{"id":1529,"date":"2014-04-22T00:08:23","date_gmt":"2014-04-21T22:08:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1529"},"modified":"2014-04-22T00:08:23","modified_gmt":"2014-04-21T22:08:23","slug":"die-bewegungsschule-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1529","title":{"rendered":"Die Bewegungsschule (14)"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber den Vers sollte in den bisherigen Folgen alles Grundlegende gesagt sein. Ich springe daher noch mal zur\u00fcck an den Anfang; zu den Sinneinheiten, aus denen sich der Vers aufbaut. Eine grundlegende Frage ist da die nach &#8222;Wiederholung und Abwandlung&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Wiederholung&#8220; meint die erneute Nutzung einer schon verwendeten rhythmischen Einheit; das verst\u00e4rkt die Wirkung der Einheit, birgt aber die Gefahr, dass das Ohr vom &#8222;immer gleichen&#8220; auch gelangweilt wird, dass die Aufmerksamkeit nachl\u00e4sst. &#8222;Abwandlung&#8220; meint die Nutzung einer bisher noch nicht verwendeten rhythmischen Einheit; das erfreut das Ohr, weil es Neues zu h\u00f6ren bekommt, schw\u00e4cht aber den Eindruck von Geschlossenheit, den ein Vers, ein Text haben sollte.<\/p>\n<p>Die Wahrheit liegt wie \u00fcblich in der Mitte, und die Kunst besteht darin, &#8222;Wiederholung&#8220; und &#8222;Abwechslung&#8220; in Einklang zu bringen!<\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fcr die verst\u00e4rkende Kraft der Wiederholung m\u00f6chte ich hier zwei kurze Gedichte von Toyotama Tsuno vorstellen, \u00fcbersetzt von Manfred Hausmann und zu finden in &#8222;Japanische Lyrik&#8220;, Arche 1974, auf Seite 103; geradwegs untereinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als heute Nacht<br \/>\ndeine Hand nach mir suchte,<br \/>\ndachte ich, du seist wach.<br \/>\nEs geschah aber im Schlaf.<br \/>\nDoppeltes Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Worum es mir geht, ist die Schlusszeile. Von der Bewegung her ist das ein <strong>TAM<\/strong>tata<strong>TAM<\/strong>, und das ist, wie schon erw\u00e4hnt, eine der deutlichsten Bewegungen, die es im Deutschen gibt; und so schlie\u00dft sie hier das Gedicht auch klar und nachdr\u00fccklich. Im Vergleich dazu nun das zweite Gedicht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ton der Tempelglocke<br \/>\nvon jenseits der Bucht:<br \/>\ndass er verklingt, macht ihn so sch\u00f6n.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier steht in der Schlusszeile das <strong>TAM<\/strong>tata<strong>TAM<\/strong> zweimal, und die Wirkung verst\u00e4rkt sich durch die Wiederholung betr\u00e4chtlich, der Schluss wirkt sehr bestimmt und \u00fcberzeugend; so, als k\u00f6nne das Gedicht hier nur zu Ende sein!<\/p>\n<p>Eigentlich ist diese Bewegung sogar dreimal zu h\u00f6ren, ansatzweise zumindest; denn das &#8222;von jenseits der Bucht&#8220; der zweiten Zeile unterscheidet sich ja nur durch das lose vorangestellte &#8222;von&#8220;, so dass &#8222;jeseits der Bucht&#8220;, <strong>TAM<\/strong>tata<strong>TAM<\/strong>, zumindestens anklingt?!<\/p>\n<p>Auf jeden Fall zeigen solche Beispiele, dass es auch in nichtmetrischen Gedichten lohnt, \u00fcber Versbewegung nachzudenken.<\/p>\n<p>(&#8222;Japanische Lyrik ist \u00fcbrigens ein sch\u00f6ner Band; mit einem sch\u00f6nen Nachwort von Manfred Hausmann, auch. Das neue &#8222;Das Wort&#8220; stammt daraus.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Vers sollte in den bisherigen Folgen alles Grundlegende gesagt sein. Ich springe daher noch mal zur\u00fcck an den Anfang; zu den Sinneinheiten, aus denen sich der Vers aufbaut. 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