{"id":1008,"date":"2014-02-24T01:06:07","date_gmt":"2014-02-23T23:06:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1008"},"modified":"2016-11-30T10:23:52","modified_gmt":"2016-11-30T09:23:52","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1008","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (18)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Coleridge und Klopstock<\/strong><\/p>\n<p>Im Herbst 1798 besuchten die englischen Dichter Samuel Taylor Colerdidge und William Wordsworth w\u00e4hrend ihrer Deutschlandreise auch Friedrich Gottlieb Klopstock. Die beiden Engl\u00e4nder, Mitte und Ende Zwanzig, und der bald 75-J\u00e4hrige Klopstock unterhielten sich auf Franz\u00f6sisch und ein wenig Englisch nat\u00fcrlich \u00fcber die Dichter und das Dichten, \u00fcber das \u00dcbersetzen, \u00fcber Hexameter &#8230;<\/p>\n<p>Coleridge schreibt dazu:<\/p>\n<p><em>Klopstock dwelt much on the superior power which the German language possessed of concentrating meaning. He said, he had often translated parts of Homer and Virgil, line by line, and a German line proved always sufficient for a Greek or Latin one. In English you cannot do this. I answered, that in English we could commonly render one Greek heroic line in a line and a half of our common heroic metre, an I conjectured that this line and a half would be found to contain no more syllables than one German or Greek hexameter. He did not understand me: and I who wished to hear his opinions, not to correct them, was glad that he did not.<\/em><\/p>\n<p>H\u00fcbscher Schluss-Satz. Davor stehen auch bedenkenswerte Dinge, aber man kann das auch einfach stehenlassen als ein Beispiel der Gespr\u00e4che der drei. Jedenfalls hat Coleridge noch eine Fu\u00dfnote dazu geschrieben:<\/p>\n<p><em>I have translated some German hexameters into English hexameter, and find, that on the average three lines English will express four lines German. The reason is evident: our language abounds in monosyllables and dissyllables.<\/em><\/p>\n<p>Auch diese Fu\u00dfnote, die noch l\u00e4nger ist, enth\u00e4lt lesenswertes; aber noch spannender ist doch die Frage, was das f\u00fcr Texte sind, die Coleridge da \u00fcbersetzt hat? Ein Distichon von Friedrich Schiller etwa!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der epische Hexameter<\/p>\n<p>Schwindelnd tr\u00e4gt er dich fort auf rastlos str\u00f6menden Wogen,<br \/>\nHinter dir siehst du, du siehst vor dir nur Himmel und Meer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Coleridge liest sich das dann so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>The homeric hexameter<\/p>\n<p>Strongly he bears us along in swelling and limitless billows,<br \/>\nNothing before and nothing behind but the sky and the ocean.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angesichts von Coleridges Ausf\u00fchrungen scheint bemerkenswert, dass die beiden englischen Verse je 16 Silben haben, die beiden deutschen aber nur je 14?!<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste man sich mal mit einem englischen Muttersprachler zusammensetzen und solche Verse dann immer wieder einander vorsprechen. Und vergleichen. Aber auch so f\u00e4llt auf, das Coleridge kein &#8222;richtiges Distichon&#8220; als Wiedergabe gew\u00e4hlt hat! Schillers zweiter Vers ist, wie es sich im Distichon geh\u00f6rt, ein Pentameter:<\/p>\n<p><strong>Hin<\/strong>ter dir \/\u00a0<strong>siehst<\/strong> du, du \/\u00a0<strong>siehst<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> <strong>vor<\/strong> dir nur \/\u00a0<strong>Him<\/strong>mel und \/\u00a0<strong>Meer<\/strong>.<\/p>\n<p>Coleridges zweiter Vers ist dagegen ein Hexameter:<\/p>\n<p><strong>Noth<\/strong>ing be- \/\u00a0<strong>fore<\/strong> and \/\u00a0<strong>noth<\/strong>ing be- \/\u00a0<strong>hind<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> but the \/\u00a0<strong>sky<\/strong> and the \/\u00a0<strong>o<\/strong>cean.<\/p>\n<p>Jedenfalls scheint es mir so. Vielleicht &#8222;finde&#8220; ich den Pentameter aufgrund mangelnder Englisch-Kenntnisse aber auch einfach nicht &#8230; Wenn&#8217;s aber denn ein Hexameter <em>ist<\/em>, l\u00e4ge ja auch ein gewisser Sinn darin: Was hat ein Pentameter in einer Hexameter-Beschreibung zu suchen?!<\/p>\n<p>Eigene Hexameter hat Coleridge nat\u00fcrlich auch geschrieben, und die Besch\u00e4ftigung mit ihnen lohnt sicherlich. Hier sollen aber nur noch zwei folgen, die Coleridge auf der oben erw\u00e4hnten Reise geschrieben hat &#8211; sie finden sich in als Teil eines l\u00e4ngeren Hexameter-St\u00fccks in einem Brief, den Coleridge in der Zeit nach dem Besuch bei Klopstock im Winter 1798\/99 von Ratzeburg aus an den in Goslar weilenden Wordsworth geschrieben hat, und in denen er seine eigenen Hexameter beschreibt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>All my hexameters fly, like stags pursued by the staghounds,<br \/>\nBreathless and panting, and ready to drop, yet flying still onwards<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Starkes Bild, starke Verse!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Coleridge und Klopstock Im Herbst 1798 besuchten die englischen Dichter Samuel Taylor Colerdidge und William Wordsworth w\u00e4hrend ihrer Deutschlandreise auch Friedrich Gottlieb Klopstock. Die beiden Engl\u00e4nder, Mitte und Ende Zwanzig, und der bald 75-J\u00e4hrige Klopstock unterhielten sich auf Franz\u00f6sisch und ein wenig Englisch nat\u00fcrlich \u00fcber die Dichter und das Dichten, \u00fcber das \u00dcbersetzen, \u00fcber Hexameter&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1008\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (18)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-1008","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1008"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6982,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1008\/revisions\/6982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}