{"id":1644,"date":"2014-05-06T00:04:31","date_gmt":"2014-05-05T22:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=1644"},"modified":"2014-05-06T00:04:31","modified_gmt":"2014-05-05T22:04:31","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=1644","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (35)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Paul Heyses &#8222;Thekla&#8220; (3)<\/strong><\/p>\n<p>Der dritte Gesang beginnt mit einem Aufruhr vor Theklas j\u00fcdisch-christlichem Nachbarhaus: Der am Tag zuvor gekommene Apostel predigt, zur Begeisterung der Christen und zur Emp\u00f6rung der Heiden. Sein Reisebegleiter vom Vortag, der Goldschmied Hermogenes, kommt her\u00fcber zu Theklas Mutter Theoklia und berichtet. Zum Beispiel \u00fcber die Emp\u00f6rung vor der T\u00fcr des Nachbarhauses:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ein st\u00e4mmiger Bursch schrie laut und ballte die F\u00e4uste:<br \/>\nMemmengeschw\u00e4tz! Gebt Raum! Und s\u00e4\u00df ein Dutzend D\u00e4monen<br \/>\nUnter dem Sch\u00e4del des Schurken, ich schl\u00fcg ein Loch in die Zelle,<br \/>\nDass sie eilten, woanders und ruhiger unterzukommen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht &#8222;Macht Platz&#8220;, oder &#8222;Zur Seite&#8220;, oder &#8222;weg da&#8220;, sondern: <em>Gebt Raum<\/em>! Mmmm&#8230; Alleine f\u00fcr diesen Ausdruck hat sich das Lesen schon gelohnt. &#8222;Sch\u00e4del&#8220;, &#8222;Schurken&#8220;, &#8222;schl\u00fcg&#8220; erinnert mich daran, dass ich mal ausprobieren wollte, wie sich der Hexameter als Stabreimgrundlage macht &#8230;<\/p>\n<p>Jedenfalls halten die Einwohner den Apostel f\u00fcr einen mit D\u00e4monen verb\u00fcndeten Zauberer:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liefert den Zauberer aus! Heraus mit dem Judenpropheten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als der Apostel sich wirklich zeigt, bekommt der &#8222;st\u00e4mmige Bursch&#8220; einen Anfall und w\u00e4lzt sich zuckend in der Gasse. Theklas Mutter ist von alledem&#8230; nicht angetan. Sie eilt zur Kammer der Tochter &#8211; und findet sie weit aus dem Fenster gelehnt, um besser h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Die Mutter ist entsetzt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kind, vom Fenster zur\u00fcck! Was hast du getan? Der Bezaubrung<br \/>\nGabst du dich preis, unwissend, wie finsterer Macht du anheimf\u00e4llst!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Tochter sieht das anders. Sie sagt \u00fcber die Predigt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mutter, ich kann nicht sagen, wie wohl mir ward. Die Gedanken<br \/>\nSchweben so leicht; mir ist, ich sei vom Tode genesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man beim Amphibrach auch unterschiedlicher Meinung sein kann, bei einer anderen \u00fcber dem Grundmetrum h\u00f6rbaren rhythmischen Einheit sind sich alle einig. &#8222;<strong>X<\/strong> x x <strong>X<\/strong>&#8222;, der Choriambus, gilt als eine der sch\u00f6nsten rhythmischen Figuren der deutschen Sprache! Hier wird sie sowohl von der Mutter (<strong>Gabst<\/strong> du dich <strong>preis<\/strong>) als auch von der Tochter (<strong>Schw<\/strong>eben so <strong>leicht<\/strong>) benutzt, die jeweiligen Verse haben aber trotzdem einen sehr verschiedenen Klang.<\/p>\n<p>Theoklia l\u00e4sst Thamyris rufen und klagt dem Noch-Verlobten ihr Leid. Der erweist sich aber als der Depp, den man in ihm schon vermutet hatte:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ists nicht Diese, so sind zehn Andere, die sich die Augen<br \/>\nL\u00e4ngst ausgaffen nach mir. Nun will ich hinauf zu der N\u00e4rrin;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und damit l\u00e4sst er die Mutter stehen. Thekla k\u00fcndigt dem W\u00fctenden die Verlobung auf und schlie\u00dft mit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fahre du wohl, und m\u00f6gen dich gl\u00fcckliche Sterne geleiten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So h\u00fcbsch w\u00fcrde man das heutzutage wohl nicht mehr ausdr\u00fccken &#8230; Beachtenswert aber auch hier der Choriambus (<strong>Fah<\/strong>re du <strong>wohl<\/strong>) und die Z\u00e4sur nach &#8222;m\u00f6gen&#8220;; die ist zwar schwach, aber wenn man da keine kurze Pause spricht, klingt der Vers gar nicht?!<\/p>\n<p>Thamyris, jetzt noch viel w\u00fctender, st\u00fcrzt zum Nachbarhaus, um dem Apostel an den Kragen zu gehen; dabei l\u00e4uft er dem Philosophen, der am Vortag mit dem Apostel und dem Goldschmied in die Stadt gekommen war, in die Arme. Demas (so des Philosophen Name) h\u00e4lt ihn auf und f\u00fchrt ihn fort; aber nur, damit Thamyris nicht zu Schaden kommt, nicht, weil er das Christentum sch\u00e4tzt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was, seit Menschen gelebt, noch einzig der M\u00fche des Lebens<br \/>\nWert schien, edler Genuss und herzliche Freude der Sinne,<br \/>\nToll ists, das zu verachten, sich des zu sch\u00e4men, ein Wahnsinn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;<strong>e<\/strong>dler Ge<strong>nuss<\/strong>&#8222;. &#8222;<strong>Mem<\/strong>menge<strong>schw\u00e4tz<\/strong>!&#8220; ganz am Anfang war \u00fcbrigens auch so ein Choriambus. Wenn man erst einmal anf\u00e4ngt, darauf zu achten &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nein, ein M\u00e4rchen gesponnen und tapfer geglaubt und im Notfall<br \/>\nSich drauf kreuzigen lassen. Sie d\u00fcnken sich wunder wie edel,<br \/>\nWenn sie gen Himmel gestarrt und darob die H\u00e4lse gebrochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tja, wahrlich kein Christenfreund, wenn auch aus weniger abergl\u00e4ubischen Gr\u00fcnden als das einfache Volk&#8230;. Jedenfalls zieht er mit Thamyris ab, um die Dinge juristisch anzugehen. Die Geschichte nimmt an Fahrt auf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Heyses &#8222;Thekla&#8220; (3) Der dritte Gesang beginnt mit einem Aufruhr vor Theklas j\u00fcdisch-christlichem Nachbarhaus: Der am Tag zuvor gekommene Apostel predigt, zur Begeisterung der Christen und zur Emp\u00f6rung der Heiden. Sein Reisebegleiter vom Vortag, der Goldschmied Hermogenes, kommt her\u00fcber zu Theklas Mutter Theoklia und berichtet. 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