten sie sich nicht, wie sich uns herausgestellt hat, daneben und als Ersatz f\u00fcr die Spondeen einem andern Gesetze untergeben, das Homer gar nicht kennt, \u201edass nicht blo\u00df der f\u00fcnfte Fu\u00df den ganzen Vers als daktylischen repr\u00e4sentieren solle, sondern da\u00df auch die erste H\u00e4lfte durch Reinhaltung in erster Linie des zweiten, in zweiter Linie des ersten Fu\u00dfes den Grundrhythmus des Hexameters zu Tage legen m\u00fcsse. Wenn sowohl erster als zweiter Fu\u00df zweisilbig sind, so wird das so gut einseitig metrischen Wirkungen zugeschrieben werden m\u00fcssen als Zweisilbigkeit oder Spondeus im f\u00fcnften Fu\u00dfe.\u201c<\/p>\n<p>Dass in der Praxis weitaus die meisten Dichter einem solchen Gesetze sich unterwarfen, glaubt unsere Zusammenstellung erwiesen zu haben; dass keiner, weder Freund noch Feind, es aussprach oder \u00fcberhaupt deutlich erkannte, geh\u00f6rt auch nicht unter die undenkbaren Dinge; sagt doch auch A. W. Schlegel in den Betrachtungen \u00fcber Metrik: \u201eMan kann sehr wohlklingende Verse zu machen verstehen, und gar nicht im Stande sein zu entwickeln, wie man dabei verf\u00e4hrt.\u201c Dass derselbe metrische Poet freilich auf der vorhergehenden Seite die B\u00fcrgerschen Hexameter als sehr sch\u00f6n bezeichnet, scheint fast weniger ehrlich gesagt worden zu sein; B\u00fcrger ist unter der Familie der, welcher am meisten Troch\u00e4en braucht. Eher h\u00e4tten wir die Verse H\u00f6ltys, Wielands, Mniochs, Seimars auszeichnen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>A. W. Schlegel machte zuerst in seinem Gedichte Rom den Versuch, die Troch\u00e4en aus dem deutschen Hexameter zu verdr\u00e4ngen. \u201eEs versteht sich von selbst, da\u00df im Hexameter keine Troch\u00e4en geduldet werden k\u00f6nnen: sein Wesen wird dadurch zerst\u00f6rt: denn es ist ein allgemeines Gesetz, da\u00df in den Silbenma\u00dfen, welche nicht nach Dipodieen, sondern nach einzelnen F\u00fc\u00dfen gemessen werden, nur F\u00fc\u00dfe von gleicher Dauer an die Stelle des vorwaltenden Fu\u00dfes treten d\u00fcrfen.\u201c So lautet des Mannes energischer Kabinetsbefehl in den Vorerinnerungen zur Herabkunft der G\u00f6ttin Ganga. Und ebendaselbst: \u201eDie R\u00f6mer gebrauchen den Spondeus weit h\u00e4ufiger als die Griechen; wir werden dem Daktylus noch um etwas mehr das Uebergewicht geben m\u00fcssen.\u201c Das war denn freilich der Fall bei den von Schlegel als mustergiltig erkannten Hexametern in den Analekten; denn diese hatten durchschnittlich 69 Prozent Daktylen, ein Verh\u00e4ltnis, welches unter den 18 Mithastern nicht einmal Lappe erreicht. Als Hexameter, welche er \u201emit der gr\u00f6\u00dften Sorgfalt und, soweit seine Einsicht reicht, nach den strengsten Gesetzen sowohl der alten Metrik, als der deutschen Prosodie behandelt\u201c (aber wie es scheint nicht deutscher Metrik), gibt Schlegel seine \u00dcbersetzung der Herabkunft der G\u00f6ttin Ganga zu erkennen. Wir z\u00e4hlen blo\u00df die F\u00fc\u00dfe und finden:<\/p>\n<p>Schlegel, Ganga I: 70, 73, 67, 66, 69, 3<\/p>\n<p>Schlegel, Ganga II: 72, 73, 69, 67, 70, 2<\/p>\n<p>Es ist wahr, auch die Schlegelschen Gangahexameter (Sie sind 1820 gedruckt; \u00dcbersetzungen aus Lukrez vom Jahre 1798 gehen nach alter Schablone: 65, 76, 54, 69, 63, 4) haben mehr Daktylen als die aller altern; aber reiner daktylisch darf man sie darum kaum nennen; im zweiten Fu\u00dfe, dem Hauptfu\u00dfe vor der Z\u00e4sur, haben die altern durchschnittlich noch mehr Daktylen angewandt (83), im dritten Fu\u00dfe fast gleichviel, und ob ein weniger tanzender Gang im ersten und vierten Fu\u00dfe nicht gerade zu den Sch\u00f6nheiten des Hexameters zu rechnen sei, ist sehr die Frage. Aber auch abgesehen davon, so erweist sich wieder, dass es sich, wenn man die zwei Gattungen deutscher Hexameter vergleicht, gar nicht blo\u00df um Troch\u00e4us oder Spondeus handelt, sondern auch um den Daktylus. Eine kleine Differenz zwischen den vier F\u00fc\u00dfen ist freilich auch bei Schlegel vorhanden, aber verschwindend klein.<\/p>\n<p>Auf Schlegel folgen bekanntlich Platen und die neuen \u00dcbersetzer; daneben gehen immer noch Leute nebenher, welche den alten Kleiderschnitt tragen; wir stellen zuerst folgende Dichtungen zusammen, denen sicher gelehrtes Studium des Hexameters vorausgegangen ist:<\/p>\n<p>1. Platen, Fischer auf Capri: 59, 79, 61, 72, 68, 2<\/p>\n<p>2. Platen, Das Fischerm\u00e4dchen in Burano: 73, 75, 69, 84, 75, 0<\/p>\n<p>3. Platen, Amalfi: 71, 76, 71, 74, 73, 2<\/p>\n<p>4. Wiedasch, Odyssee, Gesang VI: 69, 70, 83, 59, 70, 4<\/p>\n<p>5. Donner, Odyssee, Gesang VI: 65, 76, 77, 64, 70, 2<\/p>\n<p>6. Viehoff, Gr\u00f6nlandisches Bild: 53, 63, 49, 58, 56, 1<\/p>\n<p>Man erkennt, dass Platen mit den zwei \u00dcbersetzern in der gro\u00dfen Durchschnittszahl der Daktylen sich zusammentut; aber die Verteilung der Dreisilben stellt sich nicht gleich; bei Platen f\u00e4llt besonders die F\u00fclle der Daktylen im vierten Fu\u00dfe auf, im striktesten Gegens\u00e4tze zu den andern, auch zu Schlegel, Wiedasch und Donner; es scheint, als ob Platen eben \u00fcberall blo\u00df m\u00f6glichst viel Daktylen habe wollen herstellen, ohne auf die Verteilung R\u00fccksicht zu nehmen; bei Wiedasch und Donner trifft das mindere Vorhersehen der Dreiteiligkeit im ersten und vierten Fu\u00dfe mit den altern Dichtern zusammen; dagegen ist, wohl vom \u00dcbergewicht der weiblichen Z\u00e4sur herr\u00fchrend, der dritte Fu\u00df silbenreicher als der zweite geworden. Viehoff bringt beinahe ebensoviel Daktylen an als der Mann, dessen Leben er so flei\u00dfig beschrieben; aber Goethe verteilt sie anders.<\/p>\n<p>Es folgen schlie\u00dflich noch einige Nachz\u00fcgler:<\/p>\n<p>1. Schumann, Moses am Brunnen in der W\u00fcste<br \/>\n(aus C. H. Schumann, Musikst\u00fccke. Annaberg 1824): 53, 79, 71, 56, 65, 1<\/p>\n<p>2. R\u00fcckert, Episteln: 57, 72, 67, 49, 61, 2<\/p>\n<p>3. M\u00f6rike, Idylle vom Bodensee, Gesang I: 60, 75, 63, 50, 62, 4<\/p>\n<p>4. Hebel, Habermu\u00df: 5, 9, 28, 6, 12, 84<\/p>\n<p>5. Hebel, H\u00e4snetjungfrau: 14, 15, 18, 19, 14, 76<\/p>\n<p>6. Klaus Groth, Hanne ut Frankrich: 87, 99, 31, 84, 75, 0<\/p>\n<p>Die ersten drei, unter denen die Schumannschen Hexameter besonders wohlklingend sind, haben wiederum das fr\u00fchere Verh\u00e4ltnis der Versf\u00fc\u00dfe. Dagegen k\u00f6nnte man sich gewiss die beiden dialektischen Dichter nicht diametral entgegengesetzter vorstellen als sie sich hier auf hexametrischem Felde treffen. Zwar da\u00df beide in Hexametern \u00fcberhaupt gedichtet haben, m\u00f6chte schon auffallen, wenn nicht Vossens Einfluss die Sache erkl\u00e4rte. Doch bleiben Hexameter im Munde Schwarzw\u00e4lderischer und Holsteinischer Bauern stets ein kleines R\u00e4tsel; bei uns im S\u00fcden sind sie freilich fast popul\u00e4r geworden, seit Usleri, Hagenbach, Corrodi und andere Hebel auch im Versma\u00dfe nachgeahmt haben. Erw\u00e4hnen darf ich noch, dass unsere Sch\u00fcler, auch wenn sie bereits durch Homer, Vergil, Ovid l\u00e4ngst mit dem Hexameter vertraut geworden sind, doch kaum je in den ihnen wohlbekannten Hebelschen Idyllen denselben Vers vermuten. In dem einen Gedichte 84 Mal, im andern 76 Mal ist die erste Hexameterh\u00e4lfte ganz zweisilbig gebaut; Daktylen finden sich in den vier ersten F\u00fc\u00dfen gleichsam blo\u00df wie Oasen in der W\u00fcste; ob wohl Schlegel diese Verse als Hexameter anerkannt hat? Sie sind es ganz gewiss und entsprechen gewiss dem, was sie wollen: das Gewand abgeben f\u00fcr eine behaglich breite langsam vorr\u00fcckende Erz\u00e4hlung. Den Eindruck, welchen Klaus Groths Verse auf seine Leser oder Zuh\u00f6rer machen, kann ich leider nicht beurteilen; sie entsprechen zum Teil den andern Hexametern und h\u00e4tten wahrscheinlich Schlegels und Platens warmen Beifall. F\u00fcr mein alamannisches Ohr sind sie mir zu tanzm\u00e4\u00dfig, vielleicht f\u00fcr die Ditmarschen nicht.<\/p>\n<p>Noch ein Wort. Ich bin weit entfernt zu glauben, da\u00df durch vorliegende Fu\u00dfz\u00e4hlungen die ganze Natur des neuen deutschen Hexameters offen liege; sie wollen vielmehr blo\u00df eine bis jetzt wenig oder nicht beachtete Eigent\u00fcmlichkeit des Verses darlegen, den uns das griechische Altertum als eines seiner Gastgeschenke dargeboten hat.<\/p>\n<p><em>Ernst G\u00f6tzinger<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Seite ist eine Unterseite zur Seite \u00dcber Hexameter, auf der viele weitere Texte \u00fcber den Hexameter zu finden sind. Neue Jahrb\u00fccher f\u00fcr Philologie und P\u00e4dogogik, II. Abteilung, 1869, Heft 5 \u201eN\u00e4chst der bedeutsamen und wohlklingenden Mannigfaltigkeit in dem Verh\u00e4ltnisse und der Folge der F\u00fc\u00dfe, beruht die Sch\u00f6nheit des Hexameters haupts\u00e4chlich auf der Z\u00e4sur, den&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=987\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Zum deutschen Hexameter<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":4072,"menu_order":1,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-987","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/987","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=987"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/987\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5184,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/987\/revisions\/5184"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4072"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}