{"id":1142,"date":"2014-03-11T02:42:17","date_gmt":"2014-03-11T00:42:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1142"},"modified":"2014-03-11T02:48:09","modified_gmt":"2014-03-11T00:48:09","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1142","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (22)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ludwig Kosegartens Nachdichtung: Orpheus&#8216; Hymne an den Mond<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich bisher nicht so richtig mit der &#8222;hexametrischen Hymne&#8220; besch\u00e4ftigt, aber seit ich rein zuf\u00e4llig bei Kosegarten dar\u00fcber gestolpert bin, scheint mir, ich sollte das doch mal tun. Ein sicheres Anzeichen daf\u00fcr ist, dass ich eine der bei Kosegarten gefundenen Hymnen auswendig gelernt habe beim Radfahren &#8230; Ich glaube, es ist eine recht freie Nachdichtung einer antiken Hymne &#8211; genauer nachgeschaut habe ich noch nicht, meine mich aber erinnern zu k\u00f6nnen, dass der Text doch anders lautet. Bei Kosegarten liest sich diese &#8222;Hymne an den Mond&#8220; jedenfalls so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6re mich, K\u00f6nigin, G\u00f6ttin, du freundliche Sch\u00f6ne des Himmels,<br \/>\nLuftdurchwandlerin, Dunkelerleuchterin, Sterneregentin,<br \/>\nNimmer erm\u00fcdende Pilgerin, nimmer verl\u00f6schende Fackel,<br \/>\nEwig neugeboren, und ewig alternd und sterbend,<br \/>\nM\u00e4nnliche, Fr\u00e4uliche, Gl\u00e4nzende, Herrliche, Schimmergelockte,<br \/>\nStrahlenverspenderin, Rossetummlerin, Mutter der Zeiten,<br \/>\nAlles belauschende W\u00e4chterin, T\u00e4nzerin himmlischer T\u00e4nze,<br \/>\nDie du wandelst so gern im stillen traulichen Dunkel,<br \/>\nDie du leuchtest so gern, so gern erquickest und segnest,<br \/>\nDie du f\u00fchrst im Triumph der Sterne jauchzende Reigen,<br \/>\nLichtumg\u00fcrtet, umwallt vom weiten silbernen Mantel &#8211;<br \/>\nKomm, holdselige, komm in deiner Sch\u00f6ne, du Gute,<br \/>\nUnd mit mildem Strahl erfreue den flehenden Waller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Waller hei\u00dft wohl, wie fr\u00fcher h\u00e4ufiger, Wanderer?! Keine Frage, was mich da anzieht, ist die Lust an der Aufz\u00e4hlung, erst recht, wenn sie so abwechslungsreich gestaltet ist wie hier: Es ist immer eine Ver\u00e4nderung drin, ein Wechsel auf formaler oder inhaltlicher Ebene, so dass keine Langeweile aufkommt. Das ist keineswegs selbstverst\u00e4ndlich, in einer anderen Nachdichtung &#8211; &#8222;Orpheus Hymne an die Natur&#8220; &#8211; verliert Kosegarten jegliches Ma\u00df:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Starke, Gewaltige, K\u00fchne, Erhabenste, H\u00f6chste der Kr\u00e4fte,<br \/>\nDuftige, Liebliche, Labende, Freundliche, K\u00fcnstliche, Weise,<br \/>\nZeugerin, Hegerin, Pflegerin, Erzieherin, W\u00e4rterin, Amme,<br \/>\nHeldin, Huldin, Dichterin, Rednerin, Meisterin, F\u00fcrstin,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da muss man doch schlucken <em>(Huldin<\/em>, laut Grimm: <em>Eine anmutreiche Person<\/em>. Gut f\u00fcr den Wortschatz sind diese Hymnen allemal). Was ich unbedingt nachschauen muss, ist, ob die Hexameter in diesen Hymnen anders gebaut sind als normale Hexameter. Denn es f\u00e4llt ja schon auf, dass, je aufz\u00e4hlender der Vers wird, zum einen fast immer die metrischen Einheiten mit den Wortgrenzen zusammenfallen, was man sonst tunlichst vermeiden m\u00f6chte, weil es sonst eint\u00f6nig klingt; zum anderen sitzt auch die Z\u00e4sur, der Verseinschnitt ziemlich oft vor einer betonten Silbe, was ja eine der sieben Hexameter-Tods\u00fcnden ist. Wobei die Z\u00e4sur nat\u00fcrlich ein wenig theoretisch ist, weil ja nicht sie den Vers gliedert, sondern die Aufz\u00e4hlung. Hm. Eben bin ich noch \u00fcber eine andere Hymne gestolpert (wenn man erst einmal anf\u00e4ngt, darauf zu achten, sind sie \u00fcberall!), Carl Phillipp Conz&#8216; &#8222;Hymne an das Licht&#8220;, die so anf\u00e4ngt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seliges, g\u00f6ttlich entsprossenes, heiliges, herrliches, Heil dir!<br \/>\nHeil, unerforschte, lebendige, Leben erzeugende Kraft, dir,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und da kann man dann ja durchaus schon Methode vermuten! Andererseits entgleisen Conz seine nichthymnischen Hexameter des \u00f6fteren, und auch wenn Kosegarten den Vers halbwegs im Griff hat, ist er vor Ungeschicklichkeiten nie gefeit. Liegt es also daran, dass hier Dichter der dritten Garnitur am Werk sind? Hmja, vielleicht &#8211; vielleicht \u00fcberschreiben aber auch einfach und ganz nat\u00fcrlich die Anfordernisse einer Aufz\u00e4hlung die eines erz\u00e4hlenden Verses. Den andersrum gilt ja auch: Je erz\u00e4hlender der Vers wird, desto enger folgt er wieder den &#8222;normalen&#8220; Regeln. Da muss man dann eben von Vers zu Vers schauen &#8230; Hier etwa:<\/p>\n<p>Zeugerin, Hegerin, Pfleg<span style=\"color: #ff0000\">erin, Er<\/span>zieherin, W\u00e4rterin, Amme,<\/p>\n<p>Da hat Kosegarten drei unbetonte Silben nacheinander &#8211; hat er gepennt, nicht aufgepasst? Oder das doch bewusst so gemacht, um die Einf\u00f6rmigkeit wenigstens ein klein wenig aufzulockern? Wer kann es sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Kosegartens Nachdichtung: Orpheus&#8216; Hymne an den Mond Ich habe mich bisher nicht so richtig mit der &#8222;hexametrischen Hymne&#8220; besch\u00e4ftigt, aber seit ich rein zuf\u00e4llig bei Kosegarten dar\u00fcber gestolpert bin, scheint mir, ich sollte das doch mal tun. 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