{"id":9984,"date":"2020-02-29T21:03:13","date_gmt":"2020-02-29T20:03:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9984"},"modified":"2020-03-01T23:43:45","modified_gmt":"2020-03-01T22:43:45","slug":"zweiter-gesang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9984","title":{"rendered":"Zweiter Gesang"},"content":{"rendered":"<p>Abend senkte sich nun und still vertrauliche D\u00e4mm&#8217;rung<br \/>\nAuf die Fluren herab, es streiften leiser die Winde<br \/>\n\u00dcber der schlummernden Trift mit K\u00fchlung wehendem Fittig.<br \/>\nFern in Westen entglimmt&#8216;, am Purpursaum des Gew\u00f6lkes,<br \/>\nSchon der liebliche Stern, der F\u00fchrer gl\u00e4nzender Scharen,<br \/>\nWelche die schweigende Nacht erhellen mit freundlichem Schimmer.<br \/>\nS\u00e4uselnd wiegten die Zweige der bl\u00fchenden Myrthe des Tages<br \/>\nFr\u00f6hliche S\u00e4nger in Schlaf, es kehrten emsige Bienen,<br \/>\nNoch mit s\u00fc\u00dfer Beute beladen, summend zur\u00fccke.<br \/>\n<strong>10<\/strong> Schon gesenket standen die schlummernden Blumen und schlossen<br \/>\nLeis&#8216; den farbigen Kelch, der zarten D\u00fcfte Bewahrer.<br \/>\nUnd an den Felsen gelehnt sa\u00df unbeweglich die Jungfrau,<br \/>\nSenkt&#8216; in die st\u00fctzende Hand ihr Haupt mit sinnendem Schweigen.<br \/>\nErsten Blicks vielleicht, ging hier ein Wandrer vor\u00fcber,<br \/>\nH\u00e4tt&#8216; es diesen ged\u00fcnkt, sie ruhe nach fr\u00f6hlicher Arbeit,<br \/>\nEingewiegt von des Quells leisfl\u00fcsternd sanftem Gemurmel,<br \/>\nTeile sorglos sie auch der G\u00f6tter freundlichste Gabe<br \/>\nMit der ganzen Natur, den holderquickenden Schlummer.<br \/>\nAber die liebliche Ruhe verscheuchte die schmerzliche Sorg ihr,<br \/>\n<strong>20<\/strong> Welche die Freundin erregt mit \u00e4ngstlich dringender Warnung,<br \/>\nUnd so sprach sie zu sich, im Stillen manches erw\u00e4gend:<br \/>\nJa! Wie kann ich es selber mir bergen! Stand doch Likoris<br \/>\nErst mit Err\u00f6ten vor mir, in stumm besch\u00e4mter Verwirrung,<br \/>\nUnd das unendliche Lob, wie scherzend es nannten die M\u00e4dchen,<br \/>\nZeigt es die Schuldige nicht, die frevelnde Liebe besch\u00f6nigt?<br \/>\nOder tr\u00fcbte vielleicht ein kr\u00e4nklich nichtiger Argwohn<br \/>\nThestylis&#8216; sp\u00e4henden Blick und schuf ein t\u00e4uschendes Schreckbild?<br \/>\nIst auch strafbar darum Likoris, weil sie die Neugier<br \/>\nDer Gespielinnen stillt, mit munterem Plaudern, des J\u00fcnglings<br \/>\n<strong>30<\/strong> Sch\u00f6nheit preisend, verbunden der Sitten Adel und Einfalt?<br \/>\nHebt mir doch froh der Gedanke den Busen, dass ich sein eigen<br \/>\nBald auf immer nun bin, und wenn ich der lieblichen Hoffnung<br \/>\nJetzt mich stiller erfreue, greift durch das ernstere Schicksal,<br \/>\nZ\u00fcrn&#8216; ich ihr billig darum, die hold in reizender Unschuld<br \/>\nZwischen dem Kinde noch schwankt und der zartentbl\u00fchenden Jungfrau,<br \/>\nDass sie offen ihr Herz uns zeiget sicher und arglos?<br \/>\nAlso redend erhob mit heit&#8217;rer Ruhe Simaitha<br \/>\nSchon den entw\u00f6lkten Blick, doch pl\u00f6tzlich umschwebt&#8216; ihr die Stirne,<br \/>\nDunkler Ahndung voll, des warnenden Traumes Erinn&#8217;rung.<br \/>\n<strong>40<\/strong> Schon erf\u00fcllet w\u00e4hnte sie ganz die traurige Deutung,<br \/>\nSah den Br\u00e4utigam, los aus ihren Armen sich rei\u00dfend,<br \/>\nAn dem Busen der Schwester und barg in die H\u00e4nde das Antlitz.<br \/>\nDoch ein kurzes Besinnen gab schnell die Fassung zur\u00fcck ihr,<br \/>\nUnd so sprach sie bewegt: Kann denn ein nichtiges Dunstbild<br \/>\nMich mit Sorgen erf\u00fcllen, die stets der T\u00e4uschungen lachte?<br \/>\nJa, ich f\u00fchl&#8216; es, den Geist bewahret vor sch\u00e4ndlichem Irrtum<br \/>\nMehr die Zufriedenheit als je die Vernunft und die Wahrheit.<br \/>\nK\u00fchn verschm\u00e4het und stolz jedweden Wahn der Begl\u00fcckte,<br \/>\nFreundlichen G\u00f6ttern vertrauend, die Gegenwart b\u00fcrgt f\u00fcr die Zukunft;<br \/>\n<strong>50<\/strong> Doch wenn nun der Verlust ihm droht des teuersten Gl\u00fcckes,<br \/>\nWeicht auch die st\u00fctzende Hand der Himmlischen, trostlos und einsam<br \/>\nBebt der Sichere jetzt und fasst, in grausender D\u00e4mm&#8217;rung,<br \/>\nDann der Ahndung schwankendes Band; sie kn\u00fcpft an die Hoffnung<br \/>\nLeis&#8216; ihn wieder aufs neu&#8216;, indem sie der Furcht ihn verbindet.<br \/>\nAlso strebte Simaitha, mit ruhig ernster Betrachtung,<br \/>\nSanft die Sorge zu t\u00e4uschen des heimlich qu\u00e4lenden Argwohns;<br \/>\nAls, die betaueten Wiesen durchwandelnd, jetzt Diokles<br \/>\nIhren Blicken sich zeigte, verhei\u00dfen hatt&#8216; er der Jungfrau,<br \/>\nWenn der Tag sich geneigt, im Tal ihr hier zu begegnen.<br \/>\n<strong>60<\/strong> Darum weilte sie noch allein und harrte des J\u00fcnglings,<br \/>\nDen am schirmenden Felsen des Pfades Kr\u00fcmme nun herf\u00fchrt.<br \/>\nSo wie bei sinkender Nacht ein Wand&#8217;rer, der in des Waldes<br \/>\nDunkel verirrt sich sieht auf wild unwegsamem Pfade,<br \/>\nWenn ihm pl\u00f6tzlich von fern das Licht aus wirtlicher H\u00fctte<br \/>\nStrahlet, getrosten Sinns sich wendet zur menschlichen Wohnung,<br \/>\nWo er in Ruhe nun hofft nach bang unsicherem Schweifen:<br \/>\nAlso schauet mit Lust und frohem Hoffen die Jungfrau<br \/>\nZu dem geliebtesten Mann und jeder Zweifel verschwand ihr<br \/>\nVor des Geliebten N\u00e4h&#8216;, auf den sie einzig vertrauet.<br \/>\n<strong>70<\/strong> Ihm entgegen nun trat sie so voll heit&#8217;rer Erwartung,<br \/>\nAus der B\u00e4ume Kreis, der noch sie, in dichter Umschattung,<br \/>\nSeinem Blicke verbarg, und nannte den Namen des J\u00fcnglings.<br \/>\nAber als ihm, der sinnend, im wachen Traume, die Blicke<br \/>\nStarr zur Erde gesenkt und, unbek\u00fcmmert des Pfades,<br \/>\nUnbewusst ihm gefolgt, die sanfte Stimme Simaithas&#8216;<br \/>\nT\u00f6nte, die hohe Gestalt entstieg den Schatten der D\u00e4mm&#8217;rung,<br \/>\nHob er das lockige Haupt mit Staunen, und hemmte den Fu\u00dftritt,<br \/>\nBis mit fragenden Worten die Jungfrau also ihm zurief:<br \/>\nSprich! Was fesselt so starr am Boden den wandelnden Fu\u00df dir,<br \/>\n<strong>80<\/strong> Dass nicht eilend, wie sonst, und gern dein Schritt mir begegnet?<br \/>\nSchreckte die Stimme dich der Geliebten? O wie verschieden<br \/>\nIst vom mutigen Manne das Weib, das sch\u00fcchterne nennt ihr&#8217;s!<br \/>\nFurchtlos immer doch w\u00fcrd&#8216; ich die deine h\u00f6ren und stieg mir<br \/>\nAuch entgegen der Ruf aus dem Scho\u00dfe des n\u00e4chtlichen Orkus;<br \/>\nNur ein Nachhall noch der Stimme lieblicher Sehnsucht<br \/>\nW\u00fcrde nimmer fremd sie mir ert\u00f6nen noch schreckbar.<br \/>\nDoch, mit fliegenden Worten, darauf der sch\u00f6ne Diokles:<br \/>\nTraun, du Treffliche z\u00fcrnest mir billig, selber doch d\u00fcnkt mich<br \/>\nJetzt befremdend, wie dir, mein furchtsam z\u00f6gerndes Staunen.<br \/>\n<strong>90<\/strong> Aber als du hervor am Felsen schwebtest, umwallte<br \/>\nLichterer Glanz die herrliche Bildung, \u00e4hnlich den reinen<br \/>\nHeiligen Nymphen des Quells, wenn leis&#8216; sie im Dufte des Abends,<br \/>\nSilbernen Fluten entsteigend, zum Reihen sich sammeln, erschienst du<br \/>\nEine der Himmlischen mir, umwebt von dem Schimmer der Gottheit.<br \/>\nAlso Diokles besch\u00e4mt, und ihm erwidert Simaitha:<br \/>\nNicht was ich eben dir schien, ein Wesen h\u00f6herer Abkunft,<br \/>\nNein, der sterblichen Frau&#8217;n geliebteste m\u00f6gt&#8216; ich dir hei\u00dfen.<br \/>\nDenn die G\u00f6ttin verehret der Mann, ihn fesselt das Weib nur.<br \/>\nScheinet doch dies Wort, so sprach der bl\u00fchende J\u00fcngling,<br \/>\n<strong>100<\/strong> Aus den Tiefen der Brust geraubt mir! In sch\u00f6ner Bedeutung<br \/>\nSprichst du kl\u00e4rer nur aus, was dunkel l\u00e4ngst mich Empfindung<br \/>\nLehrte! Fremd bleibt immer dem kleinen Menschen die Gottheit.<br \/>\nKaum erreichet der Dampf des Dankaltars die Gew\u00f6lbe,<br \/>\n\u00dcber denen sie thront, und froh vertrauend nur neiget<br \/>\nSich zum Menschen der Mensch, um Freud&#8216; und Gebrechen zu teilen,<br \/>\nUnd die Schw\u00e4che nur kn\u00fcpft die unaufl\u00f6slichen Knoten.<br \/>\nAber mit heiterem Ernst entgegnete diesem die Jungfrau:<br \/>\nWenn im hohen Olymp die G\u00f6tter thronen, so sind sie<br \/>\nNicht uns ferner darum, und stiege zu ihnen des Dankes<br \/>\n<strong>110<\/strong> Stimme nimmer empor, so str\u00f6mte doch nieder die Wohltat.<br \/>\nHeiter umwallet uns stets des Tages freundliche Klarheit,<br \/>\nMild uns die friedliche Nacht, mit allen ewigen Sternen.<br \/>\n\u00dcber beide ja waltet ein hohes himmlisches Antlitz!<br \/>\nPh\u00f6bus der Strahlende schenkt den Tagen Freude; der Schwester<br \/>\nImmer wechselndes Licht erhellet die z\u00f6gernden N\u00e4chte.<br \/>\nSchau, dort steigt sie empor, am waldumkr\u00f6neten H\u00fcgel;<br \/>\nKein Gesang erschallt aus dem Busch, mit ruhendem Fittig<br \/>\nSchlummern die Zephyre hier, gewiegt auf tauigten Blumen.<br \/>\nAber du lehnest stumm, Geliebter, an der Zypresse,<br \/>\n<strong>120<\/strong> G\u00e4nzlich scheinst du versenkt in traurig ernste Betrachtung?<br \/>\nAlso fragte sie; tief erseufzend versetzte der J\u00fcngling:<br \/>\nJa, was berg&#8216; ich es dir &#8211; mir weckt im Busen nur Wehmut<br \/>\nRings die n\u00e4chtliche Ruh&#8216; der weiten lebenden Sch\u00f6pfung.<br \/>\nMuss im d\u00e4mmernden Reich des s\u00fc\u00dfen Schlummers allein denn<br \/>\nStets die menschliche Brust beweget bleiben und rastlos?<br \/>\nAber ihm nahte gelassen, mit ernsten Worten, Simaitha:<br \/>\nZ\u00fcrnst du den G\u00f6ttern, mein Freund, den g\u00fctigen, dass sie das Herz dir<br \/>\nZart und f\u00fchlend gebildet, der Freud&#8216; und dem Kummer empf\u00e4nglich?<br \/>\nDoch von au\u00dfen dringt und oberfl\u00e4chlich der Schmerz nur<br \/>\n<strong>130<\/strong> An die ruhige Brust, wo tief im Innern das Gl\u00fcck quillt.<br \/>\nAber sage, warum doch jetzt, so nahe der Stunde,<br \/>\nDie uns auf immer vereinet, du fern dich zeigest und fremd mir?<br \/>\nTr\u00fcbes Schweigen nur ist&#8217;s und scheu verschlossener Kleinmut,<br \/>\nWelche dem offenen Blick, der heiter&#8217;n Rede begegnen.<br \/>\nBist auch du es, Diokles, und war es wirklich die teure<br \/>\nStimme, die ich vernahm? So wie vom ferneren Felsen<br \/>\nDumpf des Freundes Ruf her\u00fcber schallt, es verwehet<br \/>\nJedes schmeichelnde Wort der Liebe ein neidischer Lufthauch,<br \/>\nAlso h\u00f6r&#8216; ich auch nun den Ton, der das Herz mir beweget;<br \/>\n<strong>140<\/strong> Aber des froherw\u00fcnscheten Sinnes lausch&#8216; ich vergebens.<br \/>\nLass von hinnen uns geh&#8217;n! Es weben z\u00fcrnende Nymphen,<br \/>\nWie der Efeu den Felsen umstricket, hier um die Seele<br \/>\nSorg&#8216; und Zweifel mir nur; die kalte Hand des Verdachtes<br \/>\nL\u00f6st von dem liebenden Busen die sch\u00f6nsten, heiligsten Bande.<br \/>\nAlso sprach sie und wandte sich abw\u00e4rts, doch es ereilte<br \/>\nSchnell sie der J\u00fcngling und rief in innig tiefer Bewegung:<br \/>\nNicht verkenne mich so! F\u00fcrwahr, dir fasste der Argwohn<br \/>\nQu\u00e4lender nimmer die Brust, als bange Scheu, dich zu kr\u00e4nken,<br \/>\nAuch mich ergreifet; allein ich hasse der schmeichelnden Worte<br \/>\n<strong>150<\/strong> Feigen Doppelsinn, und stets erschien ich dir wahrhaft,<br \/>\nOffen bleibe darum und rein auch unser Verh\u00e4ltnis.<br \/>\nJa, ich bekenn&#8216; es dir frei: mit still gehegter Besorgnis<br \/>\nSeh&#8216; ich nahe den Tag der langerhofften Verbindung,<br \/>\nFremder f\u00fchl&#8216; ich mich nun dir jetzt, doch richte du selbst mich.<br \/>\nZweimal f\u00fcllte sich kaum die wechselnde Scheibe des Mondes,<br \/>\nSeit ich zuerst in dem Tempel dich sah, die sch\u00f6nste der Jungfrau&#8217;n,<br \/>\nLiebe durchgl\u00fchte die Brust mir, du kamst dem sch\u00fcchternen J\u00fcngling<br \/>\nSanft entgegen, und so entlockte schmeichelnde Hoffnung<br \/>\nDas Bekenntnis mir gleich der neuen s\u00fc\u00dfen Gef\u00fchle.<br \/>\n<strong>160<\/strong> Nur das reizende Weib entz\u00fcckte mich; heiter, um Liebe,<br \/>\nLiebe zu tauschen, erschien mit der Frauen h\u00f6chste Bestimmung;<br \/>\nDoch als, n\u00e4her ich dir, erstaunt die besonnene Klarheit<br \/>\nSah des seltenen Geists, und deines tiefen Gem\u00fctes<br \/>\nHeilige Still&#8216; und Huld, wie schien ich selber so klein mir!<br \/>\nIn dem Innern des Hauses erschienst du, \u00e4hnlich dem Schutzgeist,<br \/>\nFreundlich waltend vor mir, die kleinsten Gesch\u00e4fte veredelnd;<br \/>\nStets um alles besorgt, zugleich mit heiterer Ruhe<br \/>\nGanz gesammelt in dir. Da schien des eigenen Wirkens<br \/>\nEngbeschr\u00e4nkter Kreis mit jetzt so nichtig und zwecklos.<br \/>\n<strong>170<\/strong> Sprich! Was k\u00f6nnt&#8216; ich dir sein, das du nicht alles dir selbst bist?<br \/>\nWas dem liebenden Weibe im frohen Bunde gew\u00f6hnlich<br \/>\nWird der reifere Mann, ein Freund, der, reich an Erfahrung,<br \/>\nKlug sie die Pfade des Lebens, die vielverschlungenen, leitet,<br \/>\nG\u00fctig die Schw\u00e4chen der Gattin ertr\u00e4gt und mild sie zurechtweist,<br \/>\nNimmer werd&#8216; ich es dir! O sprich, welch seltenes Schicksal<br \/>\nHat, auf die zarteste Form des Weibes, h\u00f6herer Weisheit<br \/>\nErnstes Gepr\u00e4ge gedr\u00fcckt, und was gesellte der Bl\u00fcte<br \/>\nRosiger Jugend zugleich des Greisen ruhige Klugheit?<br \/>\nAber Simaitha sprach, die sch\u00f6ne, traurig erwidernd:<br \/>\n<strong>180<\/strong> Eine Welt von Erfahrung und Leiden trag&#8216; ich im Busen!<br \/>\nZ\u00fcrnt denn aber so streng ein unvers\u00f6hnliches Schicksal,<br \/>\nDass die h\u00f6here Ruh und Fassung, welche das Ungl\u00fcck<br \/>\nBot mit tr\u00f6stender Hand, als mit der andern es alles<br \/>\nMir entriss, anjetzt mir den Geliebten entfremdet,<br \/>\nUnd durch den sch\u00f6nsten Besitz mir raubet die lieblichste Hoffnung?<br \/>\nDoch, wohl f\u00fchl ich&#8217;s, bedarf der Augenblick eines Wortes,<br \/>\nDas ich im Busen verschloss. Ja, h\u00e4tte, teurer Diokles,<br \/>\nErnst und Schweigen von mir dich entfernt und die Bande gel\u00f6set;<br \/>\nO! So kn\u00fcpf&#8216; uns aufs neue zusammen Vertrau&#8217;n und Empfindung!<br \/>\n<strong>190<\/strong> Seltsam schein&#8216; es dir nicht, wenn ich geschwiegen, denn z\u00f6gernd<br \/>\nL\u00f6st ein langverschlossener Schmerz sich nur von des Busens<br \/>\nSchweigendem Heiligtum, wo er einst ein Gott uns geworden,<br \/>\nDem wir die herrlichsten Opfer, die teuersten, Freude und Hoffnung<br \/>\nLange geweihet! Und st\u00fcrzt die Zeit auch den traurigen Altar!<br \/>\nEhrt das geheilete Herz noch still, was einst ihn geheiligt.<br \/>\nEinen Freund besa\u00df ich, als kaum wir(!) der l\u00e4chelnden Kindheit<br \/>\nRosiger Nebel zerfloss. Die Zeit, wo das t\u00e4ndelnde M\u00e4dchen<br \/>\nZwischen Blumen noch spielt, gewann die sch\u00f6nste Bedeutung<br \/>\nF\u00fcr das junge Gem\u00fct, und, wie auf gr\u00fcnenden H\u00f6hen,<br \/>\n<strong>200<\/strong> Hold gewecket vom Strahl des goldnen Tages, die Blume<br \/>\nFr\u00fcher den farbigen Kelch entschlie\u00dft, wenn im Dufte der D\u00e4mm&#8217;rung<br \/>\nSchlummern die Kinder des Tals, auch so entfaltete schnell und<br \/>\nHeiter, im Sonnenscheine der heiligsten Liebe, mein Geist sich.<br \/>\nAber der herrliche Mann, der stolze, verschm\u00e4hte den Vorteil,<br \/>\nDen die Sitte gew\u00e4hrt, nach welcher dem \u00e4rmeren J\u00fcngling<br \/>\nGern das beg\u00fcterte M\u00e4dchen die Hand reicht, im Handel des Auslands<br \/>\nWollt&#8216; er Sch\u00e4tze f\u00fcr mich erwerben. Unseliger Gro\u00dfmut!<br \/>\nIn den Wogen fand er sein Grab; um den lodernden Holzsto\u00df<br \/>\nT\u00f6nte kein trauriges Schluchzen der Braut, nicht ruh&#8217;n die Gebeine<br \/>\n<strong>210<\/strong> Unter beschattetem Mal, verschlungen hat ihn der Abgrund.<br \/>\nAber die ganze Natur war nun bedeutend und heilig<br \/>\nMir geworden, ein Kranz, der sch\u00f6n die ewigen Bl\u00fcten<br \/>\nSchlang um das herrliche Haupt des lichtumstrahlten Geliebten.<br \/>\nJene blauliche Flut, die fern im Schimmer des Abends<br \/>\nDort uns gl\u00e4nzet, durchschnitt vordem das eilende Fahrzeug,<br \/>\nDas von hinnen ihn trug; an diesem felsigen Ufer<br \/>\nStand ich weinend vor ihm, als m\u00e4nnlich fest er des Abschieds<br \/>\nSchmerzen trug. Wie oft verweilt&#8216; ich hier am Gestade,<br \/>\nDuftende Kr\u00e4nze flechtend, ich weihte sie glaubig den Nymphen,<br \/>\n<strong>220<\/strong> Dass sie mir sch\u00fctzten den Freund und z\u00e4hmten die brausende Meerflut.<br \/>\nAuch zum Himmel empor, wo still die S\u00f6hne der Leda<br \/>\nNebeneinander die Bahn durchlaufen, in seliger Eintracht,<br \/>\nHob ich freudig den Blick. Sie, die mit strahlendem Fittig<br \/>\nTr\u00f6stend erscheinen dem Schiffer, ein frohes Zeichen der Rettung,<br \/>\nW\u00e4hnt&#8216; ich mir nah und verwandt, sie teilen die Sorgen der Liebe.<br \/>\nSo wand Erd&#8216; und Himmel, im ernster&#8217;n heiligen Kreise,<br \/>\nBald sich bedeutend um mich, und als die Hoffnung hinabsank,<br \/>\nStieg, ein milderes Licht, empor mir heiter Erinn&#8217;rung.<br \/>\nAber mein Herz bedarf des deinen, dass ihm die Jugend,<br \/>\n<strong>230<\/strong> Ach, die gold&#8217;ne, zur\u00fcck noch kehre! Liebe verkn\u00fcpfet<br \/>\nFest nur begl\u00fcckend aufs neu, mich dann der ver\u00f6deten Zukunft.<br \/>\nUnd sie neigte die Stirn, die reine bl\u00fchende Jungfrau,<br \/>\nAn des J\u00fcnglings Brust, der leis&#8216;, voll inniger R\u00fchrung<br \/>\nSie umfassend, rief: Vergib des Sch\u00fcchternen Bl\u00f6dsinn!<br \/>\nWie ein sterblicher Mann, den unerwartet der G\u00f6ttin<br \/>\nHimmlische Liebe begl\u00fcckt; f\u00fchl auch ich, Herrliche, selig<br \/>\nMich in deinem Besitz! O lehre das Gl\u00fcck mich ertragen!<br \/>\nDiesen h\u00f6her&#8217;n Glanz, der dich umstrahlet! Und dankbar<br \/>\nWeih&#8216; ich ein Leben dir ganz, das deine Liebe geheiligt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abend senkte sich nun und still vertrauliche D\u00e4mm&#8217;rung Auf die Fluren herab, es streiften leiser die Winde \u00dcber der schlummernden Trift mit K\u00fchlung wehendem Fittig. 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