{"id":1563,"date":"2014-04-26T00:14:09","date_gmt":"2014-04-25T22:14:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1563"},"modified":"2014-04-27T15:27:26","modified_gmt":"2014-04-27T13:27:26","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1563","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (33)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Paul Heyses &#8222;Thekla&#8220; (1)<\/strong><\/p>\n<p>Ein Hexameter-Epos, das ich im Moment mal wieder lese. Ich wei\u00df nicht wirklich, was ich davon halten soll &#8230; Die Hexameter sind jedenfalls sch\u00f6n, ein wenig zu sehr am antiken Hexameter entlang gedacht, vielleicht, aber das f\u00e4llt gar nicht auf. Ich schreibe einfach mal zu jedem Gesang einen kurzen Beitrag und wei\u00df dann vielleicht am Ende mehr?!<\/p>\n<p>Heyse entfernt sich nicht allzuweit von der zugrundeliegenden Heiligenlegende. Im ersten Gesang wandern ein Grieche und ein Einheimischer nach Ikonium; Dabei treffen sie auf einen Christen, der sich ihnen anschlie\u00dft. Als sie in der Stadt eintreffen, feiert man gerade ein Fest zu Ehren der Kybele.<\/p>\n<p>Auf der Wanderung erz\u00e4hlt der Grieche von einem Mann, der ein Kalb am Strick f\u00fchrt, doch pl\u00f6tzlich:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>St\u00fcrmt uns hoch von der Matte zu Tal mit freudigem Br\u00fcllen<br \/>\nEine gewaltige Kuh wie toll und t\u00f6rig entgegen.<br \/>\nFest auf das Tierlein war ihr gl\u00e4nzendes Auge geheftet,<br \/>\nDenn sie glaubt es das ihre. Nun war das herrlich zu schauen,<br \/>\nWie aus strotzendem Euter, gewaltsam schwankend im Laufe,<br \/>\nIn vier Strahlen die Milch, ein lebendiger Brunnen, herausschoss<br \/>\n\u00dcber die Blumen und Gr\u00e4ser, ein Bild kraftspr\u00fchenden Reichtums.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entgegen allem, was diese Zeilen vermuten lassen, ist das Epos fast vollst\u00e4ndig humorfrei!<\/p>\n<p>Zum Versbau m\u00f6chte ich nur eine Sache anmerken:<\/p>\n<p>Es ist ja nicht nur, aber besonders auch im Hexameter so, dass innerhalb des Verses die metrischen Grenzen nicht mit den Sinn- und Wortgrenzen zusammenfallen sollten, weil der Vers sonst an zu &#8222;klappern&#8220; f\u00e4ngt, sprich: eint\u00f6nig wird. Ich leihe mir als Beispiel einen Hexameter von Albrecht Schaeffer:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gotthold Efraim Sebulon Sundermann, Meister des Schuhwerks<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier fallen die Wortgrenze bei den ersten vier F\u00fc\u00dfen immer mit den Grenzen der metrischen Einheiten zusammen:<\/p>\n<p><strong>Gott<\/strong>hold \/ <strong>Ef<\/strong>raim \/ <strong>Se<\/strong>bulon \/ <strong>Sun<\/strong>dermann, \/ <strong>Meis<\/strong>ter des \/ <strong>Schuh<\/strong>werks<\/p>\n<p>Und es leuchtet ein, dass, sollte solcherlei mehrere Verse hindurch geschehen, von der im Hexameter geforderten Abwechslung keine Rede mehr sein kann. Heyse handhabt das nat\u00fcrlich besser:<\/p>\n<p><strong>In<\/strong> vier \/ <strong>Strah<\/strong>len die \/ <strong>Milch<\/strong>, <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> ein le- \/ <strong>ben<\/strong>diger \/ <strong>Brun<\/strong>nen, her- \/ <strong>aus<\/strong>schoss<\/p>\n<p>In diesem Vers decken sich metrische Einheit und Sinn- bzw. Worteinheit nie! Diese Spannung ist eines der Dinge, die den Vers so lebendig wirken lassen.<\/p>\n<p>Bei Heyse kommen der Christ und der Grieche, der sich als Philosoph herausstellt, ins Gespr\u00e4ch. Gewichtige Dinge werden verhandelt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur das Gemeine verwandelt sich nicht und das Niedre vergeht nicht.<br \/>\nMit sich eins ist der einzelne nur. Wie Bl\u00e4tter des Waldes<br \/>\nSind die Gedanken der V\u00f6lker. Die heut in Bl\u00fcte gestanden,<br \/>\n\u00dcber das Jahr am Boden verfaulen sie, und der Geringste<br \/>\nTritt sie mit b\u00e4urischem Fu\u00df in den Staub, weil \u00fcber dem Haupt ihm<br \/>\nNeues unendliches Laub um die Bl\u00fcte der Zukunft gaukelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im letzten Vers verzichtet Heyse auf die \u00fcbliche Schlussformel &#8222;<strong>X<\/strong> x x \/ <strong>X<\/strong> x&#8220;: &#8222;<strong>Zu<\/strong>kunft \/ <strong>gau<\/strong>kelt&#8220;. Das ist aber eine seltene Ausnahme!<\/p>\n<p>Am Ende des Gesangs sind aber alle Philosophirereien vergessen und die drei betrachten den Festumzug, der<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich erschien um die Kr\u00fcmme des Wegs. Wie helles Get\u00fcmmel<br \/>\nRasender Bienen sich dr\u00e4ngt um den brennenden Korb in der Nachtluft,<br \/>\nSo vielh\u00e4uptig umgab die schw\u00e4rmende Menge der G\u00f6ttin<br \/>\nWandernden Thron. Kienfackeln, im Kreis umwirbelnd, verspr\u00fchten<br \/>\nBlutigen Schein, und die Cymbel erklang zu den Fl\u00f6ten und H\u00f6rnern,<br \/>\nW\u00e4hrend die tobende Pauke die fiebernden Sinne verwirrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tja, auch in der Antike wusste man zu feiern &#8230; Beachtlich die vielen Partizipien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Heyses &#8222;Thekla&#8220; (1) Ein Hexameter-Epos, das ich im Moment mal wieder lese. Ich wei\u00df nicht wirklich, was ich davon halten soll &#8230; Die Hexameter sind jedenfalls sch\u00f6n, ein wenig zu sehr am antiken Hexameter entlang gedacht, vielleicht, aber das f\u00e4llt gar nicht auf. Ich schreibe einfach mal zu jedem Gesang einen kurzen Beitrag und&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1563\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (33)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-1563","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1563","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1563"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1563\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1579,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1563\/revisions\/1579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1563"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}