{"id":1035,"date":"2014-02-26T00:22:56","date_gmt":"2014-02-25T22:22:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1035"},"modified":"2014-02-26T00:22:56","modified_gmt":"2014-02-25T22:22:56","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1035","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (19)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Esaias Tegners &#8222;Frithiofs saga&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man, wie im letzten Hexameter-Eintrag, einen Text in zwei Sprachen gegen\u00fcber stellen kann &#8211; warum dann nicht auch in drei Sprachen? Neben Deutsch und Englisch w\u00e4re Schwedisch eine M\u00f6glichkeit. Da ist der Hexameter heimisch geworden, lange bevor Klopstocks Messias ihn 1749 f\u00fcrs Deutsche gewann &#8211; schon 1658 brachte Georg Stiernhielm sein schwedisches Hexameter-Epos &#8222;Hercules&#8220; heraus! Davon angeregt haben immer wieder schwedische Dichter den Hexameter verwendet.<\/p>\n<p>Tegner hat die\u00a0 zu seiner Zeit (sein Werk erschien 1825) um die 400 Jahre alte &#8222;Frithiofs saga&#8220; in zeitgem\u00e4\u00dfe Verse gebracht, und einen Abschnitt eben auch in Hexameter. Da klingt dann der Auftritt eines Erz\u00e4hlers so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tyst satt lyssnande lag, och dess blickar h\u00e4ngde vid gubbens<br \/>\nl\u00e4ppar, som bi&#8217;t vid sin ros; men skalden t\u00e4nkte p\u00e5 Brage,<br \/>\nn\u00e4r med sitt silfversk\u00e4gg och med runor p\u00e5 tungan han sitter<br \/>\nunder den lumimiga bok och f\u00f6rt\u00e4ljer en saga vid Mimers<br \/>\nevigt sorlande v\u00e5g, han sj\u00e4lv en levande saga.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann kein Schwedisch, aber es ist schon erstaunlich, wie deutlich selbst dann die Hexameter-Bewegung durch die Verse schimmert &#8211; meistens finden sich die Betonungen fast von selbst. Aber was hei\u00dft das ganze nun? Hier eine zeitgen\u00f6ssische deutsche \u00dcbersetzung:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Still dann lauschten die G\u00e4st&#8216;, und es hing ihr Aug&#8216; an des Greisen<br \/>\nLippen, wie an der Rose die Bien&#8216;, und der Skalde gedachte<br \/>\nBragas dann, des Gottes, der dort mit silbernem Bart sitzt,<br \/>\nUnter schattender Buch&#8216; und Sagen erz\u00e4hlet bei Mimers<br \/>\nEwig murmelndem Born; er selbst die lebende Sage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung stammt von Amalie von Imhoff und war, soweit ich wei\u00df, zu ihrer Zeit recht angesehen; manche ihrer Hexameter gefallen mir aber nicht so. Trotzdem habe ich ihre Verse gew\u00e4hlt, denn die Dame, Gattin eines Schweden und einige Jahre in Stockholm lebend, ist in der kleinen, feinen Welt der Hexametristen keine Unbekannte, hat sie doch 1799 selbst ein kleines Hexameter-Epos geschrieben, &#8222;Die Schwestern von Lesbos&#8220;, das hier, samt der etwas eigenartigen Rolle, die Goethe und Schiller dabei spielten, auch noch mal zur Sprache kommen soll! Nun aber zur englischen \u00dcbersetzung:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hushed sat the listening bench, and their glances hung on the graybeard&#8217;s<br \/>\nLips, as a bee on the rose; but the Scald was thinking of Brage,<br \/>\nWhere, with his silver beard, and runes on his tongue, he is seated<br \/>\nUnder the leafy beech, and tells a tradition by Mimer&#8217;s<br \/>\nEver-murmuring wave, himself a living tradition.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch hier ist der \u00dcbersetzer jemand, der auch selbst in Hexametern gedichtet hat: Henry Wadsworth Longfellow, der hier ja schon mit seiner &#8222;Evangeline&#8220; vertreten war. Und wieder sein wird, denke ich &#8211; seine Verse haben es mir n\u00e4mlich wirklich angetan inzwischen. Seine \u00dcbersetzung scheint mir auch rund und klangvoll; zumindest schmei\u00dft er da, wo es Frau Imhoff kurzzeitig aus der Kurve tr\u00e4gt, nicht gleichfalls einfach Ballast ab (<em>med runor p\u00e5 tungan<\/em>) &#8230;<\/p>\n<p>Wie klingen die Verse hier, wie da, wie da? Da m\u00fcsste man sich jetzt schon mit einem Engl\u00e4nder und einem Schweden zusammensetzen. Hm. Aber vielleicht findet sich ja ein des Internetsuchens Erfahrener, der irgendwo im Netz gesprochene Versionen auftreibt? W\u00e4re doch mal was!<\/p>\n<p>Ansonsten einfach mal die Geschichte lesen, auch in der Imhoff-Fassung &#8211; es lohnt sich, erst recht, wenn man sich sowieso etwas f\u00fcr die alten nordischen Geschichten erw\u00e4rmen kann &#8230;<\/p>\n<p>Und wenn man dann ab und an ins Original r\u00fcberschaut, kann man auch noch ein paar Brocken Schwedisch mitnehmen. Ich habe ja nie verstanden, warum man fremde Sprachen immer \u00fcber Begr\u00fc\u00dfungsformeln, Gespr\u00e4che beim B\u00e4cker\u00a0 oder anderen allt\u00e4glichen Unfug lernen soll. Wer kann sich sowas merken? Da ist ein einpr\u00e4gsamer Vers doch wesentlich geeigneter!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>glad som ett barn men fast som en man och vis som en gubbe<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>dichtet Tegner, und<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Froh wie ein Kind und stark als ein Mann, ein Greis doch an Weisheit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00fcbersetzt Imhoff; und schon hat man sechs Vokabeln beisammen, leicht zu merken, da aufgereiht auf den sechs Hebungen des Hexameters (wenn die \u00dcbersetzerin auch ihrem deutschen Vers zuliebe am Ende umstellt) &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Esaias Tegners &#8222;Frithiofs saga&#8220; Wenn man, wie im letzten Hexameter-Eintrag, einen Text in zwei Sprachen gegen\u00fcber stellen kann &#8211; warum dann nicht auch in drei Sprachen? 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