{"id":9952,"date":"2020-02-19T21:58:42","date_gmt":"2020-02-19T20:58:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9952"},"modified":"2020-03-10T00:03:07","modified_gmt":"2020-03-09T23:03:07","slug":"zehnter-gesang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9952","title":{"rendered":"Zehnter Gesang"},"content":{"rendered":"<p>Aber den G\u00f6ttern entging kein stiller Gedanke des Menschen.<br \/>\n\u201eH\u00f6rst du&#8217;s\u201c, sprach zu Apoll die bezaubernde G\u00f6ttin der Liebe,<br \/>\n\u201eH\u00f6rst du&#8217;s, wie das Geschenk der geheiligt-besaiteten Leier<br \/>\nNur es vermehrt in der menschlichen Brust, das unendliche Sehnen?<br \/>\nNimm es zur\u00fcck, dein hohes Geschenk! Zeus hat es erlaubt schon,<br \/>\nDass ich besseres Gl\u00fcck dem verlassenen Menschen bereite.\u201c<br \/>\nL\u00e4chelnd erwidert&#8216; Apoll: \u201eDu, reizende G\u00f6ttin, bereite<br \/>\nS\u00fc\u00dfesten Gl\u00fccks, so viel du vermagst, dem verlassenen Menschen;<br \/>\nDoch ihm bleibe dabei das Geschenk der ersehneten Leier!<br \/>\n<strong>10<\/strong> Wer einmal sie besitzt, dem muss sie verbleiben auf immer!<br \/>\nDieses vernommen, sogleich fort schwebte die reizende G\u00f6ttin,<br \/>\nDicht von Gew\u00f6lken umh\u00fcllt, von gefl\u00fcgelten Kindern umgeben,<br \/>\nNieder zur Erd&#8216;, in den dichtesten Hain s\u00fc\u00dfduftender Rosen.<br \/>\nDort, aus dem edelsten, irdischen Stoff, mit gesch\u00e4ftigen Fingern,<br \/>\nFormt&#8216; und bereitete sie ein menschliches, weibliches Wesen,<br \/>\nLebensgef\u00e4hrtin zu sein dem verlassenen, trauernden Menschen.<br \/>\nNiedriger sollte sie stehn, nicht sein hochstrebenden Sinnes,<br \/>\nK\u00fchn und verwegen, wie er: so wollt&#8216; es der Herrscher im Himmel.<br \/>\nDies nicht durfte vergessen die bildend besch\u00e4ftigte G\u00f6ttin;<br \/>\n<strong>20<\/strong> Doch bei der \u00e4u\u00dfern Gestalt nicht hatte der Herrscher beschr\u00e4nkt sie:<br \/>\nDrum liebreizendster Art, ihr selber, der Schaffenden, gleichend,<br \/>\nBildete sie ein sterbliches Weib von entz\u00fcckender Sch\u00f6nheit,<br \/>\nEdel geformt von der herrlichen Stirn bis zum zierlichen Fu\u00dfe,<br \/>\nLieblich im Wechsel vereinend die reizendste F\u00fcll&#8216; und die Zartheit,<br \/>\nSanft \u00fcberhaucht von \u00e4therischem Schmelz das bezaubernde Ganze,<br \/>\nLippen und Wangen gef\u00e4rbt mit dem lieblichen Blute der Rose.<br \/>\nSelber entz\u00fcckt beim stillen Beschaun des vollendeten Werkes,<br \/>\nNeigt&#8216; ihr den rosigen Mund auf den schlummernden Busen die G\u00f6ttin.<br \/>\nDreimal k\u00fcsste sie z\u00e4rtlich die liebliche H\u00fclle des Herzens,<br \/>\n<strong>30<\/strong> Sanft durch dieses ihr gebend das Ma\u00df von geistigem Leben,<br \/>\nDas Zeus hatte bestimmt f\u00fcr die holde Gef\u00e4hrtin des Menschen;<br \/>\nDen ausgehen von ihm, von dem Quell des Gef\u00fchls und der Liebe,<br \/>\nSollte das innere Leben des zarter gebildeten Weibes.<br \/>\nFrohe Bewegung ergoss sich sogleich in die Pulse, die Nerven;<br \/>\nSanft auf wogte der Brust unschuldige Wellenbewegung:<br \/>\nHell auch taten sich auf die geschmeidigen Pforten der Augen,<br \/>\nZwei blau gl\u00e4nzende Himmel in himmlischen Spiegeln zu zeigen;<br \/>\nUnd s\u00fc\u00df kindliches L\u00e4cheln umfloss die ge\u00f6ffneten Lippen.<br \/>\nAls auf schwebte die G\u00f6ttin, zur\u00fcck in den Himmel zu kehren,<br \/>\n<strong>40<\/strong> Und sie, l\u00e4chelnden Blicks, noch schaut&#8216; auf die eben Erschaff&#8217;ne,<br \/>\nWar&#8217;s, als schauete jed&#8216; ihr Bild in bezaubertem Spiegel,<br \/>\nJen&#8216; auf dem blumigen Teppich, und dies&#8216; in der rosigen Wolke.<br \/>\nBald war freilich sie selbst, die bezaubernde G\u00f6ttin, entschwunden;<br \/>\nDoch ihr herrliches Bild blieb l\u00e4chelnd zur\u00fcck auf der Erde,<br \/>\nAls ihr sch\u00f6nster Juwel, der Triumph der erschaffenden Allmacht.<br \/>\nAuf in die Luft sah schweben der Mensch die ger\u00f6tete Wolke,<br \/>\nOhne die G\u00f6ttin darin, die eilig entschwand, zu erkennen.<br \/>\nDoch hochklopfenden Herzens, getrieben von st\u00fcrmischer Ahnung,<br \/>\nEilet&#8216; er hin in den Hain, aus welchem die Wolke sich aufhob.<br \/>\n<strong>50<\/strong> Da &#8211; o des Staunens! Der Lust! Aus den Blumen des Grases erstanden,<br \/>\nTrat ihm, sch\u00fcchternen Schritts, das bezaubernde M\u00e4dlchen entgegen!<br \/>\n\u201eVenus!\u201c, rief er entz\u00fcckt, \u201edu bist von dem Himmel gekommen,<br \/>\nNieder zur Erd&#8216;, um den s\u00fc\u00dfesten Trost dem Verlass&#8217;nen zu bringen!\u201c<br \/>\nUnd dann sank er aufs Knie vor der holden, vermeintlichen G\u00f6ttin,<br \/>\nGl\u00fchenden Dank f\u00fcr die herrliche Gunst ihr stammelnd zu sagen.<br \/>\nIrre geworden indes an der schweigend-beredten Erscheinung,<br \/>\nSprach er: \u201eDu bist es, und bist es auch nicht! Wie soll ich dich nennen?<br \/>\nAber gewiss, von dem Himmel herab, aus dem Kreise der G\u00f6tter<br \/>\nBrachte die Wolke, die hier auf schwebte, dich mir zu Gef\u00e4hrtin!<br \/>\n<strong>60<\/strong> Ach, mein schmerzliches Sehnen, es haben&#8217;s verstanden die G\u00f6tter,<br \/>\nUnd sie sandten mit dir auf die Erde herab mir den Himmel!\u201c<br \/>\nJetzt, o Gesang, auf jauchze berauscht in den freudigsten T\u00f6nen!<br \/>\nDer du gefolgt in die dunkelste Nacht dem versto\u00dfenen Menschen,<br \/>\nDer du die Flammen Vulkans, und Neptuns Sturmwogen gescheut nicht,<br \/>\nJetzt, o Gesang aufjauze vergn\u00fcgt mit entfalteten Fl\u00fcgeln!<br \/>\nSchwinge dich auf mit der Lerche Gesang und der Nachtigall Fl\u00f6ten,<br \/>\nDenn \u00fcbersch\u00e4ngliches Gl\u00fcck bl\u00fcht nun auf der Erde dem Menschen!<br \/>\nDoch nicht Lerchengesang, nicht Nachtigallfl\u00f6ten verk\u00fcnden,<br \/>\nWas in der menschlichen Brust auf wogen f\u00fcr Wonnegef\u00fchle,<br \/>\n<strong>70<\/strong> Wenn zu dem Menschen der Mensch, wenn Liebe zu Liebe sich findet.<br \/>\nHimmlische Wonne zu schildern, gebricht es an himmlischen T\u00f6nen!<br \/>\nD&#8217;rum, o Gesang, nur flie\u00dfe dahin wie die rieselnde Quelle,<br \/>\nDie, von dem Lenze geweckt, froh springt aus dem Berg&#8216; in das Freie,<br \/>\nLiebliche Blumen umsp\u00fclt, sanft \u00fcber den blinkenden Goldsand<br \/>\nRinnt, ein beweglicher Spiegel, ein leiser, vergn\u00fcgter Erz\u00e4hler,<br \/>\nDer nicht sch\u00e4umet und braust weit schallenden Wellenger\u00e4usches.<br \/>\nWelcher Gesang auch spr\u00e4che sie aus, der Beseligung F\u00fclle,<br \/>\nDie, hochwogend, das Herz nun hob und ergl\u00fchte dem Menschen!<br \/>\nWie einst ihn in dem Himmel umher froh f\u00fchrten die G\u00f6tter,<br \/>\n<strong>80<\/strong> Lehrer ihm wurden in Sprach&#8216;, und Gesang, und in vielerlei Kenntnis,<br \/>\nSo f\u00fchrt&#8216; er auf der Erde umher jetzt froh die Gef\u00e4hrtin,<br \/>\nZeigt&#8216; ihr Meer, und Gebirg&#8216;, und T\u00e4ler, und Blumen, und Tiere,<br \/>\nF\u00fchrte zum Fruchtbaum sie, und zur k\u00fchlend erquickenden Quelle,<br \/>\nWard ihr Lehrer in Sprach&#8216;, und Gesang, und in vielerlei Kenntnis.<br \/>\nKlagend erz\u00e4hlet&#8216; er ihr von dem furchtbar-n\u00e4chtlichen Dunkel,<br \/>\nWelches vordem, von Gespenstern verschrecklicht, bedeckte die Erde,<br \/>\nSprach von der Wut des Vulkan, von dem schrecklichen Beben der Erde,<br \/>\nDann von dem Kampf Neptuns, und der st\u00fcrmischen Bildung des Meeres.<br \/>\nFreudig erz\u00e4hlet er ihr, wie die G\u00f6tter sich seiner erbarmet,<br \/>\n<strong>90<\/strong> Himmlisches Licht auf die Erde gesandt mit den Strahlen der Sonne,<br \/>\nLieblich und reich sie geschm\u00fcckt mit unz\u00e4hligen Blumen und B\u00e4umen,<br \/>\nEndlich mit tausend und tausend beweglich-vergn\u00fcgten Gesch\u00f6pfen<br \/>\nTal und Gebirg&#8216;, auch Wasser und Luft wohlt\u00e4tig bev\u00f6lkert.<br \/>\nOft auch f\u00fchrt&#8216; er sie hin zu dem Steine, dem rohen Altare,<br \/>\nLehrte sie beten zu Zeus, und vertrauen der g\u00f6ttlichen G\u00fcte,<br \/>\nDankt&#8216; einstimmig mit ihr, inbr\u00fcnstigen Herzens, den G\u00f6ttern,<br \/>\nDass sie, einer den andern, sich beide begl\u00fcckend, gefunden.<br \/>\nFreudig besprachen sie oft ihr erstens, erstauntes Begegnen,<br \/>\nGingen zum Hain, der feiernd es sah, in der frohsten Erinn&#8217;rung,<br \/>\n<strong>100<\/strong> Ernst nachsinnend dem R\u00e4tsel der wolkenentschwebten Erscheinung.<br \/>\nFest zueinander gesellt, treu teilten sie jegliche Freude,<br \/>\nUnd ein magisches Band zog n\u00e4her die Herzen zusammen;<br \/>\nUntter der Asche jedoch nur glimmte der Funke der Liebe.<br \/>\nReiner Natur unschuldiger Sinn nicht ahnet&#8216; und kann&#8216; ihn,<br \/>\nMied und erzielete nicht, hielt, ohn&#8216; es zu wissen, zu wollen,<br \/>\nVoll jungfr\u00e4ulicher Scheu, ungesucht sich in sch\u00fcchterner Ferne.<br \/>\nDoch in der m\u00e4nnlichen Brust lag Sehnen mit Zagen im Kampfe!<br \/>\nEr wohl war sich bewusst der geheim auflebenden Liebe;<br \/>\nAber er hielt f\u00fcr der Himmlischen eine die sch\u00f6ne Gef\u00e4hrtin,<br \/>\n<strong>110<\/strong> Und nicht hoffend, sie sein je nennen zu d\u00fcrfen in Liebe,<br \/>\nHing an der sch\u00f6nen Gestalt sein Blick oft traurig verd\u00fcstert.<br \/>\nOft hinst\u00fcrzen vor ihr schon wollt&#8216; er, um Liebe zu flehen,<br \/>\nInniger, schmerzlicher noch, als einst vor der G\u00f6ttin der Liebe,<br \/>\nUnd das entz\u00fcckendste Gl\u00fcck vor schwebte dem trunkenen Tr\u00e4umer;<br \/>\nAber im Nu auf schrak er verzagt vor dem Zorne der G\u00f6tter,<br \/>\nDen er herein sah brechen aufs neu&#8216;, sein Gl\u00fcck zu zertr\u00fcmmern,<br \/>\nOb der verwegenen Tat ihn schonunslos zu bestrafen,<br \/>\nWieder in Nacht und in Graus &#8211; auf immer vielleicht! &#8211; ihn zu st\u00fcrzen!<br \/>\nSchrecklicher Schauder ergriff bei solchem Gedanken das Herz ihm,<br \/>\n<strong>120<\/strong> Das vor sich selbst misstrauisch erschrak, selbst laut sich verklagte!<br \/>\nD&#8217;rum weit wollt&#8216; er entfliehn in entlegene, traurige W\u00fcsten,<br \/>\nFern von der holden Gestalt ihr reizendes Bild zu vergessen!<br \/>\nAber ein zaub&#8217;rischer Kreis war rings um beide gezogen,<br \/>\nDem ungestraft sie beide sich nicht zu entziehen vermochten.<br \/>\nFr\u00fch einst war er hinweg nach dem heiligen Haine geeilet,<br \/>\nSuchend f\u00fcr sie, zum erfreulichen Kranz&#8216;, aufbl\u00fchende Rosen.<br \/>\nDoch sie war unterdes an den Quell, zu den L\u00e4mmern gegangen,<br \/>\nHatt&#8216; ein fehlendes Lamm in dem Tale gesucht, auf den Bergen,<br \/>\nUnd sich selber dabei weitab in der Ferne verirret.<br \/>\n<strong>130<\/strong> Als er zur\u00fcck nun kam mit dem sch\u00f6nen, erfreulichen Kranze,<br \/>\nNirgend sie fand, und vergeblich sie rief, und vergeblich sie suchte:<br \/>\nDa, mit gesteigerter Eile, durchirrt&#8216; er die T\u00e4ler, die Berge,<br \/>\nRinnenden Schwei\u00df auf der Stirn, und im Herzen zermalmende Sorge!<br \/>\nAls nun nahte der Abend, und endlich die dunkelnde Nacht gar:<br \/>\nWurde die Sorge zur Qual, und die Klage zur lauten Verzweiflung!<br \/>\nL\u00f6wen und Tiger, er glaubte die w\u00fctenden br\u00fcllen zu h\u00f6ren,<br \/>\nGlaubte die holde Gestalt von der riesigen Schlange umringelt,<br \/>\nGlaubte sie t\u00fcckisch umgarnt von dem d\u00fcstren Verderber, de, D\u00e4mon,<br \/>\nOder zur\u00fcck von den G\u00f6ttern das g\u00f6ttliche Wesen gefodert!<br \/>\n<strong>140<\/strong> Laut aus weint&#8216; er den Schmerz der verzweifelndsten, innigsten Liebe,<br \/>\nEins nur f\u00fchlend, es sei ihm ohne die holde Gef\u00e4hrtin<br \/>\nNichts, mit allen Gew\u00e4chsen und Tieren, die herrliche Erde!<br \/>\nOhne zu hoffen auf Trost, matt war er zu Boden gesunken,<br \/>\nSchlaf nicht findend und Traum, nur nagenden Kummer im Herzen!<br \/>\nHorch! Da bellte der Hund, und rannte hinweg in die Ferne!<br \/>\nHorch! Da klang es, wie rufender Ton, aus der Ferne her\u00fcber!<br \/>\nHimmelsmusik nicht h\u00e4tte dem Trauernden sch\u00f6ner geklungen!<br \/>\nRasch auf sprang er, erwidernd den Ruf, ihm eilend entgegen!<br \/>\nJetzt sich begegneten schon nah, n\u00e4her und froher die Stimmen!<br \/>\n<strong>150<\/strong> Jetzt schon konnten einander die dunkeln Gestalten erblicken!<br \/>\nJetzt, mit befl\u00fcgeltem Schritt, aus streckten sie zitternd die Arme,<br \/>\nUnd dann flogen sie Brust an Brust, und umschlangen einander,<br \/>\nInnig und fest, dass keiner aufs neue den andern verl\u00f6re,<br \/>\nZ\u00e4rtlich und treu, zum nie zu zerrei\u00dfenden, heiligen Bunde!<br \/>\nUnd die begr\u00fc\u00dfenden Lippen, sie bebten einander entgegen,<br \/>\nUnd zum entz\u00fcckendsten Kuss ward freudiger Ruf und Begr\u00fc\u00dfung!<br \/>\nDa ward pl\u00f6tzlich der Funke zur hellauflodernden Flamme!<br \/>\nS\u00fc\u00dfester Trost jetzt folgte den Stunden der Angst und des Schmerzes!<br \/>\nJegliche wurde bezahlt mit belohnender, froher Umarmung!<br \/>\n<strong>160<\/strong> Jeglicher Seufzer erstarb in entz\u00fcckenden Kusses Gefl\u00fcster!<br \/>\nLiebe beseligte sie, noch ehe sie sprachen von Liebe!<br \/>\nUnd Zeus donnerte nicht, noch z\u00fcrnete einer der G\u00f6tter!<br \/>\nErd&#8216; und Himmel. sie wollten sogar mitfeiern das Brautfest!<br \/>\n\u00c4olsharfenget\u00f6n war jedes Gefl\u00fcster des Nachtwinds!<br \/>\nRieselnde Wellen, sie schienen in silberne Glocken verwandelt,<br \/>\nUnd Philomelens Gesang lieh heute vom Himmel die T\u00f6ne!<br \/>\nBlumen an Blumen geschmiegt, sie boten das sanfteste Lager,<br \/>\nJeglicher Kelch sich zum Opfergef\u00e4\u00df einweihend mit Weihrauch!<br \/>\nVenus lieblicher Stern, zum erneuerten Zeichen der Liebe<br \/>\n<strong>170<\/strong> Schien er geweiht von allm\u00e4chtiger Hand mit versch\u00f6nerten Strahlen!<br \/>\nUnd zur gl\u00fchenden Rose, zur Blume der Liebe geworden<br \/>\nWar der vergr\u00f6\u00dferte Mond, aufsteigend am feiernden Himmel!<br \/>\nSeliges, seliges Paar, dem Zeichen wie diese gegeben,<br \/>\nDem die Natur half feiern das Fest der begl\u00fcckenden Liebe,<br \/>\nDas die Natur selbst leitet&#8216; ans Ziel gl\u00fccksel&#8217;ger Vereinung,<br \/>\nOhne der Unschuld Strahl in den Herzen verdunkeln zu lassen!<br \/>\nHin zum Altar ging freudig das Paar am erwachenden Morgen,<br \/>\nDank f\u00fcr das Gl\u00fcck, das beiden geworden, den G\u00f6ttern zu bringen.<br \/>\nRein-unschuldigen Sinnes zum Himmel erhoben den Blick sie;<br \/>\nUnd mild gl\u00e4nzte die Sonne sie an, als g\u00e4be sie Antwort,<br \/>\n<strong>180<\/strong> Dass beif\u00e4llig die G\u00f6tter herab auf das gl\u00fcckliche Paar s\u00e4hn.<br \/>\nDreimal seliger Mensch! Wie lieb war jetzt ihm die Erde!<br \/>\nLieb, als h\u00e4tten herab ihm den Himmel die G\u00f6tter gesendet!<br \/>\nJahre des herrlichsten Gl\u00fccks, sie flossen, wie Tage, vor\u00fcber!<br \/>\nUnd von allem, womit ihn hatten die G\u00f6tter begnadigt,<br \/>\nGab er best\u00e4ndig den Preis dem Besitz der begl\u00fcckenden Gattin.<br \/>\nDoch noch andere Lieb&#8216; ihm sollt&#8216; in dem Herzen erwachsen,<br \/>\nLiebe, von der das verwunderte Herz nichts hatte geahnet,<br \/>\nLiebe der heiligsten Art: zu den Pf\u00e4ndern der Liebe, den Kindern,<br \/>\nEndlich zu Kindern der Kinder, auf dass ihr bl\u00fchender Anblick<br \/>\nSp\u00f6nne des Gl\u00fccks Goldfaden hinaus in das sp\u00e4teste Alter.<br \/>\n<strong>190<\/strong> Dankbar schaut&#8216; er umher, und sah, ein gefeierter Ahnherr,<br \/>\nEinem erbl\u00fchten Geschlecht, aufbl\u00fchend, ein anderes folgen!<br \/>\nFreudig hinaus, mit prophetischem Geist, in entlegene Ferne<br \/>\nSchaut&#8216; er und sah Nachkommen unz\u00e4hlig erf\u00fcllen die Erde,<br \/>\nSah sich reicher, als Zeus, bald werden an bl\u00fchenden Kindern,<br \/>\nSah stets sch\u00f6ner und reicher gestaltet die gr\u00fcnende Erde;<br \/>\nUnd kaum wusst&#8216; er, um was noch sei zu beneiden der Himmel!<br \/>\nAber das irdische Gl\u00fcck, nicht sollt&#8216; es dem himmlischen gleich sein!<br \/>\nNachstehn musste der Mensch den unsterblichen, seligen G\u00f6ttern:<br \/>\nD&#8217;rum war weise beschr\u00e4nkt im voraus sein irdisches Dasein,<br \/>\n<strong>200<\/strong> Und sein Ziel auf der Bahn ihm gesteckt von der waltenden Gottheit!<br \/>\nOft schon hatt&#8216; er gesehen den Tod in der fr\u00f6hlichen Tierwelt;<br \/>\nUnd die entschwindende Kraft lie\u00df ahnen ein gleiches Geschick ihn.<br \/>\nTr\u00e4nenden Blicks oft dacht&#8216; er betr\u00fcbt an die Stunde des Scheidens,<br \/>\nDr\u00fcckte der Gattin, den Kindern die Hand, liebkoste die Enkel,<br \/>\nUnd das ergreifendste Weh, es durchzittere Nerven und Herz ihm!<br \/>\nStill da nahm er die Leier zur Hand, die vergessen gewes&#8217;ne,<br \/>\nGing in den Hain, auf den heiteren Berg, an die murmelnde Quelle,<br \/>\nRief aus den t\u00f6nenden Saiten begleitende Trauer-Akkorde,<br \/>\nAbschied nehmend voraus von der teuern, der herrlichen Erde!<br \/>\n<strong>210<\/strong> Einsam sang er das Lied tief-schmerzlicher Trauer und Wehmut,<br \/>\nUnd auf das welke Laub sank seine verheimlichte Tr\u00e4ne!<br \/>\nAber den Blick zu dem Himmel hinauf jetzt sehnend gehoben,<br \/>\nSang er: &#8222;Zerfalle der Leib, und werde zu Moder und Staube:<br \/>\nLebet der Geist, den selber mir Zeus einatmete, fort nur!<br \/>\nDorthin kehrt er zur\u00fcck, in den Himmel, aus welchem er stammet!<br \/>\nBei den Unsterblichen dort ist seine belohnende Heimat!&#8220;<br \/>\nAlso sang er, und hofft&#8216; er, dem Tode sich freudig ergebend,<br \/>\nDr\u00fcckte die Leier ans Herz, und verschied in dem Arme der Liebe.<\/p>\n<p>Viele Jahrtausende sind&#8217;s! Nicht thronen die G\u00f6tter, die alten,<br \/>\n<strong>220<\/strong> \u00dcber dem Erdball noch! L\u00e4ngst st\u00fcrzte zusammen ihr Prachtsaal,<br \/>\nWurden zu Tr\u00fcmmer die Tempel mit ihren geheiligten Bildern,<br \/>\nUnd ihr Atem, er wehet nur noch in Ges\u00e4ngen der Vorzeit!<br \/>\nAber die Sonne, der Mond, die Gestirne, sie leuchten wie sonst noch;<br \/>\nHerrlich geschm\u00fcckt noch gr\u00fcnet und bl\u00fcht die gesegnete Erde,<br \/>\nGibt zahllosen Gesch\u00f6pfen erfreuliche Wohnung und Nahrung;<br \/>\nUnd es gebietet der Mensch, ihr Herrscher, von Pole zu Pole,<br \/>\n\u00dcber Gew\u00e4chs&#8216; und Tier&#8216;; er gebietet dem Feuer, dem Wasser,<br \/>\nOb auch nie der zerst\u00f6rende Groll einschlummert in beiden.<br \/>\nLange verf\u00fchrt von der t\u00fcckischen List des verderblichen D\u00e4mons,<br \/>\n<strong>230<\/strong> Holt er des Erzes unendliche Meng&#8216; aus den Kl\u00fcften der Berge;<br \/>\nEisen und Stahl, und ver\u00e4chtliches Blei zu zerst\u00f6renden Waffen!<br \/>\nSilber, und Gold, nebst Edelgesteinen, zu Prunk und Verf\u00fchrung!<br \/>\nDoch fort lebet in ihm der geheiligte, g\u00f6ttliche Funke,<br \/>\nDer, nach jedem verd\u00fcsternden Druck, nur herrlicher aufgl\u00e4nzt;<br \/>\nH\u00f6her und h\u00f6her empor stets strebt er in Kenntnis und Tugend;<br \/>\nUnd von Geschlecht zu Geschlecht fort tr\u00e4umt er, und ehrt er den alten,<br \/>\nFrommen, begl\u00fcckenden Traum von der Heimat \u00fcber den Sternen,<br \/>\nF\u00fchlt sich verwandt, durch unsterblichen Geist, mit dem h\u00f6chsten der Geister,<br \/>\nUnd, froh hoffenden Blicks, noch schaut er im Tode gen Himmel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aber den G\u00f6ttern entging kein stiller Gedanke des Menschen. \u201eH\u00f6rst du&#8217;s\u201c, sprach zu Apoll die bezaubernde G\u00f6ttin der Liebe, \u201eH\u00f6rst du&#8217;s, wie das Geschenk der geheiligt-besaiteten Leier Nur es vermehrt in der menschlichen Brust, das unendliche Sehnen? 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