{"id":9995,"date":"2020-02-29T21:13:45","date_gmt":"2020-02-29T20:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?page_id=9995"},"modified":"2020-03-01T23:54:12","modified_gmt":"2020-03-01T22:54:12","slug":"sechster-gesang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9995","title":{"rendered":"Sechster Gesang"},"content":{"rendered":"<p>Unges\u00e4umet betrat und still entschlossen der J\u00fcngling<br \/>\nNun das inn&#8217;re Gemach, doch sch\u00fcchtern sich der Verlobten<br \/>\nNahend; ihn qu\u00e4lte die Furcht, der Seele tiefstes Geheimnis<br \/>\n\u00dcbereilt ihr vielleicht, mit raschem Wort, zu verraten;<br \/>\nUnd noch schwieg er besch\u00e4mt, da, gegen\u00fcber der Jungfrau,<br \/>\nJetzt er den forschenden Blick des klaren Auges begegnet;<br \/>\nDoch, gesammelter bald, sprach also, mit Fassung, Diokles:<br \/>\nSei mir, du Treffliche, heut&#8216; gegr\u00fc\u00dfet, aber verzeihe,<br \/>\nWenn ich am festlichen Tag, der unser&#8217;m Bunde geweiht ist,<br \/>\n<strong>10<\/strong> Mit dem liebenden Gru\u00df die fremde Bitte zugleich auch,<br \/>\nJa die willkommene nicht entgegen jetzo dir bringe;<br \/>\nAber des Freundes Herz ist wohlbekannt, o Simaitha,<br \/>\nDir, das offene, schon, das so unstr\u00e4flichen Wunsch nicht<br \/>\nLang&#8216; in sich verschlie\u00dft und \u00e4ngstlich zweifelnd geheim h\u00e4lt.<br \/>\nH\u00f6re liebreich denn, mit hold begegnender Nachsicht,<br \/>\nWas, im Stillen vielleicht, schon l\u00e4ngst mit heimlicher Unruh<br \/>\nAuch, und st\u00f6render Sorge, das ernste Gem\u00fct dir bewegt hat.<br \/>\nInnig verbanden bis jetzt des Dankes heitere Pflichten<br \/>\nDir die j\u00fcngere Schwester, f\u00fcr welche du Freundin und Mutter<br \/>\n<strong>20<\/strong> Warest, und sie vom eisernen Druck verj\u00e4hrter Gewohnheit,<br \/>\nDie sie zur Sklavin bestimmt, befreitest mit seltener Gro\u00dfmut;<br \/>\nAber es \u00e4ndert sich bald, so f\u00fcrcht&#8216; ich, das sch\u00f6ne Verh\u00e4ltnis.<br \/>\nEinsam wird sie sich seh&#8217;n, wenn nun der Gattin und Mutter<br \/>\nS\u00fc\u00dfe Sorgen von ihr und neue Pflichten dich abzieh&#8217;n,<br \/>\nTraurige Zeugin dann des Gl\u00fcckes, das sie nicht teilet,<br \/>\nUnd mit schweigendem Neid und heimlichem Kummer nur ansieht.<br \/>\nTad&#8217;le nicht sie darum, ihr ward ja die gleiche Bestimmung!<br \/>\nKannte sie je vorher getrennte Freuden? Genossin<br \/>\nWar sie dir unschuldiger Lust wie heiterer Arbeit.<br \/>\n<strong>30<\/strong> Doch ein Ausweg bleibt; ich selbst geleite, wofern du<br \/>\nDieses billigst, zu ihr, die mich geboren, das M\u00e4gdlein,<br \/>\nDie, so kenn&#8216; ich sie, gern die Liebliche m\u00fctterlich aufnimmt.<br \/>\nAuch, dass dir nicht darum entgeh&#8216; die gewohnte Bedingung,<br \/>\nSorg&#8216; ich; die h\u00e4usliche Mutter erzieht seit Jahren mit Sorgfalt,<br \/>\nSich zum eigenen Dienst, zwei M\u00e4dchen, welche den Haushalt<br \/>\nKlug zu f\u00fchren versteh&#8217;n, in zierlichen K\u00fcnsten der Pallas<br \/>\nDurch die Erfahrene selbst belehret. Sch\u00f6ner die weiche<br \/>\nWolle zu f\u00e4rben, besa\u00df Arachne nicht das Geheimnis,<br \/>\nNoch ein zarter Gespinst zu dreh&#8217;n; auch entwallte dem Webstuhl<br \/>\n<strong>40<\/strong> Manches Schimmergewand, von ihren H\u00e4nden gefertigt.<br \/>\nDieser eine nun gibt dir gern zum Ersatze die Mutter,<br \/>\nR\u00fcstiger f\u00f6rdert sie dir und besser, mein&#8216; ich, die Arbeit,<br \/>\nStatt der jungen Likoris, die kaum entwachsen der Kindheit.<br \/>\nAber, sie ganz zu begl\u00fccken, erw\u00e4hl&#8216; ich selber, bed\u00e4chtig,<br \/>\nUnter den Jugendgenossen f\u00fcr sie den w\u00fcrdigsten J\u00fcngling,<br \/>\nWelcher sie liebend begehrt und dem sie freudig sich hingibt.<br \/>\nAber, dass sie nicht, arm, besch\u00e4mt sich f\u00fchle, bereit&#8216; ich,<br \/>\nDies verstatte du noch, f\u00fcr das M\u00e4dchen die schickliche Mitgift.<br \/>\nKeine Schwester, du wei\u00dft&#8217;s, entzeiht mir des reichlichen Erbteils<br \/>\n<strong>50<\/strong> Vollen Besitz f\u00fcr mich, von liebenden Eltern gesammelt.<br \/>\nJa aufs neue besiege die unnat\u00fcrliche Sitte,<br \/>\nWelche der J\u00fcngeren hier, zugleich mit der lieblichen Freiheit,<br \/>\nAuch die heiteren Bande begl\u00fcckender Ehe versaget;<br \/>\nUnd du erfreust duch des Bundes dann, den du selber gekn\u00fcpft hast.<br \/>\nAlso Diokles; und jetzt, in des er der z\u00f6gernden Antwort<br \/>\nStill noch harrte, bewegt ihm der W\u00fcnsche peinlicher Zwiespalt<br \/>\nSeltsam das tiefe Gem\u00fct, denn mit der zweifelnden Sorge,<br \/>\nOb ihm die Bitte wohl, die fromme, weig&#8217;re Simaitha,<br \/>\nStritt, so wollt&#8216; es Eros, die b\u00e4ngere Furcht vor Gew\u00e4hrung.<br \/>\n<strong>60<\/strong> Doch ihr selber entnahm die ernste Bitte des J\u00fcnglings<br \/>\nJenen verhassten Verdacht, und scheuchte die Wolke des Tr\u00fcbsinns,<br \/>\nWelche der Jungfrau Stirn mit stiller Trauer umh\u00fcllte.<br \/>\nAlso verdunkelt erscheint des Sees heitere Fl\u00e4che,<br \/>\nWenn ein dr\u00e4uend Gew\u00f6lk auf die Berge sich senkt und es rauschen<br \/>\nTr\u00fcb die Wellen empor, die beweglichen; n\u00e4chtliche Schatten<br \/>\nSchwanken die Ufer hinan, bis siegend ein g\u00fcnstiger Lufthauch<br \/>\nSchnell die D\u00fcnste zerstreut und sch\u00f6n aufs neue, gespiegelt<br \/>\nDann von der ruhigen Flut der Himmel gl\u00e4nzend zur\u00fcckstrahlt;<br \/>\nAlso, befreit auch jetzt vom dunkel schwankenden Argwohn,<br \/>\n<strong>70<\/strong> \u00d6ffnet das reine Gem\u00fct sich gern der tr\u00f6stenden Wahrheit.<br \/>\nKlar durchschaut sie nun mit stillem Sinn das Verh\u00e4ltnis,<br \/>\nUnd zu dem J\u00fcngling gewandt erwidert&#8216; also die Jungfrau:<br \/>\nRecht ist, was du begehrst, und hold begegnet Erf\u00fcllung<br \/>\nDeinem Wunsche schon, der auch den fr\u00fcheren Entschluss<br \/>\nTief im Busen mir st\u00e4hlt; zu teuer kaufet der Ruhe<br \/>\nHoldes Kleinod sich nie, und nun erring&#8216; ich es leichter,<br \/>\nDa dein Sinn mir bekannt. So sei uns nimmer Likoris<br \/>\nZeugin k\u00fcnftigen Gl\u00fccks! Der kr\u00e4nkelnden Mutter verg\u00f6nn&#8216; ich<br \/>\nGern zur Pflegerin sie, und bald vereinet dem J\u00fcngling,<br \/>\n<strong>80<\/strong> Der sie vor allen erw\u00e4hlte, dem froh sie und liebend sich hingibt.<br \/>\nJa, so wird mir vielleicht der Schmerz des herben Verlustes<br \/>\nDurch ein sch\u00f6neres Gl\u00fcck, das ich begr\u00fcnde, gemildert.<br \/>\nAber gehe, mein Freund! Den Vater rufe! Das Opfer<br \/>\nW\u00fcnscht&#8216; ich fr\u00fcher vollbracht, das segenerflehende, bald sonst<br \/>\nKommt der Gespielen l\u00e4rmende Schar! Der stillere Sinn nur<br \/>\nNahet mit frohem Gebet allein sich w\u00fcrdig der Gottheit.<br \/>\nDieses sprach sie, und tief ersch\u00fcttert eilte der J\u00fcngling.<br \/>\nAber die Stufen hinan durchflog die Halle des Eingangs<br \/>\nThestylis festlich geschm\u00fcckt, ihr rief beweget Simaitha<br \/>\n<strong>90<\/strong> Lebhaft Willkommen entgegen und sank in der Freundin Umarmung.<br \/>\nL\u00e4chelnd entfaltet gleich die Kommende hier vor der Jungfrau<br \/>\nSchnell ein zartes Geweb von selt&#8217;nen Farben und Sch\u00f6nheit.<br \/>\nAlso prangen, gepflegt von flei\u00dfiger Hand, Anemonen,<br \/>\nPurpurschimmernd, vom Blut ger\u00f6tet der lieblichen Cypris.<br \/>\nUnd mit innigen Worten der Liebe redet sie also:<br \/>\nNimm dies Brautgeschenk, Simaitha, trefflichste Jungfrau!<br \/>\nDie du, den scherzenden Kreis der Jugendgespielen verlassend,<br \/>\nHeute dem Gatten dich gibst! Der Neuverm\u00e4hlte umwalle<br \/>\nDieser Schleier das Haupt, auch flocht ich selber der Myrthe<br \/>\n<strong>100<\/strong> Bl\u00fchend Gewinde dir hier. Heut schm\u00fccke sch\u00f6n die Begl\u00fcckte<br \/>\nHymens lieblicher Kranz, den die Hand der Jugendgespielin<br \/>\nJetzt in des goldenen Haars verschlungene Flechten befestigt.<br \/>\nDoch nicht seh&#8216; ich wie sonst sie rings, mit zierlicher Ordnung,<br \/>\nDir um die Scheitel gelegt! In tiefen Schwingungen sinken<br \/>\nSie zur Schulter herab! Den losen Geflechten entschl\u00fcpfet<br \/>\nLang die wallende Locke, da sonst nur zartes Gekr\u00e4usel<br \/>\nUm den Nacken dir spielt; so seh&#8216; ich ich heute, mit Staunen,<br \/>\nZwar nicht minder sch\u00f6n, doch ungem\u00e4\u00df der Gewohnheit.<br \/>\nWo denn s\u00e4umet Likoris? Und \u00fcbt am festlichen Tag sie<br \/>\n<strong>110<\/strong> Also l\u00e4ssig den Dienst? Doch halt! Hell flammt wie der Blitzstrahl<br \/>\nEin Gedanke mir auf, den, ach! dein Schweigen best\u00e4tigt.<br \/>\nTrog mein Auge mich nicht? Die Freundschaft sch\u00e4rft es, und ehrst du<br \/>\nNun im warnenden Traum den heiligen Boten der G\u00f6tter?<br \/>\nWas entdecktest du? Sprich: Ist noch unkundig Diokles<br \/>\nIhrer Neigung? Belehrte nur dich vielleicht ein Gest\u00e4ndnis,<br \/>\nOder teilet er selbst der str\u00e4flichen Liebe Geheimnis?<br \/>\nUnmut aber im Blick und schweigend kehrte Simaitha<br \/>\nVon der Fragenden jetzt mit ernstem Z\u00fcrnen das Antlitz.<br \/>\nWelch unseliger Gabe, so sprach sie heftig, ber\u00fchmst du,<br \/>\n<strong>120<\/strong> Selbstgef\u00e4llig, dich doch, entschleiert stets nur die Zukunft<br \/>\nDann, die verh\u00fcllte, zu seh&#8217;n, wenn Schmerz ihr und Trauer gesellt ist!<br \/>\nNein! Nicht achtest f\u00fcrwahr den Jammer du der Gespielin,<br \/>\nWenn sich der Traum nur bew\u00e4hrt, der unheilbringende; dennoch<br \/>\nL\u00f6set noch diese Stunde den Knoten, wie es die Ahndung<br \/>\nNie dir sagte, dann steht vielleicht erstaunt die Prophetin.<br \/>\nSo die Jungfrau; doch schnell, durchdrungen von inniger Wehmut,<br \/>\nRief sie mit Heftigkeit aus: Vergib! Es w\u00fchlet, zerst\u00f6rend,<br \/>\nTief im Busen der Schmerz, vertilgend rei\u00dft er, gewaltsam,<br \/>\nSo der Liebe sanfteres Band aus blutender Brust mir.<br \/>\n<strong>130<\/strong> Auch der Freundschaft Hand ber\u00fchrt die verwundete schmerzlich,<br \/>\nAlles schwankt um mich, je n\u00e4her mir der Entscheidung<br \/>\nBanger Augenblick schwebt, und fest steht nur der Entschluss mir.<br \/>\nAlso sprach sie bewegt, ihr schluchzt an dem Busen die Freundin,<br \/>\nUnd still weinend hielten sich lang&#8216; umschlungen die Jungfrau&#8217;n.<br \/>\nAber sie trennten sich nun, da im Feiergewande Diokles,<br \/>\nVon dem festlichen Zug umgeben, langsam herannaht.<br \/>\nHeiter schreitet Filemos voran, um die silbernen Locken<br \/>\nPrangt ihm ein farbiger Kranz, und wohlgef\u00e4llig erhebt er<br \/>\nHoch die flammende Fackel, ihn freut das Gepr\u00e4nge der Hochzeit.<br \/>\n<strong>140<\/strong> Mit gesenketem Blick geht neben dem Vater Likoris.<br \/>\nAber als er um sich die Kinder im Kreise gesammelt,<br \/>\nReichet feierlich ernst er dem bleichen, bebenden M\u00e4dchen<br \/>\nNun die heilige Fackel, die Hymens heiteren Zug f\u00fchrt.<br \/>\nTief ger\u00fchret gedenkt er zugleich der verlorenen Gattin,<br \/>\nWelcher dies Amt geb\u00fchrt, und ruft mit herzlicher Trauer:<br \/>\nNimmer hoffe der Mensch, dass je vollkommenen Gl\u00fcckes<br \/>\nSich zu erfreuen ihm verg\u00f6nnt sei, denn es gesellt sich<br \/>\nStets der s\u00fc\u00dferen Freude zugleich der herbere Schmerz bei.<br \/>\nAlso mahnt auch die Feier der froherw\u00fcnschten Verbindung<br \/>\n<strong>150<\/strong> Doppelt schmerzlich aufs neu an den vielbeweinten Verlust mich.<br \/>\nH\u00e4tten der liebenden Mutter die G\u00f6tter des sp\u00e4teren Alters<br \/>\nRuhige Tage verg\u00f6nnt, wie froh verwaltete heute<br \/>\nNun die Teure dies Amt, womit ich dich, o Likoris!<br \/>\nAls die liebende Schwester vor allen zu ehren gesinnt bin.<br \/>\nAlso redet Filemos; er w\u00e4hnte sie hoch zu erfreuen,<br \/>\nDa er unwissend ihr noch gesch\u00e4rftere Qualen bereitet.<br \/>\nWeiter schreitet der Zug, der festliche, welchen Likoris<br \/>\nAch! gezwungen nun selbst, mit z\u00f6gernden Schritten nur, anf\u00fchrt.<br \/>\nLangsam wankte sie so der Halle zu, wo ein Altar<br \/>\n<strong>160<\/strong> Lodernd harrte, da rings indes die heil&#8217;gen Ger\u00e4te<br \/>\nDienende Knaben bereitet, die Wolke dampfte des Weihrauchs.<br \/>\nDoch als mit zitterndem Fu\u00df sie nun die Schwelle ber\u00fchrte,<br \/>\nJetzt im Kreis um sich die Zeichen sah der Verm\u00e4hlung,<br \/>\nSank aus zuckender Hand die lodernde Fackel, es sanken<br \/>\nFackel und M\u00e4dchen zugleich, und wie die leuchtende Flamme<br \/>\nAusl\u00f6scht, also mit ihr das Aug&#8216; in t\u00f6dlicher Ohnmacht.<br \/>\nSchnell drang alles herbei! Doch sich und alle vergessend,<br \/>\nDie mit staunendem Blick ihm weichen, warf an der Pforte<br \/>\nAuch Diokles sich hin, er fasste, mit m\u00e4chtigen Armen,<br \/>\n<strong>170<\/strong> Sie, so hielt er sie fest, nicht mehr die heimlich Geliebte.<br \/>\n\u00c4ngstliche LIebe verriet das schreckentstellete Antlitz,<br \/>\nUnd der Odem stockt&#8216; im beklommenen Busen des J\u00fcnglings,<br \/>\nDa, mit unsicherer Hand, er des Lebens z\u00f6gernde Pulse<br \/>\nNoch vergebens suchte, vor sich erstarret und leblos<br \/>\nSah die zarte Gestalt, die hingestreckt auf den Marmor<br \/>\nSelbst ein Marmorbild erschien. So lieget am Altar<br \/>\nStill verblutend ein Opfer, indes aus dunkeler Wunde<br \/>\nPurpurnes Leben verstr\u00f6mt, das warme; in starrer Ermattung<br \/>\nRunen die Glieder, das Auge schlie\u00dft sich, langsam erl\u00f6schend;<br \/>\n<strong>180<\/strong> Nur des Herzens schnellerer Schlag, er strebet noch krampfhaft,<br \/>\nDas entfliehende Blut zur\u00fcckzuzieh&#8217;n, doch vergebens,<br \/>\nZeigt mit dem Leben zugleich des Todes nahende Schrecknis.<br \/>\nAlso lag Likoris, vom Arme umfangen des J\u00fcnglings,<br \/>\nDer, bewusstlos, ganz dem lauten Schmerze sich hingab,<br \/>\nAls Simaitha bewegt zu ihr sich neigte, das Auge<br \/>\nStill erhob und sprach: Erweckt sie! Das Opfer verschm\u00e4het,<br \/>\nG\u00f6tter, das freudige, nicht, so euch bestimmet, des Hades,<br \/>\nDunk&#8217;le Gewalten lasst sie nicht unwillig hinabziehn.<br \/>\nDa, beim Klange der Stimme, der wohlbekannten, ermannt er<br \/>\n<strong>190<\/strong> Schnell sich aber ihn kehrt zugleich des Vergang&#8217;nen Bewusstsein,<br \/>\nJetzt besch\u00e4mend, zur\u00fcck, er ruft mit gesenketem Blicke:<br \/>\nHerrlich stehest du, Hohe!, als ruhig waltende Gottheit<br \/>\nZwischen Sterblichen hier, die blinde Leidenschaft hinrei\u00dft!<br \/>\nSo auch neige dein Ohr der Stimme, welche vielleicht nicht<br \/>\nMehr zum Herzen dir dringt, doch schuldbewusst zu verstummen<br \/>\nHei\u00dft das meine mich nicht; ich darf es k\u00fchn dir enth\u00fcllen.<br \/>\nStrafbar steh&#8216; ich vor dir, doch nimmer der heiligen Treue<br \/>\nFrecher Verr\u00e4ter, mir wiegte die Sinne gef\u00e4lliger Irrtum,<br \/>\nSchmeichelnd, in t\u00e4uschende Ruh&#8216;, ja dir entdeckt dies Gest\u00e4ndnis<br \/>\n<strong>200<\/strong> Kein bekanntes Gef\u00fchl, dem lange der edlere Vorsatz<br \/>\nStreitend begegnet, wie dir gesteh ich unwillig mir&#8217;s selber<br \/>\nJetzt zum ersten Mal, mit schmerzlich tiefer Empfindung.<br \/>\nJa, ich w\u00e4hnte bis jetzt die schnell aufkeimende Neigung<br \/>\nMutig bald zu besiegen und glaubte, deiner nicht unwert,<br \/>\nHier dir zur Seite zu geh&#8217;n, die festen Bande zu kn\u00fcpfen.<br \/>\nDoch ich f\u00fchl&#8216; es, mir wand ein feindlich waltendes Schicksal<br \/>\nL\u00e4ngst um die Seele das Band, das neue, schon, und vergebens<br \/>\nStrebt&#8216; ich entgegen der Macht, die, unnat\u00fcrlich, zur Qual, mir<br \/>\nLiebe belebt im Herzen, wo nie sie n\u00e4hrte die Hoffnung.<br \/>\n<strong>210<\/strong> Alles wei\u00dft du nun, du Treffliche, die ich beleidigt,<br \/>\nWie ich selbst mich betrog. Dich kr\u00e4nke nicht l\u00e4nger mein Anblick;<br \/>\nNun verlass ich auf immer die nicht mehr freundliche Heimat.<br \/>\nLebe denn wohl! Hier st\u00fctzt zu sicher die Erde den Fu\u00df mir,<br \/>\nUnd es gesellt sich das Meer, das wildbewegte, besser<br \/>\nDem stets schwankenden Sinn, der wie die Woge den Winden<br \/>\nJedem Drang sich neigt, verirrt auf emp\u00f6reter Meerflut.<br \/>\nHalt und endige nicht!, rief hier die edelste Jungfrau,<br \/>\nWie er abw\u00e4rts gewandt zum Abschied jetzt ihr die Hand bot,<br \/>\nMit gebietendem Ernst sie fassend: Ach! Es verschlangen<br \/>\n<strong>220<\/strong> Traurige Opfer genug die gierigen Fluten, bewahre<br \/>\nDu f\u00fcr die Liebende dich, die neu dir ins Leben zur\u00fcckkehrt.<br \/>\nSie verhie\u00df ich dir schon, da heute die ernstliche Bitte<br \/>\nMir mit sch\u00f6nem Vertrau&#8217;n enth\u00fcllte deine Gesinnung,<br \/>\nSo den Entschluss mir bestimmte, der schon in dem Busen mir aufstieg.<br \/>\nJa, ich l\u00f6se die Fessel und g\u00f6nne willig der Schwester,<br \/>\nDass sie des Gatten sich freue, der doch sie vor allen erw\u00e4hlet,<br \/>\nDem sie liebend sich gab, du bist es selber, o J\u00fcngling!<br \/>\nAlso erfreu&#8216; ich mich k\u00fcnftig des Bundes, den ich gekn\u00fcpfet.<br \/>\nUnd zu dem Vater, der stumm, ihm hielt Erstaunen und Unmut<br \/>\n<strong>230<\/strong> Noch die Zunge gefesselt, trat still ger\u00fchret Simaitha<br \/>\nUnd umfasste mit Bitten das silberlockige Haupt ihm.<br \/>\nLass, o Vater!, doch jetzt, durch ruhige Worte bes\u00e4nftigt,<br \/>\nDas Befremdende nicht zum Zorn dich reizen, noch st\u00f6re,<br \/>\nStreng missbilligend, nun der Liebe neueres B\u00fcndnis.<br \/>\nZorn ergreife nicht hier den Busen dir, wo der Weihrauch<br \/>\nG\u00fctigen G\u00f6ttern dampft, die frommes Opfer herabzieht!<br \/>\nFromm ja ehrst du sie stets; auch dies ist der Himmlischen F\u00fcgung.<br \/>\nFreundlich bilden hienieden sie eins f\u00fcr&#8217;s and&#8217;re, sie f\u00fchren<br \/>\nDie Verwandten sich zu, dass, froh gesellet, wir mutig<br \/>\n<strong>240<\/strong> Wandeln des Lebens unebenen Pfad, in treuer Vereinung<br \/>\nS\u00fc\u00dfem Genuss, doch zerrei\u00dft allm\u00e4chtig das waltende Schicksal<br \/>\nJenen ersten Bund, strebt umsonst das Verwaiste, von neuem<br \/>\nFestzuhalten ein Herz, das, unbewusst, durch den Ratschluss<br \/>\nH\u00f6herer M\u00e4chte schon der ander&#8217;n Liebe bestimmt war.<br \/>\nUnd mit dem br\u00e4utliche Schleier, der nur so kurz ihr die Stirne<br \/>\nRosig umwallet, bedeckte die Jungfrau still nun der Schwester<br \/>\nHaupt, die kniend noch lag, und, bleich gelehnt an den J\u00fcngling,<br \/>\nStumm, mit flehendem Blick, die zarten Arm&#8216; ihr empor hob,<br \/>\nDann, mit festerer Hand die verglimmende Fackel erhebend,<br \/>\n<strong>250<\/strong> Sprach, zu den Liebenden sanft gewendet, also Simaitha:<br \/>\nTraurig bedeutend erlosch, in der Leidenschaft Hand, Hymenaios<br \/>\nHeit&#8217;res Licht mir, euch beiden entz\u00fcnd&#8216; es sch\u00f6ner die Freundschaft.<br \/>\nJetzund teilte sie m\u00e4chtig den Kreis, der sich dr\u00e4ngend gesammelt,<br \/>\nUnd umschlang den Altar, in dessen lodernde Flammen<br \/>\nRasch sie die Myrthe versenkte, den Schmuck der Locken. Verkl\u00e4ret<br \/>\nStrahlt&#8216;, in der Ruhe milderndem Glanz, der Herrlichen Antlitz,<br \/>\nDa mit aufstrebendem Blick sie rief: O! Estia, h\u00f6re!<br \/>\nDir, des reinen Feuers Bewahrerin, heilige G\u00f6ttin,<br \/>\nWeih&#8216; ich freudig das Haupt, das zweimal freundlich der Liebe<br \/>\n<strong>260<\/strong> Bl\u00fcten umflochten, und nun, des Schmuckes mit Willen beraubet,<br \/>\nGanz dein eigen wird! Schon steigt aus dem br\u00e4utlichen Kranze<br \/>\nH\u00f6her empor die Flamme zu dir, so tilge mir huldreich<br \/>\nAuch die Erinn&#8217;rung des Leids, und ich umwinde, voll Dankes,<br \/>\nMir die erheitere Stirn mit der Priesterin heiliger Binde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unges\u00e4umet betrat und still entschlossen der J\u00fcngling Nun das inn&#8217;re Gemach, doch sch\u00fcchtern sich der Verlobten Nahend; ihn qu\u00e4lte die Furcht, der Seele tiefstes Geheimnis \u00dcbereilt ihr vielleicht, mit raschem Wort, zu verraten; Und noch schwieg er besch\u00e4mt, da, gegen\u00fcber der Jungfrau, Jetzt er den forschenden Blick des klaren Auges begegnet; Doch, gesammelter bald, sprach&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?page_id=9995\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Sechster Gesang<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"parent":9979,"menu_order":5,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-9995","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9995","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9995"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9995\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10003,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9995\/revisions\/10003"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9979"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}