{"id":10170,"date":"2020-07-15T22:56:44","date_gmt":"2020-07-15T21:56:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=10170"},"modified":"2020-07-15T22:56:44","modified_gmt":"2020-07-15T21:56:44","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-132-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=10170","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (132)"},"content":{"rendered":"<p>Sebastian Franz von Daxenberger hat einen alten Herodot-Bericht eigentlich nur versifiziert &#8211; sogar die Rahmenerz\u00e4hlung hat er beibehalten in &#8222;Das reinste Gl\u00fcck&#8220;:<\/p>\n<p><em>Ein weiser Mann ward einst um Rat befragt:<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Wenn deine Lehre wahrhaft g\u00f6ttlich ist,<\/em><br \/>\n<em>Und wenn sie gleicht dem ewigen Gesetze,<\/em><br \/>\n<em>So muss sie reines Gl\u00fcck auf Erden geben:<\/em><br \/>\n<em>Versprich mir dieses und ich folge dir.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Der Weise schwieg. Nach einer kleinen Weile<\/em><br \/>\n<em>Nachdenkens fing er zu erz\u00e4hlen an:<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Zwei Br\u00fcder lebten einst in Griechenland,<\/em><br \/>\n<em>Biton und Kleobis, Kydippens S\u00f6hne,<\/em><br \/>\n<em>Der Junopriesterun zu Argos. Einst,<\/em><br \/>\n<em>Als bei der G\u00f6ttin gro\u00dfem Jahresfest<\/em><br \/>\n<em>Das Zweigespann der wei\u00dfen Stiere fehlte,<\/em><br \/>\n<em>Das sie zum Tempel f\u00fchren sollte, zogen<\/em><br \/>\n<em>Die frommen Kinder sie zum Opfer hin.<\/em><br \/>\n<em>Ger\u00fchrt ersah&#8217;s die Menge. Doch noch mehr<\/em><br \/>\n<em>Ergriffen war in ihrem Innersten<\/em><br \/>\n<em>Die Mutter von der hei\u00dfen Sohnes-Liebe.<\/em><br \/>\n<em>Und als die Hekatombe war vollbracht,<\/em><br \/>\n<em>Lag sie am Altar lang noch im Gebet<\/em><br \/>\n<em>Und flehte zu der heilg&#8217;gen K\u00f6nigin:<\/em><br \/>\n<em>&#8218;Gib meinen Kindern Gl\u00fcck, gewalt&#8217;ge Here,<\/em><br \/>\n<em>Du gabst die Tugen ihnen, gib als Lohn<\/em><br \/>\n<em>Das reinste Gl\u00fcck! Nicht wie&#8217;s die G\u00f6tter senden,<\/em><br \/>\n<em>Was oft nur scheint, was nimmer dauernd ist,<\/em><br \/>\n<em>Was Schmerz verzehrt, was Schuld und Reu&#8216; vernichten,<\/em><br \/>\n<em>Was sich vergiftet in der eignen Brust &#8211;<\/em><br \/>\n<em>Nicht dieses, nein, das wahre reine Gl\u00fcck:<\/em><br \/>\n<em>Du kannst es, hohe Sch\u00fctzerin der Griechen!&#8216;<\/em><br \/>\n<em>Und eine Stimme glaubt das Mutterherz<\/em><br \/>\n<em>Zu h\u00f6ren, die das Himmlische verhei\u00dft.<\/em><br \/>\n<em>Sie stehet auf und schreitet durch den Tempel:<\/em><br \/>\n<em>Leer ist die Halle, dunkel schon der Raum;<\/em><br \/>\n<em>Sie hofft am Ausgang Kleobis und Biton,<\/em><br \/>\n<em>Die lautgepries&#8217;nen Gl\u00fccklichen, zu finden,<\/em><br \/>\n<em>Und findet sie &#8211; wie meinst du, J\u00fcngling? Tot!<\/em><br \/>\n<em>Sie lagen Brust an Brust, die holden Br\u00fcder,<\/em><br \/>\n<em>Entseelet an des Tempels Stufen da,<\/em><br \/>\n<em>Und Argos Volk stand um sie stillgebeugt,<\/em><br \/>\n<em>Betrachtend ihrer Mienen Himmelsl\u00e4cheln.<\/em><br \/>\n<em>Vernichtet sank die Mutter auf sie hin;<\/em><br \/>\n<em>Du magst des Herzens Jammer leicht ermessen,<\/em><br \/>\n<em>Den Schrei der Priesterin zu Here&#8217;s Thron.<\/em><br \/>\n<em>Doch ihrer G\u00f6ttin Stimme t\u00f6nte klar:<\/em><br \/>\n<em>&#8218;Ich gab das Gl\u00fcck, um das dein Mund mich flehte,<\/em><br \/>\n<em>Das reine Gl\u00fcck, das Reu und Schuld nicht kennt,<\/em><br \/>\n<em>Das in der eig&#8217;nen Brust sich nicht vergiftet,<\/em><br \/>\n<em>Das nicht blo\u00df scheint, das ewig dauernd ist; &#8211;<\/em><br \/>\n<em>Sie aber starben, weil&#8217;s nicht menschlich war.<\/em><br \/>\n<em>Die Erd&#8216; ertr\u00e4gt nicht, was du im Gebet<\/em><br \/>\n<em>Verlangtest, Sterbliche! &#8211; Ich konnt es geben<\/em><br \/>\n<em>Zum sanften Tod nur f\u00fcr ein sch\u00f6ner&#8217;s Leben;<\/em><br \/>\n<em>Dort ruhen sie in ewig gleichem Gl\u00fcck,<\/em><br \/>\n<em>Verlangen dich, doch nicht nach dir zur\u00fcck!'&#8220; &#8211;<\/em><br \/>\n<em>Und schweigend, als der Weise wieder schwieg,<\/em><br \/>\n<em>Ging Timeon, der J\u00fcngling, schnell von dannen.<\/em><\/p>\n<p>Hier wird die G\u00f6ttin zur Erkl\u00e4rung ihres Handelns gezwungen durch die Notwednigkeit, den &#8222;J\u00fcngling&#8220; zu belehren; ob das der (in sicheren, aber nicht besonders guten Blankversen geschriebenen) Geschichte gut tut?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sebastian Franz von Daxenberger hat einen alten Herodot-Bericht eigentlich nur versifiziert &#8211; sogar die Rahmenerz\u00e4hlung hat er beibehalten in &#8222;Das reinste Gl\u00fcck&#8220;: Ein weiser Mann ward einst um Rat befragt: &#8222;Wenn deine Lehre wahrhaft g\u00f6ttlich ist, Und wenn sie gleicht dem ewigen Gesetze, So muss sie reines Gl\u00fcck auf Erden geben: Versprich mir dieses und&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=10170\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (132)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-10170","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10170"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10170\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10171,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10170\/revisions\/10171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}