{"id":1623,"date":"2014-05-03T00:00:39","date_gmt":"2014-05-02T22:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1623"},"modified":"2014-06-02T19:46:31","modified_gmt":"2014-06-02T17:46:31","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1623","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (28)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Die letzte Kornblume&#8220; von Klabund ist nicht wirklich ein Fr\u00fchlingsgedicht; aber hier geht es ja auch mehr um die gew\u00e4hlte Form. Und da zeigt sich, es ist keines jener Blankvers-Gedichte, die den Vers durchg\u00e4ngig umsetzen; vielmehr beginnt der Text mit vier gew\u00f6hnlichen Blankversen, um dann, mit dem dem &#8222;pl\u00f6tzlich&#8220; des f\u00fcnften Verses, der ein Vierheber ist, vom Blankvers &#8222;pl\u00f6tzlich&#8220; nichts mehr wissen zu wollen: Der sechste Vers ist zwar ein F\u00fcnfheber, doch mit doppeltem Auftakt; und dann folgen ein Siebenheber, ein Sechsheber und ein Dreiheber, ehe der Text wieder in\u00a0 den Blankvers zur\u00fcckf\u00e4llt und ihn auch durchh\u00e4lt, mit Freiheiten, die das \u00fcbliche Ma\u00df nicht \u00fcberschreiten. Nur der &#8222;Sensenmann&#8220; bekommt noch einen hervorgehobenen, einen vierhebigen Vers!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie ging, den Weg zu k\u00fcrzen, \u00fcbers Feld.<br \/>\nEs war gem\u00e4ht. Die \u00c4hren eingefahren.<br \/>\nDie braunen Stoppeln stachen in die Luft,<br \/>\nAls h\u00e4tte sich der Erdgott schlecht rasiert.<br \/>\nSie ging und ging. Und pl\u00f6tzlich traf sie<br \/>\nAuf die letzte blaue Blume dieses Sommers.<br \/>\nSie sah die Blume an. Die Blume sie. Und beide dachten<br \/>\n(Sofern die Menschen denken k\u00f6nnen, dachte die Blume&#8230;)<br \/>\nDachten ganz das gleiche:<br \/>\nDu bist die letzte Bl\u00fcte dieses Sommers,<br \/>\nDu bl\u00fchst, von lauter totem Gras umgeben.<br \/>\nDich hat der Sensenmann verschont,<br \/>\nDamit ein letzter lauer Bl\u00fctenduft<br \/>\n\u00dcber die abgestorbene Erde wehe \u2014<br \/>\nSie b\u00fcckte sich. Und brach die blaue Blume.<br \/>\nSie rupfte alle Bl\u00fctenbl\u00e4tter einzeln:<br \/>\nEr liebt mich \u2013 liebt mich nicht \u2013 er liebt mich &#8230; nicht. \u2014<br \/>\nDie blauen Bl\u00fctenfetzen flatterten<br \/>\nWie Himmelsfetzen \u00fcber braune Stoppeln.<br \/>\nIhr Auge gl\u00e4nzte feucht \u2013 vom Abendtau,<br \/>\nDer k\u00fchl und silbern auf die Felder fiel<br \/>\nWie aus des Mondes Silberhorn gesch\u00fcttet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inwieweit das alles dem Inhalt dient, ist mir nicht g\u00e4nzlich klar?! Aber genug, zu sehen, wie der Blankvers hier sich verwirklicht, dort als mitgeh\u00f6rte Bezugsgr\u00f6\u00dfe sich bew\u00e4hrt und dem Text eine sch\u00f6ne Lebendigkeit sichert. Braune Stoppeln und Blankverse an Anfang und Ende, und dazwischen einige Lockerungen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die letzte Kornblume&#8220; von Klabund ist nicht wirklich ein Fr\u00fchlingsgedicht; aber hier geht es ja auch mehr um die gew\u00e4hlte Form. 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