{"id":1522,"date":"2014-04-21T00:03:01","date_gmt":"2014-04-20T22:03:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1522"},"modified":"2014-04-21T00:05:56","modified_gmt":"2014-04-20T22:05:56","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1522","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (32)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hexameter von Rudolf Borchardt<\/strong><\/p>\n<p>Rudolf Borchardts Gedichte schauen nach hinten, in die Vergangenheit; Der 1877 geborene Dichter suchte und fand immer eine Anbindung an die europ\u00e4ische Bildungs- und Dichtungstradition. So lesen sich dann auch seine Hexameter-St\u00fccke, es gibt viel antik-mythologisches zu bestaunen, und es schadet nichts, ein wenig Bildung mitzubringen. Aber auch in der Form macht es Borchardt seinen Lesern nicht immer leicht &#8211; Wortwahl, Satzbau, alles mitunter schwierig und gew\u00f6hnungbed\u00fcrftig. Die folgenden zwei Verse m\u00f6gen das veranschaulichen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass mich ein Aug, wie andere Br\u00e4utliche, dass mich ein Schrei doch,<br \/>\nWild und ein s\u00fc\u00dfer, ein einfacher h\u00e4tte, ein selger getroffen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber andererseits &#8211; l\u00e4sst man sich ein und liest notfalls drei- viermal, entwickeln die Verse schnell einen gewaltigen Sog. Bei diesen beiden ging es mir jedenfalls so!<\/p>\n<p>Sie stammen aus der &#8222;Klage der Daphne&#8220; (Zu finden in Rudolf Borchardt, Gedichte, Klett-Cotta 1957, S. 180 &#8211; 185), in der geklagt wird nat\u00fcrlich \u00fcber Apollo; an einer Stelle begegnet dieser dabei Hermes:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nebeneinander, Entsetzliche, standet ihr, gr\u00f6\u00dfer, als wir sind,<br \/>\nHarte Gew\u00e4ltiger, glei\u00dfender Haut, mit lachenden Z\u00e4hnen<br \/>\nZwischen dem schwelgenden Munde, Verzehrende, Flammengeschwister,<br \/>\nUnd ihr beredetet euch, \u00fcber mich, in eigener Sprache.<br \/>\nFurchtbar m\u00fcssen sie sein so wie ihr, euch willige Br\u00e4ute,<br \/>\nGro\u00dfe und lachende M\u00e4dchen des Zufalls, brennende Dirnen<br \/>\nOhne ein Herz in Br\u00fcsten, in deren vergessende Arme<br \/>\nUnd in den Scho\u00df ihr Brennende fahrt zu gewitternder Hochzeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lest das doch einfach mal jemandem vor (ein- oder zweimaliges \u00dcben zuvor schadet nicht) &#8211; meiner Erfahrung nach erntet man da, \u00e4h, <em>interessante<\/em> Reaktionen &#8230;<\/p>\n<p>Dabei ist das noch recht einfach gestaltet und die &#8222;Klage&#8220; selbst im Vergleich auch. In &#8222;Der ruhende Herakles&#8220; (S. 539 &#8211; 560) gibt es ganze Abschnitte, die so seltsam verschachtelt sind, dass man beim ersten Lesen kein einziges Wort versteht &#8230; Aber auch daraus gebe ich ein halbwegs verst\u00e4ndliches Beispiel. Herkules unterh\u00e4lt sich mit einem Landmann, als der den etwas verwunderlichen Vers spricht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber gebeten sein und bedankt sein wollen wir M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung folgt aber gleich im n\u00e4chsten Vers &#8211; in Wirklichkeit ist der &#8222;Landmann&#8220; Athene, und die l\u00e4sst nun die Verkleidung fallen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sprachs, und wie aus Neblichem her der unsterbliche Berg ahnt<br \/>\nErst noch ein Schatte und dann schon gewiss und endlich und g\u00e4nzlich<br \/>\n\u00dcber dem niedergeflossenen Tau der Begeisterte aufsteht:<br \/>\nAlso zerliefs am Stecken und schwebte zu Golde der Speer auf &#8211;<br \/>\nHinter der Hundschnur d\u00e4mmert&#8216; es gro\u00df und umblaute die \u00c4gis<br \/>\nReglose Br\u00fcste, und unter und \u00fcber dem Goldhaar, heilig<br \/>\nStr\u00f6mte der Bann, der Gorgo Blick und das einsame L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hui. Das muss man nicht m\u00f6gen, aber eine gewisse Anziehungskraft kann man derlei Versen und Inhalten eigentlich kaum absprechen?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hexameter von Rudolf Borchardt Rudolf Borchardts Gedichte schauen nach hinten, in die Vergangenheit; Der 1877 geborene Dichter suchte und fand immer eine Anbindung an die europ\u00e4ische Bildungs- und Dichtungstradition. So lesen sich dann auch seine Hexameter-St\u00fccke, es gibt viel antik-mythologisches zu bestaunen, und es schadet nichts, ein wenig Bildung mitzubringen. 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