{"id":10134,"date":"2020-05-09T07:04:23","date_gmt":"2020-05-09T06:04:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=10134"},"modified":"2020-05-09T07:04:23","modified_gmt":"2020-05-09T06:04:23","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-132","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=10134","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (132)"},"content":{"rendered":"<p>Ferdinand von Saars &#8222;Das erwachende Schloss&#8220; zeigt den Blankvers einmal mehr als Mittel der Beschreibung. Das geht \u00fcber einige Verse, da es sich aber nie langweilig liest, sollen deren alle hier folgen; in ihrer formalen Gestaltung sind sie dabei durchaus einen Blick wert!<\/p>\n<p><em>Der Morgen d\u00e4mmert. Seine ersten Lichter<\/em><br \/>\n<em>Erhellen matt und k\u00fchl des Parkes Gr\u00fcn.<\/em><br \/>\n<em>Rings tiefe Stille; leise zwitschernd nur<\/em><br \/>\n<em>Regt&#8217;s in den Wipfeln sich, und aus dem Spiegel<\/em><br \/>\n<em>Des Teiches schnellt ein Silberfisch empor.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dicht verh\u00fcllten Fenstern lautlos liegt<\/em><br \/>\n<em>Das Schloss, und in den dunkelnden Gem\u00e4chern,<\/em><br \/>\n<em>Vom Schlaf umfangen, liegen die Bewohner.<\/em><br \/>\n<em>Selbst jene, die der kurzen Sommernacht<\/em><br \/>\n<em>Langsame Stunden schlummerlos gez\u00e4hlt,<\/em><br \/>\n<em>Im Seelenaufruhr hin und her sich werfend \u2013<\/em><br \/>\n<em>Selbst jene hat des Morgens Schauer jetzt<\/em><br \/>\n<em>Zur Ruh&#8216; gebracht &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Noch eine Stunde. Dann ein erster Ruck \u2013<\/em><br \/>\n<em>Und nach und nach belebt sich dieses Schweigen.<\/em><br \/>\n<em>Emporger\u00fcttelt aus dem kurzen Schlaf<\/em><br \/>\n<em>Der Arbeit hat die Pflicht den Dienertross.<\/em><br \/>\n<em>Mit unvergn\u00fcgter Hast geht er an&#8217;s Tagwerk,<\/em><br \/>\n<em>Indes verschlaf&#8217;ne Bonnen, leisen Fu\u00dfes,<\/em><br \/>\n<em>Vorsorglich seid&#8217;nen Kinderbetten nah&#8217;n,<\/em><br \/>\n<em>Und g\u00e4hnend ihre Brust die tr\u00e4ge Amme<\/em><br \/>\n<em>Dem S\u00e4ugling reicht, der schon nach ihr gewimmert.<\/em><\/p>\n<p><em>Und sp\u00e4ter dann, von einsam \u00f6den Lagern,<\/em><br \/>\n<em>Aus \u00f6den Tr\u00e4umen, heben seufzend sich<\/em><br \/>\n<em>Empor die Lehrer und die Gouvernanten,<\/em><br \/>\n<em>Die mit ergrau&#8217;nden H\u00e4uptern immer noch<\/em><br \/>\n<em>Als lebende Vocabelntrichter wandeln.<\/em><br \/>\n<em>Sie schl\u00fcpfen rasch in abgen\u00fctzte Tracht<\/em><br \/>\n<em>Und blicken in den Hof stumpfsinnig nieder,<\/em><br \/>\n<em>Wo wiehernd schon die stolzen Rosse stampfen<\/em><br \/>\n<em>Der stolzen Herren, die mit Sporngeklirr<\/em><br \/>\n<em>Zum Morgenritt hinab die Treppen eilen.<\/em><br \/>\n<em>So Jung, wie Alt. Mit leerer Stirn die Einen<\/em><br \/>\n<em>Und leerem Herzen; And&#8217;re k\u00fchnen Geistes,<\/em><br \/>\n<em>Die Brust zerw\u00fchlt vom Drang der Leidenschaften,<\/em><br \/>\n<em>Von Herrschsucht, Ehrgeiz, Eifersucht und Hass,<\/em><br \/>\n<em>Die Brau&#8217;n gefaltet und durchfurcht das Antlitz<\/em><br \/>\n<em>Von Sorgen des Besitzes und der Macht,<\/em><br \/>\n<em>Von Sorgen, die schon fr\u00fch die Haare bleichen,<\/em><br \/>\n<em>Doch auch zum Widerstand die Glieder st\u00e4hlen &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Schon blitzt es gold&#8217;ger um das Laub des Parks;<\/em><br \/>\n<em>Taufrischer Rosen Duft dringt s\u00fc\u00df durch Fenster,<\/em><br \/>\n<em>So man ge\u00f6ffnet leise zur Erquickung<\/em><br \/>\n<em>F\u00fcr hei\u00dfe Stirnen, die auf Spitzenkissen<\/em><br \/>\n<em>Im Wachen noch forttr\u00e4umen jene Tr\u00e4ume,<\/em><br \/>\n<em>Wie sie die Frauen tr\u00e4umen &#8230;<\/em><br \/>\n<em>Allgemach<\/em><br \/>\n<em>Bewegen wei\u00dfe Arme sich und Schultern,<\/em><br \/>\n<em>Und von dem Schnee der Linnen richtet sich<\/em><br \/>\n<em>In unbelauschter Pracht die Sch\u00f6nheit auf,<\/em><br \/>\n<em>Hier im Erbl\u00fchen \u2013 dort schon im Verbl\u00fch&#8217;n.<\/em><\/p>\n<p><em>Stets h\u00f6her steigt die Sonne. W\u00fcrzig duften<\/em><br \/>\n<em>Jasmin und Nelke. Heimgekehrt, erhitzt,<\/em><br \/>\n<em>Ist schon die Reiterschaar. Einladend blinken<\/em><br \/>\n<em>Unter Platanenwipfeln Silberkannen,<\/em><br \/>\n<em>Von holden Lippen t\u00f6nen Morgengr\u00fc\u00dfe,<\/em><br \/>\n<em>Es strecken zarte H\u00e4nde sich entgegen<\/em><br \/>\n<em>Zum Druck und Kuss; von Stimmen wird es laut,<\/em><br \/>\n<em>Es klirren Tassen \u2013 und nun rollt der Tag<\/em><br \/>\n<em>Durch jedes Leben dieser Welt im Kleinen,<\/em><br \/>\n<em>Der Tag mit seinem Schicksal \u2013 bis sich wieder<\/em><br \/>\n<em>Zum Schlummer sanft das letzte Aug&#8216; geschlossen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ferdinand von Saars &#8222;Das erwachende Schloss&#8220; zeigt den Blankvers einmal mehr als Mittel der Beschreibung. Das geht \u00fcber einige Verse, da es sich aber nie langweilig liest, sollen deren alle hier folgen; in ihrer formalen Gestaltung sind sie dabei durchaus einen Blick wert! Der Morgen d\u00e4mmert. 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