{"id":1635,"date":"2014-05-05T00:51:22","date_gmt":"2014-05-04T22:51:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1635"},"modified":"2014-05-05T00:52:26","modified_gmt":"2014-05-04T22:52:26","slug":"buecher-zum-vers-29","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1635","title":{"rendered":"B\u00fccher zum Vers (29)"},"content":{"rendered":"<p><strong>G\u00fcnter H\u00e4ntzschel:<br \/>\nJohann Heinrich Vo\u00df. Seine Homer-\u00dcbersetzung als sprachsch\u00f6pferische Leistung.<\/strong><\/p>\n<p>Ein bis an den Rand mit wissenswertem gef\u00fclltes Buch, finde ich. Den Anfang macht eine Beschreibung der vor Vo\u00df liegenden Versuche der Homer-\u00dcbersetzung; daran schlie\u00dft sich eine Beschreibung der Homer-Vorstellung von Vo\u00df an sowie eine Beschreibung seiner Hexameter-Auffassung.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr mich lesenswerteste Teil ist dann der dritte, &#8222;Charakteristika der Vo\u00df&#8217;schen \u00dcbersetzersprache&#8220;, in dem &#8222;Metrische Analysen&#8220;, &#8222;Grammatikalisch-stilistische Analysen&#8220; und Wortschatzanalysen&#8220; einen tiefen Blick in die \u00dcbersetzungstechnich von Vo\u00df erlauben, und auch vieles bedenkenswerte \u00fcber den Hexameter vermitteln.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend wird dann Vo\u00df&#8216; \u00dcbersetzung noch historisch eingeordnet und ein \u00dcberblick \u00fcber ihre Aufnahme gegeben, ehe zum Schluss auf ihr Weiterleben und -wirken eingegangen wird. Wie gesagt: Viel Lese- und Denkstoff!<\/p>\n<p>Wer also schon immer wissen wollte, wie Voss zu der oft fremd wirkenden Gestalt seiner Verse kam, oder sich ein lebendiges Bild \u00fcber den qualitativen Genitiv machen m\u00f6chte wie etwa in:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rings nun setzten sich all&#8216; in Ordnungen, dort wo sich jeder<br \/>\n<em>Rosse gehobenen Hufs<\/em>, und gebildete Waffen gereihet<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; hier ist er richtig. Zu diesen beiden Versen merkt H\u00e4ntzschel auf S. 120 an, in Bezug auf A. W. Schlegels Kritik an dieser Art Genitiv:<\/p>\n<p><em>Man k\u00f6nne allenfalls die Rosse<\/em> laufen <em>gehobenen Hufes sagen, d\u00fcrfe jedoch bei der Erw\u00e4hnung ihrer blo\u00dfen Eigenschaft auf ein Pr\u00e4positionalgef\u00fcge, &#8218;Rosse mit gehobenem Hufe&#8216;, nicht verzichten. Der rationalistische Einwand, dass hier \u00fcberdies die stillstehenden Rosse ihre Hufe ja tats\u00e4chlich gar nicht heben, dass es sich vielmehr nur grunds\u00e4tzlich um &#8217;schnelle Rosse&#8216; handele, zeugt von dem hohen Abstraktionsgrad der deutschen Sprache, deren Normen die Rezensenten respektieren, w\u00e4hrend es Vo\u00df im Gegensatz zu ihnen darum zu tun ist, sie zu sprengen. Wenn Vo\u00df n\u00e4mlich den &#8218;fertigen&#8216; Begriff &#8217;schnelle Rosse&#8216; vermeidet und analog dem sinnlichen Prinzip der griechischen Sprache die Schnelligkeit in einem anschaulichen Bild vermittelt, das aus der Bewegung der Rosse gewonnen ist, bei der diese tats\u00e4chlich &#8218;die Hufe hebend&#8216;, also &#8222;gehobenen Hufs&#8220; sichtbar sind, und wenn er dieses Bild dann auf ihre Eigenschaft \u00fcbertr\u00e4gt, so leitet ihn wieder die Intention, die abstrakte Sprache zu verj\u00fcngen; statt des begrifflichen Resultats (&#8217;schnell&#8216;) greift Voss auf die von solcher Abstraktion noch freie konkrete Ursache (&#8222;gehobenen Hufs&#8220;) zur\u00fcck, die erst im Nachhinein zu jenem Resultat f\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht\u00a0 &#8222;gewaltsam&#8220;, aber wirkungsvoll versucht Vo\u00df,<\/p>\n<p><em>die im Zeitalter der Ratio verlorengegangene Urspr\u00fcnglichkeit fr\u00fcherer Kulturen, ihren sinnlichen Aussagewert, wiederherzustellen.<\/em><\/p>\n<p>Ob das sinnvoll ist, wie es erreicht werden kann &#8211; auch alles das verhandelt dieses 1977 bei Beck erschienene Buch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnter H\u00e4ntzschel: Johann Heinrich Vo\u00df. 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