{"id":9991,"date":"2020-02-29T21:11:28","date_gmt":"2020-02-29T20:11:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9991"},"modified":"2020-03-01T23:51:02","modified_gmt":"2020-03-01T22:51:02","slug":"fuenfter-gesang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9991","title":{"rendered":"F\u00fcnfter Gesang"},"content":{"rendered":"<p>Grausam \u00fcbst du die Macht, die \u00fcber G\u00f6tter und Menschen<br \/>\nDir verliehen ist, aus, o! schmerzerregender Eros!<br \/>\nKein Gesetz ist dir heilig, du \u00fcberspringest mit Wilk\u00fcr<br \/>\nK\u00fchn die Schranken der Pflicht, die ernst dem Menschen gebietet.<br \/>\nFrevelnd versendest den Pfeil du, den leichtbeschwingten, vom gold&#8217;nen<br \/>\nBogen, wie dir&#8217;s gel\u00fcstet. Der sittlichen alten Gewohnheit<br \/>\nAchtest du nicht und zerrei\u00dfest gepr\u00fcfte Bande der Freundschaft.<br \/>\nDenn in des J\u00fcnglings Brust, in den reinen Busen der Jungfrau<br \/>\nGie\u00dfest du lodernde Gluten, der Liebe schmerzliche Sorgen<br \/>\n<strong>10<\/strong> Und gleich bittere Qual des Vorwurfs beiden bereitend.<br \/>\nKeines entgehet dir je, und oft noch w\u00e4hnet sich sicher<br \/>\nEiner, dem sich der Pfeil schon tief in den Busen gesenket.<br \/>\nScheust doch du dich nicht, dem Donnerschleuderer Liebe<br \/>\nIn der g\u00f6ttlichen Brust erweckend, ihn vom Olympos<br \/>\nSchmeichelnd hernieder oft zu zieh&#8217;n in der Sterblichen Wohnung.<br \/>\nJa, in wildumgreifendem Frevel schonest du selbst nicht<br \/>\nAuch der eigenen Mutter, der l\u00e4cheln-liebenden K\u00fcpris.<br \/>\nAber allein gesch\u00fctzt vor dir und deinem Geschosse<br \/>\nSind Menemosynens T\u00f6chter, die lieblich redenden Musen,<br \/>\n<strong>20<\/strong> Sie, die kundig des Lieds und kundig der t\u00f6nenden Leier<br \/>\nTaten der Menschen singen, so wie der unsterblichen G\u00f6tter,<br \/>\nWelche die Liebe bet\u00f6rt; doch sie besch\u00fctzt des Gesanges<br \/>\nZauber, den Busen bewegt allein der liebliche Wohllaut.<br \/>\nWaltet huldreich denn, ihr hohen heiligen Jungfrau&#8217;n,<br \/>\nJetzt auch \u00fcber mein Lied! Ich singes des sch\u00f6nen Diokles&#8216;<br \/>\nHeimlich lodernde Lieb&#8216; und die Liebe der jungen Likoris.<br \/>\nAch! Die Arme, sie hatte das sinneverwirrende Gift schon<br \/>\nAus dem ersten Blick des J\u00fcnglings gesogen, der \u00e4hnlich<br \/>\nWar den G\u00f6ttern an Wuchs und edler bl\u00fchender Bildung.<br \/>\n<strong>30<\/strong> Doch ihm selber verstrickte mit falschen Netzen den Busen<br \/>\nEros und Himeros, schlau ihn den ersten Wegen entlockend.<br \/>\nDenn Simaitha besa\u00df sein Herz! Die h\u00f6here Sch\u00f6nheit<br \/>\nEhrt&#8216; er f\u00fchlend in ihr, der Krone herrlicher Jungfrau&#8217;n;<br \/>\nAber zu nah erschien ihm der Unschuld r\u00fchrender Liebreiz,<br \/>\nWelcher die Schwester schm\u00fcckte; der Liebe fr\u00fcheste Regung<br \/>\nSah er mit Anteil durch sich im zarten Busen gewecket,<br \/>\nUnd so wandte sein Herz zum holdaufbl\u00fchenden M\u00e4dchen<br \/>\nLeis&#8216; sich hin; denn schwer ist&#8217;s widerstehen der Neigung,<br \/>\nDie nicht Erwiderung fordernd sich unbegrenzet uns hingibt.<br \/>\n<strong>40<\/strong> Dankbar w\u00e4hnte Diokles sich so und schon war er untreu.<br \/>\nH\u00f6her hob sich stets und unerreichbar Simaitha<br \/>\nSeinen Blicken empor, es schmiegte der jungen Likoris<br \/>\nLiebel\u00e4chelndes Bild sich enger dem Busen des J\u00fcnglings<br \/>\nUnd vertraulicher an, zu sp\u00e4t erwacht das Bewusstsein,<br \/>\nDa der Leidenschaft Sturm schon allgewaltig ihn fortrei\u00dft.<br \/>\nAlso ermuntert vergebens sich einer, der an des Nachens<br \/>\nSteuer entschlief, wenn entfesselt die Wut der Orkane daherbraust.<br \/>\nNacht umh\u00fcllt ihm den Blick, die leitenden Sterne verschleiert<br \/>\nTr\u00fcglicher Nebel, indes verirrt sein schwankendes Fahrzeug<br \/>\n<strong>50<\/strong> Nun des Ozeans Pfade, die wogenumt\u00fcrmten, durchschneidet,<br \/>\nUferlos und fern vom heiter&#8217;n Gestade der Heimat.<br \/>\nAuch Diokles Aug&#8216; schloss nicht sich heute zum Schlummer,<br \/>\nSorgen hielten ihn wach! So schien, im bangen Gef\u00fchl, ihm<br \/>\nL\u00e4nger die s\u00e4umende Nacht, und kaum err\u00f6tet, im Osten,<br \/>\nHeiter das graue Gew\u00f6lk und k\u00fcndet den nahenden Tag an,<br \/>\nAls er, den Morgen zu gr\u00fc\u00dfen. des engen Gemaches Umd\u00e4mm&#8217;rung<br \/>\nSchnell enteilte, hinan den dichtangrenzenden Weinberg<br \/>\nWandelnd auf tauigtem Pfad, er stand umblickend jetzo<br \/>\nStill, wo kunstlos im Fels gehauen aufw\u00e4rts der Fu\u00dfsteig<br \/>\n<strong>60<\/strong> F\u00fchrte zum ebenen Rund, der H\u00f6he Gipfel, es dehnte,<br \/>\nNur mit B\u00e4nken umfasst, sich frei der ger\u00e4umige Platz aus;<br \/>\nUnbegrenzet rings er\u00f6ffnete weit sich die Aussicht<br \/>\nHier in die heiteren T\u00e4ler des reichen bl\u00fchenden Eilands,<br \/>\nDas die felsigen Ufer aus gr\u00fcnlichen Fluten emporhebt.<br \/>\nUnd schon gl\u00fchte das Meer von den weithinwallenden Schleiers<br \/>\nPurpur herrlich gef\u00e4rbt, wie sch\u00f6n er der rosigen Aeos<br \/>\nAntlitz flatternd umweht, der Fluten heiteren Spiegel<br \/>\nKr\u00e4uselt aus Osten der Wind und jedem Blatte Bewegung<br \/>\nGibt er, mit schmeichelndem Hauch die zarten Knospen ums\u00e4uselnd,<br \/>\n<strong>70<\/strong> Dass sie zu Bl\u00fcten entfaltet, im Glanz err\u00f6tender Unschuld.<br \/>\nPrangten, und lieblichem Duft, mit Perlen des Taues umschimmert,<br \/>\nDer vom fl\u00fcsternden Laub ein sanfter Regen herabtr\u00e4uft.<br \/>\nAber schmerzlich kehrte die sinnenden Blicke der J\u00fcngling<br \/>\nZu dem bescheidenen Dach, in dessen stiller Umschirmung<br \/>\nStets der Friede gewohnt und bei der Freude die Eintracht.<br \/>\nFliehen sah er im Geiste die alten G\u00f6tter der Ruhe,<br \/>\nDie besch\u00fctzend vordem gewaltet am h\u00e4uslichen Altar,<br \/>\nGrausam verscheuchet nun durch Eros&#8216; verderbliche Willk\u00fcr.<br \/>\nJa, ihm schien auf immer in tr\u00fcb verschleierter Zukunft<br \/>\n<strong>80<\/strong> Jeder Ausweg verh\u00fcllt, und \u00e4ngstlich sann er vergebens<br \/>\nRettende Mittel und schafft&#8216; des Herzens traurige Schwachheit,<br \/>\nAls er, den Blick erhebend, nicht fern die junge Likoris<br \/>\nUnten vor sich sah, wie rasch sie die Steile hinanstieg.<br \/>\nZu Diokles wandte sie schon die Blicke mit Sehnsucht,<br \/>\nDer auf der H\u00f6he sich zeigt und jetzt erschrocken zur\u00fcckschwankt,<br \/>\nGleich dem tr\u00e4umenden Mann, der das sichere Lager, bewusstlos,<br \/>\nBlind hinwandelnd, verl\u00e4sst: auf nachtumh\u00fcllete Pfade<br \/>\nSchreitet er ahnungslos, umringt mit dunklen Gefahren.<br \/>\nWenn sein Name nun pl\u00f6tzlich ins Ohr ihm t\u00f6nt, er erwachend,<br \/>\n<strong>90<\/strong> Scheu, mit starrem Entsetzen das Auge wendet vom Abgrund,<br \/>\nWelcher zur Seit&#8216; ihm droht, er steht mit zweifelndem Entschluss,<br \/>\nOb er den strauchelnden Fu\u00df zur\u00fcck, wohl, ob er ihn vorw\u00e4rts<br \/>\nSetze, noch h\u00e4lt ihn die Furcht des nahen Sturzes gefesselt,<br \/>\nWo er in schwindelnder Angst nun unvermeidlich ihm vorschwebt.<br \/>\nAlso Diokles, er sp\u00e4hte best\u00fcrzt die Wege zur Flucht noch,<br \/>\nAls, den schwebenden Tritt befl\u00fcgelnd, zun\u00e4chst ihm das M\u00e4dchen<br \/>\nSchon, das eilende, trat, die hochger\u00f6tete Wange<br \/>\nAn die Schulter ihm lehnte. Des Busens schnelleres Klopfen<br \/>\nHemmte noch ihr die Rede; sie schaute tief atmend und sprachlos,<br \/>\n<strong>100<\/strong> Still zu ihm empor; doch abgewendet das Antlitz,<br \/>\nM\u00fchsam K\u00e4lte heuchelnd, berief sie also der J\u00fcngling:<br \/>\nUnbesonnen doch eilst und w\u00e4hlst du den steileren Fu\u00dfsteg,<br \/>\nDa der bequemere Gang sich sanft an dem H\u00fcgel hinanzieht!<br \/>\nSieh&#8216; dir gl\u00fchet die Wang&#8216; und sch\u00e4dliche K\u00fchlung umwehet<br \/>\nHier dir die brennende Stirn, doch lohnt so herrliches Schauspiel<br \/>\nWohl den beschwerlichen Gang! Du kommt noch eben, den Aufgang<br \/>\nHier der Sonne zu seh&#8217;n, die heut&#8216;, in blendender Klarheit,<br \/>\nAus dem wogenden Bad des weiten Meeres heraufsteigt.<br \/>\nSchau, wie, das lichte Gew\u00f6lk durchbrechend, blitzende Strahlen<br \/>\n<strong>110<\/strong> Aufw\u00e4rts schie\u00dfen. So wirkt in den zart durchsichtigen Schleier,<br \/>\nKlug verteilend, geschickt, die Weberin schimmerndes Gold ein.<br \/>\nHell auch gl\u00e4nzen die Zinnen der Stadt und die heiteren S\u00f6ller!<br \/>\nAber, heftig bewegt, entgegnet ihm eilig die Jungfrau:<br \/>\nSchweig! O schweige hievon! Du zeigest, wozu mir das Auge,<br \/>\nAch! Wozu mir auch jetzt der unbefangene Sinn fehlt.<br \/>\nWohl gedenk ich der fr\u00fcheren Zeit noch, da ich den H\u00fcgel<br \/>\nStill aufwandelnd erstieg, der Morgenr\u00f6te begegnend;<br \/>\nDoch nicht also heut&#8216;; des Herzens heftige Regung,<br \/>\nSie verschlingt, wie des Meers emp\u00f6rte Wellen des Mondes<br \/>\n<strong>120<\/strong> Heiter&#8217;n Abglanz, mit der Natur erfreuliches Schauspiel.<br \/>\nDich nur sucht&#8216; ich anjetzt, ich sehe dich nur allein hier.<br \/>\nSiehe! Mit Bitten steh&#8216; ich vor dir, ach!, aber im Unmut<br \/>\nNicht versagend bestrafe den leicht befremdenden Wunsch nun.<br \/>\nT\u00f6richt scheinet wohl oft und unbesonnen der Entschluss,<br \/>\nDen ein Gott in die Brust, unsichtbar tr\u00f6stend, uns senkte;<br \/>\nAlso erf\u00fcllet auch mir ein Wunsch die Seele, von dir nur,<br \/>\nR\u00fchret mein Flehen dich jetzt, erwart&#8216; ich froh die Gew\u00e4hrung.<br \/>\nDenn als gestern du noch so fromm der kr\u00e4nkelnden Mutter<br \/>\nDachtest, welche nach dir sich sehnet in einsamer Wohnung,<br \/>\n<strong>130<\/strong> Sieh! Da ergriff mich lebendig der Wunsch, die Teure zu pflegen,<br \/>\nTr\u00f6stlich vielleicht ihr zu sein. Die willigste Sklavin erwartet,<br \/>\nUm zu gehorchen, doch erst Befehle der Frau, und der Kranken<br \/>\nStets abwechselnde W\u00fcnsche belauscht die sorgende Tochter.<br \/>\nMutter werde sie mir, die W\u00fcrdige, da sie mich aufnimmt.<br \/>\nStaunend trittst du zur\u00fcck! Ja dir ist&#8217;s kundig, verschieden<br \/>\nWar von diesem noch kurz, und fest, so schien es, mein Vorsatz,<br \/>\nStets bei der Schwester zu weilen, bei ihr, die der dunkleren Kindheit<br \/>\nTreue Pflegerin war, und dann dem wachsenden M\u00e4dchen<br \/>\nTraute Gespielin erschien und freundlich belehrendes Beispiel.<br \/>\n<strong>140<\/strong> Gl\u00fccklich w\u00e4hnt&#8216; ich mich schon, wenn ich begl\u00fcckt nur die Schwester,<br \/>\nDie geliebteste, s\u00e4h&#8216;, vereinet mit ihrem Erw\u00e4hlten;<br \/>\nDoch jetzt f\u00fchl&#8216; ich&#8217;s! Euch st\u00f6rte doch nur die l\u00e4stige Zeugin<br \/>\nStets im heiter&#8217;n Genuss, auch zieht das \u00e4hnliche Schicksal<br \/>\nNun die Einsame hin, zu ihr, die verlassen wie sie ist.<br \/>\nO gew\u00e4hre die Bitte! Geleite selbst mich zur Mutter,<br \/>\nUnd als Geschenke des Sohns, der teuren, gr\u00fc\u00dft sie vielleicht dann,<br \/>\nSanft, willkommen mich auch, mich Unerfahr&#8217;ne belehrt sie.<br \/>\nWenn mit der Spundel bei ihr ich sitze, wenn an dem Webstuhl<br \/>\nHin und wider die Hand bewegt das gl\u00e4nzende Schifflein;<br \/>\n<strong>150<\/strong> Dann erneuet sich ihr mit Wehmut s\u00fc\u00df die Erinn&#8217;rung<br \/>\nJener fr\u00fcheren Zeit, wo stets im Kreise der Knaben<br \/>\nDu der sch\u00f6nste gewandelt, bei jeder munteren \u00dcbung<br \/>\nAuch der erste der Schar, wie bald du zum m\u00e4nnlichen J\u00fcngling<br \/>\nReiftest, ihr zur Lust, und f\u00fcr das Alter die Hoffnung.<br \/>\nAber es weinen die Frau&#8217;n, die dienenden, wenn sie die Tr\u00e4nen<br \/>\nDer Gebieterin seh&#8217;n, die nun den Entfernten betrauert,<br \/>\nUnd in den Scho\u00df entsinkt aus flei\u00dfigen H\u00e4nden die Arbeit.<br \/>\nWohl befragt mich dann jede mit Neugier: Ob die Begl\u00fcckte<br \/>\nSeiner w\u00fcrdig auch sei, sie, die er sich w\u00e4hlte zur Gattin?<br \/>\n<strong>160<\/strong> Und nicht zaudernd kalt, nein schnell, mit freudiger Neigung,<br \/>\nSprech&#8216; ich herzlich es aus, das Lob der trefflichsten Jungfrau,<br \/>\nDie vor allen allein die deine zu hei\u00dfen nur wert war.<br \/>\nDoch wenn das Tagewerk nun vollendet ist, stillere Nacht herrscht,<br \/>\nSchleich ich, vom Schleier umh\u00fcllt, an jenes Ufer, von dem uns<br \/>\nGestern der Vater erz\u00e4hlt&#8216;, mich leitet die treue Beschreibung<br \/>\nSicher zum Felsen hinan, den wild umsch\u00e4umet die Brandung.<br \/>\nRingsum schweifet der Blick und misst mit Schaudern des Abgrunds<br \/>\nTiefen. Wie! Du erbleichst? O zitt&#8217;re nicht! Um wie jene<br \/>\nTief in tobender Flut den brennenden Schmerz zu versenken,<br \/>\n<strong>170<\/strong> Dazu, ach! versagte den hohen Mut die Natur mir.<br \/>\nUnd du t\u00e4uschest mich nicht, nie hast du mir Liebe geheuchelt!<br \/>\nAlso Likoris, ihr l\u00f6st ein rasches Wort das Geheimnis<br \/>\nVon der ge\u00e4ngsteten Brust, nicht l\u00e4nger bez\u00e4hmte Diokles<br \/>\nAuch des eignen Gef\u00fchls allm\u00e4chtig st\u00fcrmende Regung,<br \/>\nDoe er schweigen bek\u00e4mpft, wie jetzt sie seigend ihn hinriss,<br \/>\nDass sein kr\u00e4ftiger Arm sie umschlang und sie fest an der Brust hielt.<br \/>\nLauter klopften vereint und gleichen Schlages die Herzen,<br \/>\nDie sich sehnend so lang entgegen wallten, und h\u00f6her<br \/>\nHob sich der Gl\u00fccklichen Brust in stummer, s\u00fc\u00dfer Berauschung.<br \/>\n<strong>180<\/strong> Aber pl\u00f6tzlich entwand sich dem Arm des geliebtesten J\u00fcnglings<br \/>\n\u00c4ngstlich die Liebende: bang aufschreiend barg sie das Antlitz<br \/>\nTief in den moosichten Sitz mit bittend gefalteten H\u00e4nden,<br \/>\nWies den Nahenden weg, ihn mit stummen Zeichen entfernend.<br \/>\nDoch gesammelter stand Diokles, Mitleid und R\u00fchrung<br \/>\nF\u00fcllte sein liebend Gem\u00fct, und, zart mit Sorge sich neigend,<br \/>\nSprach er also zu ihr: Fasst denn die Reue so grausam<br \/>\nQu\u00e4lend die reine Brust dir jetzo, dass ein Gest\u00e4ndnis<br \/>\nDiesen Lippen entfloh, die niemals noch der Verstellung<br \/>\nSprache kannten, die Herz kennt nur die Lieb&#8216; und die Wahrheit.<br \/>\n<strong>190<\/strong> Sprich! Was Entz\u00fccken mir gab, erregt&#8217;s dir so bittere Schmerzen?<br \/>\nNimmer wird, so lange das Leben noch w\u00e4hret, ein Ton mir<br \/>\nMehr das Ohr erfreu&#8217;n mit schmeichelnd s\u00fc\u00dferem Wohllaut.<br \/>\nAber wie ich mit dir der Liebe kurzes Entz\u00fccken<br \/>\nTeilte, also auch teil&#8216; ich den ersten, edleren Entschluss:<br \/>\nMeinem Worte vertrau&#8216;. O! Weig&#8217;re nicht mir dein Anschau&#8217;n!<br \/>\nFliehen doch Feinde sich nur mit scheu geh\u00e4ssigtem Misstrau&#8217;n!<br \/>\nNicht unschuldiger Liebe geziemt es, welche der Opfer<br \/>\nGr\u00f6\u00dftes zu bringen, wie du, sich rein entschlossen gezeiget.<br \/>\nBald auf immer ja trennt das Schicksal uns, und es sondert<br \/>\n<strong>200<\/strong> Diese Stunde, die sch\u00f6ne, sich ab von den j\u00fcngeren Schwestern,<br \/>\nWie der hellere Stern allein am Abend heraufstrahlt.<br \/>\nEinmal g\u00f6nne mir denn, zum letzten Male, den Blick noch,<br \/>\nDer, dein Herz mir enth\u00fcllend, so tief das meine bewegt hat.<br \/>\nDa erhob sie das Haupt und sank mit Schluchzen dem J\u00fcngling<br \/>\nStumm in den Arm, der die Z\u00e4hren von schattender Wimper ihr aufk\u00fcsst.<br \/>\nAls liebkosend er nun sie sanft getr\u00f6stet, enteilt&#8216; er<br \/>\nFesten Schrittes und schnell. Es breitete weinend Likoris<br \/>\nSehnende Arme nach ihm; vergebens hofft sie, so lange<br \/>\nSichtbar dem liebenden Blick der Wandelnde, ob er das Haupt noch<br \/>\n<strong>210<\/strong> R\u00fcckw\u00e4rts wende, das sch\u00f6ne, in dessen Locken der West spielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grausam \u00fcbst du die Macht, die \u00fcber G\u00f6tter und Menschen Dir verliehen ist, aus, o! schmerzerregender Eros! Kein Gesetz ist dir heilig, du \u00fcberspringest mit Wilk\u00fcr K\u00fchn die Schranken der Pflicht, die ernst dem Menschen gebietet. Frevelnd versendest den Pfeil du, den leichtbeschwingten, vom gold&#8217;nen Bogen, wie dir&#8217;s gel\u00fcstet. 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