{"id":160,"date":"2013-12-15T14:11:58","date_gmt":"2013-12-15T12:11:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=160"},"modified":"2013-12-21T03:01:28","modified_gmt":"2013-12-21T01:01:28","slug":"das-koenigreich-von-sede-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=160","title":{"rendered":"Das K\u00f6nigreich von Sede (5)"},"content":{"rendered":"<p>Eingebettet in Stille, umh\u00fcllt von b\u00e4umischem D\u00e4mmer<br \/>\nEndlich, endlich! den Schrei der Gr\u00fcbeleule zu h\u00f6ren,<br \/>\nJust wenn des Daseins Zweck dem sinnenden Vogel sich aufschlie\u00dft:<br \/>\nHat sich des K\u00f6nigs Seher, hat Pulverfass sich begeben<br \/>\nTief in den alten Wald, in sein Herz, zu den B\u00e4umen der Vorzeit.<br \/>\nAlle die Stunden ging er des Tags, und wurde der Welt fremd;<br \/>\nAlle die Stunden sa\u00df er der Nacht, ein unendliches Lauschen;<br \/>\nH\u00f6rt, was zu h\u00f6ren sein Wunsch war, und ahnt, was am Grunde des Schreis ruht.<\/p>\n<p>Traurig kehrte zur\u00fcck aus dem Wald, und fr\u00f6hlich! der Seher,<br \/>\nPulverfass, der nah am <em>Tintenf\u00e4sschen<\/em> die Schatten<br \/>\nHinter sich lie\u00df der B\u00e4ume, die Kneipe betrat; und nach Wein rief.<\/p>\n<p>Wein war verlangt, und Wein ward gebracht, und immer noch mehr Wein,<br \/>\nBis zu Beginn der Nacht, im Licht des Monds und der Sterne,<br \/>\nPulverfass, der Seher, von Wein und von Ahnungen trunken,<br \/>\nHeimw\u00e4rts wankte, und schwankend kam: hin zum <em>Trinkerschicksal<\/em>,<br \/>\nEiner Verzweigung des Wegs, so genannt, weil der Weg hin zum Schlosstor<br \/>\nLinks von ihr abging, rechts jedoch: der zur Jauchegrube.<br \/>\nKehrte ein Zecher heim vom <em>Tintenf\u00e4sschen<\/em>, so gab ihm,<br \/>\ngab dem gesamten Schloss nicht anzuzweifelnde Antwort<br \/>\nAuf die Frage, ob angeheitert, ob v\u00f6llig besoffen<br \/>\nEr sich der Heimat n\u00e4hrt: die mit Weisheit gesegnete Gablung.<\/p>\n<p>Antwort gab sie auch diesmal, gab Pulverfass ihre Antwort<br \/>\nUnd dem gesamten Schloss, als hoch auf die Mauern, zur Wache:<br \/>\nJauche, in die etwas st\u00fcrzt, und ein angewiderter Schrei drang.<\/p>\n<p>Wenige Schritte entfernt, am Graben, hatte Prinz Klappstuhl<br \/>\nDieses vernommen; er riss sein Denken vom Denken der Fr\u00f6sche<br \/>\nLos und rannte zur Grube, und holte dabei aus der Tasche:<br \/>\nW\u00e4schekammern, ein Paar. Ein solches trug jeder, dem einmal<br \/>\nAntwort gegeben hatte der Gabelung tiefere Weisheit,<br \/>\nBei sich. Die eine dr\u00fcckte der Prinz auf die eigene Nase;<br \/>\nStreckte die Hand aus und zog den Seher mit Schwung aus der Grube;<br \/>\nNahm dann die zweite und setzte sie Pulverfass auf die Nase.<br \/>\nSchweigend standen sie nun, und kamen zu Atem; doch schlie\u00dflich<br \/>\nFragte der Prinz, die Stimme erf\u00fcllt von leicht n\u00e4selnder Neugier:<\/p>\n<p>&#8222;Sag mal &#8211; ein Seher zu sein, was bringt das, wenn solcherlei &#8230; <em>Ungl\u00fcck<\/em><br \/>\nNicht vorhersehbar ist, und also nicht zu verhindern?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Klappstuhl, Junge&#8220;, begann nicht nur n\u00e4selnd: auch lallend der Seher,<br \/>\n&#8222;Alles vorherzusehen, verlangte, zu jeder Minute<br \/>\n\u00dcber die Kugel gebeugt zu schauen die eigene Zukunft;<br \/>\nAber was g\u00e4b&#8217;s dann zu sehen? Nur mich, der ich \u00fcber die Kugel<br \/>\nHingebeugt bin, und mich drin sehe, wie \u00fcber die Kugel &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Pulverfass verstummte, und w\u00e4hrend der Prinz noch versuchte,<br \/>\nSchlau zu werden aus dem, was der Seher ihm eben verk\u00fcndet:<br \/>\nTrat ihm dieser so fest, wie sein Rausch es irgend erlaubte,<br \/>\nAuf den Fu\u00df, und ein Schrei! drang, laut und vernehmlich, zum Schloss hin,<br \/>\nDrang auch zum <em>Tintenf\u00e4sschen<\/em>, und weiter zum alten Wald noch,<br \/>\nTief hinein, nun schon leis&#8216;, und doch zweifelsfrei: eine Antwort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eingebettet in Stille, umh\u00fcllt von b\u00e4umischem D\u00e4mmer Endlich, endlich! den Schrei der Gr\u00fcbeleule zu h\u00f6ren, Just wenn des Daseins Zweck dem sinnenden Vogel sich aufschlie\u00dft: Hat sich des K\u00f6nigs Seher, hat Pulverfass sich begeben Tief in den alten Wald, in sein Herz, zu den B\u00e4umen der Vorzeit. 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