{"id":1458,"date":"2014-04-19T00:01:05","date_gmt":"2014-04-18T22:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1458"},"modified":"2014-05-12T23:31:33","modified_gmt":"2014-05-12T21:31:33","slug":"erzaehlverse-der-knittel-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1458","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Knittel (4)"},"content":{"rendered":"<p>Jacob Minor findet in seiner &#8222;Neuhochdeutschen Metrik&#8220; gro\u00dfe Worte in Bezug auf Goethes Knittelvers:<\/p>\n<p><em>Was die Kunstdichtung im Spa\u00df ersonnen, wurde im Faust von Goethe der erhabenste Ernst. Es war aber auch sonst ein gro\u00dfer Augenblick in der Geschichte unserer Metrik, als Goethe den Knittelvers aufnahm. Hier, und nicht bei Opitz, nicht bei Voss und den Schlegel ist die Urtat und die Sch\u00f6pfungstat zu suchen. Zum ersten Mal hat sich hier ein Dichter nicht aus Laune und zum blo\u00dfen Spiel, sondern in den weihevollsten Stunden, in denen er den Besuch der h\u00f6chsten Musen empfing, nicht dem n\u00fcchternen Schema oder gar einer halb wahren, halb falschen Theorie, sondern allein dem Geh\u00f6r anvertraut!<\/em><\/p>\n<p>Urtat. Ein wahrhaft gro\u00dfes Wort &#8230; Aber eben auch nicht ganz falsch, denke ich?! Trotzdem gehe ich auch in diesem Beitrag noch nicht auf die Knittelverse im Faust ein, sondern belasse es bei einem kleinen, recht bekannten Epigramm Goethes!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Aus einer gro\u00dfen Gesellschaft heraus<br \/>\nGing einst ein stiller Gelehrter zu Haus.<br \/>\nMan fragte: Wie seid Ihr zufrieden gewesen?<br \/>\n&#8222;W\u00e4rens B\u00fccher&#8220;, sagt er, &#8222;ich w\u00fcrd sie nicht lesen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ersten beiden Verse sind am Anfang nicht ganz eindeutig in der Bewegung?<\/p>\n<p><strong>Aus<\/strong> einer <strong>gro<\/strong>\u00dfen Ge<strong>sell<\/strong>schaft her<strong>aus<\/strong><\/p>\n<p>Aus <strong>ei<\/strong>ner <strong>gro<\/strong>\u00dfen Ge<strong>sell<\/strong>schaft her<strong>aus<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ging<\/strong> einst ein<strong> stil<\/strong>ler Ge<strong>lehr<\/strong>ter zu <strong>Haus<\/strong>.<\/p>\n<p>Ging <strong>einst<\/strong> ein <strong>stil<\/strong>ler Ge<strong>lehr<\/strong>ter zu <strong>Haus<\/strong>.<\/p>\n<p>Da muss sich jeder nach dem eigenen Ohr die passenden Bewegungslinien ausw\u00e4hlen; ich denke, richtig falsch klingt keine?<\/p>\n<p>Der dritte Vers ist eindeutig, der vierte auch; jedenfalls, wenn man ihn vierhebig lesen will, was ja das Muster der ersten drei Verse nahelegt. Dann rutscht das &#8222;W\u00e4rens&#8220; in die (zweisilbige) Senkung:<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4rens <strong>B\u00fc<\/strong>cher&#8220;, <strong>sagt<\/strong> er, &#8222;ich <strong>w\u00fcrd<\/strong> sie nicht <strong>le<\/strong>sen.&#8220;<\/p>\n<p>Wer mag, kann den Vers aber auch f\u00fcnfhebig lesen:<\/p>\n<p>&#8222;<strong>W\u00e4<\/strong>rens <strong>B\u00fc<\/strong>cher&#8220;, <strong>sagt<\/strong> er, &#8222;ich <strong>w\u00fcrd<\/strong> sie nicht <strong>le<\/strong>sen&#8220;.<\/p>\n<p>Das bricht zwar mit dem Beispiel der ersten Verse, aber nun ja &#8230; Mir gef\u00e4llt es allerdings aus einem anderen Grunde nicht &#8211; so vorgetragen, bekommt der Vers am Anfang etwas sehr Steifes, fast schon Stechschrittartiges; und das passt nicht zum Rest? Au\u00dferdem ist das &#8222;B\u00fccher&#8220; ja viel wichtiger, ich finde, es macht mehr Sinn, schnell anzufangen und dann die Bewegung mit einem kr\u00e4ftigen &#8222;<strong>B\u00fc<\/strong>-&#8220; aufzufangen. Aber, wie gesagt: der M\u00f6glichkeiten sind viele, gerade beim Knittel; und auch die Geschwindigkeit des Vortrags spielt da eine Rolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jacob Minor findet in seiner &#8222;Neuhochdeutschen Metrik&#8220; gro\u00dfe Worte in Bezug auf Goethes Knittelvers: Was die Kunstdichtung im Spa\u00df ersonnen, wurde im Faust von Goethe der erhabenste Ernst. Es war aber auch sonst ein gro\u00dfer Augenblick in der Geschichte unserer Metrik, als Goethe den Knittelvers aufnahm. 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