{"id":1273,"date":"2014-03-29T01:16:39","date_gmt":"2014-03-28T23:16:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1273"},"modified":"2014-04-01T00:52:00","modified_gmt":"2014-03-31T22:52:00","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1273","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (19 )"},"content":{"rendered":"<p>Karl Immermanns &#8222;Tulif\u00e4ntchen&#8220; ist ein nicht allzu ernstes, nicht allzu langes Versepos, oder wie der Untertitel sagt: Ein &#8222;Heldengedicht in drei Ges\u00e4ngen&#8220;. An manchen Stellen liest sichs etwas altert\u00fcmlich, aber meistens f\u00e4llt das Alter des Textes gar nicht so sehr auf (er stammt in dieser Fassung aus dem Jahr 1835). Es ist also auf jeden Fall ein text, den sich jemand, der mit Versen erz\u00e4hlen will, ansehen sollte; besonders beachtenswert wird er aber durch den Umstand, dass Heinrich Heines Bemerkungen und \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge zum &#8222;Tulif\u00e4ntchen&#8220; erhalten sind! Dem hatte Immermann sein Werk geschickt zur Durchsicht, und Heine hat viele \u00c4nderungen vorgeschlagen und dabei begr\u00fcndet; die Immermann angenommen hat oder auch nicht, je nachdem. Jedenfalls ist so ein Blick in die Dichter-Werstatt m\u00f6glich, das Arbeiten zweier Wort-Handwerker am Text. Dazu aber sp\u00e4ter; in diesem Eintrag m\u00f6chte ich erst einmal einen kurzen Abschnitt vorstellen, um einen Eindruck von der Art des Textes zu vermitteln. Worum geht es?<\/p>\n<p>Das Epos erz\u00e4hlt von Don Tulifant und Donna Tulpe, die einen Sohn bekommen, der nur einen Finger gro\u00df ist, aber schlie\u00dflich trotzdem auf Abenteuer auszieht und diese auch besteht: Tulif\u00e4ntchen. Nachdem der Held im ersten und zweiten Gesang seine Heldentaten vollbracht hat, steht am Beginn des dritten Gesangs wieder ein Blick auf Tulif\u00e4ntchens Eltern, genauer: auf Don Tulifant am Sarg seiner Frau &#8211; von den Taten seines Sohnes wei\u00df er nichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seine Lippen \u00f6ffnet klagend<br \/>\nTulifant, der alte Degen:<br \/>\n&#8222;Nun steh&#8216; ich allein auf Erden!<br \/>\nMeine Donna ist gestorben,<br \/>\nUnd mein S\u00f6hnlein ist verschollen,<br \/>\nLiegt wohl auch im Grab, dem kleinen.<br \/>\nO wann kommst du, Tod? Wann forderst<br \/>\nDu den letzten Tulifanten?&#8220;<\/p>\n<p>Sieg und Segen! Fest und Glorie!<br \/>\nPaukenhall, Trompetenschmettern!<\/p>\n<p>Kam ein Page, blau mit Silber,<br \/>\nTrug auf rotem Sammetkissen<br \/>\nDar die Leiche einer Brummflieg&#8216;:<br \/>\n&#8222;Dieses sendet, Heldenvater,<br \/>\nTulif\u00e4ntchen Fliegent\u00f6ter,<br \/>\nDes Pantoffelordens Ritter!&#8220;<\/p>\n<p>Sieg und Segen! Fest und Glorie!<br \/>\nPaukenhall, Trompetenschmettern!<\/p>\n<p>Kam ein Page, wei\u00df mit Lila,<br \/>\nTrug auf rotem Sammetkissen<br \/>\nDar den Stift des Maschinisten:<br \/>\n&#8222;Dieses sendet, Heldenvater,<br \/>\nTulif\u00e4ntchen Mauerst\u00fcrzer,<br \/>\nErb- und Lehnsherr von Brambambra!&#8220;<\/p>\n<p>Sieg und Segen! Fest und Glorie!<br \/>\nPaukenhall, Trompetenschmettern!<\/p>\n<p>Kam ein Page, gr\u00fcn mit Golde,<br \/>\nTrug auf rotem Sammetkissen<br \/>\nDar das St\u00fcck von einem Strumpfband:<br \/>\n&#8222;Dieses sendet, Heldenvater,<br \/>\nHoheit Tulif\u00e4ntchen Kronprinz,<br \/>\nEidam K\u00f6n&#8217;gin Grandiosens!&#8220;<\/p>\n<p>Aufschrie laut der alte Vater<br \/>\nBei so ungeheurer Botschaft,<br \/>\nFasste nach dem Herzen schmerzlich,<br \/>\nWei\u00df ward sein Gesicht, er l\u00e4chelt&#8216;<br \/>\nDurch die letzte Pein so selig:<br \/>\n&#8222;Gleich muss ich zu Donna Tulpe,<br \/>\nIhr von unsrem Sohn berichten!&#8220; \u2013<\/p>\n<p>Sprach&#8217;s, und auf der Gattin Leiche<br \/>\nFiel er, atmete den s\u00fc\u00dfen<br \/>\nFreuden-Todesseufzer aus.<br \/>\nDie drei Pagen stehn best\u00fcrzet,<br \/>\nTrauer blasen die Trompeten,<br \/>\nLeichenklage hallt die Pauke;<br \/>\nGines grub am Erlenh\u00fcgel<br \/>\nUnter Reif und Wintersturme<br \/>\nBei dem ersten Grab das zweite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gines ist der Bedienstete des Paares. Insgesamt eine seltsame Mischung aus ernstem und gar nicht ernstem, aber mir gef\u00e4llt es sehr; auch, weil man den ganzen Text hindurch sp\u00fcrt, wie sehr der Verfasser an ihm h\u00e4ngt. Wer mag, kann ja mal reinlesen, er steht mehrfach im Netz; da erf\u00e4hrt man dann auch, was der &#8222;Stift des Maschinisten&#8220; ist! Hier aber sollen beim n\u00e4chsten Mal Heines Anmerkungen im Mittelpunkt stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Immermanns &#8222;Tulif\u00e4ntchen&#8220; ist ein nicht allzu ernstes, nicht allzu langes Versepos, oder wie der Untertitel sagt: Ein &#8222;Heldengedicht in drei Ges\u00e4ngen&#8220;. An manchen Stellen liest sichs etwas altert\u00fcmlich, aber meistens f\u00e4llt das Alter des Textes gar nicht so sehr auf (er stammt in dieser Fassung aus dem Jahr 1835). 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